Crash oder Chance?

Andreas Kern, Gründer und CEO der wikifolio Financial Technologies AG / Foto: © Martina Draper

Investoren haben im Oktober an den Börsen schwere Herbststürme ertragen müssen. Die Kurse an den Aktienmärkten erlitten Rückschläge, wie man sie schon länger nicht mehr gesehen hat. Der große Crash ist bislang aber ausgeblieben, was vor allem an den immer noch relativ starken US-Märkten lag.

In Deutschland hinken DAX und Co. dem Geschehen auf den Weltmärkten unverändert hinterher, was nicht zuletzt an der schwachen Vorstellung der kriselnden Autohersteller, Banken und Versorger liegt. Ist die Korrektur Crash-Vorbote oder Einstiegschance?

Optimismus auf der einen…

Die Frage, ob die jüngste Korrektur nur der Vorbote einer langwierigen Talfahrt war oder der nächste Aufschwung schon wieder bevorsteht, führt bei den erfolgreichen Tradern auf wikifolio.com zu heftigen Diskussionen. Christian Thiel bezeichnet den Jahresverlauf mit gleich zwei Rückschlägen als völlig normal: „Wer das als Vorzeichen für einen Bärenmarkt wertet, der ist in meinen Augen entweder schlecht informiert oder noch nicht lange an der Börse.“ Positiv äußert er sich vor allem zu den Aussichten für die USA: „Der Markt kehrt in den Wachstumsmodus zurück. Die stark steigenden Gewinne der Unternehmen lassen ihm keine andere Chance.“ Ähnlich argumentiert Dietmar Kuebler, der davon ausgeht, „dass wir wieder in eine Aufschwungphase übergehen und dann noch ein bis zwei Jahre zumindest in Nord Amerika gute Gewinne sehen werden.“ In diesem vom ihm prognostizierten „finalen Anstieg“ soll es bei Technologie- und Biotech-Aktien sogar wieder zu „atemberaubenden Bewertungen und Kursverläufen“ kommen, „bevor dann alles korrigiert.“

Christian Jagd sieht mit Blick auf die fundamentalen Daten mittlerweile „bei einigen Unternehmen ein interessantes Bewertungsniveau erreicht, zumal die Quartalssaison insbesondere in Amerika teils sehr solide Ergebnisse hervorgebracht hat.“ Zudem verweist er darauf, dass mit November und Dezember zwei statistisch positive Monate zum Abschluss des Börsenjahres anstehen. Und auch Thomas Riepl erkennt aktuell „ein gutes Einstiegsniveau – falls keine negativen politischen Einflüsse erfolgen.“ Die Einflüsse richtig einzuschätzen empfindet er allerdings gerade als große Schwierigkeit.

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