Lebensversicherer in der Niedrigzinsfalle

Logischerweise bieten sichere Anlageformen wie Bundeswertpapiere sehr geringe Zinsen, so dass es nicht einfach wird den Kunden wenigstens den Garantiezins zahlen zu können. Und genau dies macht den Versicherern bereits seit einiger Zeit zu schaffen.
Zu spüren bekam dies nun die Schweizer Lebensversicherung Zenith Vie, über die vor zwei Monaten das Konkursverfahren eröffnet wurde. Alle Verträge werden zu einer eigens dafür gegründeten Versicherung transferiert und sollen dort weiter laufen. Doch die genaue Abwicklung ist noch nicht weiter klar. Ist dieses Schicksal auch in Deutschland möglich?

Insolvenzgefahr nicht direkt gegeben

Theoretisch ist es natürlich möglich. Bereits im Januar mussten mehrere Versicherer ihre Auszahlungen stoppen, da ein neues Gesetz die Gesellschaften zwingt, bei ausscheidenden Kunden bestimmte Reserven nicht mehr auszuzahlen, wenn dadurch die Zinsgarantien für die verbleibenden Kunden gefährdet wären. Gedacht war diese Maßnahme ursprünglich für kleinere Versicherungsunternehmen, doch es hat sich herausgestellt, dass auch große Unternehmen wie R+V, Ergo oder die Aachener Münchener davon betroffen sind. Eine Folge der anhaltenden niedrigen Zinsen seitens der EZB.
Dieses Vorgehen als Zeichen für den drohenden Konkurs der Unternehmen zu werten, wäre sicher übertrieben, doch es zeigt sich, dass es für sie immer schwieriger wird noch rentabel zu wirtschaften. Viele Versicherungen hadern mit dem Zinsniveau, dennoch gibt es aktuell keine ernsten Anzeichen für ein allgemeines Versicherungssterben.

Welche Folgen das für die betroffenen Kunden hat, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Wichtig für den Anleger ist es jetzt nicht vorschnell Entscheidungen zu treffen. Eine Kündigung wird meist sehr teuer werden und dürfte die ohnehin schon geringen Zinsen komplett auffressen. Aktuell besteht kein Anlass seine Versicherung vorzeitig aufzulösen und dabei sollte der Versicherungsnehmer bleiben.
Sollte es tatsächlich zu einem Ausfall einer Versicherung kommen, ist es (je nach Umfang) am wahrscheinlichsten, dass die Verträge auf eine andere Gesellschaft umgeschrieben werden. Für Anleger, die noch keine langfristige Versicherung haben und überlegen, sich für einen solchen Vertrag zu entscheiden, ist es im Einzelfall ratsamer den Verlauf noch etwas abzuwarten oder das Geld anders für spätere Zeiten anzulegen. Im Markt spricht derzeit nicht viel für die Versicherungen. Renditestärkere Alternativen gibt es auf jeden Fall.

Autor: Stephan Witt, Kapitalmarktstratege der FiNUM.Private Finance AG, Berlin
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Saison für Sonne und Erträge

Aktuell sprechen mehrere Gründe für Dividendenstrategien: Zum einen werden die Zinssätze noch länger historisch niedrig bleiben. Entsprechend attraktiv bleiben Dividenden. Zum anderen besitzen viele Unternehmen hohe Liquiditätsreserven. Die Aussichten auf steigende Ausschüttungen sind daher gut, vor allem in Regionen, die bislang nicht unbedingt mit Dividenden assoziiert werden. So zahlen heute rund 95 Prozent der Unternehmen im asiatisch-pazifischen Raum ohne Japan Dividenden. Dabei liegt die Auszahlungsquote bei rund 40 Prozent der Gewinne. Es gibt also noch Luft nach oben.

Unabhängig vom Stadium des Zinszyklus bietet eine globale Dividendenstrategie Anlegern Diversifikationsvorteile, einen Puffer gegen Kursschwankungen, vorhersehbare Erträge und bei Wiederanlage der Dividenden ein enormes Renditepotenzial. Tatsächlich tragen Dividenden auf längere Sicht den Löwenanteil zur Rendite von Aktien bei. Betrachtet man beispielsweise den deutschen Aktienmarkt von 1970 bis 2014, steuerten Dividenden die Hälfte der durchschnittlichen jährlichen Rendite von fünf Prozent bei. Historisch betrachtet haben dividendenstarke Aktien langfristig zudem auch eine bessere Wertentwicklung erzielt als der Gesamtmarkt und sind zugleich weniger anfällig für Kursschwankungen.
Die Herausforderung ist es, jene Unternehmen zu finden, die verlässlich Jahr für Jahr gleichbleibende oder steigende Dividendenzahlungen leisten. Nachhaltigkeit ist Trumpf. Allgemein kann man sagen, dass bei einer prognostizierten Dividendenrendite von mehr als 5-6 Prozent die Wahrscheinlichkeit deutlich steigt, dass die versprochene Dividende in der Realität nicht erreicht wird. Daher muss der Aktienauswahl eine umfassende Analyse vorausgehen, die das künftige Potenzial der Unternehmen und ihrer Aktien beleuchtet.

