Lehren aus der Lehman-Pleite

Grund genug, sich seitdem die Entwicklung der Zertifikate-Branche etwas genauer anzuschauen. Was zu allererst auffällt: Totgesagte leben tatsächlich länger. Gründe dafür gibt es mehr als genug, denn bei strukturierten Wertpapieren wie Zertifikaten handelt es sich ohne Zweifel um sinnvolle und vielseitige Finanzprodukte. Mit ihnen können Privatanleger sowohl unkompliziert ihr Depot absichern, aber auch von steigenden, seitwärts laufenden oder fallenden Märkten profitieren.

Trotz moderater Rückgänge in schwächeren Monaten zeigen sich die Börsenumsätze und das Marktvolumen recht stabil. Gerade im anhaltenden Niedrigzinsumfeld haben Anleger die Chancen und die Attraktivität der Produkte also erkannt. Dennoch gilt: Zertifikate sind erklärungsbedürftig, und Anleger sind gut beraten, sich vor dem Kauf eines Produktes mit dessen Funktionsweise und Eignung in Bezug auf ihre Risikoneigung auseinanderzusetzen.

Gerade die in den vergangenen Jahren erarbeiteten Standards der Zertifikatebranche schaffen in einem enorm vielseitigen Produktuniversum für die Anleger ein hohes Maß an Übersicht, Transparenz und Vergleichbarkeit: Von der Produktklassifizierung durch die Derivate-Liga über die einheitlichen Fachbegriffe bis hin zu den Vorgaben für die Produktinformationsblätter und den Risikoklassen. Nicht zuletzt haben die Mitglieder des Deutschen Derivate Verbands (DDV) im Rahmen einer Selbstverpflichtung, dem Fairness Kodex, einen wichtigen Meilenstein für eine branchenweite Standardisierung gesetzt. Damit ist der Branche gelungen, verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Entsprechend berücksichtigen viele Anleger mittlerweile die wichtigen Kriterien beim Kauf eines strukturierten Wertpapiers. Das geht auch aus dem Ergebnis der aktuellen Online-Umfrage des DDV hervor. An der Umfrage, die gemeinsam mit sechs großen Finanzportalen durchgeführt wurde, beteiligten sich mehr als 2.100 Personen. Drei von vier Teilnehmern halten die Bonität des jeweiligen Emittenten für das wichtigste bzw. ein wichtiges Kaufkriterium.

Darüber hinaus sollten Anleger aber noch weitere Faktoren berücksichtigen. Ausgesprochen hilfreich ist hier die Checkliste, die der Verband gemeinsam mit der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz veröffentlicht hat. Sie enthält insgesamt 18 Fragen einschließlich ihrer Erläuterungen, und zeigt, welche Informationen Anleger einholen sollten, bevor sie sich für den Kauf eines Zertifikats entscheiden.

(Autor: Lars Brandau, Geschäftsführer Deutscher Derivate Verband (DDV)

Vergütungsform und Bürokratie als Wunderwaffe

Europäische Verwaltungsbeamte, Politikerinnen und Politiker trauen dem Staat, insbesondere dem Gesetzgeber, erstaunliche Heilungskräfte zu, wenn es um die Lehren aus den Finanzkrisen der Vergangenheit geht.

Wirtschaftswissenschaftler bezweifeln, dass Krisen sich gleichartig wiederholen, so dass mit den Lehren aus der ersten Krise eine zweite vermieden werden kann. Es sei nach Meinung von ökonomischen Experten schon genug gewonnen, wenn man die zweite besser als die erste durchsteht, und dafür kann die Gesetzgebung ein Beitrag sein. Aber nur ein Beitrag, zumeist ist es nicht die finale Lösung.

Regulierungswut ist zumeist eine Verschlimmbesserung erster Güte. Finanzdienstleistungen werden dadurch teurer, in vielen Fällen zu teuer – namentlich für die zahlreichen Privatkunden und kleine Anleger, denen solche Instrumente über die vergangenen Jahrzehnte zur Basisabsicherung, Ertrag und somit zur Erhöhung ihres Wohlstands verholfen haben.

