China auf dem Weg zur Technologieweltmacht

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Laut einer gemeinsamen Einschätzung zweier Institute könnte China bald zur führenden Nation bei der Digitaltechnik aufsteigen. Die Regierung macht sich das auch zunutze – und das nicht zum Vorteil der Bürger. Auch für Investoren ist China kein einfacher Markt.

China wird in den nächsten Jahren wohl seinen Platz als bevölkerungsreichstes Land der Erde an Indien verlieren. Auf einem anderen Gebiet schickt sich die Volksrepublik aber an, die Weltspitze zu erklimmen: Bei zentralen Zukunftstechnologien. So geht eine Analyse des FERI Cognitive Finance Institutes und der Sinolytics GmbH davon aus, dass die heranwachsenden Riesen der chinesischen Internet-Industrie in wenigen Jahren die bisher dominanten Technologieunternehmen des Westens überholen werden. Diese Entwicklung würde nicht nur von innovativen und anpassungsfähigen Unternehmern und hunderten Millionen technikbegeisterter Nutzer und Konsumenten getragen, sondern auch von einem mächtigen Staat, der als Förderer und Lenker der rasanten Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft auftrete, so die Studie.

„Die Innovationspolitik der chinesischen Führung hatte über viele Jahre den Schwachpunkt, dass staatliche Steuerung der Wirtschaft und unternehmerischer Freiraum für Innovation und Kreativität sich scheinbar unvereinbar gegenüberstanden. Es wurden Milliarden in den technologischen Fortschritt investiert, doch die Resultate waren weitgehend enttäuschend. Nun sieht es so aus, als ob die Regierung unter Xi Jinping – zumindest für den Moment – die richtige Mischung aus politischer Lenkung und unternehmerischer Freiheit gefunden hat“ erläutert Björn Conrad, Geschäftsführer der Sinolytics GmbH und Autor der Studie.

China bereits heute Marktführer

Nationale Internetgiganten wie Baidu, Alibaba und Tencent machen China bereits heute führend beim Online-Shopping und beim mobilen bargeldlosen Bezahlen. Auch im Bereich der Künstlichen Intelligenz liegt die Volksrepublik an der Weltspitze, muss diesen Platz derzeit aber noch mit den USA teilen. Bereits heute sind die Top 5 Entwickler KI-gestützter visueller Gesichtserkennung chinesische Unternehmen. Außerdem setzt das Land zunehmend eigene Trends in den Bereichen Blockchain, vernetztes Fahren und Mobilfunkstandards. „China ist damit auf dem besten Wege, innerhalb kurzer Zeit zur globalen Hightech-Supermacht aufzusteigen, erklärt Dr. Heinz-Werner Rapp, Leiter des FERI Cognitive Finance Institute. „Diese Entwicklung ist rund um den Globus spürbar und wird die globalen Machtstrukturen deutlich verändern“, so Rapp weiter.

Regierung nutzt Digitalisierung zur Kontrolle der Bürger

Basis für den Erfolg der chinesischen Industriekonzerne bildet die technologische Durchdringung aller Lebensbereiche. Diese beflügelt auch die dynamische Start-Up Szene des Landes, indem sie ein breites Spektrum an Anwendungs- und Experimentierfeldern im Alltag bereitstellt. Jedoch macht sich auch die Regierung in Peking die Möglichkeiten der modernen Technik zunutze – und das steht nicht gerade im Einklang mit den Menschenrechten:  So sollen ab 2020 alle Bürger, Unternehmen und Behörden in einem „Sozialkreditsystem“ erfasst und mit einem politisch definierten Punktesystem nach ihrem Verhalten bewertet und entsprechend belohnt oder bestraft werden.

China-Investments erfordern große Sachkenntnis

China ist längst mehr als nur die „Werkbank der Welt“, auf die westliche Staaten aus Kostengründen ihre Produktion auslagern. Stattdessen entwickeln die Technologieunternehmen aus dem „Reich der Mitte“ zunehmend eigene attraktive Geschäftsmodelle und haben globale Ambitionen. Somit wecken sie auch das Interesse von Investoren. Dass chinesische Unternehmen in Zukunft eine größere Rolle in der Weltwirtschaft spielen werden, wird auch an der steigenden Zahl von Börsengängen chinesischer Tech-Pioniere sowie der Aufnahme des Landes in den Weltaktienindex MSCI Emerging Markets deutlich. Dennoch bleiben das Land und seine Unternehmen für Investoren eine große Herausforderung. „Die Öffnung des chinesischen Aktienmarktes ist ein wichtiger Schritt, doch der chinesische Markt hat ganz eigene Spielregeln. Dort zu erkennen, welche Investments sich langfristig lohnen könnten, erfordert ein hohes Maß an Spezialwissen und Expertise. Dennoch sollten Investoren die aktuellen Entwicklungen, speziell im Hightech-Bereich, eng verfolgen“ empfiehlt Rapp. (ahu)

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