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Afrikanische Rentenmärkte im Fokus

Erstaunen dürfte diese positive Entwicklung unter Berücksichtigung der globalen Geldmengenausweitung und insbesondere aufgrund der soliden Fundamentaldaten afrikanischer Staaten nur bedingt - Staatsverschuldungen von meist unter 30 %, fallende Inflations- und dynamische Wachstumsraten haben zunehmend auch professionelle Investoren angelockt.

Entsprechend sind auch die Renditen der afrikanischen US-Dollar Zinspapiere stark gefallen. Ghanas 10-jährige Staatsanleihe mit Verfall 2017 weist noch eine Rendite von 6 % auf und Nigerias Schuldverschreibung mit Laufzeit 2018 kann momentan mit einer Verfallsrendite von 4.3 % erworben werden.

Interessanter erscheinen da die bis jetzt noch nicht beachteten Anleihen in afrikanischen Währungen – bei knapp 13 % notiert z.B. die 10 jährige Naira denominierte Anleihe aus Nigeria. Den attraktiven Renditen stehen neben dem Standard Risiko Bonität insbesondere Fremdwährungsschwankungen und geringere Liquidität gegenüber.

Afrika wird zunehmend besser eingeschätzt

Die soliden makroökonomischen Rahmendaten haben vielen afrikanischen Staaten entweder zu einem ersten oder zu einem verbesserten Rating verholfen. S&P weist beispielsweise ein A- Rating für Botsuana aus, Südafrika erhält die Note BBB und die Öl-Giganten Nigeria und Angola werden von der Rating Agentur mit BB- bewertet.
Positiv auf die Einschätzung wirkten sich insbesondere auch die strukturellen Reformen aus – bis vor kurzem hatten z.B. die wenigsten Länder Sub-Sahara Afrikas ein erklärtes Inflationsziel. Dieser Zustand hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Die Zentralbanken vieler Länder haben begonnen die Teuerungsraten konsequent zu bekämpfen, was sich in fallende Inflationsraten sowie steigenden Realzinsen - z.T. deutlich über 5 % - bemerkbar gemacht hat!

Daneben verhalf sicherlich auch die Tatsache, dass die durchschnittliche Staatsverschuldung afrikanischer Staaten bei etwa 30 % liegt, Fremdwährungsreserven in der Höhe von 15% des BIPs bestehen und solide Wachstumsraten von über 5 % erzielt werden der Region zu einer besseren Bewertung.

Junge Rentenmärkte mit entsprechenden Risiken

Trotz der erfreulichen strukturellen und makroökonomischen Entwicklung ist festzuhalten, dass der Rentenmarkt in Afrika in Bezug auf internationale Anleihen noch in den Kinderschuhen steckt. Die wenigsten Staaten verfügen über ein internationales Rentenprogramm und haben entsprechend auch (noch) keine Anleihen in z. B. US Dollar begeben. Ausnahmen bilden hier Staaten wie Südafrika, Ägypten, Nigeria und Ghana, deren US Dollar denominierte Schuldverschreibungen jeweils gut von internationalen Investoren aufgenommen wurde.

Dem gegenüber steht ein etwas weiter entwickelter lokaler Rentenmarkt, dessen Zinspapiere meist attraktive Renditen im deutlich zweistelligen Bereich aufweisen. Ein von Silk Invest berechneter afrikanischer Anleihe-Basket in lokalen Währungen beziffert die indikative Rendite beispielsweise auf 14 % - dies bei einer geringe Duration von zwei Jahren! Hierbei darf jedoch nicht ausgeblendet werden, dass diese Anleihen ggf. signifikanten Währungsschwankungen ausgesetzt sind. Insbesondere während der Finanzkrise haben afrikanische Währungen stark unter den Mittelabflüssen gelitten - entsprechend haben Naira, Schilling, Cedi und Co. durchschnittlich 3-5 % p. a. in den letzten 10 Jahren verloren. Glaubt man jedoch den Volkswirten führender Investmentbanken, so sind die meisten Währungen mittlerweile tendenziell eher unter- als überbewertet.

