Der disruptiv-destruktive Präsident

Michael Beck, Leiter Asset Management Ellwanger & Geiger / Foto: © Ellwanger & Geiger

Eines muss man dem neuen US-Präsidenten Trump lassen – er lässt keine Zeit verstreichen. Kein Tag vergeht, ohne dass medienwirksame Bilder von einer staatstragenden Unterschrift des neuen US-Präsidenten, die unter ein Dekret gesetzt wird, um die Welt gehen. Nachdem einige der ersten Entscheidungen darauf hindeuten, dass konjunkturstimulierende Maßnahmen ergriffen werden, reagierten die Märkte positiv. Eine dieser Entscheidungen betrifft die Wiederaufnahme des Baus einer Öl- Pipeline vom kanadischen Ölzentrum Calgary in die USA. Vom Vorgänger-Präsidenten Obama aus Umweltschutzgründen gestoppt, scheint die Marschrichtung klar zu sein. Wirtschaftsunterstützung um jeden Preis ist die Devise, ebenso wie die konsequente Rückabwicklung der Obama-Ära. In der Investmentbanking-Szene New Yorks herrscht ebenfalls seit langer Zeit wieder einmal Bonanza-Goldgräber-Stimmung, da die neue US-Administration plant, viele nach der Finanzkrise 2008 erlassenen Beschränkungen der US-Großbanken wieder aufzuweichen.

Das Vorgehen des US-Präsidenten mit dem Modewort „disruptiv“ zu belegen, erscheint plausibel, da in der Tat sämtliche althergebrachten Vorgehensweisen und Regeln gebrochen und durch neue ersetzt werden. Dabei stört es Donald Trump nicht, dass er regelmäßig internationale Partner vor den Kopf stößt. Die Frage wird sein, ob die neuen Vorgehensweisen und Regeln mit der Zeit ebenfalls wie im ursprünglichen wirtschaftlichen Zusammenhang erfolgreicher als die alten sein werden. Oder ob sie, wie viele befürchten, eher destruktiv wirken werden. Für die Entwicklung der Weltwirtschaft und die internationalen Kapitalmärkte wird dies entscheidend sein.

Kolumne von Michael Beck, Leiter Asset Management Ellwanger & Geiger