Das Pflegerisiko und der Muttertag

Pflege und Muttertag
Muttertag ist ein Anlass über Pflege nachzudenken © drubig-photo

Es gibt Themen die sind eine zu erwartende Realität, werden aber verdrängt. Das Pflegerisiko ist so ein Thema, wo Bürger den Bedarf erkennen und wissen dass die staatliche Fürsorge nicht ausreicht.

2016-04-18 (fw/db) Das Risiko Pflegefall sei bei  den Deutschen zwar präsent, bei der Deckung der Kosten vertraut die Mehrheit jedoch auf den Staat. Nur eine Minderheit hat sich privat abgesichert. Obwohl der Mehrheit klar ist, dass die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung nur eine Teilversicherung sind, und die staatlichen Grundleistungen nicht ausreichen werden. Das sind die wesentlichen Ergebnisse einer aktuellen Studie des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag der Gothaer Versicherungen.

Die Finanzierung von Pflegekosten

Mit Abstand am häufigsten wird in der forsa-Studie zu 80 Prozent die gesetzliche Pflegeversicherung genannt. 69 Prozent glauben, dass die private Pflegeversicherung in einem solchen Fall herangezogen werden kann, 62 Prozent nennen das eigene Vermögen und 61 Prozent die Krankenversicherung. Mehr als die Hälfte der Befragten glaubt noch, dass im Pflegefall das Sozialamt (55 Prozent) oder die gesetzliche Rentenversicherung (52 Prozent) für die Kosten der Pflege herangezogen werden können. Weniger als die Hälfte der Befragten meint, dass der Lebenspartner der Pflegebedürftigen (48 Prozente) oder die private Rentenversicherung (46 Prozent) herangezogen werden können.

Reichen die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung?

Nur eine kleine Minderheit von sieben Prozent der befragten Bundesbürger glaubt, dass im Pflegefall die Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung in der Regel ausreichen, um alle für die Pflege entstehenden Kosten zu decken. Zu 87 Prozent glaubt die weit überwiegende Mehrheit dagegen nicht, dass die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung vollumfänglich ausreichen.

Enormer Bedarf an Pflegeabsicherung

32 Prozent der befragten Bundesbürger geben an, neben der gesetzlichen auch eine private Pflegezusatzversicherung zu besitzen. Zu 67 Prozent besitzen zwei Drittel nach eigenem Bekunden keine private Pflegezusatzversicherung. Von den Befragten über 45 Jahre Lebensalter sind, zumindest nach eigenen Angaben, mit 35 Prozent überdurchschnittlich viele Personen privat abgesichert. Das Gleiche gilt für Personen mit einem Einkommen von mehr als 4000 Euro, die zu 40 Prozent angaben, ausreichend abgesichert zu sein.

Kinder haften für ihre Eltern

Wenn eine pflegebedürftige Person Kinder hat und deren Einkommen eine bestimmte Grenze übersteigt, kann das Sozialamt auch das Einkommen der Kinder für die Pflegekosten heranziehen. 80 Prozent aller Befragten ist dieser Umstand auf Nachfrage bekannt. Deutlich weniger informiert als der Durchschnitt aller Befragten sind zu 61 Prozent in dieser Frage die unter 30-Jährigen.

Beschäftigen sich Bürger mit dem Thema Pflege?

33 Prozent der befragten Bundesbürger geben an, sich schon häufig mit dem Thema der finanziellen Pflegeabsicherung bei Krankheit oder im Alter beschäftigt zu haben. 41 Prozent haben das bislang zumindest hin und wieder getan. 25 Prozent, bei den unter 30-jährigen sogar 47 Prozent, haben sich bisher noch gar nicht mit dem Thema beschäftigt. Die aktuelle Gesetzeslage ist fast der Hälfte der Befragten bekannt. Das zum 1.1.2017 in Kraft tretende Pflegestärkungsgesetz II (fünf Pflegegrade statt drei Pflegestufen) war 46 Prozent der Befragten bekannt, 54 Prozent dagegen nicht.

Ein Fazit zur Studie

„Den Deutschen ist das finanzielle Risiko, ein Pflegefall zu werden und dann keine ausreichenden finanziellen Mittel zur Verfügung zu haben, durchaus bewusst. Trotzdem schließen nur verhältnismäßig wenige Personen eine private Pflegezusatzversicherung ab. Hier werden wir weiter Aufklärung leisten müssen“, sagt Michael Kurtenbach, der Vorstandsvorsitzende der Gothaer Krankenversicherung. Eine Pflegeversicherung wäre auch ein dauerhaftes und nachhaltiges Muttertags-Geschenk. Mütter haben noch ein langes pflegebedürftiges Leben vor sich. Bei den Vätern wird das Pflegerisiko durch das Sterblichkeitsrisiko beeinflusst, eine Pflegeabsicherung wäre bei Männern trotzdem sinnvoll. Dietmar Braun