DAX und ESTOXX50 – Geht ihnen die Energie aus?

Die Krim-Krise überschattet derzeit die europäischen Märkte. Russlands Wirtschaft ist mit der EU deutlich stärker verflochten als mit amerikanischen Unternehmen. Ein Indiz dafür sind die jüngsten Draw-Downs bei den Indices – der ESTOXX 50 büßte 6, der DAX 7 und der S&P500 lediglich 3 % von ihren Hochs in 2014 ein.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der aktuellen Krise dürften Russland stärker treffen als die EU, da Russlands Exporte in die EU laut ifo Institut 15, aber vice versa nur 1 % des BIPs betragen. Trotzdem wäre eine Entwarnung für die europäischen Finanzmärkte verfrüht. Die Ingangsetzung der gefürchteten Sanktionsspirale könnte energieintensive Unternehmen in Deutschland und der EU besonders hart treffen. Derzeit werden 40 % des Gas- sowie 35 % des Ölbedarfs aus Russland importiert. Weiterhin würden Firmen mit hoher Exportorientierung nach Osteuropa unter einer verschärften Krise leiden. Dies beträfe weniger den Nachfragerückgang, sondern eher etwaige Währungsverluste. Gerade die Vorzeigebranchen der deutschen Industrie wären besonders gefährdet, da sie knapp 60 % ihrer Güter- und Dienstleistungen nach Russland exportieren. Hierzu gehören der Maschinenbau sowie die Automobil- und Chemiebranche. Dies könnte den DAX gewaltig ins Trudeln bringen, da allein die drei großen DAX-Automobilwerte knapp 15 % Gewicht auf die Waage bringen.

Der ESTOXX50 wäre daher für den vorsichtigeren Anleger die solidere Alternative.
Neben der Krim-Krise dürfte der weiterhin starke Euro eine Belastung für die heimischen Unternehmen sein. Mit Notierungen über 1,35 USD/EUR ist in den schwachen Ländern der Euro-Zone die Schmerzgrenze überschritten. Der Ausblick der Volkswirte gibt keinen Anlass für einen starken Euro. Zwar wird sich die Wirtschaft in 2014 noch leicht beschleunigen, danach lässt sich der Trend aber nicht fortsetzen. Ein stärkeres Wachstum durch eine Exportausweitung dürfte aufgrund der derzeitigen Euro-Notierungen sehr unwahrscheinlich sein, die Binnennachfrage bleibt vermutlich zukünftig bestenfalls durchschnittlich. Dies könnte die EZB auf den Plan rufen, um mit einer expansiveren Geldpolitik die Euro-Stärke einzudämmen. Der viel diskutierte negative Einlagenzins könnte helfen, um den Euro in die gewünschte Richtung zu drücken. Als Folge dessen sollten europäische Börsen kurzfristig weiter haussieren, da sich immer mehr Anleger im Aktienbereich engagieren. Hier weist Europa ein immer noch attraktives Bewertungsverhältnis auf.

Summa summarum sollte es weiterhin volatil bei den genannten Indizes zugehen. Insbesondere der DAX könnte aufgrund seiner Branchenzusammensetzung stärker ins Wanken geraten. Mutige Anleger können bei Kursrücksetzern zugreifen, um anschließend von einer geldpolitischen Lockerung und einer Entspannung der politischen Lage besonders zu profitieren. Der Investor sollte sich allerdings im Klaren sein, dass die Notenbanken bei Krisen nicht immer als „lender of last resort" fungieren werden und können.


(Autor: Guido vom Schemm, Geschäftsführer GVS Financial Solutions GmbH)

Downforce – sofort

Die betriebliche Krankenversicherung bietet vielfältige Möglichkeiten über das Thema Gesundheitsmanagement und durch zusätzliche soziale Leistungen im Gesundheitswesen Mitarbeiter neu zu motivieren. Unternehmer sind für diese Themen offen, denn gesunde Mitarbeiter kosten weniger. Die Wirtschaft boomt, das Geld ist vorhanden.

Die Versicherungsgesellschaften entwickeln immer bessere, neue Produkte, um allen Wünschen der Unternehmen gerecht zu werden.

Es müsste ein Leichtes sein, Kontakte herzustellen und Aufträge zu generieren. Doch der Eindruck täuscht. Von einer Vertriebsmannschaft mit 160 Vermittlern wurde genau 1 Angebot in diesem Jahr angefordert! Woran liegt das?

Die Bedenkenträger melden sich zu Wort:

„Die Firmen haben alle schon ihren Makler/Agenten..."
„An der Sekretärin kommt man nicht vorbei ..."
„Jetzt ist Urlaubszeit ..."
„Unternehmen investieren nicht schon wieder ..."

Was Verkäufer benötigen ist Mut die Dinge zu tun, zu denen sie fähig sind. Angst hat man vor den Dingen, die man nicht tut. Wie vermittelt man Mut?

Indem man es so macht wie mit kleinen Kindern, die man zu einem bestimmten Verhalten bewegen will: vormachen und sie auffordern nachzumachen! Das ist der Weg zum Selber machen.

Das ist das Erfolgsrezept des Live-Training bKV und bAV mit Franc Hagel vom Schittly Trainer Team. Mehr in der Rubrik Termine, oder unter www.ziele-erreichen.de.