Politische Regelungswut überall

Die Probleme mit Lehman Brothers und Madoff, auf die Verbraucherschutz und Politiker gerne als Begründung verweisen, sind absolut nicht die Regel in der Finanzwirtschaft. Sie sind eher die Ausnahme, Lehman Brothers war als Bank eine erster Adresse, die insolvent wurde, und Madoff ein Krimineller.

Beide bedauerlichen Fälle hätten über eine strikte Regulierung der Branche und deren Vertrieb nicht verhindert werden können, da per Gesetz ein menschliches Fehlverhalten nie auszuschließen ist. Nötig hierzu ist ein Strafrecht, das gröbstes oder gar vorsätzliches Fehlverhalten sanktioniert. Eine entsprechende Gesetzgebung zu Wirtschaftskriminalität ist weitgehend schon vorhanden und muss nicht neu erfunden werden, sondern nur konsequenter und schneller in der juristischen Praxis angewandt werden.

Nötig waren Regeln über die Prüfung von Eignung und Angemessenheit der Anlagestrategie an der individuellen Risikoorientierung für eine Kundin oder einen Kunden, sowie eine Bewilligungspflicht für Vermögensverwalter und diverse sogenannte Anlage- und Finanzberater. Solche Maßnahmen können den Verbraucherschutz teilweise wirklich verbessern und werden insoweit auch von den Assekuranzen und Banken unterstützt.

Verbraucher-Lobby will ohne Sachkundenachweis Finanzmarktwächter sein

Am liebsten soll es nach der Lobby des Verbraucherschutzes eine Ampel für jedes einzelne Finanz- und Versicherungsprodukt sein. Grün steht für unbedenklich, gelb für Vorsicht und Rot für Finger weg – gefährlich. Doch wer legt die Farben fest, wo heute kaum jemand weiß, was in zehn oder 20 Jahren für ein Szenario vorliegt. Der Verbraucherschutz traut sich selbst dies zu, ohne dass dessen Mitarbeiter eine Qualifikation mit einem Sachkundenachweis haben müssen.

Vermittlungsunternehmer dagegen sollen dokumentieren, ihre Betriebe am liebsten täglich überprüfen lassen und ihr Einkommen freiwillig gegen Null absenken. Die Qualität einer Beratung wird wohl kaum besser, wenn ein schwarzes Schaf der Branche mit Zertifikat arbeitet oder wenn Geringverdiener als Berater über hunderttausende von Euro als Altersvorsorge oder bei Kapitalanlage-Verlust den sicheren Weg in die Altersarmut beraten und für die Vermittlung nicht haften.

Medizin und Finanzdienstleistung werden zum Verwaltungsmoloch

Schon in der Schulmedizin zeigt sich wie oft ein Kranker oder Verunfallter froh ist, wenn die lebensnotwendige Operationsmethode seines Arztes nicht erst noch zertifiziert werden muss. Die Wartezeit bis ein Unfallarzt die Verwaltungspapiere ausgefüllt hat ist schon lange genug.

Bei den „Finanzärzten“ soll nun auf Menschen gesetzt werden, die vor allem dann kein Geld verdienen sollen, wenn es um viel Geld, die Altersvorsorge, die Existenz oder das Vermögen der Menschen geht. Welche Logik steckt da dahinter? Vor allem, wenn diese (Honorar-)Berater nicht für eine Vermittlung haften sollen und nur ihre Honorare wollen. Hierüber sollte nachgedacht werden.

(Autor: Dietmar Braun, freier Fachjournalist, Hochschuldozent Assekuranz und Banken)
Meyer.jpg

Hat die amerikanische Notenbank eine neue Lawine losgetreten?

