Corona hatte nur kurzfristige Auswirkungen

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Aufgrund der Corona-Pandemie ist das Verkehrsaufkommen in Deutschland zwischenzeitlich deutlich gesunken – und damit auch die Schadenshäufigkeit in der Kfz-Versicherung. Diese könnte jedoch bald wieder deutlich ansteigen – gerade wegen der Pandemie-Folgen.

Weil sie im Homeoffice arbeiteten oder sogar ihre Arbeit verloren, entfiel für viele Menschen in den vergangenen Wochen der tägliche Weg zur Arbeit. Der fast komplette Ausfall von Freizeitmöglichkeiten und die Aufforderung, soziale Kontakte so weit wie möglich zu beschränken, taten ihr Übriges, um das Verkehrsaufkommen auf eine Stand zu bringen, der so jahrzehntelang nicht erreicht worden war. Eine positive Folge: Je weniger Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sind, desto unwahrscheinlicher ist es, dass es zu Unfällen kommt. „Das spiegelt sich in unseren Schadenstatistiken“, erklärt Rico Kretschmer, Abteilungsleiter Schadenmanagement bei der R+V Versicherung. „Üblicherweise melden unsere Kunden jeden Monat rund 16.000 Kfz-Schäden. Anfang April war das geringere Verkehrsaufkommen deutlich bemerkbar. Wir hatten nur zwei Drittel der üblichen Schadenmeldungen – allerdings nur zwei Wochen lang.“ So stiegen bei der R+V die Zahlen zuletzt wieder kontinuierlich an und erreichen in diesem Monat fast wieder Normalniveau.

Dass die Schadenszahlen wieder auf altbekanntes Niveau zurückkamen, hängt laut R+V auch mit der aktuellen Ausnahmesituation zusammen. Zwar arbeiten einige Kunden seit Wochen im Homeoffice und unterschreiten ihre jährliche Fahrleistung. „Aber es gibt auch viele Pendler, die aus Angst vor der Ansteckungsgefahr in Bussen und Bahnen aufs Auto umgestiegen sind und jetzt sogar mehr Kilometer fahren als vorher“, berichtet Kretschmer. „Wenn dann noch viele Urlauber auf Flugreisen verzichten und mit dem Auto Ferien in Deutschland machen, könnte das dazu führen, dass wir im Verlauf der Lockerungen sogar mehr Schäden bekommen als vor Corona.“ Eine ähnliche Entwicklung vollzieht sich im Lieferverkehr: So mussten einige Unternehmen während der Krise ihre LKW aufgrund mangelnder Auslastung stilllegen. Paketdienste, Zulieferer von Lebensmittelgeschäften und Drogerien mussten hingegen sich Fahrzeuge leihen, weil aufgrund des verstärkten Home-Shoppings und den Hamsterkäufen mehr Touren als üblich nötig waren.

Auswirkung auf Versicherung

Laut Rico Kretschmer ist es nur schwer einzuschätzen, wie am Jahresende die Schadensbilanz in der Kfz-Versicherung aussehen wird. So leistet auch die Versicherung derzeit mehr als üblich. „Wir tragen die Mehrkosten für derzeit oft schwierigen Ersatzteil-Lieferungen und zahlen unseren Partnerwerkstätten Vorschüsse auf die voraussichtlichen Reparaturkosten, um ihre Liquidität zu sichern. Außerdem übernehmen wir die Kosten für die Desinfektion der Fahrzeuge, damit das Virus nicht über Schmierinfektionen weitergegeben wird“, so der Schadens-Experte. Auch für Ersatzfahrzeuge musste die Haftpflichtversicherung der R+V oft deutlich mehr zahlen, wenn die Geschädigten wegen der geschlossenen Autohäuser kein neues Fahrzeug kaufen konnten oder die Reparaturen länger dauerten. (ahu)