Welchen Dividendenfonds sollen Anleger nun wählen? Vieles spricht auch hier für Diversifikation. Denn die mittlerweile 34 erhältlichen globalen Dividendenfonds unterscheiden sich zum Teil erheblich in ihrer Strategie. Wie auch immer die Wahl dann ausfällt: Das Falscheste wäre es, ganz auf das enorme Potenzial von Dividendenerträgen zu verzichten.

www.fidelity.de


(Autor: Martin Stenger, Leiter Vertrieb für unabhängige Finanzberater und Versicherungen bei Fidelity Worldwide Investment in Deutschland)

Biometrie, Ökonomie, Werte und Zinsen

2015-02-18 (fw/db) Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist konsequent gegen die Bürger Europas gerichtet, diese sollen die Zeche bezahlen, damit verschuldete Banken und Staaten saniert werden. Ein weltweiter Überhang an Ersparnissen weckt die Gier der Notenbanker.

Für die kurzfristigen Zinsen in der Eurozone ist nur die Europäische Zentralbank verantwortlich. Sie hat die Leitzinsen aktuell immer weiter gesenkt, auf zuletzt magere 0,05 Prozent. Außerdem hat EZB-Präsident Mario Draghi Strafzinsen für Banken eingeführt, die Geld bei der Notenbank deponieren wollen. In einem ersten Schritt war das ein Minus von 0,1 Prozent, dann folgte eine Verdopplung auf das rekordverdächtige Minus von 0,2 Prozent.

Als Reaktion versuchen die Banken in Europa diese Kosten, die ihnen aktuell selbst entstehen, an ihre Kunden weiterzugeben. Das führt in Einzelfällen bereits zu negativen Zinsen und im Allgemeinen zu dauerhaft niedrigen Zinsen.

Ein Bank-Run oder Bank-Marathon steht bevor

Je leichter es einem Bankkunden fällt, sein Geld einfach in bar abzuheben und daheim unter dem Kopfkissen, in der Matratze oder sicher im eigenen Tresor zu lagern, desto schwieriger lassen sich ihnen negative Zinsen aufdrücken oder sind alternative „Gebührenmodelle“ durchsetzbar.

Immer mehr Ansparprodukte, deren Kurs sich am Markt bildet, bekommen eine negative Rendite. Zuerst waren es Staatsanleihen (früher „Schatzbriefe“) mit relativ kurzer Laufzeit aus Ländern wie Deutschland oder der Schweiz, deren Rendite wandelt sich aktuell in eine Verlustquote. Inzwischen sind das ein Drittel aller ausstehenden Staatsanleihen in Europa, und da sind griechische Titel nur der kleinste Teil.

Zinsen sind der Preis für das Geld oder ein Darlehen

Ökonomen erklären den Zins als einen Preis für das Geld. Der Zins ist ökonomisch betrachtet ein Preis für gekaufte Zeit. Menschen die das Tauschmittel Geld durch Arbeit oder Risiko erwerben, antworten auf die Frage, ob sie lieber heute 1.000 Euro wollen oder in einem Jahr, dass sie da die Gegenwart vorziehen. Wenn jemand auf eine Zahlung ein Jahr warten soll, würde jeder einen Ausgleich verlangen. Das ist der Zins. Dieses Prinzip kennt der Schuldner beim Finanzamt, wenn er mit Zahlungen rückständig ist, wird nicht nur das Gehalt vom Staat gepfändet, sondern es werden Strafzinsen kassiert. Bei einer zu erwartenden Steuer-Erstattung gibt es allerdings im Umkehrschluss keine Zinsen für das Guthaben.

Professionelle lernen, das sich nicht arbeiten mehr lohnt als Arbeiten

Wenn die Zinsen negativ werden, stellen sich nicht nur „Schwaben“ und „Schotten“ die Frage, was sich auf Dauer verändert. Leben wir denn in einer Welt, in der Menschen dafür bezahlen müssen, dass sie heute konsumieren und nicht bis morgen warten. Eine Entwicklung die nicht sehr fern der Realität ist. Es ist die Zeit in der die Deutschen einen hohen Sozialtransfer leisten und junge Menschen als Beruf „Hartz IV-Empfänger“ angeben und als Referenz nennen, dass dies ein familiärer „Beruf“ mit Tradition sei, den schon die Eltern ausüben. Für die Rente, ohne je gearbeitet zu haben, könnte gesorgt werden. Diese Mindestrente könnte sogar höher oder mindestens genauso hoch ausfallen, wie die sozialstaatliche Rente der Rentenbezieher die ein Leben lang gearbeitet haben.

