DAX und ESTOXX50 – Geht ihnen die Energie aus?

Krimkrise und der starke Euro sind für deutsche und europäische Unternehmen, besonders für den Export, derzeit eine signifikante Belastung. Gerade in einer Phase, in der sich die Olivenstaaten versuchen freizuschwimmen und die Emerging Markets an Geschwindigkeit verlieren. Wie steht es denn eigentlich um DAX & Co.?

Die Krim-Krise überschattet derzeit die europäischen Märkte. Russlands Wirtschaft ist mit der EU deutlich stärker verflochten als mit amerikanischen Unternehmen. Ein Indiz dafür sind die jüngsten Draw-Downs bei den Indices – der ESTOXX 50 büßte 6, der DAX 7 und der S&P500 lediglich 3 % von ihren Hochs in 2014 ein.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der aktuellen Krise dürften Russland stärker treffen als die EU, da Russlands Exporte in die EU laut ifo Institut 15, aber vice versa nur 1 % des BIPs betragen. Trotzdem wäre eine Entwarnung für die europäischen Finanzmärkte verfrüht. Die Ingangsetzung der gefürchteten Sanktionsspirale könnte energieintensive Unternehmen in Deutschland und der EU besonders hart treffen. Derzeit werden 40 % des Gas- sowie 35 % des Ölbedarfs aus Russland importiert. Weiterhin würden Firmen mit hoher Exportorientierung nach Osteuropa unter einer verschärften Krise leiden. Dies beträfe weniger den Nachfragerückgang, sondern eher etwaige Währungsverluste. Gerade die Vorzeigebranchen der deutschen Industrie wären besonders gefährdet, da sie knapp 60 % ihrer Güter- und Dienstleistungen nach Russland exportieren. Hierzu gehören der Maschinenbau sowie die Automobil- und Chemiebranche. Dies könnte den DAX gewaltig ins Trudeln bringen, da allein die drei großen DAX-Automobilwerte knapp 15 % Gewicht auf die Waage bringen.

Der ESTOXX50 wäre daher für den vorsichtigeren Anleger die solidere Alternative.
Neben der Krim-Krise dürfte der weiterhin starke Euro eine Belastung für die heimischen Unternehmen sein. Mit Notierungen über 1,35 USD/EUR ist in den schwachen Ländern der Euro-Zone die Schmerzgrenze überschritten. Der Ausblick der Volkswirte gibt keinen Anlass für einen starken Euro. Zwar wird sich die Wirtschaft in 2014 noch leicht beschleunigen, danach lässt sich der Trend aber nicht fortsetzen. Ein stärkeres Wachstum durch eine Exportausweitung dürfte aufgrund der derzeitigen Euro-Notierungen sehr unwahrscheinlich sein, die Binnennachfrage bleibt vermutlich zukünftig bestenfalls durchschnittlich. Dies könnte die EZB auf den Plan rufen, um mit einer expansiveren Geldpolitik die Euro-Stärke einzudämmen. Der viel diskutierte negative Einlagenzins könnte helfen, um den Euro in die gewünschte Richtung zu drücken. Als Folge dessen sollten europäische Börsen kurzfristig weiter haussieren, da sich immer mehr Anleger im Aktienbereich engagieren. Hier weist Europa ein immer noch attraktives Bewertungsverhältnis auf.

Summa summarum sollte es weiterhin volatil bei den genannten Indizes zugehen. Insbesondere der DAX könnte aufgrund seiner Branchenzusammensetzung stärker ins Wanken geraten. Mutige Anleger können bei Kursrücksetzern zugreifen, um anschließend von einer geldpolitischen Lockerung und einer Entspannung der politischen Lage besonders zu profitieren. Der Investor sollte sich allerdings im Klaren sein, dass die Notenbanken bei Krisen nicht immer als „lender of last resort” fungieren werden und können.

(Autor: Guido vom Schemm, Geschäftsführer GVS Financial Solutions GmbH)