Probleme gehen durch Ignorieren nicht weg

"Tsipras genießt einen enormen Rückhalt in der Bevölkerung und hat alle Chancen, eine umfassende Modernisierung des Landes voranzutreiben."

"Wenn die Politik sich nicht klaren Regeln unterwirft oder Souveränität an europäische Institutionen abgibt, sind Krisen wie in Griechenland immer wieder möglich."


Der Bundestag hat dem dritten Rettungspaket für Griechenland zugestimmt und damit den Weg für ein rund 80 Milliarden schweres Programm freigemacht, obwohl sich der Internationale Währungsfonds (IWF) noch nicht abschließend zu seiner Beteiligung geäußert hat. Dafür hat er gute Gründe: Griechenland wird seine Schulden (real) nicht begleichen können.

Wenn etwas nicht ewig währen kann, dann muss man sich darauf einstellen, dass es früher oder später endet. Diese „Weisheit“ gilt auch für die Tragfähigkeit der griechischen Staatsschulden. Jeder weiß, dass Griechenland seine Schulden nicht wird zurückzahlen können. Der IWF hat dies in der Vergangenheit in Form mehrerer Schuldentragfähigkeitsanalysen nachgewiesen und Frau Lagarde hat diese Einschätzung jüngst wieder bekräftigt. Auch der ESM äußert erhebliche Zweifel daran, dass Griechenland die Schulden vollumfänglich wird bedienen können. Er zeigt allerdings auch die potentiellen Lösungswege auf: drastische Streckung der Tilgungen und deutliche Reduktion der Zinslast. Mit anderen Worten: Wenn es schon zu einem realen Schuldenschnitt kommt, dann soll zumindest ein nominaler Schuldenschnitt verhindert werden. Was für eine Ironie! Wenn nach der Nicht-Beistandsklausel der EU-Verträge ein nominaler Schuldenschnitt untersagt sein soll, dann muss ja wohl nach gängiger teleologischer Auslegung ein faktischer Schuldenschnitt durch Zins- und Tilgungsstundung genauso vertragswidrig sein. Schließlich sollen Verträge ja nicht nur dem Buchstaben, sondern auch dem Geiste nach eingehalten werden.

Der eigentliche Grund für das Lavieren um das Thema Schuldenschnitt ist auch weniger in den Verträgen zu suchen, als vielmehr in der Scheu der Politiker, vor den Wähler zu treten mit der Botschaft: Das Geld ist weg. Offensichtlich wollen viele Politiker das Problem lieber auf die lange Bank – oder in die nächste Legislaturperiode – schieben und nicht selbst Überbringer der schlechten Nachricht sein. Mit dieser Vorgehensweise wird die Schuldenproblematik Griechenlands nicht gelöst, sondern lediglich auf Wiedervorlage geschoben. Wenn aber ein faktischer Schuldenschnitt unumgänglich ist, dann wäre ein nominaler Schuldenschnitt die ehrlichere Variante. Wenn ein Staat – wie im Falle Griechenlands – seine Schulden nicht bedienen kann, muss ein echter Schuldenschnitt möglich sein.

„Probleme ignorieren“ war allerdings lange Zeit auch die Devise in Griechenland selbst. Der enorme Modernisierungsstau in dem Land ist von den verschiedenen Regierungen in der Vergangenheit gekonnt ignoriert worden. Auch Premierminister Alexis Tsipras hat sich lange Zeit gegen diese Erkenntnis gesträubt. Nach den zähen und konfrontativen Verhandlungen, in deren Verlauf Griechenland am Abgrund stand, ist dem Land nur zu wünschen, dass die Regierung jetzt ihre historische Chance beim Schopfe packt und das Land wirklich umfassend modernisiert: Korruption bekämpfen, Verwaltung und Steuergesetze modernisieren. Tsipras genießt einen enormen Rückhalt in der Bevölkerung und ist unverdächtig, Teil einer korrupten Machtelite zu sein. Zur Erinnerung: Auch Gerhard Schröder ist nicht als Reform-Kanzler gestartet und hat sich am Ende zum entschiedenen Reformer entwickelt – sogar gegen seine Parteiinteressen (wie es sich jetzt auch in Griechenland abzeichnet). Vielleicht haben die Griechen ein ähnliches Glück mit Tsipras. Zu gönnen wäre es ihnen.

Das Vorgehen in der Europäischen Währungsunion legt allerdings auch wieder einmal die institutionellen Schwächen der Europäischen Währungsunion bei der Durchsetzung von Regeln bloß. Diese Schwierigkeiten können nur überwunden werden, wenn die Staaten Souveränität abgeben und zwar entweder an Institutionen oder eben an sanktionsbewehrte Regeln. Nach beidem sieht es derzeit nicht aus: Seit Beginn der Finanzkrise ist vielmehr zu erkennen, dass sich die Einzelstaaten mehr Entscheidungshoheit zurückholen. Die Abgabe von Souveränität an Regeln ist bereits so oft an Regelbrüchen gescheitert, dass dieser Weg kaum noch glaubwürdig vermittelt werden kann. Wenn sich die Politik diesem Problem nicht mit Nachdruck widmet, sind Krisen wie in Griechenland immer wieder möglich.


