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Gute Aktien bleiben auch nach EZB-Dämpfer interessant

Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigte am vergangenen Donnerstag zwar ein weiteres Anleihenkaufprogramm an, jedoch hatten viele mit noch deutlicheren Schritten gerechnet. Doch auch wenn Mario Draghi mit seiner Entscheidung für Enttäuschung bei den Investoren und somit für deutliche Abwärtsbewegungen an den Börsen gesorgt hat, europäische Werte bleiben trotzdem als Anlage unverzichtbar.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass es dem EZB-Präsident gelingt, die Zinsen auch in Italien und Spanien auf unter ein Prozent zu senken. Während Irland aktuell mit einem Rekordwachstum von 6,7 Prozent glänzt, braucht Frankreich weiteren monetären Anschub und trotz leichter Besserung braucht auch Italien weitere finanzielle Stimulierung. Der bei einigen italienischen Banken zu beobachtende Anstieg der faulen Kredite wird inzwischen sogar als Zeichen der Besserung gewertet, weil diese Banken sich jetzt stark genug fühlen, die „wahren“ Zahlen für ihre faulen Kredite auf den Tisch zu legen. Die Zinsen dürften demnach weiter sinken und somit die positive Entwicklung deutscher beziehungsweise europäischer Aktien trotz des teils zu beobachtenden markttechnischen Überoptimismus begünstigen.

Generelle Bevorzugung von Europa gegenüber den USA bleibt bestehen
Fundamental dürften sich die Unternehmensgewinne 2016 stärker verbessern, als bei dem bisher etwas enttäuschenden Anstieg für 2015, der auf 7 Prozent geschätzt wird, zu beobachten ist. Grund dafür ist, dass viele Unternehmen ihre Dollarumsätze zu früh gehedged haben und so der Währungs-Gewinnschub erst 2016 voll einsetzen wird. US-Werte leiden dagegen zunehmend unter der starken Währung – und das nicht nur im Export. Auch die wachsende, billigere Konkurrenz aus dem Ausland trägt durch Importe dazu bei. Abgesehen von Japan steigen nirgendwo die Unternehmensgewinne vergleichbar stark wie in Europa. Die durchschnittlichen europäischen Gewinnbewertungen sind im internationalen Vergleich nicht zu hoch und die Gewinnaussichten verbessern sich genauso wie die europäischen Konjunktur-Frühindikatoren. Es spricht also vorläufig vieles für europäische Aktien.

Autor: Dr. Jens Ehrhardt, Vorstandsvorsitzender DJE Kapital AG


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Aktienunternehmen mit Preismacht im Vorteil

Entscheidend für die Ertragslage sind zwei Faktoren: erstens der Umsatz sowie zweitens das Ergebnis und die daraus resultierende Marge. Um sie zu steigern, besteht für viele Unternehmen die beste Möglichkeit darin, den Absatz zu erhöhen. Denn wenn mehr von dem verkauft wird, was man bereits produziert, ergeben sich Skaleneffekte. Folge: die Stückkosten sinken und die Rentabilität steigt.

Neue Nachfragemärkte ausmachen
Doch diese wirtschaftliche Grundrechnung geht nicht immer auf. Angesichts des Abschwungs in China, Problemen in Schwellenländern sowie der instabilen Erholung in den USA und Europa ist es vielmehr eine große Herausforderung, neue Nachfragemärkte zu finden.

Was also kann in einer Welt mit schwachem Wachstum zu höheren Gewinnen führen? Höhere Preise, lautet die einfache Antwort. Die geringe Inflation (0,5 Prozent in den USA, rund 1,0 Prozent im Euroraum) lässt erkennen, wie schwer es jedoch für Anbieter gegenwärtig ist, die Preise erfolgreich zu erhöhen. Daher empfehlen wir Anlegern, auf drei Faktoren zu achten, um Unternehmen zu identifizieren, die ihre Preismacht erfolgreich durchsetzen können:
  1. Innovation
  2. Wettbewerb
  3. Kosten- und Inflationsdynamik
Innovationen als Mehrwert nutzen
Technologieunternehmen, die neuartige Produkte oder Dienstleistungen auf den Markt bringen, können wie selbstverständlich höhere Preise verlangen. Gleiches gilt für Arzneimittelhersteller, die neue Medikamente entwickeln.

