Das fünfte Element

In der anhaltenden Niedrigzinsphase ist ohne Sachwertinvestments im Portfolio für den Anleger keine Rendite prognostizierbar. Durch das KAGB sind die aktuellen Angebote transparent und für den Anleger in ihren Sicherungsmechanismen nachvollziehbar geworden.

Die hohen administrativen und qualitativen Anforderungen an AIFs nach dem KAGB haben zusätzlich zu einer Positivauslese der aktiven Anbieter geführt.

Nun liegt es nur am Vermittler, die bestehenden Angebote der Sachwertinvestments jeweils anlagegerecht so zu kombinieren, dass jedem Kunden ein anlegergerechtes Investitionsportfolio angeboten werden kann.

Nach den Elementen Erde, Feuer, Wasser und Luft haben wir für Sie den aktuellen Markt ausgewertet:

WASSER – alles was schwimmt.

Ob der klassische Schiffsfonds zu alter Stärke gelangt, darf bezweifelt werden. Chinas Wirtschaftsschwäche macht den zu Beginn des Jahres beobachteten Aufschwung bei der Nachfrage wieder zunichte. Hinzu kommt, dass die Zahl der bestellten und ausgelieferten Großcontainerschiffe mit mehr als 20.000 Stellplätzen immer noch wächst. Im Gegenzug werden längst nicht so viele Schiffe verschrottet wie es notwendig wäre. Auch bei den Bulkern ist China mit seinem Rohstoffhunger ein wichtiger Faktor. Einzig die Tankschiffe profitieren derzeit von den niedrigen Ölpreisen. Nicht nur, dass einige Länder wieder mehr Öl verbrauchen, viele ältere Schiffe werden derzeit als Tanklager für schlechtere Zeiten genutzt.

Viele Gesellschaften sind immer noch damit beschäftigt, sich den Regulierungsbedingungen anzupassen. Die in der Krise durchaus erfolgreiche Conti Gruppe legt schon seit längerem eine Pause ein und teilte mit, dass geplant sei, in der zweiten Jahreshälfte 2015 die erste Schiffsbeteiligung als geschlossenen Publikums-AIF anzubieten. Die Hamburger Buss Capital legt nach zahlreichen erfolgreichen Direktinvestments mit dem „Buss Investment 1“ den ersten Container-AIF auf. Den Standardcontainern mischt Buss Kühl- und Tankcontainer ins Portfolio und schafft einen lukrativen Anlagemix im AIF. Neu ist das von Buss erst seit kurzem erfolgreich bearbeitete Segment der Offshore-Spezialcontainer. Diese werden für die Versorgung und zum Betrieb von Öl- und Gasbohrplattformen auf See benötigt. In dem engen Markt ist spezielles Wissen und ein guter Zugang erforderlich. Dafür sind die Gewinnaussichten entsprechend höher. Die Mieter sind nicht nur die obligatorischen Reedereien oder Leasinggesellschaften, sondern Tanklogistiker und bei den Versorgungscontainern die finanzstarken Ölkonzerne und Betreiber der Bohrplattformen. „Im Grundsatz knüpft der ‚Buss Investment 1‘ an das Konzept unserer vor der Regulierung platzierten geschlossenen Containerfonds an: Breite Streuung in unterschiedliche Märkte, Branchen und Teilnehmer“, resümiert Buss Capital- Geschäftsführer Marc Nagel.

Seit Jahren sind Flusskreuzfahrten eine kleine, attraktive Nische. Die Emissionshäuser profitieren von einem wachsenden Touristikmarkt. Die Zahl der Urlauber auf den innerdeutschen Flüssen hat sich in den vergangenen 20 Jahren verfünffacht. Zugleich entsprechen viele Schiffe, die in Europa unterwegs sind, nicht mehr den Erwartungen der Urlauber. Die Betreiber haben jahrelang Investitionen aufgeschoben und sind nun gezwungen, neue Schiffe anzuschaffen oder aus dem Markt gedrängt zu werden. Nach langer Zeit wagt sich die Hamburger PCE mal wieder auf den Markt. Der AIF „Sechste River Cruiser“ hat etwas über 8 Mio. Euro Eigenkapital bei einem Gesamtinvestitionsvolumen von 15,6 Mio. Euro. Das Geld wird in das neu gebaute Flusskreuzfahrtschiff „Monarch Empress“ investiert. Das Vier-Sterne-Schiff wird hauptsächlich auf den deutschen Flüssen Rhein, Main und Donau verkehren. Investoren des „River Cruiser“ haben die Sicherheit, dass das Schiff bis zum Jahr 2021 an das US-amerikanische Touristikunternehmen Gate 1 verchartert ist. Die Amerikaner glauben offenbar an ein stabiles Geschäft bei den Flusskreuzfahrten. Gate 1 beteiligt sich mit fast 700.000 Euro am Eigenkapital des Fonds. Dennoch sollte das Geschäft darüber hinaus gut laufen. Denn die Laufzeit des Fonds ist auf Ende 2026 datiert. Für das höhere Risiko in einem Nischenmarkt stehen für die Anleger am Ende immerhin fast 200 % Gesamtauszahlung in der Prognose. Auch die laufenden Ausschüttungen können sich sehen lassen. Für die Anleger ist nach Beitritt eine Sonderauszahlung von 5 % p. a. prognostiziert, ab Ablieferung des Neubaus von 7,25 % p. a.

