Das würden die Enteignungen bringen

Was würde denn die Enteignung der fraglichen Wohnungsbestände kosten?

Im Blick auf die möglichen Enteignungskosten gibt es unterschiedliche Berechnungsansätze. Der Berliner Senat spricht nach einer ersten Kalkulation von rund 30 bis 40 Mrd. Euro als Entschädigung für die betreffenden Wohnungsunternehmen. Die Enteignungs-Initiative hält dagegen eine Entschädigung deutlich unterhalb des Marktwerts der Wohnungen für rechtlich möglich. Sie geht bei rund 190.000 betroffenen Wohnungen von einem niedrigen zweistelligen Milliardenbetrag aus. Hier zeigt sich schon eine deutliche Diskrepanz in den Ansätzen und es gibt auch keine vergleichbaren Maßnahmen, an denen man sich bei einer Kostenkalkulation orientieren kann.

Festhalten kann man aber in jedem Fall, dass im Fall des Falles nicht eine einzige Wohnung neu gebaut werden würde. Daher sollten die in Rede stehenden Milliardenbeträge stattdessen besser in den Neubau von bezahlbaren Wohnungen und damit in die Ausweitung des Bestands investiert werden.

Welche Auswirkungen hätte ein Erfolg der Enteignungs-Initiative?

Die genauen Auswirkungen sind derzeit nicht absehbar, da es noch kein vergleichbares Szenario gegeben hat. Daher kann hier nur spekuliert werden. Es ist aber wahrscheinlich damit zu rechnen, dass sich potenzielle Investoren vom Berliner Wohnungsmarkt zurückziehen und ihre Investments an anderen Standorten tätigen. Eine Auswirkung wären dann sicherlich geringere Preise aufgrund der geringeren Nachfrage und damit in der Konsequenz auch fallende Marktwerte. Ob das der sozialen Gerechtigkeit dienlich wäre, bleibt abzuwarten.

Welche Möglichkeiten für die Ankurbelung des Wohnungsneubaus gibt es denn überhaupt?

In den letzten Wochen und Monaten sind viele mögliche Hebel für eine Ausweitung des Wohnungsneubaus diskutiert worden. Sicherlich sind einige der genannten Vorschläge diskussionswürdig, und es wird auch nicht möglich sein, eine Vielzahl der aufgezeigten Punkte gleichzeitig in Angriff zu nehmen und umzusetzen. Allerdings wäre es sicher möglich, mit dem Drehen an einigen wenigen Stellschrauben schon viel zu erreichen. Einige der genannten Vorschläge wie zum Beispiel das „Angleichen der Bauordnungen der Länder“ oder ein „Sonderprogramms dank Niedrigzins“ wurden beim Wohngipfel der Bundesregierung im Herbst 2018 diskutiert. Schlussendlich muss allen Parteien bewusst werden, dass sie aufeinander angewiesen sind. Die Wohnungspolitik der Städte braucht die Privatwirtschaft für den benötigten Wohnungsneubau genauso wie die privaten Investoren und Projektentwickler die Unterstützung der Städte und Behörden für ihre geplanten Maßnahmen brauchen. Es wird nur einen gemeinsamen Weg aus der momentan prekären Situation auf dem Wohnungsmarkt geben! Und zwar nicht nur in Berlin. Aber vornehmlich dort. Denn Berlins Attraktivität ist ungebrochen. Damit das so bleibt, braucht es mehr Wohnraum. Nicht übermorgen. Sondern morgen.

Kommentar von Roman Heidrich,
Senior Team Leader Valuation & Transaction Advisory JLL Berlin