Altersarmut ist preiswert zu bekämpfen

Was also tun mit dem Geld? Am besten investieren Anleger das Kapital in sich selbst, in Form einer privaten Zusatzrente oder in eine Lebensversicherung. Wer dies schon ausreichend getan hat, der sollte in seine Kinder investieren. In deren gute Bildung, Gesundheit und zusätzliche Vorsorge.

Die demographische Entwicklung ist unausweichlich. Die schöne Seite ist, wir leben alle länger. Damit das Geld für ein langes Leben reicht, helfen biometrische Lösungen der Versicherer. Die dunkle Seite ist, das dem der sein Geld nur auf das Sparbuch legt oder gar nichts tut, die Altersarmut droht.

Der Grund ist vor allem beim Sparbuch einfach. Die Niedrigzinsen und die Inflation sorgen für einen immer schnelleren Wertverlust.

Fazit: Wer den Rat von Experten sucht sollte Vermittlungsunternehmer mit Erlaubnis oder Versicherungsmakler fragen, nur diese verfügen über eine nachgewiesene Sachkunde. Nur sie liefern nachhaltige Lösungen und haften für diese mit einer Vermögensschadenshaftpflichtversicherung.

Dietmar Braun (Autor, freier Fachjournalist in der finanzwelt, seit zwei Jahrzehnten Dozent an der Dualen Hochschule Stuttgart, sowie der Hochschule Heilbronn, für Insurance und Finance)

Zwei Seiten einer Medaille

Allerdings gibt es hier zumindest eine passable Lösung: Um die Risiken zu verteilen, abzusichern und eine positive Rendite zu erwirtschaften, braucht es verschiedene Finanzprodukte im eigenen Depot. Hierzu gehören Aktien, Fonds, Anleihen und auch strukturierte Wertpapiere wie Zertifikate.
Wieviel Platz Zertifikate dabei genau in einem ausgewogenen Depot eines mittel- bis langfristig orientierten Anlegers einnehmen sollten, das wollte der DDV in seiner aktuellen Online-Umfrage in Erfahrung bringen. Teilgenommen haben daran mehr als 3.100 Personen auf mehreren großen Finanzportalen. Zumeist handelt es sich dabei um gut informierte, online-affine Anleger, die als Selbstentscheider ohne Berater investieren.

Davon nannte mehr als ein Viertel der Befragten einen Anteil von bis zu 5 Prozent. Für 22,1 Prozent sollte der Anteil zwischen 5 und 10 Prozent liegen. Dagegen hält jeder Fünfte einen Anteil von mehr als 10 Prozent für angemessen. 16,9 Prozent der Teilnehmer sehen den Anteil sogar bei mehr als 30 Prozent. Für einen Anteil von zwischen 20 und 30 Prozent entschieden sich 12,2 Prozent.
Eines zeigen die Ergebnisse deutlich: Zertifikate gehören nach Ansicht aufgeklärter Anleger in jedes erfolgreiche Depot. Gerade im Niedrigzinsumfeld brauchen Privatanleger für ihren langfristigen Vermögensaufbau Finanzprodukte mit überschaubaren Risiken und Renditen oberhalb der Inflationsrate.

Auch politische Entscheider kommen an der Realität des Zielkonflikts zwischen Sicherheit, Ertrag und Liquidität einer Geldanlage nicht vorbei. Ein Vermögenserhalt ist nur mit möglichst hohen, regelmäßigen und stabilen Erträgen möglich. Das ist jedoch in der Regel mit einem entsprechenden Anlagerisiko verbunden. Natürlich müssen hier Anleger vor Risiken geschützt werden, die sie nicht erkennen können und dementsprechend beim Kauf eines Finanzprodukts nicht freiwillig übernehmen. Dann muss es aber darum gehen, Informationsdefizite durch Transparenz zu beheben. Falsch ist es jedoch, Privatanleger per se am Eingehen bestimmter Risiken hindern zu wollen.

(Autor: Lars Brandau, Geschäftsführer Deutscher Derivate Verband (DDV)
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Unethische Asset Allocation Methoden

Definition von Ethik für Finanzmarktteilnehmer

Zur Durchsetzungsproblem der Ethik: Einsicht in die Richtigkeit ethischer Prinzipien mag zwar vorhanden sein, daraus folgt aber nicht automatisch, dass der Mensch auch im ethischen Sinne handelt. Die Einsicht in das richtige Handeln bedarf einer zusätzlichen Motivation oder eines Zwangs. Für heutige Finanzmarktteilnehmer übersetzt: der Einzelne benötigt Wissen und Willen (intrinsisch), gepaart mit Zuckerbrot und Peitsche (extrinsisch), um seine Einsicht in die Richtigkeit ethischer Prinzipien auch in die Tat umzusetzen.