Zu den Währungsschwankungen hinzu kommt der Faktor Liquidität. Die große Mehrheit der Staatsanleihen in Landeswährungen werden von den jeweiligen lokalen institutionellen Investoren gehalten (daher ist auch das Risiko eines Ausfalls als relativ gering einzuschätzen – ein Nichtbezahlen hätte fatale Konsequenzen), die im Normalfall ein Buy and Hold Strategie verfolgen. Dieses langfristig orientiere Anlageverhalten führt dazu, dass einige Emissionen eine relativ geringe Liquidität aufweisen.

Erste Afrikanische Rentenfonds entstehen

Neben den verbesserten Rahmendaten und hohen Renditen bieten Afrikanische Anleihen in lokalen Währungen ein weiteres wichtiges Verkaufsargument: Diversifikation. Da die jeweiligen Zinspapiere nicht nur eine geringe Korrelation untereinander sondern auch zu den globalen Rentenmärkten aufweisen, kann ein positiver Diversifikationseffekt erzielt werden.

Wägt man die erwähnten Chancen und Risiken ab, so erstaunt es nicht, dass vor kurzem der erste Pan-Afrikanische Rentenfonds von Investec initiiert wurde. Daneben arbeitet auch Silk Invest an einem ähnlichen Produkt, das jedoch den Fokus voraussichtlich ausschließlich auf Anleihen in lokalen Währungen legen soll.

Dass gerade zwei Afrika Spezialisten Pionier Arbeit im afrikanischen Rentenmarkt leisten ist nachvollziehbar: Berücksichtigt man die oben erwähnten Risiken, so wird schnell klar, dass lokales Knowhow und jahrelange Erfahrung vor Ort notwendig sind um von den attraktiv erscheinenden Renditen profitieren zu können.


Gold – Eine glänzende Einstiegsgelegenheit für Antizykliker?

Vermehrt fragen sich die Investoren, ob man sich jetzt wieder oder mehr Gold zulegen sollte?
Den Analysten von Goldman Sachs zufolge könnte das Edelmetall noch weiter im Baisse-Modus verharren. Als Grund führen diese die Erholung der US-Konjunktur an. Außerdem rechnen diese fest damit, dass die Fed den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik wagt.
Erstens, im Rückspiegel betrachtet waren die GS-Prognosen in Bezug auf das Edelmetall allerdings nur teilweise goldrichtig. Zweitens darf man berechtigte Zweifel haben, ob die Fed wirklich den Pfad des derzeitigen QE-Dilemma beschreiten will und kann. Dafür steht aktuell zuviel auf dem Spiel. Drittens, hat Goldman Sachs sich gerade 45 Tonnen Gold aus Venezuela besorgt. Ein Schelm, wer Böses denkt.

Natürlich sind die Netto-Long-Positionen, vor allem der der Großspekulanten, in den vergangenen Wochen rückläufig. Mittlerweile ist die Stimmung der Spekulanten so extrem bearish, somit sollten alle schlechten Erwartungen eingepreist sein. Außerdem könnte dies der erste Schritt zur Bodenbildung sein und der Nährboden für positive Überraschungen gesät sein.
An den Rohstoffbörsen ist derzeit ein interessantes, eher ungewöhnliches Phänomen zu identifizieren. Papiere auf die Lieferung von Gold in der Zukunft sind billiger als der aktuelle Preis. Wer heute (am Spotmarkt) Gold verkauft, kann es im April (auf Termin) billiger kaufen.
Experten beschreiben dies als Backwardation. Die Preisdifferenz ist ein Anzeichen dafür, dass physisches Gold knapp sein könnte. Käufer wollen ihr Gold lieber gleich in den Händen halten, als es in ein paar Monaten zu bekommen. Es ist also etwas faul, im Goldmarkt. Und in solchen Zeiten ist es immer besser, in Gold investiert zu sein.
Spricht man mit Vertretern größerer Goldhändler, dann bekommt man das Gefühl, dass die Investoren deutlich mehr Goldmünzen nachfragen, als die Händler derzeit bereitstellen können. Viele Einkäufer von Großbanken werden deshalb nur im geringeren Umfang mit physischem Gold versorgt. Goldhändler warten bis zu vier Wochen auf das bestellte Gold aus der Schweiz. Hintergrund ist die starke Nachfrage aus Asien – insbesondere der Chinesen. Deren Bedarf ist zum Vorjahreszeitraum um über 50 Prozent gestiegen. Mittlerweile beträgt die chinesische Nachfrage circa 700 Tonnen. Damit könnte China demnächst Indien als Goldland Nummer eins ablösen, zumal die Inder mit Steuererhöhungen und Handelsbeschränkungen versuchen, den Goldhandel  einzudämmen.

