Da kommt etwas Großes auf uns zu

Der Aktienjahrgang 2015 war durch diverse kräftige Auf- und Abschwünge gekennzeichnet.

Das gilt nicht nur für den deutschen DAX, sondern ebenso für viele andere Länderindizes rund um den Globus wie beispielsweise den amerikanischen S&P 500. Derzeit sieht es nicht danach aus, dass die Aktienmärkte das Jahr 2015 mit deutlichen Kursgewinnen abschließen werden.

Für uns ist die zermürbende Seitwärtsbewegung der letzten Monate Grund genug, einmal in die Vergangenheit zu blicken und zu schauen, wie sich die Märkte im Anschluss an vergleichbare Seitwärtsphasen geschlagen haben.

Um dies zu illustrieren, fokussieren wir uns an dieser Stelle auf den marktbreiten US-amerikanischen S&P 500. Der nachfolgende Chart geht zurück bis in das Jahr 1980 und stellt die Entwicklung des Index als Monatschart dar.


S&P 500 von 1980 bis 2015 / Quelle: Stockcharts.com

Bei einem Blick auf den Chart lässt sich erkennen, dass die in pink dargestellten Bollinger-Bänder aktuell extrem eng zusammenlaufen. Im historischen Rückblick war dies immer wieder ein Anzeichen dafür, dass sich in den Märkten eine massive Spannung aufgebaut hatte, die schlussendlich in einer ebenso massiven Marktbewegung – in die eine oder andere Richtung – ihr Ventil suchte.

Eine derartige Spannung baut sich nicht unendlich lang auf. Ab einem gewissen Punkt muss der Druck schlicht entweichen. Die Frage, die sich hier nun stellt, ist: wann und in welche Richtung sich der Druck entlädt.

Doch so sehr man sich auch eine verlässliche Antwort auf diese Frage wünscht, so wenig kann diese mit Sicherheit beantwortet werden. Dies vorweggenommen bleibt dennoch die Möglichkeit, in der Vergangenheit nach Hinweisen zu suchen, wie sich derartige Marktspannungen zumeist entladen haben.

In 1984 und in 1994 kam es im Anschluss an eine vergleichbare Phase in beiden Fällen – entgegen der seinerzeit mehrheitlichen Erwartungen – zu extrem starken Bullenmärkten. Dennoch ist es an dieser Stelle nicht vorhersehbar, ob die aktuelle Marktspannung einen vergleichbar erfreulichen Ausklang findet. Nichtsdestotrotz scheint aufgrund der extrem eng verlaufenden Bollinger-Bänder eine massive Marktbewegung unmittelbar bevorzustehen.

Nachfolgend eine Übersicht der Phasen, in denen die Bollinger-Bänder eine extreme Marktspannung andeuteten:

1984 Bollinger-Bänder verliefen mit 14 Prozent Abstand
1995 Bollinger-Bänder verliefen mit 9 Prozent Abstand
2005 Bollinger-Bänder verliefen mit 15 Prozent Abstand
2015 Bollinger-Bänder verlaufen mit 13 Prozent Abstand

Fällt Ihnen etwas auf? Es liegen jeweils immer rund zehn Jahre zwischen den Phasen mit extrem eng verlaufenden Bollinger-Bändern. Bis heute wurden bei allen in Bezug auf die Bollinger-Bänder vergleichbaren Phasen im Anschluss signifikante Kursanstiege verzeichnet. Allerdings wirkten die Avancen des S&P 500 im Jahre 2005 im Vergleich etwas gehemmt. Dafür konnten damals die Aktienmärkte der Emerging Markets umso kräftiger zulegen.

Auch wenn die Erfahrungen aus der Vergangenheit nun also auch positive Erwartungen für die derzeitige Marktphase aufkommen lassen, sollte man sich nicht zu früh auf die eine oder andere Seite des Marktes stellen. Dafür sind die Märkte zu unberechenbar. Warten Sie zunächst den Ausbruch aus dem Seitwärtstrend ab und positionieren sie sich anschließend entsprechend.

Die Dynamik der absehbar zu erwartenden, massiven Marktbewegung sollten sich aufmerksame und flexible Anleger nicht entgegen lassen. Derartige Chancen bieten sich lediglich selten.


Autor: John B. Marshall, Fondsberater der P.A.M. Prometheus Asset Management GmbH