Über unethisches Handeln

Wissenschafter der UCLA Berkeley haben in 7 aufschlussreichen Untersuchungen (2012) den Zusammenhang zwischen sozialem Status und Unrechtsbewusstsein untersucht. Fazit: Je weiter oben in der sozialen Hackordnung stehend, desto weniger Hemmungen hat man, sich unethisch zu verhalten. Was kann von einem professionellen Finanzmarktteilnehmer nun erwartet werden:

- Willen zur Wissenheit
- Willen zur Umsetzung seiner Wissenheit, trotz Risiko des Scheiterns
- Willen in der Umsetzung seiner Wissenheit einen Mehrwert für den Kunden zu schaffen

Unethisches Handeln eines professionellen Finanzmarktteilnehmers nährt sich folglich aus den Quellen:

- Unwillen zur Wissenheit - Ergebnis: Unwissenheit
- Unwissenheit trotz Willen - Ergebnis: Unwissenheit
- Unwillen zur Umsetzung trotz Wissenheit - Ergebnis: Handeln wider besseren Wissens

Die Vortäuschung

Als etablierte Form des unethischen Handelns professioneller Finanzmarktteilnehmer kann die Vortäuschung angeführt werden. Sie kann sowohl von Unwissenheit als auch vom Handeln wider besseren Wissens genährt werden. Geld als abstraktes Kommunikationsmittel der Macht zwischen Individuen wird an Finanzmärkten eine Plattform zum Austausch geboten. Dieses Kommunikationsmittel lädt auf Basis der Legitimation von Gier dazu ein, vorzutäuschen.

Unethische Asset Allocation Methoden

Wie ist unethisches Verhalten von professionellen Finanzmarktteilnehmern in der Asset Allocation zu verstehen? Die zwei genannten Methoden stellen einen Auszug dar. Beide zeigen unethisches Handeln, also entweder von Unwissenheit oder von Handeln wider besseren Wissens genährt.

I. Market Timing

Zu den Implikationen der zweiten Asset Allocation Generation gehört die Unterscheidung zwischen Strategischer (SAA) und Taktischer Asset Allokation (TAA). Sie ist eine Weiterführung der Idee des 20. Jahrhunderts, dass Märkte getimed werden können (TAA). Der eigenen Fähigkeit zur mehrheitlich richtigen Prognose sei Dank. Damit wird verstanden, dass das Risiko-Return Verhalten eines Portfolios optimiert werden kann, in dem auf Ebene der Einzeltitel oder Assetklassen sektoral, geographisch oder direktional rotiert wird. Kurz, man versucht entlang eines Wirtschaftszyklus das Portfolio antizipativ auf die nächste Phase vorzubereiten. Gleiches gibt man an, auch für die Inflektionspunkte in der Bepreisung von Assets tun zu können.

Wir wissen aus einer Vielzahl von Studien, dass die Prognosefähigkeit von Ökonomen/Asset Managern hinsichtlich der Zyklenbestimmung stark limitiert ist. Beispielhaft sei eine groß angelegte Studie von Prof. Tetlock (UPENN, 2006) mit 28.000 Prognosen seitens Experten erwähnt. Ergebnis: deren Prognosen auf Basis von mathematischen Modellen, Denkschulen, etc. waren statistisch ununterscheidbar zu willkürlichem Raten. Nobel Laureat Prof. Shiller begründete in seinem Beitrag „What Good Are Economists", dass es für Ökonomen durchaus ein für die Realwirtschaft sinnstiftendes Betätigungsfeld gibt, die Prognose gehört nicht dazu.

Nun darf von einem professionellen Marktteilnehmer erwartet werden, dass er sich seine eigenen Fertigkeiten und deren Grenzen vergegenwärtigt. Am Ende müsste die Einsicht stehen, das Glücksspiel „Market Timing" zu unterlassen. Stattdessen wird versucht mit noch komplexeren mathematischen Modellen an der Prognosegüte zu arbeiten. Prognosen sind Teil der Marketingstrategie von professionellen Finanzmarktteilnehmern. Von ihnen abzulassen widerspricht dem Geschäftsinteresse. TV- und Radiostationen nehmen das Wechselspiel von Mainstream und Outlier Prognosen dankend an. Das Programm muss gefüllt werden. Willkommen in der Vortäuschung. Ein unethisches Handeln.