Mit besten Grüßen

Hans D. Schittly
(Schittly & Dinler AG, TrainCoaching mit nachhaltigem Erfolg)

Naturaldividenden – Wenn Ausschüttungen durch den Magen gehen

Doch dazu gibt es neben einer Geldzahlung bei manchen Aktiengesellschaften mittlerweile auch die etwas andere Art der Dividendenzahlung. Neben der Verköstigung und teilweise künstlerischen Highlights während der Hauptversammlung gehen manche Unternehmen noch weiter, um ihre Investoren bei der Stange zu halten.
Das Highlight eines jeden Jahres für alle Aktionäre der Lindt& Sprüngli ist wohl der „Tag der blauen Koffer" – die Hauptversammlung. Denn wer beispielsweise Lindt & Sprüngli-Aktien im Portfolio hält, darf sich am Ende der Hauptversammlung über einen blauen Koffer voller Leckereien freuen. Dieser enthält verschiedene Schokoladensorten der Firma. Der Wert des Koffers beträgt rund 120 Euro.
Besonders bei kleineren, teilweise nicht börsennotierten Unternehmen ist die Naturaldividende sehr beliebt und besteht dort meist, neben der Verpflegung während der Hauptversammlung, aus Artikeln des Hauses. Aktionäre der Schwalben-Bräu erhalten beispielsweise Bier im Wert von 200 Euro. Häufig erfolgt dies auch in Form von Gutscheinen für Leistungen des Unternehmens oder Vergünstigungen beim Einkauf.

Vergleichsweise selten findet man Naturaldividenden bei größeren Unternehmen, wie Lindt & Sprüngli oder bei Henkel, die ihren Aktionären Waschmittel und andere Artikel des Unternehmens ausschütten. Der Vorteil für die Unternehmen liegt auf der Hand: durch Auszahlung in Form von Sachwerten werden die Barreserven der Firma geschont. Zudem wird nicht jeder Gutschein eingelöst oder jedes Angebot auch wirklich vom Aktionär in Anspruch genommen. Dennoch wird die Naturaldividende meist mit der klassischen Auszahlung kombiniert.
Diese etwas andere Form der Erfolgsausschüttung hat aber gerade bei kleineren Unternehmen auch ihre Berechtigung aus Investorensicht. Einzelne Aktien kommen dadurch auf eine Rendite von über 100 % - für Barausschüttungen undenkbar. Mittlerweile werden die meisten Naturaldividenden mit Barausschüttungen kombiniert, um die Attraktivität des Unternehmens gegenüber potentiellen Investoren zu erhöhen.

Für die meisten Anleger rechnet sich diese Auszahlungsform in der breiten Masse allerdings nur bedingt. Zum einen ist es oftmals schwer, den Wert der Dividende zu beziffern und so die Rendite zu bestimmen. Wer einen Gutschein nicht nutzt oder nicht bei der Aktiengesellschaft einkauft, dem entsteht dadurch ein Verlust, da ihm ein Teil der Dividende entgeht. Anleger, die lediglich an hohen Ausschüttungen aus ihren Investments interessiert sind, sollten daher klassische Ausschüttungen der „Schokoladendividende" vorziehen. Interessiert man sich allerdings auch für die Erzeugnisse des Unternehmens oder möchte sich mehr damit identifizieren, so können Naturaldividenden eine gute Möglichkeit sein, am Erfolg des Unternehmens zu partizipieren. Ob Naturaldividenden sich auch in größeren Aktiengesellschaften durchsetzen, darf eher bezweifelt werden. Der gewöhnliche Aktionär freut sich doch eher mehr über die Gutschrift auf dem Konto.

(Autor: Stephan Witt, FiNUM.Private Finance AG)
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Aktien der Euro-Zone / Europa sind erste Wahl!

Fünf gute Gründe sprechen dafür, warum europäische Aktien in einem diversifizierten Portfolio eine Outperformance erzielen werden.

Der erste Grund für eine optimistische Einstellung liegt in den Erwartungen für das Gewinnwachstum.
Von über der Hälfte der STOXX Europe 600-Unternehmen, die Ergebnisse für das vierte Quartal berichteten, haben 60 Prozent die Umsatzerwartungen übertroffen oder erfüllt, wie aus den Daten von Thomson Reuters Starmine hervorgeht. Fünfundvierzig Prozent der Unternehmen übertrafen die Erwartungen, 27 Prozent verfehlten sie, was eine Übertrefferquote von netto 18 Prozent ergibt, der größte Anteil von „Übertreffern" seit 10 Quartalen. Dieser positive Trend wird in den nächsten Quartalen anhalten.
Da Anlegen auch eine relative Angelegenheit ist, besteht die Erwartung, dass Europa gegenüber den USA im Hinblick auf die ROE (Eigenkapitalrendite) noch einigen Nachholbedarf hat. Es gibt immer noch eine Lücke, die aber künftig enger wird. Denn die Eigenkapitalrendite europäischer Unternehmen liegt bei etwa 11%, während US-Unternehmen durchschnittlich 14% verbuchen können.

Der zweite Grund ist das sich verbessernde Umfeld in der Eurozone. Zum Beispiel positive Ergebnisse vom QE-Programm der EZB, mit dem Anfang März Ernst gemacht wurde.
Zudem lässt der Kreditmechanismus wieder Lebenszeichen erkennen. Vor dem Hintergrund extrem niedriger Zinsen hat die Kreditnachfrage wieder angezogen, und das tatsächliche Kreditwachstum hat sich erheblich verbessert. In der Vergangenheit war dies ein klares Zeichen für einen Anstieg der Binnennachfrage.
Insgesamt dürfte die Eurozone auf ein Wachstum von 1 bis 1,5% zusteuern. Auch das Verbrauchervertrauen in der Eurozone nimmt zu. Ein jüngster Hinweis hierfür sind die deutschen Einzelhandelsumsätze, die deutlich anzogen. Da die deutsche Wirtschaft ein Motor für die übrige Eurozone ist, verwundert es nicht, dass der DAX Tag für Tag neue Rekorde bricht!

Der dritte Grund ist der Rückgang des EUR/USD-Wechselkurses. Aktuell pendelt der EUR/USD um die Marke 1,09.
Nach einer Konsolidierung auf dem aktuellen Niveau wird der EUR zum USD weiter nachgeben und im Laufe dieses Jahres die Parität erreichen. 2016/2017 könnte der EUR unter die Parität mit dem USD fallen. Das bedeutet einen Boom für europäische Exportunternehmen, die weltweit markant an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen.
Man bedenke, dass sich für alle 10% EUR/USD-Rückgang (handelsgewichtet) der Gewinn pro Aktie europäischer Unternehmen um 5% erhöht.

