China entmachtet die USA

Wachablösung der USA bereits weit vorangeschritten

Vor 25 Jahren war die deutsche Volkswirtschaft auf US-Dollar-Basis noch etwa viermal so groß wie die chinesische, heute ist deren Bruttoinlandsprodukt (BIP) circa viermal größer als das Deutsche. China ist mittlerweile mit einem 2018er BIP von fast 13.000 Milliarden US-Dollar zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, nach den USA aufgestiegen. Es wird die verbleibende Lücke zu den USA zügig schließen und dann rasch auch an den USA vorbeiziehen.

Chinas Beitrag zum weltweiten Wirtschaftswachstum beträgt die letzten Jahre rund ein Drittel. Mit Ausfuhren im Wert von 2.300 Milliarden USD ist China der größte Exporteur der Welt. Das Reich der Mitte steht für rund 25 % des globalen Automobilabsatzes, knapp ein Viertel der weltweit 500 größten Unternehmen kommt gemäß des Wirtschaftsmagazins Fortune bereits aus China.

Der aktuelle Handelsstreit zwischen den USA und China wird hieran nichts Wesentliches ändern. Die gesamten Exporte von China in die USA machen gerade einmal rund 500 Mrd. USD bzw. 4 % der chinesischen Volkswirtschaft aus – somit weniger, als das chinesische BIP allein dieses Jahr wachsen wird. Zudem bedeutet ein Strafzoll nicht, dass diese Umsätze komplett wegbrechen. Zum einen werden trotz Preissteigerungen einige Konsumenten weiterhin diese Güter erwerben wollen. Zum anderen kann China als Gegenreaktion seine Währung abwerten sowie betroffene Unternehmen fördern und hierdurch eine Preiserhöhung abmildern. Und nicht zuletzt sucht China verstärkt den Brückenschlag innerasiatisch sowie in Richtung Europa und insbesondere auch nach Afrika, um perspektivisch noch unabhängiger von den USA zu werden.

Von der Werkbank zum Forschungslabor

Mit jährlich über 6 Millionen Universitätsabsolventen, hiervon rund 2 Millionen Ingenieure, stammt mittlerweile über ein Viertel der weltweiten Hochschulabsolventen aus dem Reich der Mitte. Die Chinesen werden zukünftig auch die ihrerseits benötigten Maschinen selbst bauen, fortentwickeln und in die Welt exportieren. China modernisiert sich und seine Infrastruktur eindrucksvoll Schritt für Schritt.

Trotz dieser Entwicklungen ist vielen Privatanlegern aber auch Finanzexperten das Reich der Mitte praktisch völlig unbekannt. Die Wenigsten haben das Land persönlich bereist, geschweige denn außerhalb der klassischen touristischen Ziele Städte und Unternehmen besucht. Diesen Ausführungen liegen 15 Chinareisen inklusive Besichtigung von fast 40 chinesischen Millionenstädten quer durch das Land sowie der Aufbau und die Führung einer eigenen Chinarepräsentanz in Beijing seit dem Jahre 2005 zugrunde. Das sich hierbei ergebende Chinabild ist wesentlich vielschichtiger und positiver, als wir es hierzulande wahrnehmen. Natürlich gibt es (auch) in China viele Problemfelder, über welche hierzulandebreit in den Medien gesprochen wird. Diese gilt es überhaupt nicht kleinzureden oder gar wegzudiskutieren. Aber es gibt eine große Vielfalt an normalen oder gar positiven, dieses Land vorantreibenden Faktoren, die jedoch im täglichen Strom der Schlagzeilen kaum realisiert werden.

Öffnung der Kapitalmärkte bietet Chancen für Anleger

Shanghai ist auf dem Weg zu einem globalen Finanzzentrum. Schritt für Schritt öffnen sich die chinesischen Aktien- und Bondmärkte. Sie ermöglichen (internationalen) Investoren damit ihr Produktspektrum zu erweitern und eine bessere Risikostreuung zu erzielen. Aktuell sind chinesische Standardwerte bei einem Indexstand beispielsweise des CSI 300 von gut 3.000 Punkten mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 10 vergleichsweise günstig bewertet. Das zuvor geschilderte Gesamtumfeld sollte die chinesischen Unternehmensgewinne und somit auch die zugehörigen Aktienmärkte beflügeln. Zur Risikoreduktion ist hierbei eine breite Titel- und Branchenstreuung sowie ein langfristiger Anlagehorizont sehr wichtig.

Favorisiert sind Unternehmen aus den Segmenten Infrastruktur, (höherwertige) Konsumgüter, Gesundheit, Internetdienstleister, Umwelt, Bildung und Freizeit. Für die meisten (Privat-)Anleger dürfte ein breit aufgestellter Chinafonds, welcher zu den gewünschten Branchenschwerpunkten und zum Chance-Risiko-Profil des Anlegers passt, die optimale Lösung sein.

Marktkommentar von Andreas Grünewald,
Gründer und Vorstand FIVV AG