Charity bedeutet „helfen“.

Frank Fleschenberg gehört seit mehreren Jahren zur Prominenz der Finanzdienstleistung. Eine Seite seiner Person, die er nicht gerne öffentlich zur Schau stellt, ist die des Charity-Aktivisten.

Der Mitgründer des EAGLES Charity Golf Club e. V. fasst Charity als angewandte Hilfeleistung auf. finanzwelt sprach mit ihm über seine Beweggründe, sein bisher Erreichtes und seine Ziele für die Zukunft.

finanzwelt: Herr Fleschenberg, Sie sind Präsident und Gründungsmitglied des EAGLES Charity Golf Club e. V. Aus welchem Grund haben Sie seinerzeit den Club gegründet und welchen Stellenwert hat darin der Begriff „Charity“? Welche Wertvorstellungen leiten den Club?

Fleschenberg» Ich hatte das große Privileg, im Fußballbereich Geld zu verdienen. Mir wurde so die Möglichkeit eröffnet, Betriebswirtschaft zu studieren, was mir aufgrund meines einfachen Elternhauses nicht möglich gewesen wäre. Von diesem Glück wollte ich etwas zurückzugeben. So habe ich 10 Jahre zusammen mit Manfred Sexauer (Moderator Beatclub und Musikladen) für die S.O.S. Kinderdörfer Gelder eingesammelt, bevor ich 1993 den EAGLES Charity Golf Club gegründet habe und damit meine Idee verwirklichen konnte – nämlich ohne großen Verwaltungsaufwand diejenigen zu unterstützen, welche auf der Schattenseite des Lebens stehen. Der Begriff „Charity“ bedeutet für mich „Helfen“. Für die einen bedeuten 5.000 Euro unglaublich viel, für die anderen ist es aufgrund der Kosten für Behandlung oder medizinische Geräte ein Tropfen auf dem heißen Stein. Hier versuchen wir seit 23 Jahren einen fairen Ausgleich zu finden. Meine persönliche Wertvorstellung ist, grundsätzlich transparent zu sein – jeder Cent wird offengelegt und der Empfänger genannt. Es ist mir unverständlich, dass es Golf-Veranstaltungen in Deutschland gibt, die diese Transparenz nicht an den Tag legen. Um am Ende des Tages nur zu sagen „Wir haben einige Hunderttausend Euro an folgende Organisationen gespendet“, ohne zu artikulieren, wie viel wohin ging, halte ich schlichtweg für unverantwortlich. Dass hier von den Medien keine Nachfrage erfolgt, kann ich nur bedauern. Mit solch einem Verhalten wird Spekulationen Tür und Tor geöffnet und die Seriosität von anderen Veranstaltern in Frage gestellt. Wenn wir im Golfsport von Ethik sprechen, sollte diese Offenlegung einer der wichtigsten Grundsätze sein.

finanzwelt: Wie erreicht der EAGLES Charity Golf Club seine karitativen Ziele? Auf welche Spenden- bzw. Leistungsziele dürfen die Mitglieder stolz sein?

Fleschenberg» Aufgrund der Tatsache, dass wir 125 prominente Mitglieder haben, ist es relativ leicht, Veranstalter zu finden, die ein Turnier mit den EAGLES durchführen wollen. Wir garantieren den Veranstaltern mindestens 20 prominente Teilnehmer. Dafür erwarten wir eine entsprechende Spende, die sinnvoll und mit wenig Verwaltungsaufwand an die Hilfsbedürftigen weitergegeben wird. So ist es uns gelungen, in 23 Jahren mehr als 26 Mio. Euro zu spenden. Wichtig ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass die Verwaltungskosten ausschließlich von den Mitgliedsbeiträgen bezahlt und so die Spenden zu 100 % weitergegeben werden.

finanzwelt: Die finanzwelt war unlängst Partner des EAGLES Charity Turniers in Baden-Baden. Wie haben die Mitglieder das Turnier erlebt und wie sind Sie als Präsident mit den für einen guten Zweck erzielten Resultaten zufrieden?