Wahrscheinlich wird Gold in den nächsten 12 Monaten kein signifikanter Renditebringer sein. Als Portfolioversicherung wird es aber sicherlich nicht an Bedeutung verlieren. Mittelfristig wird der Tag der Entscheidung kommen, wo entweder die Blase des billigen Geldes platzt oder immer mehr Notenbanken dieser Welt die Märkte mit noch billigerem Geld fluten. Beides ein vorteilhaftes Szenario für Gold und Antizykliker bekommen diese Portfolioversicherung aktuell zu einem attraktiven Kurs.
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Biotechnologie: Zukunftsbranche des 21. Jahrhunderts

Die Rechnung ist einfach: Die Zahl der über 65-jährigen in den Industrieländern steigt, der Wohlstand in den Emerging Markets wächst stetig. Demzufolge nimmt die Nachfrage nach Arzneimitteln und Produktinnovationen konstant zu. Die Biotechnologie-Industrie ist deshalb einer der großen Treiber für medikamentöse Innovationen im Gesundheitssektor.

Ihre Einsatzmöglichkeiten sind sehr vielfältig. So erforschen Biotechnologen kleine und große Organismen, Pflanzen, Tiere und Menschen, aber auch kleinste Teile wie einzelne Zellen oder Moleküle. In diesem Sektor haben bahnbrechende Entwicklungen stattgefunden, beispielsweise in Bezug auf die Behandlungsmöglichkeiten bestimmter Krankheiten. Nur ein Beispiel: Der Nobelpreis für Medizin ging 2012 an ein Team, das in der Lage war, menschliche Zellen wieder in Stammzellen umzuwandeln. Obwohl es aller Voraussicht nach noch ein langer Weg sein wird, könnten Stammzellentherapien künftig neue Möglichkeiten bieten, um bestimmte neurologische Krankheiten oder Herzkrankheiten zu behandeln.

Fusionen und Übernahmen stärken die Branche

Wie viel Bewegung in der Branche ist, zeigt auch die Anzahl der Börsengänge. Bis Mitte November wurden im laufenden Jahr bislang 42 Börsengänge mit einer Marktkapitalisierung von insgesamt 2,2 Milliarden US-Dollar verzeichnet (Quelle: Bloomberg). Der Sektor wird jedoch auch durch die steigenden Aktivitäten bei Fusionen und Übernahmen positiv beeinflusst. Durch die Zukäufe versetzen sich etablierte Pharmagesellschaften in die Lage, Know-how von anderen Laboratorien zu übernehmen und sich Zugang zu attraktiven Pipelines neuer Medikamente zu verschaffen.
Mit einer Investition in Aktien von Biotechnologie-Unternehmen oder einem Fonds können sich Anleger ein Stück Zukunft ins Portfolio holen. So nutzen sie die großen Potenziale, die diese außergewöhnliche Branche bietet.
Möglich ist das zum Beispiel mit aktiv gemanagten Aktienfonds. Dabei wählen die Fondsmanager aus den weltweiten Biotechnologieunternehmen die für sie attraktivsten Titel aus.
Wichtig dabei: Bei Großunternehmen sollte der Fokus der Analysen dabei auf dem Cashflow liegen, während bei kleineren Werten die Produktpipeline zu den wichtigsten Faktoren zählt. Ein aktives Fondsmanagement ist im Biotechnologiesektor besonders wichtig, da kleinere Unternehmen relativ hohe titelspezifische Risiken aufweisen können. Daher sollte das Fondsmanagement auf eine konsequente Diversifikation achten – beispielsweise nach Anwendungsbereich, Marktkapitalisierung und Herkunftsland.