Marketing ist eine weitere Möglichkeit, um Innovationskraft gegenüber Kunden zu demonstrieren. Durch den Zusatz „neu und besser“ auf Waschmittelverpackungen kann beispielsweise ein Konsumgüterhersteller versuchen, den Preis anzuheben. Anleger müssen jedoch beurteilen, ob die Verbraucher wirklich dazu bereit sind, mehr zu bezahlen – und ob Aufsichtsbehörden nicht einschreiten, wenn übertriebene Produktversprechen gemacht werden. Durch Marketing allein sind daher meist nur geringe Steigerungen möglich.

Auch die Preisstruktur selbst kann innovativ sein. Zum Beispiel kann ein Betreiber von Vergnügungsparks Pakete anbieten, die vergünstigte Eintrittskarten für einen zweiten Park enthalten, um so die Besucherzahlen zu erhöhen.

Auf den Weltmärkten können die Wechselkurse Preisrisiken und -chancen bieten. Das bekommt gegenwärtig etwa das US-Unternehmen Caterpillar zu spüren – die sinkende Rohstoffnachfrage dämpft den Absatz von schweren Erdbewegungsmaschinen. Dagegen profitiert der japanische Konkurrent Komatsu von einem schwächeren Yen: er kann seinen Preis in US-Dollar senken und den Absatz steigern.

Wettbewerb als Vorteil ausspielen
Fast immer ist Preismacht abhängig vom Wettbewerbsumfeld. Bei Supermärkten etwa entscheidet die Markenwahrnehmung über das Preisgefüge. Im Vereinigten Königreich haben Discounter wie Aldi und Lidl die Preise so stark unter Druck gesetzt, dass namhafte Konkurrenten wie Tesco oder Sainsbury in massive Schwierigkeiten gerieten. Gleichzeitig können Premium-Supermärkte heute nicht mehr auf ihre gewohnte Strategie setzen, die Preise regelmäßig leicht anzuheben: Erstens herrscht allgemein keine nennenswerte Inflation, und zweitens reagieren Konsumenten angesichts neuer Discounter sensibel auf Kostensteigerungen. Gleiches gilt für andere Branchen, in denen Preisführer Marktanteile erobern – beispielsweise Fluglinien oder Finanzdienstleister.

Bei der Beurteilung des Wettbewerbsumfelds muss wiederum das regulatorische Risiko genau beachtet werden. Als Hillary Clinton für den Fall ihres Sieges bei den US-Präsidentschaftswahlen versprach, gegen die hohen Preise verschreibungspflichtiger Medikamente vorzugehen, stellte sie damit eine potenzielle Regulierung in Aussicht. Pharmaherstellern würde es dadurch zukünftig schwer fallen, ihre Preise zu erhöhen. Auch Telekommunikationsanbieter müssen vor aktivistischen Regulierern auf der Hut sein, die ihre unabhängige Tarifgestaltung begrenzen.

Wie stark ein Unternehmen die eigene Branche kontrolliert, bestimmt zudem maßgeblich seine Preismacht. In der Vergangenheit konnte die OPEC das globale Öl-Angebot kontrollieren, um die Preise hoch zu halten. In den letzten 18 Monaten nahm die Organisation die neue Konkurrenz aus dem US-Schieferölsektor jedoch zunehmend als Bedrohung wahr. Daher nutzte das Kartell seine Möglichkeit zur Steuerung der Fördermenge, um den Ölpreis extrem tief zu halten und so die Kapazitäten der Konkurrenz unwirtschaftlich zu machen.

Kostendynamik als Produkttreiber einsetzen
Angesichts der niedrigen Inflation spielt auch die Kostendynamik für die Preismacht eine zentrale Rolle. Beispiel Ecolab – ein Produzent von auf Ölbasis gewonnener Chemikalien für Reinigungszwecke: Angesichts der günstigen Bezugskonditionen für den Rohstoff sind die Faktorkosten massiv gesunken und die Rentabilität stieg, ohne die Preise anzuheben.