Dabei traf es die Emerging Markets besonders hart. Vor wenigen Wochen nun äußerte die Fed Bedenken wegen der Liquidität in einigen Segmenten des Anleihemarkts. Nach den immensen Mittelzuflüssen in Anleihefonds hat die amerikanische Notenbank die Sorge, dass bei einem plötzlichen (Meinungs-)Umschwung die nötige Liquidität fehlt, um die Anleihen am Markt zu platzieren. Mich wundert es, dass die Fed erst jetzt auf dieses Szenario aufmerksam wird. Durch die verschärfte Finanzmarktregulierung haben sich sehr viele Finanzinstitute aus dem Handel zurückgezogen oder die Limits für mögliche Geschäfte deutlich reduziert. Dabei bezieht sich dieser Umstand nicht nur auf den spekulativen Bereich (High Yield). Auch bei Unternehmensanleihen mit einem Investment Grade Rating kann der Verkauf von Positionen zum Problem werden. Gerade in Phasen mit höherer Volatilität werden die Handelslimits (weiter) reduziert.

Gleichzeitig haben mehr Unternehmen in den vergangenen Jahren direkt den Kapitalmarkt für Ihre Finanzierung genutzt, da die Banken nicht willens oder in der Lage waren, den Kreditbedarf zu erfüllen. Da die Renditen bei Anleihen über alle Segmente hinweg nur eine Richtung kannten, war die Aufnahme für neues Material entsprechend gut. Dabei störte es zuletzt auch immer weniger, dass die Qualität schlechter wurde. Viele Anleger akzeptieren auf der Suche nach Rendite auch diese Unwägbarkeiten und tun es weiterhin. Sollte sich der Trend fallender Renditen umkehren, kann es durchaus zu einem Szenario mangelnder Liquidität kommen. Davon werden dann sowohl aktiv als auch passiv gemanagte Produkte betroffen sein. Der Vorteil aktiver Produkte kann dann allerdings sein, dass die Qualität der Papiere im Portfolio so gut ist, dass die Nachfrage schneller wieder zurückkehrt und damit das wichtigste Element solcher Portfolios herauskommt: Outperformance!

Ob Panik ein guter Ratgeber ist, kann wohl verneint werden. Wir befinden uns absolut und auch relativ gesehen auf einem sehr niedrigen Renditeniveau. Eine Gegenbewegung wäre nicht ungewöhnlich und auch gesund. Wie bei den Emerging Market Bonds in 2013 wird wohl auch bei den High Yield Bonds zukünftig wieder mehr auf die Qualität geachtet werden (müssen). Der Hunger nach Rendite bleibt bei den Perspektiven in Europa weiterhin bestehen. Sollten die politischen Unsicherheiten sich nicht verschärfen, könnte nach einer Phase der Irritation wieder „Normalität" einkehren. Doch: Qualität bleibt ein wichtiges Kriterium!


(Autor: Thomas Meyer
Country Head Germany PETERCAM S.A.)

Deutschland macht Jagd auf Vermittlungsunternehmer

Deutsche Volksparteien scheinen Teile des deutschen Mittelstandes vergessen zu haben. Die Regulierung für unabhängige Versicherungsvermittler und Versicherungsmakler soll den Verbraucherschutz befördern, doch in Wirklichkeit zwingt sie Vermittlungsunternehmer mit vielen Beschäftigten zur Betriebsaufgabe. Die Politik verteilt Sanktionen in Form eines von Brüssel aus angetriebenem völlig überzogenem europäischem Verbraucherschutz.

Wer sind eigentlich diese gejagten Vermittlungsunternehmer? Laut einem Bericht der Bild-Zeitung soll das zum Beispiel ein Makler aus Berlin sein, der in Wirklichkeit als Versicherungsvertreter ohne Erlaubnis für die ERGO-Versicherungsgruppe arbeitet. Hier wird durch die Medien ein ganzer erlaubnispflichtiger Berufsstand, den der Versicherungsmakler, ohne Recherche verunglimpft. Eine mediale Steilvorlage für die Politik noch mehr Regulierung umzusetzen.

Oder die Autoren vom Handelsblatt beschwören den Untergang der deutschen Lebensversicherung und rufen zur Jagd auf deren Vermittler auf. Aktueller Fälle sind eine Verunglimpfung der Renditen der Riester-Rente und der betrieblichen Altersvorsorge, die beide in Wahrheit wichtige Säulen, der staatlich geförderten privaten Vorsorge sind.