Der vierte Grund sind die einbrechenden Ölpreise, die bereits 50% nachgegeben haben. Da Europa viel Öl importiert, kommt dies Unternehmen und Privathaushalten zugute, deren Kaufkraft sich dadurch deutlich erhöht. Dies ist das erste Mal seit mehreren Jahren, dass die Ölpreise so stark gefallen sind. Das bedeutet, dass der positive Überraschungseffekt recht stark ist.

Der fünfte Grund ist der Abschlag, mit dem europäische Aktien immer noch gegenüber US-Aktien gehandelt werden. In Erwartung, dass der Mechanismus der Rückkehr zum Mittelwert an den Finanzmärkten einen der stärksten Hinweise auf die künftige Performance liefert. Auch in dieser Hinsicht haben europäische Aktien Nachholbedarf.


(Autor: Thomas Meyer, Country Head Germany Institutional Asset Management, Petercam S.A.)

Ist verkaufen seriös?

Die echte Überraschung kam einige Tage später: Kein einziger der vereinbarten Termine hat stattgefunden. Die Kunden haben vorher telefonisch oder per mail den Termin storniert oder aber die Kunden waren nicht anzutreffen.

Offensichtlich hat der Trainer mit Charisma und flotten Sprüchen den Kunden zur Zustimmung gedrängt und dieser löste sich durch die Absage von diesem Druck. Eine Bekannte, die früher als Redakteurin einer großen Deutschen Tageszeitung Tätig war, schilderte mir, wie sie meinen Beruf wahrnimmt: „Du bringst den Verkäufern die fiesen Tricks bei, mit denen sie ihre Kunden gefügig machen, etwas zu kaufen, was diese, genau genommen, gar nicht benötigen." Ich denke diese Äußerung spiegelt die Eindrücke vieler Leute wider, wenn über Verkäufer und deren Methodengesprochen wird.

Verkäufer verbinden mit ihren Argumenten und ihrer Vorgehensweise immer die
Absicht zu verkaufen. Kunden wehren sich in der Regel nicht gegen die Dienstleistung und Produkte, sondern gegen den Druck, die Bevormundung und reagieren mit Einwänden und Vorwänden. So gelangt die Information gar nicht erst zum Kunden, weil er sich sofort gegen die Einflussnahme sperrt. Gute Verkäufer halten sich an folgende Regeln:

  • Absichtslose Informationen lassen Kunden zu eigenen Erkenntnissen gelangen. Gegen Argumente, die einem selbst in den Sinn gekommen sind, kann und will man sich nicht wehren.
  • Gute Verkäufer sind unabhängig von den Ergebnissen: Kauft der Kunde = o.k. Kauft er nicht = auch o.k. Kaufen hat Konsequenzen und Nichtkaufen auch, für die Konsequenzen müssen die Kunden einstehen. Gute Verkäufer sind nie enttäuscht wenn der Kunde sich gegen den Kauf entschieden hat.
  • Mit geschickten Fragen lässt der Verkäufer seinen Kunden über seine Gefühle, Meinungen und Ansichten sprechen. Nur wenn sich Kunden gut fühlen entsteht Vertrauen und kommen Kaufentscheidungen zustande.

Niemand braucht Versicherungen! Erst nach einem Schaden gelangt man zu der Erkenntnis, dass man sie benötigt hätte; erfahrungsgemäß ist dies eine sehr teure Erkenntnis. Schadenbeispiele führen bei den Kunden zu negativen Gefühlen, denn wer will schon z.B. berufsunfähig werden, oder dass sein Haus abbrennt. Nach einem Schaden hingegen will doch jeder, dass der Schaden bezahlt wird.

Leistungsbeispiele erzeugen gute Gefühle. Sehr gerne laden Kunden ihren Versicherungsexperten zu einem Besprechungstermin ein, wenn dieser Termin positive Auswirkungen für sie haben wird. Verkäufer, die etwas von ihren Kunden fordern, finden nie ein offenes Ohr. Wenn sie dagegen etwas für ihre Kunden haben, dann sind sie willkommen!

Hard-Selling ist out! Soft Selling auch! Lassen Sie Ihre Kunden entscheiden, wie sie sich ihre gute Beratung vorstellen!

Lassen Sie Ihre Kunden einkaufen – bei Ihnen!

Hans D. Schittly
Das Skript „In drei Schritten verkaufen" erhalten sie hier: hs@schittly-dinler.com




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Kommentar zum griechischen Referendum

Damit drücken die Bürger des bankrotten Staates aus, dass Sie an Reformen und einer konstruktiven weiteren Zusammenarbeit mit ihren Gläubigern nicht interessiert sind. Die Länder der Euro-Gruppe werden dadurch gezwungen, ihre Fehleinschätzungen zur Reformfähigkeit Griechenlands zu korrigieren und ihren seit Jahren andauernden Rettungskurs zu verändern. Griechenland sollte nun konsequenterweise eine eigene Landeswährung schaffen und den Euroraum verlassen. Sofern die Europäische Zentralbank ihre Zahlungen an Griechenland einstellt ist der Grexit vollzogen. Für eine fortgesetzte Staatsfinanzierung fehlt der EZB das Mandat. Die offenen Forderungen gegen Griechenland müssen realistischerweise als uneinbringlich angesehen werden, sodass die Finanzminister die an Griechenland vergebenen Kredite der verschiedenen Rettungstöpfe auf null abschreiben sollten, wie das in Unternehmen üblich wäre. Der deutsche Finanzminister darf sich auf einen Zahlungsausfall von mindestens 90 Milliarden Euro einrichten.