II. Index-hugging Publikumsfonds

Die Existenzgrundlage für traditionelle Publikumsfonds (Long-Equity / Long Fixed Income / Balanced Portfolio) liegt in der Aussicht auf Outperformance gegenüber der jeweiligen Benchmark. Man spricht dabei vom Erzielen von Alpha. Dazu muss die Brutto-Outperformance im Vergleich zum Index groß genug sein, um nach operativen Managementkosten, Transaktionskosten, Strukturkosten und Vertriebskosten immer noch Alpha in das Portfolio des Investors zu liefern.

Wie gut gelingt es der Industrie, die eigenen Ansprüche zu erfüllen? Nun, nicht allzu gut. Mit steter Regelmäßigkeit belegen Studien die Underperformance von traditionellen Publikumsfonds. Das Muster der chronischen Underperformance kann seit Mitte des 20. Jahrhunderts als stabil angenommen werden. Zwar versucht sich die Industrie an Innovationen zu verbessern – Stichwort 130/30 Fonds, Absolute/Total-Return Publikumsfonds oder Alternative UCITS. Laut 2011 ICI-Factbook hielten Aktienfonds – inklusive etwaiger Mutationen - weltweit Ende 2010 zu 95,2% Aktien und 3,5% Cash. Alternative Spielvarianten in einer Publikumsfondshülle repräsentieren zwar eine wachsende, aber immer noch marginale Minderheit.

Toxische Formel: Fees + Index-hugging

Prof. Amihud (NYU Stern University) co-publizierte 2013 eine Studie, ob traditionelle Publikumsfonds ihre Fees wert sind. Sein Ergebnis: Der Median-Publikumsfonds hat einen R-squared von 93% zum Index. Sein Kommentar: „They tell you they are active funds and take your money but do something close to the index." Nicht umsonst sagt ein altes Finanzmarkt- Sprichwort sagt: „Mutual Funds are sold, ETFs are bought." Es verweist also auf die immer noch gut funktionierenden Vertriebswege der Publikumsfonds-Initiatoren, trotz bescheidender Leistungsschau.

Das Betreiben und Verkaufen von traditionellen index-hugging Publikumsfonds ist unethisch. Die daran beteiligten Personen könnten und müssten es besser wissen. Gerne wird beansprucht, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen, doch dies ist lediglich eine weitere Ausprägung der zuvor erläuterten Vortäuschung. Tatsächlich wird mit Kunden ein klassisches Spiel nach der „Greater Fool Theory" vollzogen. Sprich, selbst wird etwas Dummes in der Hoffnung produziert, jemand ist noch dümmer und kauft es einem ab.

Dabei geht es hier nicht um die leidige Debatte zwischen Aktiv VS Passiv Investments. Aktiv gemanagte Portfolios mit einer realistischen Chance auf Outperformance für den Investor haben ihre Existenzberechtigung. Wenn ein Manager in einer Nische operiert, in der ihm die gesammelte und interpretierte Information einen Vorsprung im Verständnis gegenwärtig kausaler Treiber gibt, ist eine realistische Alpha Chance für den Investor gegeben. Hierfür braucht es keine Prognosen. Sie repräsentieren derzeit die Ausnahmen. Vorgetäuschter Alpha-Anspruch bei konsistenter Underperformance zum Beta aufgrund der strukturellen Konzeption eines Produktes ist nicht nur abzulehnen, sondern als unethisch zu verurteilen.

Anstatt in traditionelle Index-hugging Publikumsfonds zu investieren, sollte der institutionelle, wie private Investor gleich in Indexfonds oder ETPs allokieren. Diese erheben keinen Alpha-Anspruch und sind deutlich kostengünstiger.

(Autor: Markus Schuller, Panthera Solutions)

www.panthera.mc

Zahl des Tages: 8,4 Millionen

Der Deutsche Aktienindex DAX läuft und läuft. Die Marke von 11.000 Punkten ist heute übersprungen worden. Aber was macht ein Großteil der Bevölkerung?

Anleger stehen zögernd und abwartend am Spielfeldrand und lassen sich Chancen entgehen. „Verschenktes Vermögen" trifft es wohl deutlich. „Seit dem Jahr 2001 – dem Jahr des bisherigen Rekordstandes bei den Aktionärszahlen – haben sich rund 4,4 Millionen Menschen von Aktien und Aktienfonds getrennt", so der DAI. Das ist einfach nur bitter.