Die Politik schaut tatenlos zu wie der staatlich geförderte Verbraucherschutz nahezu täglich die Vermittlungsunternehmer als „Provisionsjäger“ öffentlich an den Pranger stellt. Obwohl beim Ombudsmann kaum Beschwerden über die zig Millionen Versicherungsvermittlungen von den Versicherungskunden eintreffen. Obwohl jeder Versicherungskunde über die für ihn kostenfreie Beschwerdestelle zu informieren ist.

Der Bundesfinanzminister schützt seine besten mobilen „Steuereintreiber“ nicht, obwohl aus nahezu jeder gezahlten Versicherungsprämie in der Summe 10 Milliarden Euro an Versicherungssteuer für den Staat anfallen, das sind allein vier Prozent aller Steuereinnahmen.

Die Bundesozialministerin glaubt, dass Honorarberatung ein Geschäftsmodell sei, wo die Menschen die beste Versicherungslösung mit einer nahezu kostenfreien Beratung erhielten. Da verwundert es schon, dass es kaum Menschen gibt, die den Beruf eines selbständigen Honorarberaters ausüben wollen.

Es scheint wirklich an der Zeit zu sein, dass die deutschen Maklerverbände, die Verbände der Finanz- und Versicherungskaufleute, die Maklergenossenschaft, die Versicherer und auch die Banken den Volksvertretern mit einer gemeinsamen Stimme klar verdeutlichen, was die Berufsstände der Versicherungsvermittler und der Versicherungsmakler, zumeist als mittelständische Unternehmer täglich für die Bürger leisten. Die Initiativen „Ehrbare Kaufleute“ und „gut beraten“ sind da zu wenig.

Auch die Kollegen in den Medien sollten sich besinnen, ob neben den negativen Schlagzeilen, es nicht auch mehrheitlich positive Geschichten rund um die Vermittlungsunternehmer gibt. Wo eine private Altersrente die Altersarmut verhindert, wo eine Haftpflichtversicherung die Existenz rettet oder die Wohngebäudeversicherung nebst Elementardeckung den Untergang von Vermögen verhindert oder einen Neubau ermöglicht. Dieser Kommentar hier und jetzt soll ein Schritt in diese Richtung sein.

(Autor: Dietmar Braun, freier Fachjournalist, Hochschuldozent Assekuranz und Banken)
MERITO_Foto_Susanne_Woda_2013.jpg

Zündstoff für DAX-Rutsch

Der Marktumschwung kam nicht völlig aus der Luft gegriffen, die Aktienkurse sind den Gewinnen in den letzten Monaten vorausgelaufen und die Gewinnerwartungen sind ambitioniert bei gleichzeitig zunehmenden Herausforderungen wie zum Beispiel dem starken Euro. Eine Marktkorrektur war überfällig, doch das Ausmaß der Verluste droht nun mehr als ein reinigendes Gewitter zu werden. Der Dax weist eine sehr labile Marktverfassung auf. Deutliches Warnsignal sind die starken Kursausschläge einzelner Aktien, die einen unkontrollierten Abverkauf aufzeigen.
Wie hoch die Unsicherheit ist, offenbart spätestens ein Blick auf den VDAX, der sich von seinen Tiefstkursen sprunghaft gelöst und mehr als 60 % zugelegt hat.

Zur enttäuschenden Quartalssaison gesellen sich unkalkulierbare geopolitische Risiken, deren unüberschaubare Auswirkungen auf die Gewinnentwicklung der Unternehmen aktuell kaum eine faire Aktienbewertung zulässt. Solange die Konfliktherde nicht unter Kontrolle sind, sind die weiteren Aussichten für den deutschen Aktienmarkt verhalten. Mit dem August steht der historisch schwächste Monat im Aktienmarkt an und es gibt zahlreiche Gründe, die Käufer von nachhaltigen Investitionen abhalten dürften. Letzte Woche wurde die 200-Tage-Linie, einem zuverlässigen Indikator für langfristige Trends, unterschritten. Dies deutet auf weiteres Korrekturpotenzial hin. Auch die aktuellen Wirtschaftsaussichten - das ifo-Institut rechnet mit einer deutlichen Senkung der Wachstumsprognose für Deutschland - sorgen nicht gerade für Kursfantasie. Das Bewertungsniveau hat sich angepasst, aber mit einem durchschnittlichen KGV von 12,8 ist das Bewertungsniveau noch immer nicht günstig. Da der Markt bekanntlich zu Übertreibungen neigt, sollte es niemanden verwundern, wenn in den nächsten Wochen noch weitere Verluste auflaufen.