Griechenland selber fällt zurück in einen Schwellenländerstatus und muss versuchen, mit Hilfe einer neuen Währung Güter und Dienstleistungen zu günstigen Kosten zu produzieren und - wenn möglich - zu exportieren. Zugleich muss das dysfunktionale Staats-, Verwaltungs-, und Steuerwesen vollkommen restrukturiert werden, um im Verlauf von ein bis zwei Generationen die Chance zu haben, wirtschaftlich zu den Staaten der EU aufzuschließen. Die Regierungskoalition aus links- und rechtsradikalen Parteien hat in Athen jetzt das Mandat erhalten, ohne die Hilfe der europäischen Partner an die Aufräumarbeiten der verkorksten letzten dreißig Jahre zu gehen.

Für die Börsen gleicht die Entwicklung, abgesehen vom Schock der ersten Überraschung, einem ´Non-Invent´, denn Griechenland spielt weder an den Zins-, noch an den Aktien und Währungsmärkten eine ökonomisch wahrnehmbare Rolle. Entsprechend erwartet das LOYS Fondsmanagement eine alsbaldige Rückbesinnung der Finanzmärkte auf die drängenderen Probleme der globalen Wirtschaft. Dabei dürfte der Frage hohe Aufmerksamkeit zukommen, ob die im Frühjahr begonnene Zinswende am langen Ende der Zinsstrukturkurve eine Fortsetzung findet. Zudem spricht manches dafür, dass die amerikanische Notenbank zum Ende des Jahres die Leitzinsen leicht anheben wird. Folglich wird man die Wachstumsentwicklung der USA im zweiten Quartal sehr sorgsam analysieren müssen, nachdem es zuletzt eher schwache Konjunktursignale aus Nordamerika gab.
Ebenfalls von Interesse ist der jüngste Börseneinbruch in China nach vorangegangener Superhausse. Wenngleich die Entwicklung lediglich die chinesischen Inlandsbörsen betrifft und Hongkong untangiert lässt, empfiehlt es sich, die Lage im Reich der Mitte sorgfältig im Auge zu halten.

Demgegenüber kann sich Europa auf eine Fortsetzung der Dauernullzinspolitik der EZB einrichten. Die Aktienmärkte, die seit geraumer Zeit durch die niedrigen Zinsen Unterstützung erhalten, erfahren durch die niedrigen Rohstoffpreise und den seit vielen Monaten schwächelnden Euro zusätzlichen Rückenwind. Wahrscheinlich werden sich die Rotationstendenzen raus aus Anleihen und rein in Eigenkapitaltitel in den vor uns liegenden Monaten verstärken. Hinzu kommt, dass in wenigen Tagen die Quartalsberichtssaison der Unternehmen beginnt und sich die Aufmerksamkeit sodann auf die Unternehmen fokussieren dürfte.

Die europäische Einheitswährung Euro dürfte in den kommenden Wochen und Monaten aufwerten, sofern das schwächste Glied der Eurokette – Griechenland – den Währungsraum verlässt.

Das Fondsmanagement hat in allen LOYS Fonds Liquiditätspuffer aufgebaut, die ein opportunistisches Zukaufen kurzfristig unter Druck geratener Qualitätsaktien erlauben.

Chicago und Frankfurt am 6. Juli 2015


Autoren: Dr. Christoph Bruns und Ufuk Boydak

Kleine Veränderungen – große Wirkung

So ist es z.B. ein großer Unterschied ob Verkäufer ihre Kunden fragen: „Sind Sie interessiert Steuern zu sparen?“ oder „Wollen Sie, dass ein Teil der zu zahlenden Steuern auf Ihrem eigenen Konto landet?“

Jeder wird auf die Frage „Sind Sie interessiert ...?“ zustimmend reagieren.

Wenn ich mich jedoch für etwas interessiere, dann bedeutet dies noch lange nicht, dass ich es auch haben möchte.

So haben dieselben Antworten auf die beiden folgenden Fragen eine unterschiedliche Wirkung:

„Sind Sie an einer guten Versorgung bei Berufsunfähigkeit interessiert?“

Kunde: „Ja.“

„Möchten Sie die beste Versorgung bei Berufsunfähigkeit haben?“

Kunde „Ja.“

Merke: Interessenten bleiben Interessenten, auch am Ende des Gespräches. Kaufwillige bleiben kaufwillig!

Verkäufer freuen sich, wenn sie Gesprächspartner haben, die Interesse zeigen. Bloßes Interesse zeigen, bedeutet noch lange nicht, dass Kunden auch kaufen wollen. Wer an einem Schaufenster stehen bleibt und interessiert die Auslagen betrachtet, will noch lange nicht kaufen.

Gute Verkäufer versetzen ihre Gesprächspartner in die „Haben-wollen-Rolle“. Kleinigkeiten machen oft den Unterschied. Die Wirkung ist großartig.

Mit Sales Stories Online® trainieren Verkäufer genau diese Formulierungen und verbessern nachhaltig ihre Ergebnisse.

Denn durch das Feedback des virtuellen Profi-Coaches wird dem Verkäufer bewusst WARUM man durch bestimmte Formulierungen die Reaktionen der Kunden entscheidend beeinflusst.
So vermittelt dieses virtuelle TrainCoaching Schlüsselerlebnisse und eine besonders hohe Motivation zu Wiederholungen.

