Das Allerwichtigste ist das Bauchgefühl

finanzwelt: Im Vergleich zu früher, lohnt sich Bauen seit 5 Jahren wieder. Aber im Mietmarkt kommen diese Wohnungen nicht an. Höchstens als Spezialimmobilien wie Studentenwohnen oder Mikroapartments. Dabei ist der Bedarf an adäquatem Wohnraum zur Miete enorm. Woran liegt das?
Bergmann: Oftmals werden Projektierungen bereits vor Fertigstellung als Globalobjekt verkauft. Darunter auch und gerade Wohnparks bzw. Reihenhaussiedlungen, die als Investitionstarget von institutionellen Investoren erworben werden. In der Regel erfolgt dann auch eine Vermietung an Eigennutzer bzw. ein entsprechender Weiterverkauf im Teileigentum. Was in der Tat fehlt, sind Wohnbauprojekte gerade für Mietwohnungen im Niedrigpreissegment.
Thies: Wo fehlen denn die Wohnungen? Die Wohnungen fehlen vor allem in den großen Metropolen, egal ob das A-, B- oder C-Städte sind. Das sind die Städte, die am meisten verdichtet sind. Die Entwickler wollen viel mehr bauen. Aber Bauland schafft die öffentliche Hand. Doch die setzt verstärkt auf Regularien, anstatt die richtigen Weichen zu stellen. Da können wir uns noch so sehr über die verschiedenen Stellschrauben unterhalten. Solange von Seiten der Behörden nicht mehr Bauland und Baugenehmigungen geschaffen werden, wird das Angebot für adäquaten Wohnraum auf dem Markt knapp bleiben – und somit der Druck auf die Preise hoch bleiben.
Grundler: An einigen Standorten können wir immer noch Wohnungen bauen, die erschwinglich sind. Auch in solchen, die der internationale Investor als A-Standorte bezeichnen würde, zum Beispiel jetzt in Frankfurt. Wir kaufen Bestand hauptsächlich, um dann nach zu verdichten und um unbewohnbare Wohnungen wieder bewohnbar zu machen. Da haben sich der Gesetzgeber und seine Hilfswilligen jahrelang nicht drum gekümmert. Aber sobald wir anfangen zu sanieren, kommt das Bauamt mit sämtlichen Vorschriften zum Brandschutz etc. Da  entsteht für den Investor schnell ein Quadratmeterpreis, wo man statt normaler Wohnungen lieber Mikroapartments baut. Ein weiteres Problem ist aber auch die Nachbarschaft. Wenn die Leute da viele Jahre schon wohnen, wehren sie sich gegen die Entstehung von neuem Wohnraum.
Bergmann: Wenn wir gerade beim Thema Frankfurt sind: Was ich auch spannend finde, ist der Milieuschutz, der gerade eingeführt wurde. Somit hat die Stadt jetzt immer ein Vorkaufsrecht, das sie geltend machen kann.

finanzwelt: Seit Kevin Kühnerts Brandrede ist immer öfter von Enteignungen zu hören. Macht das wirtschaftlich überhaupt Sinn?
Thies: Damit ist doch keine einzige neue Wohnung geschaffen. Man sollte das Geld lieber darauf verwenden, um neues Bauland zu schaffen.

finanzwelt: Gefährlich daran ist doch jetzt die Ungewissheit der Investoren. Wie kann dem entgegengewirkt werden?
Grundler: Das Thema wird auch wieder abebben. Gefährlicher ist das Thema Mietpreisbremse. Das schreckt viele kleine Vermieter ab. Die großen Konzerne können sich da viel besser wehren: Die haben eigene Rechtsabteilungen etc.! Und es schafft auch keine einzige neue Wohnung, sondern bewirkt genau das Gegenteil. Was kommt dann als nächstes? Die Strompreisbremse? Die Bierpreisbremse? Das ist nicht ungefährlich.
Thies: Es werden damit nur Symptome behandelt, aber nicht die Ursache.

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