DAX: Korrektur oder Crash-Vorbote?

Andreas Kern, Gründer und CEO der wikifolio Financial Technologies AG / Foto: © Martina Draper

Ende Januar herrschte an den Börsen noch eitel Sonnenschein. Der DAX hatte bei rund 13.600 Punkten gerade ein neues Allzeithoch markiert und damit für einen viel versprechenden Jahresauftakt an den Aktienmärkten gesorgt. Mittlerweile ist die Euphorie aber wie weggeblasen.

Nach zwei heftigen Short-Attacken fiel der führende deutsche Aktienindex zu Monatsbeginn auf 11.830 Punkte, ein Minus von 13 Prozent gegenüber dem fünf Wochen zuvor erzielten Rekordstand. Trotz der anschließenden Erholung ist an den Börsen aber immer noch eine große Verunsicherung zu spüren. Viele Marktteilnehmer stellen sich die Frage, ob die kürzlichen Rückschläge eine ganz normale Korrektur der vorherigen Rally waren oder doch ein Vorbote eines längeren Abschwungs. wikifolio.com hat sich umgehört, wie Experten die aktuelle Entwicklung des DAX bewerten.

Sorge um Zinsen und Handelskrieg

Die auf wikifolio.com aktiven Vermögensverwalter der Mademann & Kollegen GmbH sind eher skeptisch. „Die Volatilität ist zurückgekehrt“, analysiert Gesellschafter Jens Poock. „Negative Nachrichten, die die Aktienmärkte in den vergangenen Jahren vorerst ignoriert haben, könnten an den Märkten im Jahr 2018 zu weiteren Kursrückgängen führen. Poock führt vor allem die anstehenden Zinserhöhungsschritte der amerikanischen Notenbank sowie einen von der US-Wirtschaftspolitik der Trump-Administration ausgehenden Handelskrieg als potenzielle Belastungsfaktoren an. Die anhaltende relative Schwäche des DAX und des Euro Stoxx 50 gegenüber den US-Aktienindizes entsteht nach Ansicht der Vermögensverwalter dadurch, dass vor allem die amerikanischen Investoren im aktuellen Umfeld ihre in europäischen Aktien beziehungsweise in Euro erzielten Gewinne sichern, indem sie ihre Bestände reduzieren. Neue Gelder aus Übersee würden außerdem ausbleiben, erklärt Poock: „Die größten Investoren bei deutschen und europäischen Aktien sind normalerweise US-Amerikaner. Die kehren nach dem Ausstieg zurzeit aber noch nicht an unsere Märkte zurück, sondern investieren eher in ihrem Heimatmarkt.“

Nebenwerte mit Schutzfunktion

Der DAX gehört schon seit längerer Zeit zu den Underperformern unter den deutschen Aktienindizes. Die Aktien der Mid- und Small-Caps haben zuletzt deutlich besser abgeschnitten. Die Redakteure des Börsendienstes „Wellenreiter-Invest“ machen dafür ebenfalls das Verhalten der ausländischen Anleger verantwortlich: „Die kleinen und mittelständischen Unternehmen stehen nicht so im Fokus der Investoren, die nervös auf dem DAX herumhacken. Diese Isoliertheit bietet – bei einer gut laufenden Wirtschaft – einen gewissen Schutz.“

Anleger, die auf eine nachhaltige Erholung des DAX in den kommenden Wochen spekulieren, müssen laut einer Analyse des Börsenstatistikmagazins „Index-Radar“ mit heftigem Gegenwind rechnen. Demnach liegt das „maximal vorstellbare Kursziel auf der Oberseite“ derzeit bei rund 12.565 Punkten, wo der Abwärtstrend der Vormonate verlaufe. Spätestens hier erwarten die Chart-Spezialisten das Ende der laufenden „Bärenmarktrally“, auf die ein erneuter Test des Unterstützungsbereichs um 11.400 / 11.850 Punkte folgen dürfte.

Hoffen auf pessimistische Anleger

Etwas optimistischer zeigt sich Thomas Koch vom Börsenbrief PLATOW Derivate, der zwei Medien-wikifolios auf der Social-Trading-Plattform führt: „Nachdem die charttechnisch wichtige Marke von 11.870 Punkten im DAX eindrucksvoll verteidigt wurde und der große Aufwärtstrend damit weiter intakt ist, dürften die Bullen das Heft zumindest kurzfristig wieder in die Hand nehmen.“ Der Weg zu neuen Hochs wird seiner Meinung nach aber kein Selbstläufer, da im Bereich zwischen 12.600 und 12.800 Punkten starke Widerstände überwunden werden müssten. Als Voraussetzung dafür nennt Koch einen „möglichst ausgeprägten Pessimismus der als Kontra-Indikator geltenden Privatanleger“, die im Zuge der jüngsten Korrektur noch verstärkt auf steigende Kurse beim DAX spekuliert hatten.

Kolumne von, Andreas Kern, Gründer und CEO der wikifolio Financial
Technologies AG