Mehr dazu auf: www.sales-stories-interactive.de

Mit besten Grüßen

Hans D. Schittly
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Der Moment der Wahrheit

Dieser Funke war die Entscheidung der chinesischen Zentralbank, die Parität des Renminbi am 11. August um einige Prozent zu senken. Diese Entscheidung ist jedoch nur ein Katalysator: Denn obwohl sich das chinesische Wachstum stark abgeschwächt hat, was keine Sensationsmeldung ist, deuten keine verlässlichen Daten darauf hin, dass es in jüngster Zeit eingebrochen wäre, was das banale Einleiten einer wettbewerbsorientierten Abwertung rechtfertigen würde. Der Kern der Geschichte ist komplexer, aber auch explosiver. Es geht dabei um die Kollision zwischen dem allgemeinen Übergang, den die USA weg von den Ende 2009 ergriffenen Rettungsmaßnahmen vollzieht und dem Kurs Chinas: Dieser steuert mit voller Kraft auf eine tiefgreifende Restrukturierung der Wirtschaft des Landes sowie auf die Öffnung seiner Kapitalmärkte. Die enormen Liquiditätsspritzen für das weltweite Finanzsystem seit sechs Jahren, die einen Höhenflug von Finanzanlagen (+200% für den Index S&P500 seit seinem Tiefpunkt von 2009), das Aufblähen der chinesischen Währungsreserven und ein nie dagewesenes Schrumpfen der Zinssätze ermöglicht haben, stoßen an ihre Grenzen. Das Ende des Quantitative Easing der Fed seit Oktober 2014 und die unausweichliche Inangriffnahme der Kreditblase in China beginnen im Finanzsystem allmählich Wirkung zu zeigen. Dies erfolgt zu einem Zeitpunkt, in welchem die Weltwirtschaft nach wie vor instabil ist und die chinesische Konjunktur sich abschwächt. Die Anspannung dieser weltweiten Liquiditätsbedingungen, insbesondere bei einem weiteren Kapitalabfluss aus China und den Schwellenländern, erhöht die Gefahr eines Deflationsdrucks auf die Industrienationen, den sie kaum gebrauchen können. In Vorausschau auf diese Problematik sind die Märkte nun in eine instabile Übergangsphase eingetreten. Diese nunmehr sehr konkrete Situation zwingt uns dazu, eine sehr vorsichtige Anlagestrategie umzusetzen, auf die wir uns seit Jahresbeginn vorbereitet haben.

Das Risiko für die Industrienationen ist weniger eine Zuspitzung der Konjunkturschwäche Chinas, sondern vielmehr eine massive Verschlechterung der Zahlungsbilanz des Landes. Die Konjunkturschwäche Chinas ist bekannt, und die im August veröffentlichten Wirtschaftsdaten (Industrieproduktion, Exporte, Investitionen) haben diesen Trend nur noch bestätigt. Weniger bekannt ist hingegen die Geschwindigkeit der Neugewichtung, durch die der Beitrag von Dienstleistungen zum BIP den der Industrie um 15% übersteigt. Diese wirtschaftliche Umstrukturierung ist besonders schmerzhaft für die Handelspartner Chinas und lässt sie zu Recht ein Wachstum, das wir heute auf etwa 5% pro Jahr schätzen (Konsumausgaben allein verzeichnen ein Wachstum von 10% und der e-Commerce wächst um 38% pro Jahr), als eine „harte Landung“ empfinden.

Das Hauptproblem liegt woanders: Das Ende des Quantitative Easings und die Aussicht auf eine Anhebung der Leitzinsen durch die Fed haben einen massiven Rückfluss von Kapital ausgelöst, das seit 2009 in China investiert war. In Wirklichkeit gehen die Anfänge dieses Phänomens sogar auf 2003 zurück. Der daraus resultierende Abwärtsdruck auf den Renminbi hat sich verschärft, seit die chinesischen Behörden am 11. August das effektive Ende der systematischen Kopplung an den US-Dollar bekanntgaben. Und dieser Druck zwingt sie nun dazu, ihre Währungsreserven zu verwenden, um einen unkontrollierten Fall der Währung zu verhindern. China verfügt natürlich über ein beträchtliches Polster an Währungsreserven und dürfte bestens gerüstet sein. Doch die Verwendung seiner Währungsreserven zur Unterstützung seiner Landeswährung ist eine bedeutende Wende des Trends der vergangenen sechs Jahre. Dies steht in Einklang mit dem Ehrgeiz Chinas, dem Renminbi den Status einer starken und stabilen Währung zu verleihen und ihn schnell zur Reservewährung zu machen. Doch dieser Trend läuft heute einer stark schwächelnden chinesischen Wirtschaft und einer immer noch an weitere Geldschöpfung gewöhnte Weltwirtschaft zuwider.

Einigen Studien zufolge könnten in den kommenden zwölf Monaten über 600 Milliarden Dollar aus China abfließen, indem die berüchtigten Carry-Trades aufgelöst werden, diese Gespenster der amerikanischen Geldschöpfung der vergangenen Jahre. Dieser Druck könnte die chinesischen Behörden irgendwann dazu veranlassen, ihre Währung noch weiter einbrechen zu lassen, statt weiter aus ihren Währungsreserven zu schöpfen. Eine solche Kapitulation unter dem Druck der Märkte wäre für die Handelspartner Chinas wahrscheinlich ein Heilmittel, das schlimmer als die Krankheit ist. Denn für China würde dies bedeuten, dass es letztendlich über die Abwertung der Währung seinen eigenen Deflationsdruck an seine Handelspartner „exportiert“. Ein weiteres Element dieses besorgniserregenden Bildes ist das sehr stark gesunkene Vertrauen in die Beherrschung der Lage seitens der chinesischen Behörden. Denn sie haben jüngst viel an Glaubwürdigkeit verloren, als sie äußerst ungeschickt zu Jahresbeginn eine Bewertungsblase an den heimischen Aktienmärkten erzeugten, indem sie Privatanleger zu spekulativen Käufen ermunterten, und dann das Platzen dieser Blase sehr schlecht managten. Bis heute sind hunderte chinesischer Titel noch vom Handel ausgesetzt.