Wasserkraftwerke. Auf die Kraft des Wassers setzen nicht nur Schiffs- und Containerfondsanbieter. Bei der Hamburger reconcept investiert der AIF „RE04 Wasserkraft Kanada“ in kanadische Wasserkraftwerke. Für Anleger sind die Kraftwerke unspektakulär. Die Technik ist einfach und über viele Jahrzehnte erprobt, sie hat eine lange Lebensdauer und einen Wirkungsgrad von bis zu 95 %. Nachdem die Möglichkeiten in Europa sehr eingeschränkt sind, weichen Anbieter auf andere Länder aus. reconcept hat sich für Kanada entschieden. In der Provinz British Columbia sieht der Clean Energy Act aus vor, dass bis 2016 die Stromerzeugung zu über 90 % aus erneuerbaren Energien stammen muss.

LUFT – nach oben kaum Grenzen.

Hohe Erwartungen liegen nach wie vor beim Flugzeugmarkt. Vor allem die kleinen Fonds mit einem überschaubaren Eigenkapital werden vom Markt schnell aufgenommen. Die 17,5 Mio. Euro Eigenkapital, die das Emissionshaus HEH für den Kauf von zwei Turbopropmaschinen im „HEH Helsinki“ verwendet, waren nach zehn Wochen bereits platziert. Etwas länger ist die Platzierungs-Startbahn der großen Maschinen: Ende vergangenen Jahres nahm die Commerz Real ihre Aktivitäten in der regulierten Welt mit dem Vertrieb des „CFB Invest Flugzeuginvestment 1“ wieder auf. Investitionsobjekt ist eine Boeing 777-300ER. Trotz des Hypes über den neuen Langstrecken- Airbus A380 ist die „Tripleseven“ derzeit das am stärksten nachgefragte Langstreckenflugzeug. Als Reaktion auf die Entwicklung des A380 hat Boing seinen Longseller überarbeitet und mit der ER-Version für weitere Flugjahre fit gemacht. Hannover Leasing hat ihren dritten Airbus-A380-Fonds im Angebot. Beim aktuellen AIF „Flight Invest 51“ werden Eigen- und Fremdkapital ebenfalls während der Leasinglaufzeit vollständig zurückgeführt. So haben die Anleger am Ende der Laufzeit ein Flugzeug, das ihnen mindestens eine schwarze Null garantiert. Ebenfalls auf den A380 setzt die Dortmunder Dr. Peters Gruppe. Der DS 140 Flugzeugfonds XIV investiert in einen A380, der von der französischen Fluglinie Air France geflogen wird. Es ist bereits der neunte A380-800, der von einem Dr. Peters-Flugzeugfonds finanziert wird. Bisher haben alle A380 mindestens ihre prognostizierten Auszahlungen geleistet. Wie bei den Fonds der Konkurrenz tilgt auch Dr. Peters das aufgenommene Darlehen mit Ablauf der Grundleasinglaufzeit vollständig. Im Unterschied zu den anderen beiden Fonds läuft der Fonds allerdings in Euro, da mit der Air France Eurozahlungen vereinbart sind. Beim Anschlussleasing oder beim Verkauf kann der Wechselkurs allerdings eine Rolle spielen.

Die Flugzeuginvestments der jüngsten Zeit zeichnen sich dadurch aus, dass die Anbieter sehr auf Sicherheit bedacht sind. Die Initiatoren setzen auf große Airlines. Dr. Peters auf Air France; CFB und Hannover Leasing haben Verträge mit Emirates. Die staatliche Fluglinie ist über jeden Bonitätszweifel erhaben, solange es dem Emirat Dubai gut geht. Weitere Sicherheit bietet die Tatsache, dass die Flugzeuge bei einem planmäßigen Verlauf mit dem Ablauf des Leasingvertrages vollständig schuldenfrei sind. Damit sind Anleger nicht mehr davon abhängig, ob die Maschinen vom ursprünglichen Leasingnehmer weitergeflogen oder zu einer günstigeren Rate an andere Gesellschaften weitervermietet werden. Auch der Verkaufspreis ist dann nicht mehr entscheidend für ein erfolgreiches Investment.

