Chance in unruhigen Marktphasen

Marc Bosserhoff, Geschäftsführer der ficon börsebius Invest GmbH in Düsseldorf / Foto: © ficon börsebius Invest GmbH

Dividendenstrategien rücken in die Diskussion – gerade in unruhigen Marktphasen. Sollte man in dieser Situation auf diese Art von Qualitätsaktien setzen und können sie einen Anker im Depot darstellen – Chancen und Risiken.

Da Aktien, die einen großen Teil ihrer Gewinne als Dividende ausschütten, weniger wachsen als die meisten anderen Aktien, können sie auch weniger wachstums- und konjunkturbedingt enttäuschen. Diese Werte sind meist spätzyklisch und haben den Zenit Ihres regionalen Wachstums erreicht. In einem risikoaversen Marktumfeld sind Dividendenaktien – die mehr als 4,2 Prozent Dividende ausschütten – vor diesem Hintergrund sehr attraktiv.

Dividendenaktien haben in der Regel höhere Fremdkapitalquoten, das Fremdkapital hat aber gleichzeitig eine längere Laufzeit bis zu seiner Rückzahlung. Daher können kurzfristige Zinsschocks kaum zu starken Kursabschlägen führen. Konjunkturell sind spätzyklische Aktien mit reifen Geschäftsmodellen, die einen Großteil ihrer Gewinne ausschütten und nicht in Wachstum investieren, weniger anfällig als zyklische Unternehmen oder Wachstumsunternehmen. Doch Vorsicht: Dividendenkürzungen können mitunter zu erheblichen Abschlägen führen. Ebenso führt das Risiko, dass die stabilen Cash Flows durch politische Regulierung wie bei Telecoms oder Versorgern, sowie Disruptionsrisiken zu hohen Abschlagsrisiken. Die Kursrückgänge können dann größer sein als bei anderen Unternehmen.

Für eine langfristige Dividendenstrategie ist das Umfeld nicht so entscheidend. Allerdings werden dividendenstarke Aktien in schwachen Phasen den Markt outperformen, in starken Phasen hinken sie wegen der geringen Wachstumsaussichten hinterher. Demzufolge werden Dividendenstrategie in Großvermögen auch in verschiedenen Phasen unterschiedlich stark gewichtet.

Mit Blick auf die Branche sollte man die Bereiche Telecoms, Rückversicherungen, Pharma und Versorger im Auge behalten. Wir warnen jedoch davor, sich von hohen Dividenden in disruptiven Branchen wie Banken und Automobile locken zu lassen. Regional haben vor allem europäische und US-amerikanische Unternehmen eine stabile Dividendenkultur.

Grundsätzlich eignen sich Direktanlagen für eine Dividendenstrategie bestens. Die Branchenmischung muss sich mit der zyklischen Phase bewegen und der Frage Rechnung tragen, wie sehr der Markt aktuell nach Wachstum sucht. Aktive Investmentfonds stellen meist nicht die eigentliche Dividende in den Mittelpunkt, sondern das Dividendenwachstum. Das birgt in Abkühlungsphasen ähnliche Enttäuschungsrisiken wie jedes andere zyklische Unternehmen. Zuverlässige und überdurchschnittliche Dividendenerträge zeigen sie auch nicht. ETF haben starre Branchengewichtungen, das ist über mehrere Marktphasen hinweg eher mit überdurchschnittlichen Risiken verbunden.

Kolumne von Marc Bosserhoff,
Geschäftsführer der ficon börsebius Invest GmbH in Düsseldorf