Dr. Nathalie Lötscher, Fondsmanagerin des UBS (Lux) Equity Fund - Biotech
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Auch Gewohnheitstiere müssen sich der Evolution anpassen

Anleger müssen auf diese Evolution reagieren anstatt an alten Zöpfen festzuhalten und damit nach Abzug der Inflation Geld zu verlieren. Das hat mittlerweile sogar die Mehrheit der Deutschen akzeptiert: 52 Prozent gehen davon aus, dass die Zinsen auf Bundesanleihen frühestens in drei Jahren wieder über der Inflationsrate liegen werden. Immerhin, der erste Schritt ist mit dieser Erkenntnis getan. Jetzt müssen Anleger nur noch handeln. Aber wie? So verzichtet ein Drittel der Deutschen, die Geld angelegt haben, auf eine Anpassung ihrer Anlagen auf die neue Situation, weil sie nicht wissen, was sie tun sollen.

Zwar gibt es heute keine risikofreie Rendite über Inflationsniveau mehr. Dennoch ermöglicht der globale Anleihemarkt trotz Niedrigzinsumfeld eine angemessene Rendite bei einem gut kontrollierbaren Risiko. Wichtig ist eine Kombination aus globaler Ausrichtung und Streuung über unterschiedliche Anleihesegmente hinweg. Vor allem aber ist eine fortlaufende Anpassung des Anleiheportfolios an sich ändernde Wirtschafts- und Finanzmärkte entscheidend. Staatsanleihen erstklassiger Bonität liefern Sicherheit und Liquidität. Anleihen von Unternehmen sowie Schwellenländer- und Hochzinsanleihen eröffnen höhere Renditechancen. Gerade im Hochzins- und Schwellenlandbereich müssen die Anleihen sorgfältig ausgewählt werden, da es hier große Schwankungen in der Qualität und damit im Risiko für den Anleger gibt. Es macht Sinn, die Auswahl einem Profi zu überlassen. Zusätzlich schützen inflationsindexierte Anleihen die Kaufkraft des Vermögens bei steigender Inflation und sollten daher ein weiterer Pfeiler eines sicherheitsorientierten Anleiheportfolios sein. Zwar bereiten Inflationssorgen derzeit keine schlaflosen Nächte. Aber es sind die künftigen Auswirkungen einer Geldentwertung, die Anleger im Blick haben müssen, nicht der heutige Preisauftrieb. Denn die extrem lockere Geldpolitik der US Notenbank und der Bank von Japan ist eine Gefahr.

Fazit: Die Evolution der Anleihe- und Zinsmärkte zwingt Anleger zum Umdenken. Absolute Sicherheit bei Zinsen deutlich über der Inflationsrate gibt es nicht mehr. Die Alternative? Ein flexibel gemanagtes Portfolio aus unterschiedlichen globalen Anleiheklassen. Dank einer guten Balance aus Sicherheit und Rendite ist es ein Basisinvestment auch für sicherheitsbewusste Gewohnheitstiere.


Autor: Claude Hellers, Leiter Retail / Wholesale Vertrieb bei Fidelity Worldwide Investment in Deutschland
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Paukenschlag: Die EZB senkt überraschend die Zinsen!

Vor einer Woche wurde bekannt, dass die Inflationsrate in der Eurozone nur noch 0,7% beträgt. Das ist der niedrigste Wert seit dem Jahr 2009. Damit bleibt die Teuerungsrate deutlich unter dem Zielwert von 2%. Aber es fällt auf, dass die Werte innerhalb der Eurozone sehr unterschiedlich ausfallen. In den südeuropäischen Ländern ist das Wirtschaftswachstum sehr schwach, während in Deutschland die Wirtschaft aufgrund des starken Exports brummt. Hierzulande ist aber die Inflation deutlich höher.

Deshalb war die Zinsentscheidung auch innerhalb der EZB umstritten. Was für die südeuropäischen Ländern einen zusätzlichen Inflations- und Wachstumsimpuls bringen soll, könnte für Deutschland vermutlich zuviel des Guten sein. Aber die EZB muss die gesamte Eurozone im Blick haben, und darf sich nicht nur auf einzelne Länder konzentrieren. Auf der anderen Seite fällt auf, dass sich die EZB zunehmend auf andere Ziele konzentriert und nicht nur die Geldwertstabilität im Blick hat. Mir fällt auf, dass die EZB auch ein starkes Signal zur Ankurbelung der Wirtschaft setzen möchte und zum anderen auch den Wechselkurs im Blick hat. Denn innerhalb von wenigen Minuten nach Bekanntgabe der Zinsentscheidung gab der Euro zum USD deutlich nach und hat sich inzwischen wieder auf 1,34 eingependelt. Die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft hängt auch vom Wechselkurs ab.