Der Luftverkehrsmarkt spricht eigentlich weiterhin für Investitionen in diesem Bereich. In den letzten zehn Jahren stieg die Zahl der jährlich beförderten Passagiere nach Angaben des Weltluftfahrtverbandes International Air Transport Association (IATA) um 55 %. Weitere Angebote sind daher zu erwarten. Die Münchener WealthCap hofft zum Beispiel auf die baldige BaFin-Genehmigung ihres neuen Flugzeugfonds. Der Publikums-AIF soll in ein Fliegerportfolio mit drei Airbus A330-300 bestehen, die allesamt an Singapore Airlines verleast sind. Die Laufzeit des Portfolios ist mit rund sieben Jahren deutlich kürzer als bei den üblichen Fliegerbeteiligungen.

Geld in luftiger Höhe verdienen Anleger mittlerweile mit Windkraftfonds. Die Anbieter setzen hier allerdings nicht auf regulierte AIF, sondern auf operativ tätige Gesellschaften. Für Anleger muss das kein Nachteil sein. Die Hamburger reconcept Gruppe hat schon vor einiger Zeit finnische Windenergieanlagen als Investitionsziel entdeckt. Die Aussichten sind positiv. Das Land ist dünn besiedelt, die vielen Seen bieten dem Wind wenig Widerstand. Die aktuellen Gesetze sehen zudem einen weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien vor. Derzeit werden in dem Nordstaat gerade einmal 937 Megawatt über Windenergie produziert. Potenzial gäbe es für 11.000 Megawatt, schreibt reconcept. Das kann sich jedoch ändern. Nach dem Regierungswechsel im Mai will die neue Regierung die finnische Förderpolitik überprüfen. Diese wird künftig anders aussehen als bisher. Nur wie, das weiß noch niemand. Den aktuellen Fonds wird das nicht mehr treffen. Der „RE06 Windenergie Finnland“ ist kurz davor, den Windpark Kuusamo mit 12 Megawatt Leistung auf einer 260 Meter hohen Ebene im Nordosten des Landes zu finanzieren. Der Park besteht aus vier Nordex-Anlagen, die den Anlegern anfänglich 7 % jährliche Auszahlungen und 2012 einen Kapitalrückfluss von 160 % einbringen sollen. Die Entwicklung des Windparks übernimmt die finnische Firma Tuulialfa Oy. Mit dieser hat reconcept einen Vertrag über das Vorkaufsrecht von weiteren 90 Windkraftanlagen an 15 Standorten in Nord- und Mittelfinnland abgeschlossen. Wenngleich wohl nicht alle als geschlossenen Fonds auf den Markt kommen werden, ist für Nachschub gesorgt.

Eine solche Pipeline würde sich auch die Regensburger Lacuna wünschen. Doch anders als in Finnland stehen in Deutschland die Zeichen bei den Windparks eher auf Flaute. Dem Windpark Hohenzellig werden wohl nicht mehr so viele folgen. Durch neue Gesetze, wie die derzeit in Bayern umgesetzte 10-H Regelung, gerate der Ausbau erneuerbarer Energien mehr und mehr ins Stocken, warnt die Lacuna. Die Zahl der neu gebauten Windräder gehe gerade in Bayern stark zurück. Dabei sei bayerische Windenergie profitabel. Alle Lacuna Windparks würden prognosegemäß ausschütten. Lacuna hat derzeit die Windparks Bucheck und Hohenzellig im Vertrieb. Die beiden Anlagen sind bereits an das Stromnetz angeschlossen und kassieren die gültige Einspeisevergütung aus dem EEG.

ERDE – fest und sicher.

