Das Jahr des Affen fordert China heraus

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Anthony Chan

Am 8. Februar beginnt in China das „Jahr des Affen“ – laut Horoskop ein Jahr, in dem der Einfluss des wendigen Affen alles in Bewegung setzen kann.

Doch nach den Turbulenzen des vergangenen Jahres, ist in erster Linie überlegtes Handeln und die Konzentration auf langfristige Ziele angesagt. Nur so kann der Wandel in eine Konsumwirtschaft ohne große Hindernisse vollzogen werden. Moderate Zinssenkungen und finanzpolitische Anreize, aber auch ein anhaltender Fokus auf die Internationalisierung der Währung, sind zu erwarten.

In den letzten Wochen sahen sich Chinas politische Entscheidungsträger mit nationalen Aktienmärkten konfrontiert, die sich im freien Fall befanden. Gewaltige Kapitalabflüsse infolge des sinkenden Renminbi (RMB) und weltweite Bestürzung über den anhaltenden Rückgang der Wachstumsrate in China verschärften die Situation noch.

Darüber hinaus ist zu beachten, dass sich der Fortschritt in Chinas Reformagenda häufig nach dem Motto „zwei Schritte vor und einer zurück“ gestaltet. Deshalb stellt sich die Frage, ob die politischen Entscheidungsträger im Jahr des Affen wieder den sprichwörtlichen Schritt zurückgehen werden, nachdem sie im letzten Jahr zwei nach vorn gemacht haben? Und werden sie weiter versuchen, die drängenden Herausforderungen auf dem Gebiet der Finanzmärkte, der Währung und der Wirtschaft zu bewältigen, ohne ihre langfristigen Reformziele – die Internationalisierung des Renminbi und den Aufbau einer konsumorientierten Wirtschaft – aufzugeben?

Ausgewogenes Wachstum in Zeiten des wirtschaftlichen Umbruchs

Im fünften Jahr der Übergangsphase Chinas – weg von einer exportorientierten, durch staatliche Investitionen und Schulden angetriebenen Wirtschaft, hin zu einer stetigeren Expansion, die sich stärker auf Inlandskonsum und Dienstleistungen stützt – scheint das träge Wachstumsumfeld fortzubestehen.

Während die „alte Wirtschaft“ – Schwerindustrie mit geringer Wertschöpfung – weiter schrumpft, nimmt der Dienstleistungssektor – insbesondere E-Commerce und Finanzdienstleistungen – an Stärke zu. Diese strukturelle Neuausrichtung legt den Schluss nahe, dass ein verheerender Wachstumseinbruch im Jahr des Affen unwahrscheinlich ist.

Infolgedessen rechnen wir nicht damit, dass die politischen Entscheidungsträger unter Druck geraten und auf Anreize „mit Knalleffekt“ zurückgreifen werden, die ihre Bemühungen um ein ausgewogeneres Wachstumsmodell gefährden könnten. Stattdessen erwarten wir mehr vorsichtige Initiativen zur Unterstützung des Anstiegs, beispielsweise moderate Zinssenkungen und etwas stärkere finanzpolitische Anreize.

Renminbi braucht neue Währungsstrategie

Zusätzlich zur wirtschaftspolitischen Herausforderung, sehen sich die politischen Entscheidungsträger auch mit einer starken Volatilität des RMB konfrontiert. Zumal Peking die Bindung an den US-Dollar (USD) aufgegeben hat und stattdessen den Kurs des RMB im Verhältnis zu einem Korb aus Währungen seiner Handelspartner steuert. Diese Maßnahme dämpfte zwar etwas den Druck durch die Kopplung an den steigenden USD, führte jedoch auch zu einem starken Wertrückgang des RMB, was wiederum enorme Kapitalabflüsse zur Folge hatte.

Um den RMB zu stützen, hat Peking große Beträge aus seinen USD-Reserven ausgegeben. Da dieser Ansatz nicht funktioniert hat, muss Peking jetzt über eine neue Strategie nachdenken. Hier sehen wir vor allem wachsende Impulse für die Einführung vorübergehender Kapitalkontrollen, mit denen die spekulativen Aktivitäten begrenzt und der Kapitalabfluss aus China für eine Weile aufgehalten werden sollen.

Ein Politikwechsel hin zur Kontrolle der Kapitalabflüsse würde jedoch die Bemühungen um eine Internationalisierung des RMB schmälern Dabei stellt die Aufnahme des RMB in den Korb der Sonderziehungsrechte (SDR) ab Oktober 2016 eine hohe politische Priorität für Peking dar. Sie könnte Kapital aus aller Welt für RMB-Vermögenswerte anziehen und für China mittel- bis langfristig zu Devisenzuflüssen in Höhe von etwa USD 3 Billionen führen.

Angesichts der extremen Turbulenzen bei chinesischen Aktien Mitte 2015 und Anfang 2016 ist die Bereitschaft der politischen Entscheidungsträger, die nationalen Märkte zu stützen, vorerst wahrscheinlich gedämpft. Ihre Hoffnung, dass sich die Börse zu einem wesentlichen Finanzierungskanal für Unternehmen des Landes entwickelt, hat sich gemindert. Die Erträge aus dem Aktienmarkthandel stellten im Jahr 2015 lediglich eine wichtige Stütze für den Dienstleistungssektor des Landes dar. Im Jahr des Affen scheint es jedoch wahrscheinlicher, dass sich die Aktienmärkte grundsätzlich als Wachstumsbremse erweisen.

Politische Entscheidungen mit Vorsicht gestalten

Seit China begonnen hat, seine Wirtschaft neu auszurichten und die Liberalisierung des Finanzsektors voranzutreiben, herrscht Unsicherheit darüber, wie die politischen Entscheidungsträger den Übergangsprozess bewältigen würden. In den letzten 12 Monaten haben wir einige bemerkenswerte Fehltritte erlebt – wie die Abwertung des RMB und die Investitionsbegrenzung der nationalen Aktienmärkte. Hierbei zeigten sich die globalen Finanzmärkte besonders verunsichert, wenn die politischen Maßnahmen plötzlich und unerwartet erfolgten.

Dies legt den Schluss nahe, dass Peking im Jahr des Affen wahrscheinlich sehr vorsichtig agieren wird – falls man überhaupt zu der Entscheidung kommt, dass bestimmte kurzfristige Maßnahmen dazu beitragen könnten, die in den letzten Jahrzehnten eingeführten größeren Reformen zu unterstützen.

Autor: Anthony Chan,
Asien-Volkswirt bei AB mit Sitz in Hongkong