Zündstoff liefert auch die wieder aufflammende Bankenkrise. Mit der Pleite der portugiesischen Krisenbank Espirito Santo ist die Lage wieder unübersichtlicher geworden. Auch wenn gerne verdrängt, lauern nach wie vor kaum einzuschätzende Risiken aus der Verflechtung des globalen Finanzsystems und der Realwirtschaft. Paradoxerweise liegen hier aber auch Chancen für Aktienmarkt, denn langfristig dürfte die Liquiditätspräferenz der Marktteilnehmer nicht anhalten und für Investitionsdruck sorgen. Wie schnell der Staat im Bedarfsfall auf das Guthaben seiner Bürger zurückgreifen kann, zeigen die in den Hintergrund gerückte Zwangsabgabe in Zypern und die in Spanien frisch beschlossene rückwirkende Besteuerung von Kontoguthaben.

(Autor: Susanne Woda, Portfoliomanagerin bei GVS Financial Solutions)

Perlensucher aufgepasst

Zunächst einmal: US-Nebenwerte überzeugen absolut betrachtet mit herausragenden Renditen. Das beweist ein Blick auf die annualisierte Drei- und Fünfjahresrendite der beiden Small und Micro Cap-Indizes Russell 2000 und Russell Microcap. Daran ändert auch die aktuelle Verschnaufpause nichts, die auf das insgesamt deutlich vorsichtigere Verhalten der Aktieninvestoren in diesem Jahr zurückzuführen ist. Viel mehr als ein Durchatmen ist es aber auch nicht, denn amerikanische Nebenwerte haben eine Menge zu bieten.

Entscheidend für den Anlageerfolg ist allerdings der Investmentansatz und der kann im Fall von US-Small und Micro Caps nur ‚aktives Stockpicking' lauten. Seit dem letzten Tief bei zehnjährigen Staatsanleihen im Mai 2013 kristallisiert sich mehr und mehr heraus, wie wichtig eine aktive Titelauswahl vor allem für langfristige Investoren ist. Denn aus unserer Sicht, sind es in den vergangenen 14 Monaten vor allem die Fundamentaldaten der Unternehmen, die über den Aktienerfolg entscheiden.

Ein Beispiel: Wer bei US-Nebenwerten auf ein Index-Investment vertraut, nimmt in Kauf, dass rund 25 % der dort gelisteten Unternehmen Geld verlieren. Effektiver ist es also ganz offensichtlich, auf eine Strategie zu setzen, die die gut geführten, finanziell starken Unternehmen mit langfristig attraktiven Wachstumsperspektiven herausfiltert. Und das klappt besonders bei Small und Micro Caps eben nur, in dem man sich intensiv mit den jeweiligen Unternehmen auseinandersetzt und sie in der Tiefe analysiert. Dafür ist die Erfahrung, die man als Investor in diesem Marktsegment mitbringt, natürlich von Bedeutung.

Was die Aussichten für US-Nebenwerte angeht, bin ich aktuell äußerst bullish. Die US-Wirtschaft ist bereit für ein Anziehen des Wachstums, die amerikanische Notenbank fährt ihre quantitative Lockerungspolitik in einem gesunden Tempo zurück und im aktuellen Zinsumfeld ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Zinsen wieder steigen. Historisch betrachtet bietet das aktuelle Marktumfeld also äußerst günstige Rahmenbedingungen für Aktien im Allgemeinen. Und auch wenn die Bewertungen insgesamt schon recht hoch sind, gibt es aus unserer Sicht noch genügend Chancen, die Renditen über das Jahr hinweg im positiven Bereich zu halten. In diesem Sinne kann die Suche für Stockpicker beginnen.