Konjunkturschwäche und Verknappung von Liquidität passen nicht gut zusammen. Was das gesamte Bauwerk besonders instabil macht (siehe „Eine zerbrechliche Welt“), ist die Tatsache, dass die ganze geldpolitische Unterstützung für das weltweite Finanzsystem seit 2009, eine beträchtliche Aufwertung von Finanzanlagen ermöglicht hat. Allerdings ist es ihr aber lediglich gelungen, die entwickelten Volkswirtschaften auf einen Kurs sehr schwachen Wachstums zu steuern. Trotz einer Aufwärtskorrektur für das zweite Quartal wird das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft in diesem Jahr nur knapp über 2% liegen. Die Konjunkturerholung Man sollte nicht aus den Augen verlieren, dass eine erneute Konjunkturschwäche und ein Wiederaufleben des Deflationsdrucks nicht mit einer nach wie vor überschuldeten Welt vereinbar wären. Die Inflationserwartungen testen die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken in der Eurozone scheint anzuhalten, aber das Wachstum für 2015 wird kaum über 1,5% liegen. Demzufolge macht die Schwäche der Wirtschaftslokomotive China zu einem Zeitpunkt die Bewertungsniveaus anfällig, an dem die Unterstützung der Märkte durch Liquidität gefährdet ist und was ein Anziehen der Weltwirtschaft verhindert. Zudem ist ganz offensichtlich, dass die von den Zentralbanken ausgeschütteten Liquiditätsströme es nicht ermöglicht haben die Inflation in den Industrienationen über den Gefahrenbereich hinaus anzuheben. Ein Wiederausbrechen des Deflationsdrucks, der durch eine allgemeine Schwäche der Schwellenländer und ihrer Währungen verursacht würde, wäre für die Volkswirtschaften Amerikas und Europas ein zusätzliches Problem.

Das Trugbild eines unendlichen Quantitative Easings
Viele Anleger haben ihr Vertrauen in die Märkte auf die Annahme gegründet, dass ein schwaches weltweites Wirtschaftswachstum die beste Garantie für eine unablässige geldpolitische Unterstützung durch die Zentralbanken der Industrieländer wäre. Dieses Vertrauen hat es seit fünf Jahren ermöglicht, systematisch jede schlechte Wirtschaftsnachricht als eine gute Nachricht für die Märkte zu interpretieren. Der verstärkte Abfluss von Kapital aus den Schwellenländern, als ein Phänomen, das die weltweite Liquidität verringert, ist somit die erste Herausforderung für diese bequeme Einstellung. Doch darüber hinaus sind sich die Zentralbanken der Tatsache bewusst, dass sie mit dieser Flucht nach vorn, bei der pausenlos neues Geld geschaffen wird und Finanzanlagen schneller aufgewertet werden als es gelingt, die Wirtschaft anzukurbeln, ihre eigene Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen. Janet Yellen steht heute an vorderster Front und sieht sich bis zum Jahresende bereits mit der äußerst heiklen Situation konfrontiert: Sie muss sich entscheiden, ob sie die Flucht nach vorn noch ein wenig fortsetzen will, um die amerikanische Wirtschaft vor dem chinesischen Funken zu schützen: Oder aber sie hebt die Leitzinsen allmählich an, um die Glaubwürdigkeit der Fed zu erhalten, auf die Gefahr hin, Öl ins Feuer zu gießen.

Was tun?
Die starke Volatilität, mit der die Anleger im August auf den Aktienmärkten konfrontiert waren, ist zu einem großen Teil auf das Gewicht der passiven und algorithmischen Verwaltungen zurückzuführen. Ebenso auf die Absicherung der riesigen offenen Optionspositionen, die auf mechanische Weise Verkaufs- und Kaufaufträge ausgelöst und damit die Marktbewegungen verstärkt haben. Diese übermäßigen Schwankungen haben den Mehrwert der fundamentalen Verwaltung auf sehr kurze Sicht lächerlich gering ausfallen lassen. Doch das Problem reicht darüber hinaus. Das Risiko einer Verknappung der weltweiten Liquidität ist eine Bedrohung für die Märkte, die eine erhebliche Reduzierung der Exposures in allen Anlageklassen (Aktien, Zinsen, Währungen) rechtfertigt. Denn man sollte nicht aus den Augen verlieren, dass eine erneute Konjunkturschwäche und ein Wiederaufleben des Deflationsdrucks nicht mit einer nach wie vor verschuldeten Welt vereinbar wären.

Natürlich ist diese Aussicht hinreichend ungünstig, dass die Märkte ihr nicht auf Anhieb zustimmen können. Die Zentralbanken können den Moment der Wahrheit noch hinausschieben, indem sie noch einen ausschweifenden Trost eines unendlichen QE spenden. Es könnte sich herausstellen, dass die chinesischen Behörden in der Lage sind, die Kapitalabflüsse zu stoppen und sei es durch die Wiedereinführung einer praktisch absoluten Kapitalkontrolle. Vielleicht muss man dann den Alarm für beendet erklären und vorübergehend wieder zu ehrgeizigeren Exposures zurückkehren. Selbst unter dieser Annahme ist es jedoch weiterhin gerechtfertigt, mehr denn je Portfoliozusammensetzungen aufrechtzuerhalten, die auf das Umfeld eines zerbrechlichen Wachstums abgestimmt sind. Auf ein Anziehen des Konjunkturzyklus zu setzen, erscheint uns heute als ein Ausdruck von großer Blindheit. Andererseits könnte in einer Welt, in der Unternehmen, die in der Lage sind ein starkes Gewinnwachstum zu erzielen, seltener als je zuvor zu finden sein werden, die Auswahl dieser Champions, die oft Weltmarktführer in ihren jeweiligen Sektoren mit hoher Wertschöpfung sind, den Unterschied gegenüber den geschundenen Börsenindizes ausmachen. Auch die äußerst strenge Auswahl von Unternehmensanleihen könnte im Anleiheuniversum eine Quelle absoluter Performance sein. In jedem Falle bietet sich für die aktive Verwaltung eine historische Chance, sich gegenüber der passiven Verwaltung zu beweisen.


Autor: Didier Saint-Georges, Mitglied des Investmentkomitees von Carmignac Gestion
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Kommt jetzt die weltweite Rezession?

  • Der stärkere US-Dollar und das schwächere Weltwirtschaftswachstum hatten einen zweitrangigen Einfluss auf US-Hersteller.
  • In der dritten Welle nach Chinas Abschwächung könnten niedrige Energiepreise die Konsumausgaben beflügeln.
  • Chinas spektakuläres Wachstumstempo ist abgeebbt und die Fluten dieser Abkühlung haben andere Länder und Märkte in mehreren Wellen erwischt.