Sicherlich sind Aktien, um das Bonmot zu zitieren, nicht unbedingt alternativlos und das einzig Wahre. Aber ohne Aktieninvestments ist eine langfristige Altersvorsorge kaum denkbar. Natürlich gibt es Alternativen im Sachwertbereich, wie beispielsweise Immobilien. Aber nicht jeder kann sich dort ein Direktinvestment leisten und auch aus Renditeerwägungen müssen Immobilien nicht immer erste Wahl sein. Vom Beteiligungsmarkt haben sich Private, nimmt man die aktuellen Zahlen des bsi Bundesverbandes Sachwerte und Investmentvermögen als Richtschnur, weitgehend zurückgezogen. Hinzu kamen diverse Skandale (Wölbern, S&K, Infinus, SHEDLIN) in diesem Marktsegment.

Umso erstaunlicher ist es, dass die Aktienkultur hierzulande nicht gedeiht. Viele haben wahrscheinlich noch die Schrecken der Jahrtausendwende (Dotcom-Blase) im Kopf und agieren daher sehr verhalten. Ferner gilt, dass auch die Börse keine Einbahnstraße ist. Nach 2012, 2013 und dem vergleichsweise moderat ausfallenden Jahr 2014 ist die Gefahr von Rückschlägen zweifellos größer geworden. Dennoch wird das Umfeld aus anhaltend niedrigen Zinsen Aktien weiterhin attraktiv erscheinen lassen. Auch ein Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis kann in diesem Kontext helfen.

Die Aktienkultur zu stärken ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe, an der dringend gearbeitet werden muss.




(Quelle: DAI)


Autor: Alexander Heftrich, Redakteur  finanzwelt



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Zinsschere geht weiter auf

Vor zwei Jahren noch sah die Zinslandschaft ganz anders aus. Während sich die US-Zinsen angesichts des knallharten „Quantitative Easings" der Fed im Keller befanden - die Rendite zehnjähriger US-Treasuries lag seinerzeit bei 1,8 Prozent - war die Eurokrise hierzulande noch nicht verdaut. Länder wie Spanien und auch Irland mussten noch Zinsen um die fünf Prozent zahlen. Doch Draghis „whatever it takes" im Juli 2012 sollte länger wirken und schickte die Zinsen für europäische Staatsanleihen immer weiter in den Keller. Erst die Grexit-Spekulationen sorgten seit einigen Monaten für eine zunehmende Risikowahrnehmung und Differenzierung bei den Anleihekursen und ließen die Zinsen für griechische Staatsanleihen wieder explodieren. Die voranschreitende Wirtschaftserholung in den USA dagegen sorgte in den letzten Jahren für Zinserhöhungsdruck, der sich Mitte 2013 in Form massiver Kursverluste bei US-Anleihen mit Pauken und Trompeten Bahn brach.

Die Zinsschere zwischen Europa und USA ging im Zuge dieser heterogenen Entwicklungen auf und löste eine massive Aufwertung des US-Dollar zum Euro aus. Die Entscheidung der EZB, nun ein milliardenschweres Anleihekaufprogramm aufzulegen ist nun die unvermeidbare Konsequenz jahrelanger taktischer Positionierung der EZB. Nun stehen endlich die Details fest, die EZB kauft bis September 2016 in einem 1,2 Milliarden schweren Programm Anleihen des Eurosystems, darunter auch Staatsanleihen. Die Zinsen bleiben im Dauertief, doch was bedeutet das für Euro-Anleger?

Das Risiko steigender Zinsen in Europa bleibt vorerst begrenzt, weil das von der EZB ankündigte Anleihekaufprogramm für weitere irrationale Nachfrage nach den Niedrigzinsern sorgt und den Anleihekursen Halt geben dürfte. Doch die Luft nach oben ist begrenzt, die Anleiherallye ist bereits zum Großteil gelaufen. Seit dem Höhepunkt der Staatsschuldenkrise Ende des Jahres 2011 sind die Renditen europäischer Staatsanleihen bereits weit unter das damalige „Eitel-Sonnenschein-Niveau" gesunken und die Kurse entsprechend gestiegen.
Und an den Zinsen können Anleihebesitzer können mit europäischen Staatsanleihen nur noch wenig verdienen. Die 10-Jahres-Renditen der solideren Länder liegen zwischen 0,4 Prozent und 0,7 Prozent pro Jahr, die der einstigen Krisenherde zwischen 1,2 Prozent und 2,5 Prozent. Bei diesem Niveau lässt sich an einer Hand abzählen, dass Kursgewinne durch weitere Zinssenkungen zukünftig nicht zu erwarten sind. Hinzu kommt, dass die Relationen zwischen Verschuldung und Wirtschaftswachstum in den meisten Ländern nicht verbessert haben und Ausfallrisiken nicht ausreichend vergütet werden. Immerhin, das Kursrisiko aufgrund steigender Zinsen ist in den nächsten ein bis zwei Jahren als gering anzusehen.