(Autor:
Chuck Royce, CEO und Portfolio Manager bei der 100-prozentigen Legg Mason-Tochter Royce &Associates)
TOPVermgen_Foto_Michael_Thaler.jpg

Social Trading – Geldanlage 2.0

Der Begriff Social Trading ist ungefähr so pointiert definiert, wie der Straßenverkehr in Rom reguliert ist. Dahinter verbirgt sich eine Vielzahl unterschiedlicher Ansätze. Allen gemein ist, dass es eine Form der Interaktion zwischen einzelnen Usern gibt.
Im Regelfall veröffentlicht ein Plattform-User ein Portfolio und andere User können die Strategie eins zu eins replizieren. Da der Kapitalmarkt stark reguliert ist, bleiben als Anlagevehikel oft nur abenteuerliche Konstruktionen über zypriotische Banken oder Inhaberschuldverschreibungen von Wertpapierhandelsbanken mit sehr überschaubareren Bilanzen. Besser sind hier Ansätze, die auf regulierten Investmentvehikeln, wie Investmentfonds aufsetzen. Anleger sind hier im Falle einer Emittenteninsolvenz geschützt.
Auf vielen Plattformen werden ausschließlich die Strategien beworben, welche die höchste Rendite darstellen, ohne auf die eingegangenen Risiken zu achten.

Beim INVESTTOR Mitmachfonds wird nicht nur auf eine Individualstrategie gesetzt, sondern mit Hilfe eines Algorithmus die besten Anlageideen aus der gesamten Nutzerbasis gefiltert. Heraus kommt ein eher risikooptimierter Aktienfonds für Anleger, die die eigenen Nerven schonen wollen.
Aber wie sagte bereits Kostolany: Wer kein Geld hat, muss spekulieren. Für den kleinen Geldbeutel finden sich auf Plattformen, wie eToro oder wikifolio durchaus rasante Portfolios, die den schnellen Gewinn versprechen. Um als ernsthafte Anlagealternative in Frage zu kommen, sind hier jedoch noch zahlreiche Nachbesserungen, insbesondere bei den hohen Gebühren notwendig.
Das Potential ist aber definitiv vorhanden, da die traditionellen Geldkümmerer für den Kleinsparer, wie Lebensversicherer aufgrund von Niedrigzinsen zu Recht kaum noch eines Blickes gewürdigt werden. Auch Bankberater ziehen sich dank eines verpflichtenden Wustes aus Beratungsprotokollen aus dem Verkauf von Wertpapierprodukten bei kleineren Anlagesummen komplett zurück.
Was bleibt ist nur noch der Weg ins Internet: Social Trading ist ein spannender Ansatz – neben einigen Portfoliostars werden das Anlagemedium der Stunde jedoch Anlagefonds werden, die aus der Unzahl von Börsianer-Trades, mit Algorithmen vielversprechende Ansätze filtern und in verlässliche Portfolios ummünzen können.


(Autor: Michael Thaler, Top Vermögen AG)

Noch mehr EZB-Geld für Banken – wird die Baufinanzierung für Kunden noch günstiger?

Stattdessen stellte die EZB weiterführende Maßnahmen vor, um die Märkte zum einen zu stabilisieren und zum anderen die Kreditvergabe der Banken zur Ankurbelung der Wirtschaftsleistung zu stimulieren. So wird die EZB ab 2015 ihre Sitzungen zur Entscheidung über die Geldpolitik von einem vier- auf einen sechswöchentlichen Turnus umstellen und zudem die Protokolle ihrer Sitzungen veröffentlichen. Hintergrund dieser Maßnahmen ist die Transparenz gegenüber dem Finanzmarkt zu steigern, um bei zukünftigen Kurswechseln der EZB Turbulenzen aufgrund von Unsicherheiten an den Währungs-, Aktien- oder Zinsmärkten zu vermeiden.

