Das Allerwichtigste ist das Bauchgefühl

finanzwelt: Inwieweit sind die Konstruktionen entscheidend für Sicherheit oder Rendite?
Thies: Ich bin ein absoluter Freund der Regulierung. Nicht umsonst haben wir unseren Pro Real Deutschland 4 als AIF aufgelegt. Die Herausforderung für uns ist gar nicht mal die Frage der Kosten. Natürlich ist ein AIF teurer. Aber wenn man ein rentables Asset und kompetente Partner dahinter hat, darf nicht einzig das Kosten-Argument angeführt werden. Aber wir sind ein Fremdkapitalinvestment. Das KAGB kennt diese im Publikumsbereich nicht als Vermögensgegenstand. Auch wenn ich gern will, unser nachgefragter Fremdkapitalansatz passt daher einfach nicht in den AIF-Mantel. Wir haben eine breite Vertriebspartnerlandschaft. Wir haben allein im letzten Jahr 25 % neue Partner hinzugewonnen und auch das neue Jahr ist bislang erfolgreich. Ich glaube, der Mantel ist wichtig und sollte beachtet werden, da bin ich absolut bei Ihnen, Herr Grundler. Der Inhalt ist aber noch wichtiger. Was wir machen, ist den Kunden das zu geben, was sie tatsächlich wollen. Attraktive Zinsen, kurze Laufzeiten, neue Ideen im Immobilienmarkt, ein attraktives Sicherheitskonzept und nachgewiesene Performance.

finanzwelt: Die Kunden haben früher ja auch bei den unternehmerischen Beteiligungen mit laufenden Auszahlungen oder Gewinnen gerechnet. Für die waren das ja Zinsen. Viele wussten doch gar nicht, dass sie in Wirklichkeit Teilhaber einer unternehmerischen Beteiligung waren.
Thies: Genau. Und deshalb trifft das Zinsmodell der ONE GROUP mit den Schuldverschreibungen das Kundeninteresse. Die suchen in der Regel Zins-Alternativen. Der Sicherheitsmantel und kalkulierbare Zahlungsströme sind den meisten Anlegern wichtiger als unternehmerische Investments und möglicherweise zweistellige Renditen.
Grundler: In der Tat gibt es häufig Investitionen, die nicht in das Korsett eines AIF passen. Auf der anderen Seite waren fünf unserer sechs Produkte KGs und jetzt kommt als siebtes eine Immobilienanleihe. Und mit unserem ersten Produkt hätten wir als AIF gar nicht auf den Markt kommen können. Klar gibt es da Markteintrittsbarrieren. Aber um es aber auch ganz klar zu sagen: Wir haben Angst vor Leuten, die die Kassen verwechseln, weil die unsere ganze Branche kaputt machen. Wenn es nach mir ginge, sollte man die AIF-Möglichkeiten erweitern und die Vermögensanlagen abschaffen. Wenn ich sehe, welche Regulierungen wir bei den Altfonds haben und welche Regulierung bei den AIFs, dann ist dies eine völlig andere Sportart.

finanzwelt: Ist da der Gesetzgeber auf halbem Weg stehen geblieben?
Grundler: Natürlich. Und nicht nur da. Das Beispiel Crowdinvesting zeigt, welche Folgen die fehlende Regulierung haben kann. Für den normalen Kunden ist es doch nicht mehr ersichtlich, wo er investiert hat, weil die Angebote null vergleichbar sind.
Thies: Der Verwahrstelle wird viel zu wenig Bedeutung beigemessen, obwohl das eigentlich eine sehr wichtige Instanz ist. Man spricht häufig über die Rollen einer KVG, die Bewertung etc. Das wichtigste ist aber die Verwahrstelle, die letztendlich über die Kundengelder wacht. Es gibt auch Wege, Vermögensanlagen zu konzipieren, wo eine ähnliche Verwahrstellenfunktion installiert wird.
Sommer: Crowdinvesting im Immobilienbereich ist meiner Ansicht nach regulatorisch tatsächlich gegenüber den Produkten unseres Marktes zu Unrecht privilegiert. Die ersten öffentlichen Pleiten zeigen jedem Betroffenen, dass man letztendlich meist nicht in sichere Bestands-Immobilieninvestments, sondern wesentlich risikoreicher in den Bereich der Immobilien-Projektentwicklung investiert. Ob dies alle Investoren so wahrnehmen, ist zumindest fraglich. Aus Sicht des Finanzanlagenvertriebes sind einige Crowdinvesting-Anbieter zu ernstzunehmenden Wettbewerbern geworden. Besonders dann, wenn der Bereich des klassischen Crowdinvesting zugunsten von Anleiheangeboten verlassen wird. Die teilweise sehr großen Werbeausgaben der Crowdplattformen führen dazu, dass diese Marktteilnehmer sehr große Umsätze tätigen müssen, um profitabel zu werden. Und dies mit wesentlich geringeren regulatorischen Anforderungen auf Produkt- und Vermittlungsseite.

finanzwelt: Am Anfang dachte man, diese Kleininvestments eröffnen ja eine komplett andere Zielgruppe. Wenn die gut strukturiert sind und wenn der Anbieter entsprechend auf hohe Qualität achtet, dann warum nicht?
Sommer: Richtig, aber mittlerweile bieten Anbieter wie gesagt auch Anleihen an. Damit können Investoren deutlich höhere Summen investieren als dies bei Crowdinvesting möglich ist. Das bedeutet, dass sie damit in unmittelbare Konkurrenz zu unseren Kunden, den Finanzanlagenvermittlern und Banken, treten.

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