Autor: Dr. Martin Moryson, Chefvolkswirt von Sal. Oppenheim

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Afrika-Investments holen auf

Auf der Kongokonferenz in Berlin wurde 1884/85 der größte Teil Innerafrika/Schwarzafrikas zwischen den europäischen Mächten aufgeteilt. Im Zuge der Dekolonisation Afrikas wurden mehrere Staaten in den 1950er Jahren unabhängig. 1960 gilt als das Jahr der afrikanischen Unabhängigkeit, da der Großteil der französischen Kolonien in diesem Jahr in die Unabhängigkeit entlassen wurde. Diese Zeit prägt gerade heute wieder viele afrikanische Länder.

Afrika hat ein Imageproblem. Kriege, Entführungen, Hungersnot, Armut: All das eignet sich für die Acht Uhr-Nachrichten. Warum sollte sich der Deutsche Anleger gerade jetzt mit diesem Kontinent beschäftigen?

Der Stoff aus dem die Träume sind heißt: Demokratie und Wachstum

Der Kontinent ist auch 50 Jahre nach der Unabhängigkeit in weiten Teilen im Vergleich zu vielen anderen Emerging Markets unterentwickelt. Allerdings tauchen jetzt neben Südafrika auch Länder wie Ghana, Kenia, Angola, Nigeria und Simbabwe in den Beobachtungslisten internationaler Investoren auf. Was ist geschehen?

Demokratie
Untersuchungen des Center for Systematic Peace zeigen 1988 erst acht, 2012 bereits 40 Länder mit demokratischen Grundzügen. Im Gleichschritt nimmt die Korruption ab.
Der "Doing Business Report 2014" der Weltbank diagnostiziert: Subsahara-Afrika macht weltweit größte Fortschritte. In den letzten fünf Jahren haben die Länder Subsahara-Afrika es geschafft regulatorische Lücken und Hindernisse dreimal schneller zu schließen als viele OECD-Länder. Unter den 20 Staaten, die weltweit den meisten Fortschritt bei der Reform unternehmerischer Regulierungen machten, liegen neun in Subsahara-Afrika. Unter den „Top-Ten".

Wachstum
Und war Afrika in der Vergangenheit ein Lieferant von Rohstoffen aller Art so sieht man jetzt mit anderen Augen auf den erwachenden Kontinent.
170 Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft diskutieren auf der Africa2030 in Berlin: Laut neuer Prognosen werden 2030 mehr als 1,6 Mrd. Menschen auf dem afrikanischen Kontinent leben. Mehr als die Hälfte davon wird voraussichtlich einer kaufkräftigen Mittelschicht angehören und in Städten wohnen. Das Arbeitskräftepotential des Kontinents wird größer als das von Indien und China sein. McKinsey prognostiziert 600 Millionen Internetuser in Afrika bis 2025.
Afrika hat mit ca. 200 Millionen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren die jüngste Bevölkerung weltweit. Bei dieser Altersgruppe sind neue Technologien besonders gefragt. Das wird in Zukunft einer der Haupttreiber von Investition und Wachstum sein.

Mein Fazit: Der Wettlauf um Afrika ist bei den institutionellen Investoren vor allem aus China, Indien und Arabien längst gestartet und geht bereits in die Zielgerade. Jetzt kommt die zweite Welle, die der Privatanleger. Die sollten aber wissen, dass große Chancen auch immer kurzfristig große Risiken bergen. Aber "on the long run" darf man die Chance Afrika nicht verpassen.

finanzwelt berichtet in der Printausgabe 03/2014 zum Thema „Investitionschancen in Afrika"

(Autor: Jörg Löbe, Geschäftsführer der Aubilia Vermögensmanagement GmbH in Düsseldorf)

Dauerhaft niedrige Baufinanzierungszinsen

Wird die EZB-Politik die Baufinanzierungszinsen dauerhaft niedrig halten? Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf ihrer jüngsten Sitzung Anfang Juni ihre lockere Geldpolitik fortgesetzt. (fw/rm) Die Baufinanzierungszinsen bewegten sich in Deutschland auch in den vergangenen Wochen...

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Unternehmer und Freiberufler müssen ihr Ruhestandsvermögen ohne staatliche Hilfe aufbauen. Dafür sollten sie unter anderem das Langlebigkeitsrisiko im Blick behalten und frühzeitig mit der Vermögensverwaltung fürs Alter beginnen. Die Rentenquote in Deutschland sinkt und sinkt...
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Hat China gerade den Yuan überschwemmt?