Was sind die Auswirkungen? Ich erwarte von der Zinssenkung wenig praktische Impulse. Warum? Die Kreditvergabe der Banken hängt nicht allein vom Zinssatz ab, sondern vor allem von der Kreditwürdigkeit und den Sicherheiten des Schuldners und zum zweiten von der Bereitschaft der Banken, Kredite vergeben zu wollen oder zu können. "Man kann die Pferde zwar zur Tränke führen. Man kann sie aber nicht zwingen, das Wasser zu saufen", so der Ausspruch von John Meynard Keynes, dem bekannten Ökonom und Politiker. Er hat recht. Die Zinssenkung allein wird wenig bewirken. Europa muss vielmehr die angefangenen Reformen voranbringen und eine einheitliche Finanz- und Steuerpolitik sowie einen einheitlichen für die Wirtschaftspolitik in der Eurozone schaffen. Die Zinssenkung der EZB setzt ein deutliches Signal in diese Richtung und zeigt ihre Bereitschaft zum Handeln, wenn es darauf ankommt – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass die Politiker die Botschaft von Mario Draghi verstehen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen, denn das Pulver der EZB ist nunmehr weitgehend verschossen.


Nein zu einer gesetzlichen Provisionsdeckelung

Der Versicherungsmarkt befindet sich in einem umfassenden Umbruch. Um die Qualität von Beratung und Angebot zu verbessern, reglementieren gesetzliche Rahmenbindungen wie IMD II, MIFID, Vorgaben zur Provisionsberechnung oder Solvency II zunehmend die Arbeit von Versicherungen und Beratern. Der Verwaltungsaufwand hat sich damit in den vergangenen Jahren enorm erhöht, die Haftungszeit verlängert. Das hat nicht nur einen konkreten Einfluss auf die Tätigkeit eines Versicherungsmaklers an sich, sondern auch auf dessen betriebswirtschaftliche Situation.

Ist eine weitere finanzielle Einschränkung von Seiten des Gesetzgebers demzufolge angemessen?

Nein, denn qualifizierte Beratung hat ihren Preis – übrigens auch in den Augen der Mehrheit der Verbraucher. Und eine gute Beratung ist heute wichtiger denn je: In der öffentlichen Wahrnehmung wird zunehmend und in einseitiger Darstellung der Sinn privater Vorsorge über Versicherungslösungen in Frage gestellt. Auch staatlich geförderte Produkte wie die „Riester-Rente" oder aktuell der „Pflege-Bahr" geraten in die Kritik – und das selbst bei einigen der Initiatoren. Im Ergebnis fühlen sich Kunden zunehmend verunsichert. Trotz des ständig steigenden Bedarfs stagniert die private Altersvorsorge, vor allem bei den flexiblen Produkten der dritten Schicht.

Und schon heute können Berater und Kunden beispielsweise die unterschiedliche Komplexität der Beratung durch entsprechend angepasste Preismodelle berücksichtigen. So bietet die Bayerische hier eine große Varianz und ermöglicht somit dem Berater, gemeinsam mit seinem Kunden die Frage der eingerechneten Abschlusskosten in einem erheblichen Maße zu beeinflussen. Und das ganz ohne gesetzliche Regulierungen.

Dem kritischen Trend gerade in der öffentlichen Wahrnehmung und damit verbunden auch in der Entwicklung des Absatzes privater Vorsorge gilt es entgegenzuwirken. Und das kann nur durch qualifizierte Beratung erfolgen. Denn erst die Beratungsleistung der Vermittler macht aus guten Produkten und innovativen Ideen passende und kundenorientierte Lösungen – und aus unsicheren Kunden zufriedene Kunden.

Eine entsprechende Entlohnung ist also nur fair. Dabei sollten Berater und Verbraucher auch in Zukunft selbst entscheiden dürfen, welche Form der Vergütung sie bevorzugen. Die aktuelle Vergütung durch in das Produkt eingerechnete Provisionen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten jedenfalls immer wieder bewährt.