Sollte es „die Situation erfordern", wäre die EZB laut Präsident Mario Draghi ebenfalls bereit, den Kauf von besicherten Krediten – sogenannten Asset Backed Securities (ABS) – von Banken durchzuführen. Die frei werdende Liquidität bei den Banken könnten diese dazu nutzen, neue Kredite zur Belebung der Wirtschaft zu vergeben. Und sollte die Konjunktur in der EURO-Zone weiter schwächeln und sich deflationäre Tendenzen zeigen, spielt die EZB erneut – trotz Uneinigkeit von Experten, ob sich dies mit dem Mandat der EZB vereinbaren lässt – mit dem Gedanken, Staatsanleihen zu erwerben. Ein Kauf würde die Renditen eben dieser Staatsanleihen absenken und damit die Refinanzierungsmöglichkeiten z.B. wirtschaftlich gebeutelter europäischer Staaten zu verbessern.

Zu guter Letzt kündigte die EZB ein neues Kreditprogramm für die Banken der EURO-Zone an: Die EZB stellt im September und Dezember Kredite über rund Euro 400 Mrd. Euro bereit. Banken können diese Mittel zunächst bis 2016 in Anspruch nehmen. Damit ihnen die Kredite längerfristig bis 2018 zur Verfügung stehen, müssten die Banken nachweisen, dass die Finanzspritze tatsächlich in Form von mehr Krediten an Unternehmen oder Privatpersonen ausgegeben wurde.

Konditionen für Baufinanzierungen sanken bereits vor EZB-Sitzung leicht

In Erwartung weiterer Maßnahmen der EZB stiegen im Vorwege der Notenbanksitzung bereits die Aktien- und (Staats-) Anleihekurse. Da sich die Refinanzierungskosten der Banken an den Kursen der Staatsanleihen orientieren, führten die gestiegenen Kurse dazu, dass sich zum Beispiel die Konditionen für Baufinanzierungen bereits in den letzten vier Wochen noch einmal um 0,10 bis 0,15 % vergünstigten.

„Wir erwarten für die kommenden Wochen und Monate keine weitere Verbilligung bei Immobilienfinanzierungen und stattdessen vermehrt schwankende Zinsen", kommentiert Stephan Gawarecki, Vorstandsprecher der Dr. Klein & Co. AG, die aktuelle Entwicklung. „Käufer, Bauherren oder Kunden, die eine Anschlussfinanzierung für ihre Immobile benötigen, sollten die neuen Tiefststände jetzt nutzen, um sich die Finanzierung der eigenen vier Wände langfristig zu sichern."

Tendenz:
Kurzfristig: schwankend seitwärts
Langfristig: steigend
Price.jpg

Nick Price hält noch selektiv an Russland fest

Inzwischen werden Schwellenlandaktien mit kräftigen Abschlägen gehandelt: Ihre Kurs-Gewinn- und Kurs-Buchwert-Verhältnisse bewegen sich auf den niedrigsten Niveaus seit zehn Jahren verglichen mit weltweiten Aktien.
Ende Juni lagen beide Kennzahlen für Schwellenländeraktien etwa 30 % unter denen von Aktien aus den Industrieländern. Dabei sind die Unternehmen aus den Schwellenländern gemessen an ihrer Eigenkapitalrendite um 1-2 % profitabler als ihre Wettbewerber aus den Industrienationen. Daher halte ich es jetzt für einen interessanten Zeitpunkt, sich stärker in einer Anlageklasse zu engagieren, die derzeit wenig populär ist, der mittel- bis langfristig aber strukturelle Wachstumstreiber zugute kommen.

Positiv bewerte ich aktuell Indien. Dort ist nach der Wahl des Premierministers Narendra Modi eine Erholung der Wirtschaft zu erkennen. In den nächsten Jahren dürfte sich das Wachstum beschleunigen. Denn die Regierung kann das starke Wählermandat nutzen, um den bürokratischen Dschungel zu lichten und Reformen sowie Infrastrukturinvestitionen einzuleiten. Ich habe daher mein Engagement in Indien verstärkt, z.B. bei Privatbanken.

Afrika schätze ich schon lange optimistisch ein. Was den Kontinent für Anleger besonders interessant macht, ist der geringe Wettbewerb, nicht zuletzt aufgrund Afrikas Ruf, es Unternehmen nicht leicht zu machen. Diese negative Wahrnehmung herrscht noch immer in den Köpfen vor, weshalb die Angebotsseite nur langsam wächst. Das schützt die ansehnlichen Profite der Anbieter, die bereits in Afrika präsent sind.

