Danke Mario Draghi, danke Ölpreis

08.04.2015

Martin Stenger

In den vergangenen gut zwei Jahren hat sich der europäische Aktienmarkt deutlich schwächer entwickelt als der US-Markt. Das könnte sich nun umkehren. Denn die Gewinne der europäischen Unternehmen dürften wieder steigen. Und langfristig entwickeln sich die Aktienkurse analog zu den Firmengewinnen.

Im Wesentlichen sprechen aktuell vier Faktoren für europäische Aktien:

Der günstige Euro: Er ist zum US-Dollar auf ein Elf-Jahres-Tief gefallen, was die exportorientierte Wirtschaft der Eurozone unterstützt. Hiesige Unternehmen erwirtschaften allein rund 20 Prozent ihrer Gewinne in den USA. Es wird geschätzt, dass ein Nachgeben des Euro gegenüber dem US-Dollar um 20 Cent die Gewinne europäischer Unternehmen um rund 5 Prozent steigert.

Der niedrige Ölpreis: Für Konsumenten wirkt er wie eine Steuersenkung, für Unternehmen bedeutet er niedrigere Kosten. Die Erfahrungen aus den Ölpreisschocks von 1986 und 1990 haben gezeigt, dass ein Ölpreisverfall um 10 Prozent die Gewinne europäischer Unternehmen um 2 Prozent erhöht.

Die Politik der Europäischen Zentralbank: Der Kauf von Anleihen in Höhe von 60 Milliarden Euro pro Monat drückt auf die Zinsen. Das sollte einerseits die Nachfrage nach Aktien erhöhen. Andererseits reduziert es die Refinanzierungskosten der Unternehmen und dürfte auch die Kreditnachfrage der privaten Haushalte erhöhen. Das kurbelt die Wirtschaft an.

Die fundamentalen Unternehmensdaten: Den europäischen Unternehmen geht es – andres als vielen Staaten – gut. Die Gewinne liegen im Schnitt konstant über denen der Unternehmen weltweit. Zudem sind die Bilanzen solide. Mit dem steigenden Vertrauen in die Geschäftsentwicklung dürften die Unternehmen wieder anfangen, ihr angehäuftes Kapital zu investieren.

Fazit: Auch wenn sich die Probleme unseres Kontinents nicht in Luft aufgelöst haben, bessert sich der Ausblick. Unsere europäischen Aktienfonds sind daher für einen moderaten Aufwärtstrend positioniert. Allerdings ist nicht der gesamte Markt attraktiv. So sind derzeit Qualitätsaktien günstiger bewertet als Value-Titel. Tatsächlich ist der europäische Aktienmarkt im historischen nicht länger günstig: Wenn wir die Dotcom-Ära herausnehmen, liegen die aktuellen Kennzahlen leicht über dem langjährigen Durchschnitt. Und auch wenn das Kurs-Gewinn-Verhältnis europäischer Aktien mit knapp 17 unter dem weltweiten Durchschnitt von über 18 liegt, gilt es wieder umso mehr, sich jedes Unternehmen im Detail anzuschauen. Das ist der Mehrwert, den nur ein aktives Fondsmanagement bieten kann. Nur mit ihm lassen sich Firmen mit Potenzial für Gewinnwachstum aufspüren.

_(Autor: Martin Stenger, Leiter Vertrieb für unabhängige Finanzberater und Versicherungen bei Fidelity Worldwide Investment in Deutschland)

_finanzwelt-Tipp: In der aktuellen Printausgabe 02/2015 haben wir ein Expertengespräch zum Thema "Europäische Aktien"