Martin Gräfer, Vorstand Vertrieb und Service der Bayerischen

Türkei: Kapitalmarkt bleibt vorerst gefährdet

Noch vor wenigen Monaten galt die Türkei als Starperformer der Region, der internationalen Anlegern satte Gewinne sicherte und dank einer jungen, dynamischen und konsumfreudigen Bevölkerung als Hoffnungsträger für langen wirtschaftlichen Aufschwung betrachtet wurde. Der Schwäche (West-)Europas trotze die Türkei mit guten Handelsbeziehungen zum Nahen Osten, und die hohe Liquidität an den Finanzmärkten ermöglichte es dem Staat, sein steigen-des Leistungsbilanzdefizit mit (vorwiegend kurzfristigem) Geld zu finanzieren. Solide Fun-damentaldaten brachten dem Land zusätzlich zwei Investment-Grade-Ratings und lockten – bei vergleichsweise hohen Renditen – erstmals viele institutionelle Anleger in türkische Staatsanleihen.

Doch Proteste – zunächst gegen ein Einkaufszentrum im Istanbuler Gezi-Park und später gegen das harsche Vorgehen der Regierung gegen die Demonstranten – vor allem aber die Ankündigung eines Taperings (Drosselung der Anleihekäufe) seitens der Fed und die damit verbundenen steigenden Renditen, haben den türkischen Kapitalmarkt im Frühsommer des Jahres tief erschüttert und starke Abflüsse in Gang gesetzt. Abflüsse, die zwar in keinem Verhältnis zu den enormen Zuflüssen der Jahre davor stehen, die aber eine Dynamik auslösen könnten, die das Land ins Trudeln bringt. Ein Tapering der USA – eventuell im Dezember diesen Jahres – könnte für die Türkei, die ein hohes Leistungsbilanzdefizit aufweist, massiv von ausländischem Kapital abhängig ist und wirtschaftlich gerade etwas an Fahrt verliert, gravierende Folgen hinsichtlich Finanzierbarkeit und Währungsstabilität haben. Das zeigt schon die bloße Ankündigung des Taperings.

Die türkische Notenbank, die vor allem einen weiteren Abschwung der Wirtschaft verhindern möchte, hat auf diese Entwicklung bis dato nicht erwartungsgemäß reagiert: Anstatt mit deutlichen Zinserhöhungen gegenzuhalten – was die Lira-Abwertung abgebremst hätte aber andererseits die Wirtschaft schwächen und das Wachstum weiter reduzieren würde – nimmt sie höhere Inflation in Kauf.

Derzeit scheint das nach der Verschiebung des Taperings und der darauf folgenden guten Marktstimmung zu funktionieren: die Renditen sind von den Stress-Niveaus zurückgegangen, die Lira und der Aktienmarkt haben sich stabilisiert. Doch der unorthodoxe Kurs der türkischen Notenbank ist riskant, denn gute Wachstumsraten in den USA bei höheren Renditen würden die Kapitalabflüsse aus der Türkei verstärken. Das Land könnte sich in einer Situation wie im Jahr 2006 wiederfinden, als der Leitzins in einem Schritt um 4 Prozentpunkte angehoben werden musste.

Sollte die Fed ihre Anleihekäufe zügig reduzieren, könnte die Türkei ernsthafte Probleme bekommen. Moderate Zinserhöhungsschritte und eine Kommunikation, in der die Bereitschaft signalisiert wird, bei Marktverwerfungen gegebenenfalls energisch entgegenzuhalten, würde das Land für die Marktteilnehmer wesentlich kalkulierbarer machen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet heuer für die Türkei ein BIP-Wachstum von 3,8 %, ähnlich dürfte sich die Wirtschaft auch 2014 entwickeln. Anhaltendes Wirtschaftswachstum ist für die regierende islamisch-konservative Regierungspartei von Recep Erdogan auch deshalb sehr wichtig, da dies bei den Wahlen im nächsten Jahr positive Effekte bringen wird. Da Erdogan nach drei Regierungsperioden seit 2003 als Ministerpräsident dieses Amt selbst nicht mehr ausüben darf, gilt als wahrscheinlichstes Szenario ein „Ämterwechsel" zwischen Staatspräsident Abdullah Gül und Erdogan, wobei ein Machtausbau des Präsidentenamtes im Raum steht.

