Das Ende des Finanzmaklers?

Jens R. Rautenberg, Inhaber und Gründer der Conversio Gruppe / Foto: © Conversio

Wird die Plattformwirtschaft Finanzmakler überflüssig machen? Dafür spricht, dass die Hälfte aller Berufe in den nächsten Jahren wegdigitalisiert werden. Ob das auch Finanzmakler im Immobiliensegment trifft und warum erklärt Jens R. Rautenberg von Conversio.

Nahezu jeder zweite Job wird in den nächsten 20 Jahren verschwinden. Das hat die Universität Oxford prognostiziert. Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), gibt an, dass die Hälfte der Arbeitsplätze in den 32 untersuchten Staaten verschwinden werden. Eine der Ursachen dafür sind digitale Plattformen wie Amazon, Airbnb oder ImmoScout24. Sie könnten die klassischen Vermittlerrollen wie die des Immobilienmaklers obsolet machen, weil sie den gewünschten Service auf Knopfdruck an den Kunden bringen.

Finanzmakler gegen digitale Plattformwirtschaft

Die steigende Zahl an Plattformen, die Intermediäre ersetzen wollen, versprechen immer mehr Nutzern, einfaches Geld mit ihren Immobilien machen zu können. Dabei setzten jene Plattformen auf Benutzerfreundlichkeit, Transparenz und Effizienz: Wer eine Immobilie mieten möchte, kann ganz einfach in der gewünschten Stadt nach verfügbaren Immobilien suchen, gefiltert nach seinen individuellen Wunschkriterien; und vor dem Besichtigungstermin bereits alle wichtigen Unterlagen wie Grundriss und Energieausweis einsehen.

Möchte man Immobilientransaktionen über ähnliche Plattformen abwickeln, gestaltet sich der Verkaufsprozess jedoch deutlich komplexer: Unterlagen wie Mietverträge, Gutachten und die weiteren Due-Dillience-Informationen müssen im Vorfeld über die Plattform verfügbar sein. Oft sind aber die Unterlagen unvollständig und/oder werfen bei der Durchsicht viele Fragen auf. Genau an dieser Stelle fehlt oftmals ein qualifizierter Ansprechpartner. Inhaltliche Probleme oder Unklarheiten zum Objekt bleiben so unbeantwortet, da der Eigentümer der Immobilie den Vertrieb abgeben möchte, und ohne Makler kein Ansprechpartner verfügbar ist. Zudem helfen die Plattformbetreiber nur bei technischen, aber selten bei inhaltlichen Fragen weiter. Ohne Ansprechpartner für diese Fragen können die scheinbaren Vorteile digitaler Plattformen schnell zu großen Nachteilen werden.

Digitale Services brauchen menschliche Intermediäre

Trotz der steigenden Zahl der Dienstleistungen, die die über digitale Plattformen abgewickelt werden, ist also nicht davon auszugehen, dass die Tätigkeit des Finanz- oder Immobilienmaklers überflüssig wird. Investitions- und Kaufentscheidungen sind deutlich komplexer, als die Suche nach einer Ferienwohnung und müssen demenentsprechend sorgfältig geplant werden. Deswegen werden digitale Plattformen die Begehung vor Ort und die fachliche Beratung sowie andere analoge Makler-Tätigkeiten nicht ersetzen können. Trotzdem gilt es, die Möglichkeiten von digitalen Plattformen zu nutzen – unter der Voraussetzung, dass dadurch die Interaktion für den Kunden nutzerfreundlicher wird, und dass im Back-Office auch jene Experten erreichbar sind, die inhaltliche Fragen zu den Objekten beantworten können. Nur so wird die Immobilienbranche durch digitale Services und Plattformen tatsächlich effizienter und transparenter.

Gastbeitrag von Jens R. Rautenberg,
Gründer und Inhaber der Conversio Gruppe