Zu guter Letzt Russland: Hier bin ich nur noch sehr eingeschränkt investiert, halte jedoch weiter Aktien von Surgutneftegaz. Zum einen haben die gegen den Energiesektor verhängten Strafen bislang vernachlässigbare Auswirkungen auf das Tagesgeschäft. Zudem ist Surgutneftegaz mit einem Barvermögen von 35 Milliarden US-Dollar, das die Marktkapitalisierung übersteigt, sehr gut kapitalisiert. Vor ein paar Tagen hat das Unternehmen übrigens eine Dividende in Höhe von 10 % in US-Dollar gezahlt. Auch an der Sberbank halte ich fest. Sie bleibt eine der stärksten Banken in den Schwellenländern und profitiert von günstigen Einlagen und Kreditkonditionen. Und die starke Einlagenbasis im Inland verringert ihre Abhängigkeit von externen Finanzierungsquellen.

Derzeit sehe ich keinen Anlass, meine noch bestehenden Positionen in Russland zu verkaufen. Die Auswirkungen der Sanktionen werde ich natürlich genau beobachten. Dabei werde ich – wie generell in meinen Portfolios – vor allem auf Einzeltitelbasis entscheiden. Denn ich bin davon überzeugt, dass eine sorgfältige Auswahl und ein fundiertes Verständnis der Unternehmen, in die ich investiere, langfristig entscheidend sind, um gute Renditen zu erzielen.

(Autor: Nick Price, Fondsmanager beim unabhängigen Vermögensverwalter Fidelity Worldwide Investment)
Burchardi.jpg

„Pflegeschutz ist Vermögensschutz“

Die Versorgungslücke wird heute auf 1.500 Euro und mehr pro Monat geschätzt. Dabei steigt die Zahl der Pflegebedürftigen laufend an: Heute sind es 2,5 Millionen, im Jahr 2030 werden es 3,4 Millionen sein. Die Versicherungswirtschaft reagiert in zunehmendem Maße auf diese Situation. Immer mehr Unternehmen treten mit neuen Angeboten auf den Plan, die sich gegenseitig in der Fülle stets noch besserer Bedingungen überbieten.

Für die Makler- und Kundenberatung ist der Hebel falsch gewählt: Entscheidend ist der Faktor Vermögensschutz. Über Jahrzehnte angesparte Vermögenswerte sind im Falle einer Pflegebedürftigkeit rasch aufgezehrt, die eigene Immobilie ist in Gefahr. Kinder haften für ihre Eltern, d. h. Verwandte in gerader Linie sind nach § 1601 BGB zum gegenseitigen Unterhalt verpflichtet.

Pflegebedürftigkeit ist ein negativ besetzter Begriff. Assoziationen wie Bettlägerigkeit, Hilflosigkeit, Demenz, langes Siechtum stellen sich unmittelbar ein. Junge Kunden werden mittels solcher Drohkulissen kaum ansprechbar sein. Für sie liegt die Hinfälligkeit des Alters in weiter Ferne. Wer im Vollbesitz seiner Kräfte und mit Elan die Herausforderungen des Lebens angeht, will sich von traurigen Szenarien einer fernen Zukunft nicht bremsen lassen. Allein die Gefahr dauerhafter finanzieller Verpflichtungen dürfte hier ein gewichtiges Argument sein, um sich selbst abzusichern. Mit fortschreitenden Jahren tritt die eigene Situation im Alter stärker ins Bewusstsein und Aspekte wie Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und würdevolles Dasein gewinnen an Bedeutung. Doch Illusionen sind unangebracht: Pflegebedürftigkeit ist eine belastende, meist finale Lebensphase, für die hohe Kosten für den Betroffenen und gegebenenfalls seine Kinder anfallen.

So gilt: Private Pflegevorsorge ist Vermögensschutz!

Autor: Rüdiger R. Burchardi, Sprecher des Vorstandes der Dialog Lebensversicherungs-AG