Die meisten Anbieter bleiben erdverbunden. Sieben der elf Fonds, die im zweiten Quartal aufgelegt wurden, sind Immobilienfonds. Diese Assetklasse beherrscht trotz der sehr hohen Preise und tendenziell weiter sinkenden Renditen nach wie vor den Markt. Das prospektierte Eigenkapital macht mit rund 263 Mio. Euro fast drei Viertel des gesamten Marktes aus. Offenbar sind die Anbieter überzeugt, mit traditionellen Fonds derzeit den Vertrieb und die Anleger am ehesten überzeugen zu können. Und gerade als sich in diesem Segment Langeweile breit zu machen drohte, überraschen die Emissionshäuser mit neuen Anlagezielen. Nach langen Jahren stehen US-Investments auf einmal wieder im Schaufenster. Das Feld hatten die Anbieter in den letzten Jahren fast komplett dem Spezialisten JAMESTOWN und TSO-DNL überlassen. Beide starteten ihre Angebote im vergangenen Jahr. Nun wagt sich auch WealthCap nach langer Abstinenz wieder nach Amerika. Der US-Markt war mal eine Domäne des WeathCap Vorgängers Blue Capital. Doch mit der Verschmelzung der Gesellschaften und der bekannten Marktentwicklung passierte jahrelang nichts in diesem Bereich. Nun sehen sich die Münchener wieder in der Lage, den US-Markt erfolgreich zu bearbeiten. Der aktuelle Publikums-AIF „Immobilien Nordamerika 16“ investiert in eine Büroimmobilie in Mountain View, Kalifornien, mitten im Silicon Valley. Der Mieter Quixey hat eine neue Suchmaschine für Smartphones entwickelt und dafür Investoren wie Alibaba und Goldman Sachs gefunden. Anleger dürfen sich dabei von einem möglicherweisen schnellen Mieterwechsel nicht verunsichern lassen. Gerade in der High-Tech-Area des Silicon Valley sind Büros nicht beliebig vermehrbar. Der Fonds soll der Auftakt für eine ganze Reihe an US-Fonds der Münchener sein. WealthCap-Geschäftsführerin Gabriele Volz spricht von einer „Innovation District Strategy“. „In den USA gibt es rund um die großen Metropolen in der Nähe von Elite-Universitäten einige dieser Zukunftsstandorte mit hoher Lebensqualität und bester Infrastruktur“, erklärt Volz die wesentliche Bedingung für die künftige Standortwahl. Das Silicon Valley sei als weltweite Hochburg für IT- und Hightech-Entwicklungen die Blaupause eines Innovation Districts. Der Schwerpunkt soll dabei auf Büroimmobilien und Shopping Centern liegen. Der zweite Fonds ist auch schon in Planung. Vor kurzem erwarb die WealthCap die Zentrale des Medienunternehmens Netflix in Los Gatos. Die zwei Green Buildings verfügen über fast 25.000 m² Fläche und einen langfristigen Mietvertrag des Zukunftsunternehmens.

Während sich in den USA endlich wieder etwas bewegt, setzen andere Emissionshäuser auf Bewährtes. Bei der PROJECT Gruppe bieten die Fonds „Wohnen 14“ und „Wohnen 15“ keine großen Überraschungen. Beide Fonds investieren das eingesammelte Eigenkapital in Wohnungsneubauten in deutschen Metropolen. Der Hauptunterschied besteht darin, dass Anleger bei dem 15. Fonds neben der Einmalinvestition weitere monatliche Teilzahlungen über 12 Jahre leisten müssen. Die ZBI hat nach wie vor ihren geschlossene Wohnimmobilien-AIF „ZBI Professional 9“ im Vertrieb. Der Fonds hat in den letzten neun Monaten schon für 100 Mio. Euro Wohnimmobilien erworben. Am Jahresende will die ZBI den Fonds dann schließen. Marcus Kraft, Vorstand Vertrieb und Marketing, ist zuversichtlich, dass das kein Problem sein wird. Seit Januar läuft zudem der „ZBI Regiofonds Wohnen“, der in Wohnimmobilien im Nürnberger Raum investiert. Damit setzt die ZBI auf die regionale Karte.

FEUER – Energie.

Die Verwerfungen bei den Förderungen für Solaranlagen in den verschiedenen Ländern haben den Markt auf der Fondsseite fast ganz zum Erliegen gebracht. Ausweichstrategien nach Frankreich, Tschechien, Türkei oder gar in den USA und Nordafrika blieben entweder in der Planung stecken oder waren Eintagsfliegen. Hep Capital aus Heilbronn versucht unterdessen Anlegern die Projektentwicklung von Solaranlagen in Japan schmackhaft zu machen. Dazu werden Rechte für den Bau von Solarparks gekauft und weiterverkauft. Im August startete Neitzel & Cie. seinen „Zukunftsenergie Deutschland 4“. Ganze 20 Mio. Euro Eigenkapital will Neitzel & Cie einwerben, um damit Photovoltaikanlagen und Blockheizkraftwerke in Deutschland zu kaufen. „Neben der Photovoltaik haben wir diese dezentrale Energiequelle als perfekte Ergänzung für unser Portfolio von Energieerzeugungsanlagen erkannt“, erklärt Bernd Neitzel, Inhaber und Geschäftsführer von Neitzel & Cie. Die Blockheizkraftwerke (BHKW) gelten als zentrales Element, um die Energiewende doch noch zu schaffen. Nach dem Willen der Bundesregierung sollen BHKW bis zum Jahr 2020 rund 25 % des Stroms in Deutschland erzeugen. (ah)

finanzwelt 05/2015