Neben der übertriebenen Intensität, dem starken US-Dollar in den letzten Jahren gefolgt zu sein, gebe es zwei Gründe, warum China diesen Schritt gewählt habe.

„Erstens, China engagiert sich schon lange dafür, die Wechselkurspolitik zu liberalisieren, um den Yuan bei globalen Finanztransaktionen mit Handelspartner wesentlich stärker zu nutzen", sagt John J. Hardy, Devisenexperte bei der Saxo Bank.

China sehe dabei die Aufnahme des Yuan in den Korb der Sonderziehungsrechte (SZR) als Schlüsselelement, um weitere Fortschritte bezüglich der stärkeren Nutzung des Yuans zu erlangen – und die damit einhergehende finanzielle und politische Macht. Der IWF hingegen habe den Mangel von marktbestimmten Schwankungen als eines der Haupteinwände hinsichtlich der Aufnahme des Yuan in den SZR-Korb genannt. Es werde jedoch noch in diesem Jahr diesbezüglich eine Entscheidung getroffen. „Auf längere Sicht spiegelt Chinas Schachzug, den Yuan in den SZR-Korb integrieren zu wollen, den Willen wider, die eigene Währung zu einer der wichtigsten Reservewährungen der Welt zu erschaffen“, so Hardy.

„Der zweite Grund für eine Yuan-Abwertung ist, dass Chinas Wirtschaft eindeutig unter einer Schwächephase leidet. Nach einer Zeit verschärfter Währungsstärke will China jetzt auch ein Stück vom Kuchen der globalen Währungskriege abhaben", betont Hardy.

Vermögensverwalter rechnen mit positivem Jahresausklang

Mit einem Plus von 6,4 Prozent hat sich der deutsche Leitindex (DAX) im September überdurchschnittlich gut geschlagen. Es war das drittbeste Ergebnis, das der DAX seit seiner offiziellen Einführung jemals in einem September erzielt...

Gut Ding braucht Weile

Das eröffnet Chancen, birgt mitunter aber auch Risiken, sich im wachsenden Irrgarten an Themenanlagen nicht mehr zurechtzufinden. Darüber hinaus ist nicht jeder Hype ein nachhaltiger, renditebringender Trend. Was tun an dieser Stelle?

Wenn es um die eigene Altersvorsorge geht, kommt dem Faktor Zeit eine herausgehobene Stellung zu. Es ist nicht ratsam, eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen ad hoc zu treffen und dies dann mitunter später bereuen zu müssen. Qualifizierte Berater, die ihre Kunden langfristig an sich binden möchten, sollten das richtig einschätzen und sowohl Chancen als auch Risiken eines Investments darlegen. Zeit ist zwar Geld, aber überhastete Aktionen können ins Leere laufen. Ein Kunde, der sich falsch beraten fühlt, ist schnell weg.

Auf der anderen Seite müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass die Erde nicht stillsteht. Das trifft insbesondere auf die Finanzindustrie zu. Die weltweiten Finanzströme haben gewaltige Ausmaße angenommen und sind für Laien fast nicht mehr zu begreifen. Die zunehmende Interdependenz und fortschreitende Globalisierung bedingen, dass man beispielsweise im Westen bangt und zittert, wenn es in Asien bergab geht. Nur an der Seitenlinie zu stehen und das Geschehen abwartend zu verfolgen, erleichtert nicht die eigene Entscheidungsfindung. Irgendwann muss man Farbe bekennen und die Investition tätigen oder eben nicht. Den ultimativ richtigen Einstiegszeitpunkt zu erwischen ist fast unmöglich. Wichtig ist, überhaupt etwas zu tun. Das führt uns wieder zum Timing.

In der aktuellen Trend-Umfrage des DDV ging es um die Frage, wie lange Zertifikate-Anleger bis zum Fällen ihrer Anlageentscheidung benötigen. 60 % der insgesamt 4.563 Befragten gaben an, sich innerhalb von maximal 48 Stunden zu entschließen. 15 % setzen sich für die Entscheidungsfindung einen Zeitkorridor von 3 bis 5 Tage. Ein Viertel nimmt sich hierzu sogar länger als eine Woche Zeit.

Eine gute Beratungsdienstleistung braucht Zeit, gleichwohl hängt sie natürlich vom jeweiligen Kenntnisstand („Stichwort Finanzbildung“) ab. In der Ruhe liegt die Kraft und dieser sollte man, gerade wenn es um die eigene Altersvorsorgeplanung geht, eine besondere Bedeutung beimessen.


Autor: Lars Brandau, Geschäftsführer Deutscher Derivate Verband (DDV)