China mit niedrigstem Wachstum seit vielen Jahren

Wachstum verlangsamt sich auf 6,1 Prozent

Das gesamtwirtschaftliche Umfeld zwinge Peking, seine Politik auf ein besseres Gleichgewicht zwischen stabilem Wachstum und Risikomanagement auszurichten. Jedoch werde der Wunsch, bisherige Reformen nicht rückgängig zu machen, die Fähigkeit zu einer schnellen und aggressiven Ankurbelung der Wirtschaft einschränken. „Ohne umfassende Ausgleichsmaßnahmen wird sich das Wachstum 2019 und 2020 weiter auf 6,1 Prozent verlangsamen. Das dürfte ausreichen, um das offizielle Ziel, eine Verdoppelung des Bruttoinlandsprodukts des Jahres 2010 bis 2020, zu erreichen. Vor diesem Hintergrund ist zu erwarten, dass sich die Inflation auf 2 Prozent nach 2,3 Prozent in diesem Jahr abschwächt“, lautet Yaos Einschätzung.

Die Mischung aus proaktiver Fiskal- und umsichtiger Geldpolitik sollte intakt bleiben. Die Fiskalpolitik dürfte zu einem Anstieg des Haushaltsdefizits auf 3 Prozent nach 2,5 Prozent 2018 führen, unterstützt durch außerhalb des Haushaltsplans liegende Maßnahmen der Kommunen. Die Chinesische Volksbank wird zudem drei- bis viermal die Mindestreserve absenken, um die fiskalischen Maßnahmen zu ergänzen und Liquidität zu gewährleisten, wenn andere Kreditmöglichkeiten der Notenbank auslaufen.

Konflikt mit den USA gefährdet Politik der Chinesischen Volksbank

Sollte die Situation zwischen den USA und China weiterhin durch größere Konflikte gekennzeichnet sein, ist eine aggressivere politische Reaktion aus Peking zu erwarten, um das Wachstum bei über 6 Prozent zu halten. „In diesem Umfeld wäre die Chinesische Volksbank nicht in der Lage, eine neutrale Politik beizubehalten, und könnte den Entschuldungskurs umkehren, indem sie die Kontrolle über das Schattenbankensystem abgibt. Peking könnte die Begrenzung der kommunalen Verschuldung und die Beschränkungen für den Wohnungsmarkt aufgeben, um das Wachstum zu stimulieren. Diese Schritte zur Ankurbelung der Konjunktur dürften aber lediglich eine vorübergehende positive Reaktion am Markt auslösen, da die Anleger rasch auf die langfristigen Folgen derartiger Maßnahmen reagieren“, erläutert der Experte.

Dagegen könnte ein „Waffenstillstand“ im Handelskrieg die Stimmung bei den Anlegern beruhigen und den Druck auf die Volkswirtschaft abmildern. Die Behörden dürften den wirtschaftlichen Entschuldungskurs fortsetzen, was ein positives Umfeld für die Aktien- und Devisenmärkte schaffen sollte, die bereits eine deutliche Destabilisierung durch einen anhaltenden Handelskonflikt zwischen China und den USA eingepreist zu haben scheinen.

Markteinschätzung von Aidan Yao,
Senior Economist bei AXA Investment Managers