Andererseits wird die Zinspolitik der EZB, verstanden als Preis einer Währung, die Euro- Schwäche weiter manifestieren. Geht die Zinsschere zu anderen Ländern, wie zum Beispiel den USA weiter auf, könnte der Euro sogar noch weiter abwerten. Die Gefahren einer zu starken Währung und die negativen Effekte für die Wirtschaftsentwicklung der angeschlagenen Euroländer hat nicht nur Draghi in den letzten Monaten immer wieder betont. Für Europäer bringt sie also durchaus Vorteile mit sich. Wer US-Dollar hält, hat seit Mitte 2013 nun etwa 25 Prozent Währungsgewinne gemacht. Ebenso freuen sich Unternehmen, die sich in Fremdwährungen bezahlen lassen. Für alle anderen wirkt der schwache Euro wirkt wie ein Konjunkturprogramm. Insbesondere die solide deutsche Exportwirtschaft dürfte davon profitieren. Aber auch die übrige europäische Wirtschaft profitiert von diesem Konjunkturprogramm.

Nichtsdestotrotz steigt mit den europäischen Niedrigzinsen die Gefahr einer Blasenbildung – nicht nur bei den Aktien. Die Kursverluste an den US-Anleihemärkten im Mai 2013 haben gezeigt, wie ein Umfeld steigender Zinsen tun kann. Die Zinswende sollten Inhaber europäischer Staatsanleihen deswegen kritisch im Auge behalten.

(Autorin: Susanne Woda, Portfoliomanagerin der GVS Financial Solutions GmbH)
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Schreckgespenst Deflation?

Denn dann kommt bei den Verbrauchern das Gefühl auf, dass alles laufend billiger wird. Diese halten sich dann in Erwartung immer weiter fallende Preise mit Konsumausgaben zurück. Durch solch eine Kaufzurückhaltung könnte die gefürchtete Deflationsspirale in Gang kommen.
Dagegen ist eine Deflation eher unproblematisch, wenn durch sie das Verhältnis Einkommen zu Produktivität ausgeglichen wird. Dies stellt dann eine Wettbewerbsfähigkeit wieder her. So geschehen in Portugal, Spanien und vor allem Griechenland.
Erst recht ist eine Deflation dann harmlos, wenn diese durch externe Faktoren - aktuell die enorm fallenden Energiepreise - verursacht wird. Denn dadurch fließen die freien Gelder zusätzlich in privaten Konsum und Investitionen. Sie geben eher zusätzliche Kaufimpulse statt befürchteter Kaufzurückhaltung. Was wiederum bei den nachgefragten Gütern zu steigenden Preisen führen kann. Die beiden letztgenannten Deflationsszenarien müssen also gar nicht bekämpft werden!

Anleihekäufe der EZB werden nur bedingt Wirkung auf die Kreditvergabe haben

Die Anleihekäufe werden wohl die Renditen noch weiter sinken lassen. Davon werden nur die Anleger aufgrund der Kurssteigerungen mittelfristig profitieren können. Diese stecken ihr Geld dann wiederum in andere risikoreichere Investments, um auch zukünftig noch auskömmliche Renditen zu erzielen.
Die eingegangenen Risiken werden aber schon jetzt nicht mehr vergütet. Ob die Banken in Zukunft mehr Kredite vergeben als bisher, ist fraglich. Schließlich sorgen höhere Eigenkapitalanforderungen (Basel III) eher für eine weitere Verkürzung der Bilanzen. Kreditnachfrager werden weiterhin nur Kredite erhalten, wenn die Bonität stimmt, da die Banken nach wie vor das Ausfallrisiko tragen.
Die gute Konjunktur in den Jahren nach der Finanzkrise hat viele Unternehmen dicke Kapitalpolster beschert. Sie stehen mittlerweile eher vor der Herausforderung, ihre Gelder verzinslich zu parken.

Negativzinsen der EZB könnten gewünschte Wirkung entfalten

Anders sieht es mit den Negativzinsen aus. Diese könnten tatsächlich dazu führen, dass Unternehmen Liquidität an ihre Anteilseigner ausschütten oder in Rationalisierungsinvestitionen investieren. Allein in Deutschland liegen etwa 1,9 Billionen Euro auf Tages- und Termingeldkonten, die in nächster Zukunft nicht mehr verzinst werden. Viele Sparer werden deshalb ein Teil der Gelder in Konsum stecken, was die Binnennachfrage fördern wird und dadurch auch die Inflationsrate steigen lassen könnte.
Fazit: Anleihekäufe werden kaum die Kreditnachfrage stimulieren, Negativzinsen aber die Güternachfrage und damit die Inflationsrate wie gewünscht steigern.