Langfristig ist die Türkei mit ihrem guten demografischen Bild einer jungen, aufstrebenden Bevölkerung und einem hohen Potenzial-Wirtschaftswachstum für Investoren noch immer einer der attraktivsten Märkte weltweit. Kurz- bis mittelfristig droht dem Land aber die Abkehr vieler Investoren. Von der Türkischen Notenbank wird hier nicht weniger als eine Meisterleistung erforderlich sein, um die Balance zwischen Währungsstabilität und Wachstum zu halten und Investoren die Berechenbarkeit des Marktes zu vermitteln.
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USA: Gouvernment SHUTDOWN !

Um dies zu verhindern, finden ebenso regelmäßig Grabenkämpfe zwischen Regierung und Opposition statt, immer unter Androhung der katastrophalen Folgen des „Gouvernment Shutdowns", eben eines dieser so dramatischen Begriffe, weshalb meist eine Einigung in letzter Minute stattfindet, verbunden mit Kompromissen in anderen Bereichen.

Dieses Jahr wollte die konservative Opposition Obamas Gesundheitsreform einkassieren, anderenfalls das „Ja" zu höheren Schulden verweigern – Obama war nicht kompromissbereit und daher gilt seit dem 01.10. der „Gouvernment Shutdown", ca 800.000 Staatsbedienstete haben nun unbezahlten Zwangsurlaub. Am 17.10. tritt dann die komplette Zahlungsunfähigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika ein... wenn sich bis dahin keine Einigung finden lässt.

Aber was bedeutet dies nun wirklich für die Bürger und die Wirtschaft?
Glaubt man den Märkten, lassen diese sich von diesem alljährlichen Theater nicht weiter verrückt machen, die als Drohkulisse aufgebauten weltweiten Turbulenzen sind nicht nur ausgeblieben, der DAX beispielsweise handelt sogar höher als vor dem Shutdown.

Am direktesten betroffen sind sicher die beurlaubten Staatsangestellten und die, die auf ihre Arbeit nun verzichten müssen. Natürlich handelt es sich hierbei nicht um Polizei oder Gefängniswärter, auch nicht um die Flugsicherheit und schon gar nicht um Soldaten, sondern vielmehr um Angestellte z. B. im kulturellen Bereich. Touristen, die in diesen Tagen die USA besuchen, müssen daher vielerorts auf Museums- oder Zoobesuche verzichten, Sehenswürdigkeiten bleiben geschlossen. Traurig aber nicht tragisch.

Bedeutender schon der wirtschaftliche Schaden. Einnahmeausfälle und die verhalteneren Konsumausgaben der beurlaubten Staatsdiener führen bei einem einmonatigen „Shutdown" zu einem auf 55Mrd. US$ geschätzten volkswirtschaftlichen Verlust. Zum Vergleich: Die diesjährigen Flutschäden in Deutschland verursachten Kosten i. H. v. ca. 2 Mrd. Euro.

In Summe bleibt es daher bei der anfänglichen Feststellung der Dramatisierung, hier nur nicht zur Heroisierung amerikanischer Taten, sondern als Druckmittel auf die verantwortlichen Politiker. Niemand glaubt ernsthaft an die dauerhafte finanzielle Handlungsunfähigkeit der USA, daher, sollte nicht gerade jetzt eine kulturelle USA-Reise anstehen, wird der Einfluss dieses „Shutdowns" auf unser tägliches Leben und unsere Wirtschaft minimal bleiben. Die USA müssen sich vielmehr überlegen, ob sie der Welt dieses alljährliche Theater, diesen schlechten Film, dessen Ausgang jeder vorher kennt, weiterhin zumuten wollen oder zu moderneren Methoden zur Lösung solcher Konflikte übergehen wollen.

Zu guter Letzt: Beim letzten Shutdown wurden an „neuralgischen Punkten" kostenlose studentische Hilfskräfte eingesetzt ... unter anderem eine gewisse Monica Lewinsky!

(Stefan Müller)


 
Stefan Müller, Analyst und Prokurist DEH GmbH, ist langjähriger Experte in der Analyse und Beratung von Unternehmen sowie der Betreuung von Investoren in „nach- und werthaltigen" Sektoren und dem Börsenhandel. Seine Stationen waren u. a. Bankhaus Sal. Oppenheim, Equinet AG, Dresdner Kleinwort Benson und Dresdner Bank, wo er jeweils in führenden Positionen tätig war.