Erste Welle
Als Folge der deutlich geringeren wirtschaftlichen Entwicklung Chinas, sind die Rohstoffpreise von Aluminium bis Zink gefallen. Die ersten, die diese Wirkung zu spüren bekamen, waren die Nachbarstaaten Korea, Taiwan und Singapur, die ebenfalls von geringerem Wachstum und Rezessionsängsten infiziert wurden. Aber auch Länder wie Peru, Russland, Australien, Chile und Brasilien, die Rohstoffe wie Eisen, Kupfer und Erdöl exportieren, wurden beeinflusst.

Sogar die USA als weltweit größte Volkswirtschaft hat in ihrem siebten Wachstumsjahr einige Störungen gespürt, hauptsächlich im Energiesektor. Die Geschäftsmodelle für Hydraulic-Fracturing von Erdöl und Gas – oder Fracking – und für andere Energieproduzenten wurden komplett auf den Kopf gestellt, als die Verkaufspreise gestürzt sind, während die Produktionskosten gleich blieben. Die Spreads bei Hochzinsanleihen, die überproportional von Energieunternehmen ausgegeben werden, haben sich dramatisch ausgeweitet.

Zweite Welle
Große multinationale Energie-, Werkstoff- und Industriegüterunternehmen mit Sitz in den USA hatten aus zweierlei Gründen abnehmende Umsätze zu verzeichnen. Ein Drittel dieser internationalen Abschwächung ist auf den stärkeren US-Dollar zurückzuführen, der Exporte verteuerte, in einem sich weiträumig abschwächenden Wachstumsumfeld infolge des langsameren Tempos der chinesischen Wirtschaft.

Damit einhergehend hat sich auch das verarbeitende Gewerbe in den USA abgekühlt, woraus sich erhebliche Lagerüberhänge ergeben. Darüber hinaus blieben weitere US-Daten hinter den Erwartungen zurück. Im Beschäftigungsreport von September beispielsweise enttäuschten Löhne, neue Jobs und geleistete Arbeitsstunden allesamt, was nahe legt, dass die US-Wirtschaft zwar nach wie vor wächst, aber in geringerem Tempo. Sogar die Daten aus dem Dienstleistungssektor haben sich abgeschwächt.

Doch ist dies der Stoff für eine Rezession? Das „National Bureau of Economic Research“ (NBER), welches offiziell den Anfang und das Ende eines Wirtschaftszyklus ausruft, führt die Ursachen für vergangene Rezessionen bis in die 1880er. Schauen wir uns diese Liste an, so fällt ein sich wiederholendes Muster an Ursachen über die letzten 100 Jahre auf. Diese reichen vom plötzlichen Rückgang der Staatsausgaben am Ende von Kriegen bis hin zu Rohstoffversorgung und Preisschocks, einem sprunghaften Anstieg der Zinsen, Platzen von Vermögensblasen sowie übermäßigen Bestandsanhäufungen.

Keiner dieser Rezessionstreiber scheint mit Eintritt in das vierte Quartal 2015 gegeben zu sein. Die US-Staatsausgaben beginnen sich erstmals seit langjährigem Rückgang wieder zu beschleunigen. Die weltweiten Rohstoffpreise haben einen Schock erfahren, wurden jedoch nicht aufwärts, sondern abwärts gedrückt. Die Zentralbanken weltweit geben keinerlei Anzeichen für ein Anheben der Zinsen. Und obwohl ein milder Bestandsaufbau stattfindet, ist die USA längst nicht mehr die produzierende Wirtschaft, die sie in den 1950ern war. Die heutige Dienstleistungswirtschaft zeigt sich größtenteils unbeeindruckt von Schwankungen bei Lagerbeständen produzierter Güter.

Dritte Welle
Die am wenigsten sichtbaren und direkten Effekte von China und der damit einhergehenden weltweiten Abkühlung interessieren mich als Investor am meisten. Dazu zählen die Einflüsse auf Einkommen und Ausgaben von US-Verbrauchern, als größte Quelle der weltweiten Nachfrage.

Die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass Energiepreise den US-Konsum beeinflussen und damit zeitverzögert auch das weltweite Wachstum. Vergangene Phasen von sinkenden Energiepreisen, die nicht durch eine Rezession eingeleitet wurden, gingen etwa ein Jahr später mit steigendem Konsum und schnellerem Wirtschaftswachstum einher. Erste Zeichen hierfür könnten bereits jetzt sichtbar sein: die jährlich gefahrenen Kilometer in den USA steigen bereits, nachdem sie über Jahre konstant geblieben sind. Der Mix bei Neuwagenverkäufen neigt sich zu teureren Fahrzeugen mit höherem Kraftstoffverbrauch.

Meiner Einschätzung nach, sollten wir abwarten bis sich auf internationaler Ebene eine gewisse Stabilisierung einstellt, bevor wir uns wieder überzeugt risikoreichen Investments wie Aktien und Hochzinsanleihen zuwenden können. Einige Auswirkungen der schlechten Nachrichten aus China könnten sich am Ende als positive Wirkungsfaktoren herausstellen, durch die Beschleunigung der Haushalts- und Konsumausgaben und die Stimulierung des Wachstums jener Länder, für die Energie zu den wesentlichen Investitionskosten zählt. Dazu zählen die USA, Europa, Japan und interessanterweise sogar China.

Während das finale Kapitel des Jahres 2015 noch nicht geschrieben ist, könnte die Robustheit dieser Expansion – nicht ihre Fragilität – das wichtigste Thema für Investoren mit Blick auf das Jahr 2016 sein.