Im globalen Agrartechnologie-Sektor haben Anbieter wie Syngenta (Schweiz) oder Monsanto (USA) genetisch verändertes Saatgut sowie Mais- und Sojabohnensorten entwickelt – in der Erwartung, dass Landwirte einen Aufschlag für ertragreichere Pflanzen zu zahlen bereit wären. Doch weit gefehlt: Denn die Fähigkeit der Unternehmen, ihre Erzeugnisse zu höheren Preisen zu verkaufen, ist eingeschränkt, da die zugrundeliegenden Verkaufspreise, etwa für Mais, nach wie vor niedrig sind – und Landwirte Mehrkosten scheuen.

Unser Fazit: Aktien preisbewusst betrachten
Die Preismacht ist heute mehr denn je ein wichtiger Aspekt bei der umfassenden Analyse des Geschäftsmodells und der Gewinnaussichten eines Unternehmens. Anbieter in einer Vielzahl von Branchen stehen vor großen Herausforderungen, wenn sie ihre Ergebnisse steigern wollen. Daher glauben wir, dass es sehr wichtig ist, den Faktor Preismacht zu verstehen: Denn dieses Bewusstsein hilft dabei, diejenigen Aktien zu finden, von denen Anleger in hohem Maße überzeugt sein können.

Die hier geäußerten Einschätzungen und Meinungen sind weder Analysen noch dienen sie als Investmentberatung oder Anlageempfehlung. Sie geben nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams von AB wieder.


Autoren: Mark Phelps, CIO Concentrated Global Growth Equities, und Dev Chakrabarti, Portfoliomanager / Senior Research Analyst, bei AB
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Europa ist viel mehr als nur ein sicherer Hafen

Ein derart schwieriger Start könnte Anleger dazu bringen, 2016 für die Aktienmärkte das Schlimmste zu befürchten. Aber auch wenn die Märkte zurzeit im Minus sind, gibt es keinen Grund, von einer Depression auszugehen, da die positiven Vorzeichen überwiegen.

„Europa ist für Aktienanleger zweifellos nach wie vor attraktiv, denn der schwächere Euro, das billige Öl und die niedrigen Zinssätze bieten eine klare Perspektive“, sagt Pierre Nebout, Co-Leiter European Equity Management bei Edmond de Rothschild Asset Management (France).

Der Aktienexperte aus dem Hause Edmond de Rothschild erwartet, dass die besser werdende Lage sich auch auf den Haushaltszyklus positiv auswirken wird, da die Sparpolitik gelockert wird und die Kreditvergabe, dank der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), anzieht.

„Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, dass sich Europas Unternehmen, die seit 2009 Restrukturierungsmaßnahmen durchlaufen, in ausgezeichneter Verfassung befinden. Diese fortlaufenden Anstrengungen haben ihre Ergebnisse robuster gemacht“, so Nebout.

Nach der Überzeugung des Spezialisten für europäische Aktienmärkte erscheinen auch die Belastungen im Bankensektor als überzogen: „Die jahrelangen Anstrengungen auf dem Gebiet der Regulierung haben vielmehr zu einer Stärkung der Bilanzen geführt, auch wenn dies erheblich zu Lasten der Ertragskraft geht. Und die EZB hat einen klaren Auftrag, die Kreditvergabe wieder in Gang zu bringen. Darüber hinaus können wir nicht ausschließen, dass sie im März weitere Maßnahmen zur Stützung des Bankensektors ergreifen wird.“

Im aktuellen Umfeld mit niedrigen Zinsen und schwachem Weltwirtschaftswachstum bevorzugt Pierre Nebout ertragsstarke Aktien – Aktien von Unternehmen, die hohe, freie Cashflows erwirtschaften – und binnenwirtschaftlich orientierte Unternehmen, die nach wie vor attraktiv bewertet sind.

Pierre Nebout, Co-Leiter European Equity Management
bei Edmond de Rothschild Asset Management






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