DAX, Nasdaq und Co. sind nicht alles

Thomas Hünicke / Foto: © WBS Hünicke Vermögensverwaltung GmbH

Anleger sollten bei der Aktienauswahl nicht nur auf die Gewichtung von Unternehmen in den Medien zu schauen, sondern auf deren historischen und fundamentalen Daten und die Entwicklungsmöglichkeiten. Daher rückt der Blick vermehrt auf Small- und Midcaps.

Viele Investmentstrategien konzentrieren sich auf die großen Werte dieser Welt. Und grundsätzlich geht dies auch auf, schaut man sich die Entwicklung von Wertpapieren von Giganten wie Amazon, Apple, Alphabet und Co. an. Damit konnten Investoren in den vergangenen Jahren gute Gewinne erzielen. Dafür muss man sich nur die Wertentwicklung auf Drei-Jahressicht von Dax (18 Prozent), Dow Jones (50 Prozent) und Nasdaq (59 Prozent) anschauen. Auf der anderen Seite sind viele gewinnbringende Werte aktuell aber auch sehr hoch bewertet.

Daher rücken vermehrt Nebenwerte in den strategischen Fokus, auch Small- und Midcaps genannt. Sie sind vergleichsweise günstig, weisen aber dennoch erstaunliches Steigerungspotenzial auf. So ist der TecDAX beispielsweise seit Frühjahr 2016 um fast 64 Prozent gestiegen und hat in den vergangenen drei Monaten nach den Verlusten des vierten Quartals schon wieder rund sechs Prozent zugelegt. Der Smallcap-Index SDAX hat im Vergleichszeitraum rund 25 Prozent gewonnen.

Dort finden sich dann unter anderem Werte wie Aixtron, ein deutsches Elektrotechnikunternehmen mit Sitz in Herzogenrath, das Anlagen zur Herstellung von Verbindungshalbleitern und Nanomaterialien produziert. Aixtron hat binnen drei Jahren seinen Wert um mehr als 130 Prozent gesteigert und ist aktuell zu 7,80 Euro pro Aktie erhältlich. Oder DIC Asset, ein Immobilienunternehmen mit dem Fokus auf Gewerbeimmobilien: Neben ordentlichen Kurssteigerungen haben Investoren bei DIC in den vergangenen Jahren auch jährliche Dividenden zwischen vier und sieben Prozent realisiert. Für 2019 und 2020 werden rund 5,5 Prozent erwartet – und das für einen Preis von aktuell knapp zehn Euro pro Aktie.

In den kleineren Indizes finden sich also regelmäßig Erfolgsgeschichten, die abseits der Öffentlichkeit überragend abschneiden. Die Nemetschek Group zum Beispiel fördert die Digitalisierung in der Baubranche. Der TecDAX-Wert hat in den vergangenen fünf Jahren mehr als 860 Prozent Kurssteigerung hingelegt und trotz des schlechten Börsenjahres 2018 immer noch mehr als 50 Prozent gewonnen.

Ein anderes Beispiel ist die im CDAX gelistete Schweizer Electronic AG, ein weltweit agierendes Elektronik-Unternehmen und Marktführer in der Automotive-Sensorik mit Stammsitz in Schramberg. Schweizer Electronic entwickelt unter anderem Patenten mit Infineon und verfügt über eine solche Auslastung, dass das Unternehmen gerade in neues Werk in China errichtet, um dadurch in wenigen Jahren das dreifache Auftragsvolumen abbilden zu können. Der Aktienkurs hat in den nächsten viel Potenzial. Eine Kapitalerhöhung steht nicht an, sodass es keine Verwässerung der künftigen Erträge für die Aktionäre geben wird. In China wird das Unternehmen zudem sehr zinsgünstig über einheimische Banken finanziert; das verbilligt das Wachstum.

Für Anleger bedeutet dies, bei der Titelauswahl nicht nur auf die Gewichtung von Unternehmen in den Medien zu schauen, sondern vorrangig auf die Entwicklungsmöglichkeiten, die fundamentalen Daten und die historische Kursentwicklung. Dann lassen sich wirkliche Perlen in der Aktienlandschaft finden, die mehr Gewinn als Schlagzeilen bieten. Dax, Nasdaq und Co. sind eben nicht alles.

Kolumne von Thomas Hünicke,
geschäftsführender Gesellschafter der unabhängigen WBS Hünicke Vermögensverwaltung GmbH aus Düsseldorf