(Autor: Uwe Eilers, Vorstand der Geneon Vermögensmanagement AG)
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Immobilienaktien – Liquide Immobilienanlagen als Alternative!

Im Vergleich zu Anlagen in Anleihen aber immer noch attraktiv. Entscheidend für einen langfristigen Erfolg in der Immobilienanlage ist die Lage und das Konzept dahinter. Privatanleger kaufen häufig einzelne Wohnungen oder Häuser in der Nähe Ihres eigenen Wohnortes oder legen in Immobilienfonds an. Die Risikostreuung ist damit im ersteren Fall nicht und im zweiten Fall relativ gut erfüllt. Ein zweiter entscheidender Faktor ist die Liquidität dieser Anlagen. In Phasen steigender Preise sind Käufer einfacher zu finden. Eine Direktanlage ist dann über einen Zweitraum weniger Wochen bis Monate zu veräußern. Bei Anlagen in Immobilienfonds kann dies teilweise deutlich länger dauern und ist abhängig von Halte- oder Kündigungsfristen. Immobilienaktien bieten hierzu eine Alternative bzw. eine Ergänzung zu den bekannteren Immobilieninvestments. Als börsennotiertes Anlageobjekt besteht täglich die Möglichkeit, Gelder zu investieren und auch Positionen wieder zu veräußern. Der Preis richtet sich, wie bei Aktien, zwar primär nach Angebot und Nachfrage, der Nettoinventarwert der Anlagen ist bei guten Immobilienunternehmen (REIT – Real Estate Investment Trust) aber eine Indikation. Der Wert der Immobilien bestimmt sich nach den Ertragsmöglichkeiten und den Relationen vergleichbarer Objekte.

Die Immobilienmärkte in Europa befinden sich nicht im Gleichlauf. Wie bei den Wachstumsraten besteht ein deutlicher Unterschied, aber auf der Suche nach Rendite und langfristigem Schutz von Kapital vor einem Kaufkraftverlust ziehen Immobilien die Aufmerksamkeit auf sich. Innerhalb des Sektors kommt es aber immer wieder zu besonderen Trends in bestimmten Ländern oder Sektoren. Eine breite Streuung (z.B. über Immobilienaktienfonds) ermöglicht hier eine maximale Risikostreuung der Immobilienanlage in Kombination mit einem professionellen Managements bei der Auswahl geeigneter Zielinvestments.

Ob nun als Ergänzung zu direkten Immobilienanlagen oder als Ergänzung zu einem Aktien-/Anleiheportfolio bieten börsennotierte Immobilienaktien sehr gute Diversifizierungseigenschaften für Investoren.

(Autor: Thomas Meyer, Country Head Germany Institutional Asset Management, Petercam S.A.)

Der Innendienst kann mehr!

In der Assekuranz kommt die Bearbeitung von Schäden, die Berechnung der berechtigen Leistungsansprüche noch hinzu. Oftmals gilt es auch die von Außendienstmitarbeitern verursachten Fehler zu korrigieren. Das alles beherrschen die Mitarbeiter/-innen perfekt.

Hat der Innendienst auch eine Verkaufsfunktion?

Häufig hat der Innendienst mehr Durchblick als der Außendienst, denn die MitarbeiterInnen haben die Akte rasch zur Hand, sie nehmen Veränderungen in der Kundensituation schneller wahr als der Außendienstmitarbeiter, der verkaufsorientiert handelt und immer auf neue Termine erpicht ist. Der Innendienst erkennt Problemsituationen, Defizite und Bedarfssituationen sehr schnell. Den Kunden darauf aufmerksam zu machen empfinden sowohl die Kunden als auch der Innendienst wie bittstellen und betteln. „Darf ich Ihnen mal ... anbieten?" oder „ Bei Ihnen fehlt noch ..." oder „Ich könnte Ihnen mal ein Angebot schicken ..." wecken ungute Gefühle und man unterlässt es in der Folge Kunden auf die erkannten Situationen anzusprechen.

Es ist eine Binsenweisheit: Erfolge machen Spaß und Spaß ist Mitverursacher von Erfolg. Ganz einfache Fragen, richtig formuliert, lassen den Kunden positiv reagieren. Wenn man dann noch so tut als ob der Kunde sein Problem schon gelöst hätte, dann wirkt das Vorgehen souverän. Es sind ganz einfache Formulierungen, die erlernbar sind, die positive Reaktionen auslösen und die motivieren – Innendienst und Kunden gleichermaßen. Riesige Potentiale liegen hier brach, die durch Trainings rasch erschlossen werden.

Mehr Infos dazu auf www.ziele-erreichen.de.

Mit besten Grüßen

Hans D. Schittly

(Schittly & Dinler AG, TrainCoaching mit nachhaltigem Erfolg)