Chinesische Importzölle schaden vor allem US-Unternehmen

Bin Yu, Head of China Equities bei Neuberger Berman / Foto: © Neuberger Berman

In Europa und Nordamerika sorgt die Aussicht auf einen großen Handelskrieg zwischen den USA und China für immer neue Schlagzeilen. Gerade erst hat Präsident Donald Trump Zölle auf die gesamten chinesischen Güterexporte in die USA angedroht – und damit auf Waren im Wert von 500 Milliarden US-Dollar. Letzte Woche schlug er dann vor, die Zölle auf ausgewählte Importe aus China zu erhöhen. Das beträfe immer noch Güter im Wert von 200 Milliarden US-Dollar.

Hier in Peking sieht man die Sache ganz entspannt. In China macht man sich über Zölle keine großen Sorgen. Regierung wie Wirtschaft beginnen darüber zu diskutieren, ob eigene Revanchezölle wirklich sinnvoll wären.

Die meisten sind der Meinung, dass beide Seiten bei einem solchen Handelskrieg nur verlieren können – wie es auch im Lehrbuch steht. Vielen hier ist bewusst, dass China und die USA damit ihren eigenen Unternehmen und Verbrauchern schadeten und nicht etwa den Unternehmen und Verbrauchern im anderen Land – und dass unter neuen Zöllen US-Verbraucher und US-Unternehmen wohl Alam stärksten leiden.

Chinesische Unternehmen exportieren nicht viel in die USA

Das klingt zunächst nicht plausibel; schließlich exportieren die USA jedes Jahr nur für 130 Milliarden US-Dollar Güter nach China. Bedeutet das nicht, wie einige der aggressiveren Berater im Weißen Haus argumentieren, dass China bei einem Handelskrieg viel mehr zu verlieren hat?

Dieses Argument ist nicht stichhaltig, denn man kann die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern nicht allein mit der Handelsbilanz beschreiben. Sie sagt sehr wenig darüber aus, wo Umsätze und Gewinne anfallen, insbesondere, wenn die beiden Länder China und die USA sind.

Wie viele chinesische Marken kennt ein amerikanischer Durchschnittsverbraucher? Nicht viele, und das aus gutem Grund. Die Güterexporte von China in die USA im Wert von 500 Milliarden US-Dollar sind nicht etwa 10 Millionen Huawei-Mobiltelefone. Nur wenige chinesische Unternehmen – beispielsweise einige Elektrogerätehersteller – erwirtschaften 10 bis 15 Prozent ihrer Gewinne mit amerikanischen Verbrauchern. Die meisten Analysten schätzen, dass die börsennotierten chinesischen Unternehmen kaum 5 Prozent ihrer Umsätze in den USA erzielen. Die Unternehmen, auf die sich chinesische Aktieninvestoren konzentrieren, Alibaba etwa, Tencent oder chinesische Banken, erwirtschaften oft gar keine Umsätze mit amerikanischen Endkunden.

Der Großteil der Güter im Wert von 500 Milliarden US-Dollar wird von US-Unternehmen hergestellt – für US-Verbraucher, aber in China. Allein Apple importiert jedes Jahr Hardware im Wert von etwa 50 Milliarden US-Dollar aus China in die USA. Ein Großteil der übrigen Importe sind elektronische Bauelemente und Maschinenteile, die von taiwanesischen, koreanischen oder europäischen Unternehmen für US-Firmen hergestellt werden.

Letztlich bedeutet dies, dass China längst nicht so stark auf die USA angewiesen ist wie US-Unternehmen auf China.

Marktkommentar von Bin Yu,
Head of China Equities bei Neuberger Berman