Autor: James Swanson, MFS Chief Investment Strategist

Den Glaubwürdigkeitscheck bestehen

Wenn Personen eine weitreichende oder folgenschwere Einkaufsentscheidung treffen möchten oder müssen, dann wünschen sie sich oft einen Einkaufsberater an ihrer Seite – einen Berater, dem sie vertrauen und der sie in ihrem Kaufentscheidungsprozess führt und begleitet.

Dieser Berater und Begleiter muss selbstverständlich fachlich fit sein. Doch Hand aufs Herz: Können Sie einschätzen, wie fachlich fit der Arzt Ihres Vertrauens tatsächlich ist? Die meisten Patienten können dies nicht. Was sie jedoch bei ihrem Arzt sehr wohl einschätzen können, ist:
  • Wie viel Zeit nimmt er sich für mich?
  • Wie genau erkundigt er sich nach meinem Befinden?
  • Schaut er mir beim Gespräch in die Augen?
  • Greift er meine Aussagen auf?
Diese Faktoren vermitteln ihnen letztendlich das Gefühl: Diesem Arzt kann ich vertrauen.

Ähnlich verhält es bei Verkäufern. Wie fachlich fit und persönlich integer diese sind, können Kunden meist nur bedingt einschätzen. Deshalb unterziehen sie Verkäufer beim ersten Treffen einem Glaubwürdigkeitscheck. Das heißt: Sie entscheiden anhand ihrer Sinneswahrnehmungen – ähnlich wie unsere Ahnen in grauer Vorzeit – „Freund“ oder „Feind“?

Kernfrage: „Freund“ oder „Feind“?

Das Ergebnis dieser meist binnen weniger Sekunden unbewusst getroffenen Entscheidung ihres Gehirns prägt den gesamten weiteren Kontakt. Denn nur wenn sich ein Kunde in der Gegenwart eines Verkäufers wohl und sicher fühlt, schaltet er seine archaischen Alarm- und Abwehrsysteme aus. Bei Misstrauen geschieht das Gegenteil. Dann schaltet das Gehirn des Kunden sozusagen in den Modus „Feind“. Also sucht es fortan nach Bestätigungen für seine negative Einstellung. Befindet sich ein Kunde in diesem Modus, ist ein erfolgreiches Verkaufsgespräch fast nicht mehr möglich.

Drei Faktoren werden vom Gehirn des Kunden beim Glaubwürdigkeitscheck in Sekundenschnelle gecheckt:
  1. Wie verhält sich der Verkäufer (Körpersprache, Mimik, Gestik)?
  2. Wie klingt er (Stimme)? Und:
  3. Was sagt er (Sprache, Worte)?
Dabei lautet das oberste Prüfkriterium „Stimmigkeit“. Sie entscheidet darüber, ob ein Verkäufer „echt“ wirkt – also seine Ausstrahlung den Kunden überzeugt.

Besonders wichtig: die Mimik und Augensprache

An erster Stelle steht das Verhalten. Nichts überzeugt Kunden nachhaltiger als ein in ihren Augen eindeutiges, insgesamt positives Verhalten. Und kaum etwas schafft so viel Misstrauen, wie ein Verkäufer-Verhalten, das nach Täuschung aussieht.

An zweiter Stelle folgt die Stimme. Ihr Ton kann die Worte eines Verkäufers unterstützen und ihre Botschaft dramatisch steigern. Er kann deren Wirkung aber auch zunichtemachen. Die „schönsten“ Verkäufer-Worte und -Versprechen sind nutzlos, wenn der Ton der Stimme nicht dazu passt.

Noch folgenschwerer ist es, wenn die Mimik und die Ausstrahlung der Augen eines Verkäufers nicht zu seinen Worten passen. Denn für die Sprache des Gesichts und speziell der Augen sind wir Menschen seit Urzeiten besonders empfänglich. Schon für unsere Ahnen waren sie das eindeutigste, weil kaum manipulierbare Signal, wer ihnen gegenüber stand: Freund oder Feind?

Dem Kunden als Freund begegnen

Kunden schenken nur Verkäufern Vertrauen, die ihnen sozusagen als Freund begegnen und dies durch ihr Verhalten bestätigen. Nur bei ihnen schalten sie ihre Alarmsysteme aus. Ist dies der Fall, dann ist im Kontakt Kunde-Verkäufer (fast) alles möglich. Denn dann befinden sich beide in einem entspannten, aber hochemotionalen Zustand, der zu einem Austausch persönlicher Informationen, Gedanken und Gefühle führt. Also ist auch das gemeinsame Lösen von Aufgaben sowie Treffen von Vereinbarungen möglich – und nichts anderes sind Verkäufe und Vertragsabschlüsse.

Dafür dass dies geschieht, können die Vorgesetzten der Verkäufer viel tun. Sie können beispielsweise in ihrem Bereich ein entspanntes Arbeitsklima schaffen. Denn steht ein Verkäufer zum Beispiel unter einem extremen Umsatzdruck, dann ist er innerlich angespannt. Das spürt der Kunde.

Aufgabe der Verkäufer ist es wiederum, sich in die nötige Stimmung zu versetzen, um
  • sich auf Kunden zu freuen,
  • ihnen mit einer positiven Einstellung zu begegnen und
  • sich wirklich für sie als Mensch (und nicht nur als Umsatzbringer) zu interessieren.
Sich in eine solche Stimmung zu versetzen, auch an schlechten Tagen, das kann man lernen.

Und mindestens ebenso wichtig ist: Die Verkäufer müssen den Mut haben, im Kundenkontakt Persönlichkeit zu zeigen. Denn warum sollte der Mensch Kunde sich für einen Verkäufer öffnen, wenn dieser ihm als Maske gegenüber tritt?

Autor: Ingo Vogel

Zum Autor:
Ingo Vogel, Esslingen/Berlin, ist Verkaufstrainer und gilt als der Experte für emotionales Verkaufen (www.ingovogel.de). Im September erschien im GABAL-Verlag sein neuestes Buch „Verkaufs einfach emotional: So begeistern Sie Ihre Kunden“.