Narren der Märkte

Derzeit hat eine Anlagestrategie Hochkonjunktur. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass irgendjemand über die Vorzüge von Multi Asset-Fonds berichtet oder schreibt.

Sind Multi Asset-Fonds wirklich der Weisheit letzter Schluss? Eine genauere Betrachtung dieser letztlich ja nicht neuen Fondskonzepte lässt arge Zweifel aufkommen. Diese Zweifel finden ihren Ursprung nicht in der grundsätzlich nachvollziehbaren und sinnvollen Streuung von Vermögen auf unterschiedliche Anlageklassen. Diversifikation ist gut – daran gibt es nichts zu rütteln.

Doch wie gut sind die Asset-Manager und Fonds-Manager, die sich um die Diversifikation der Vermögenswerte ihrer Anleger kümmern? Die letzten 10 Jahre lassen in dieser Beziehung erschreckend wenig Spielraum für Torjubel, wie der nachfolgende Chart zeigt.

Grafik 1 Kunz 16 11 2015

Im 10-Jahresvergleich konnte selbst ein Portfolio aus den zehn besten ausgewogenen Multi Asset-Fonds (grüne Linie) die Benchmark (graue Linie) aus 50 Prozent Aktien global (MSCI World TR) und 50 Proznet Renten global (Barclays Global Aggregate Bond TR) nicht schlagen – weder unter Performance- noch unter Risikogesichtspunkten.

Grafik 2 Kunz 16 11 2015

Der aus sämtlichen Multi Asset-Fonds mit ausgewogener Anlagestrategie bestehende Index des Fondsanalysehauses Lipper (rote Linie) liegt obendrein derart weit abgeschlagen zurück, dass sich die Leistung von Fondsmanagern in der Breite nur als enttäuschend bezeichnen lässt.

Nun könnte man sich auf den ersten Blick zwar über die positive Wertentwicklung in den vergangenen zehn Jahren erfreuen, ein mehr als fader Beigeschmack bleibt dennoch. Schließlich zeigen die Ergebnisse der Multi Asset-Fonds, dass deren Ergebnisse ausschließlich auf die Entwicklungen der Märkte, nicht aber auf die besonderen Qualitäten der Fondsmanager zurückzuführen sind. Letztere entpuppen sich vielmehr als Narren der Märke, die quasi am Rockzipfel der Märkte um ein positives Börsenumfeld betteln müssen.

Kann das aber der Anspruch eines Multi Asset-Managers sein?

Da Anleihen in der heutigen Zeit mit Null- bzw. Niedrigzinsen keinen Puffer mehr für Verluste aus Aktienengagements bieten, stehen Multi Asset-Fonds bei einer längeren Baissephase an den Aktienmärkten vor einer großen Herausforderung. Ob die Fondsmanager dieser Herausforderung im Sinne ihrer Anleger gewachsen sind, ist aufgrund der Erkenntnisse der letzten Jahre mehr als fragwürdig.

Der aktuellen und pauschalen Euphorie für Multi Asset-Fonds kann ich daher herzlich wenig abgewinnen. Wirklich gute Multi Asset-Manager sind eigentlich nicht zu finden.

Mein Tipp: Werfen Sie lieber ein Auge auf Absolute Return-Fonds und lassen Sie traditionelle Multi Asset-Fonds links liegen. Auch bei Absolute Return-Fonds steht Diversifikation stets hoch im Kurs. Allerdings ist es vorrangiges Ziel des Managers eines Absolute Return-Fonds, unabhängig von der Richtung der Kapitalmärkte ein positives Ergebnis zu erwirtschaften. Hier traut sich jemand also etwas zu und klebt nicht sklavisch am Rockzipfel der Märkte. Möglich wird dies durch eine deutlich flexiblere und aktivere Vorgehensweise bei der Portfoliozusammenstellung.

Dennoch – auch hier gilt: Gute Manager sind rar gesät.

Die Suche nach herausragenden Absolute Return-Fonds bedarf also ebenfalls einer genauen Analyse. Allerdings läuft die Suche hier – anders als bei Multi Asset-Fonds – nicht gänzlich ins Leere.

Autor: André Kunze, Geschäftsführender Gesellschafter P.A.M. Prometheus Asset Management GmbH