Fleschenberg» Das Golfturnier der finanzwelt in Baden-Baden fand nach zwei Jahren Pause endlich wieder statt. Da ich mit der Zeitschrift und der Herausgeberin Dorothee Schöneich seit über 20 Jahren bekannt und befreundet bin, hat es die EAGLES sehr gefreut, in dieser traumhaften Stadt wieder ein Golfturnier auszutragen. Ich hoffe, dass diese Veranstaltung auch 2016 wieder stattfinden wird und die Leser der finanzwelt dieses Turnier so unterstützen wie im Jahr 2015, damit wir wieder eine Spendensumme im Bereich von 50.000 Euro einsammeln können.

finanzwelt: Werte sind die möglicherweise einzig validen Unterscheidungskriterien zwischen Menschen. Welche Bedeutung haben Werte für Vermittler und Berater in der Finanzdienstleistung?

Fleschenberg» Ob im Sport oder in der Finanzdienstleistung, die Unterscheidungskriterien stellt immer der Mensch selbst dar. Um erfolgreich zu sein ist es wichtig, dass man sich mit Werten identifiziert. Diese sollten Disziplin, Pünktlichkeit und Respekt vor allen Mitmenschen sein. Von entscheidender Bedeutung ist auch die Tatsache, dass man sich selbst nicht so wichtig nimmt, nicht alles als selbstverständlich ansieht und sich mit dem beschäftigt, was man hat und nicht mit dem, was einem fehlt. Ich bin der festen Überzeugung, dass speziell der Kapitalanleger ein Gespür dafür hat, dass ihm jemand gegenübersitzt, der ihn sachverständig berät und für den das Wort „Werte“ kein Fremdwort ist.

finanzwelt: Herr Fleschenberg, Sie sind seit vielen Jahren Experte im Bereich der Anlageimmobilien. Welche Bedeutung sehen Sie für die Anlageimmobilie als Assetklasse im Jahr 2016? Wenn Sie regionale preisliche Blasen erkennen würden, welche Handlungsanleitung würden Sie Vermittlern als Alternativstrategien im Anlage-Immobilienbereich empfehlen?

Fleschenberg» Sicherlich ist die Anlage Immobilie nicht erst seit der Niedrigzinsphase ein wichtiger Baustein im Vermögensaufbau. Aus diesem Grunde wird die Immobilie nicht nur im Jahr 2016 eine wichtige Assetklasse darstellen. Immer davon ausgehend, dass die Angebote hinsichtlich Lage und Qualität nicht überteuert sind, sind Anlagen ohne Immobilienvermögen undenkbar. Interessant ist auch die Verschiebung im Ranking der interessanten Städte. Wenn man zugrunde hält, dass in den neuesten Studien Städte wie Berlin und Leipzig weit vorn liegen, sieht man hier eine sehr deutliche Verschiebung unter den ersten sechs ersten Plätzen. Dass München seit Jahren die absolute Nummer 1 in Deutschland ist, überrascht nicht, aber dass Berlin nach über 15 Jahren Stillstand heute auf Platz 2 steht, schon sehr. Ich stelle mir seit Jahren die Frage, ob es möglich ist, solche Entwicklungen frühzeitiger zu erkennen, um damit auf die Ausrichtung der Angebote Einfluss zu nehmen. Dieses Phänomen der Ranking-Verschiebung in allen Anlagen konnte man auch vor einigen Jahren bei Gold feststellen. Während einem langen Zeitraum von 15 Jahren und mehr hat sich der Goldpreis nicht verändert, um dann innerhalb eines Jahres zu explodieren. Diese Gefahr der langen Stagnation sehe ich in der Immobilienbranche generell nicht. Selbst wenn Kauf- und Mietpreise nur minimal steigen, so ist hier immer ein Preisanstieg festzustellen. Nach dem Motto, dass der einzige Trieb, der auch im Alter nicht nachlässt, der Steuerspartrieb ist, empfehle ich in Denkmalimmobilien zu investieren. Außerdem ist es für jedes Stadtbild überaus wichtig, dass solche wunderbaren Gebäude erhalten werden. (jr)

finanzwelt 06/2015