Dax und Euro außer Rand und Band

Jeder kleine Konsolidierungsversuch wird sofort wieder gekauft. Der massive Aufwärtsdruck überrascht viele Experten. Viel zu konservativ haben die Bankauguren mal wieder die Marktaussichten für dieses Jahr eingeschätzt.
Die Effekte des Anleihenkaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) sind doch viel größer als gedacht. In den deutschen Aktienmarkt fließt Unmengen an Liquidität, auch von außerhalb Europas. So haben amerikanische Anleger ihre Geldströme nach Europa umgeleitet, denn die Perspektiven daheim sind angesichts der drohenden Zinskeule der US-Notenbank gebremst. Seitdem die EZB ihr Liquiditätsprogramm nun tatsächlich in die Tat umsetzt, nimmt die DAX-Rallye sogar nochmal so richtig Fahrt auf. Offensichtlich war der EZB-Effekt nicht so eingepreist, wie manch Marktteilnehmer vermutete.

Anders in den USA: Der Dow Jones schwächelt seit einigen Wochen. Seit Jahresanfang konnte der amerikanische Blue-Chip-Index gerade mal um drei Prozent steigen; nur für Euro-Anleger sieht die Performance besser aus, dank Dollar-Aufwertung. Auch auf der Währungsseite passiert zurzeit sehr viel. Ungläubige Kommentare kassierte die Investmentbank Goldman Sachs, als sie Ende letzten Jahres für Ende 2015 eine Euro-Dollar-Parität (1:1) voraussagte. Der Euro-Kurs ist auf dem besten Weg da hin; bis auf zeitweise unter 1,05 ist die europäische Währung innerhalb weniger Monate abgestürzt, die Dollarparität also sogar noch in diesem Quartal möglich, wenn das Tempo anhält.
Es wäre nur im Sinne von EZB-Chef Draghi, der damit die Exportindustrie in Europa stützen will. Ob der Effekt allerdings wirklich so groß ist, mag bezweifelt werden, denn selbst die international gut aufgestellte deutsche Industrie liefert wesentlich mehr Güter in die Euro-Zone als in Dollar-Länder. Zudem konterkariert der Euro-Verfall den Ölpreis-Rückgang, denn hier wird wiederum in Dollar abgerechnet.

In einigen Monaten werden wir wissen, ob Draghis Plan aufgeht und ob seine außergewöhnlichen Maßnahmen von Erfolg gekrönt sind. Zur Zeit schwingt viel Psychologie und Hoffnung mit, Skeptiker werden – siehe DAX – niedergetrampelt. Für alle Beteiligte ist klar, dass wir uns momentan in einer absoluten Schönwetterphase an der Börse bewegen. Die größte Überhitzung seit 15 Jahren bahnt sich an. Der Markt ist im DAX vollkommen überkauft. Allerdings war die Übertreibung Anfang 2000 zu New-Economy-Zeiten teilweise noch größer. Zudem könnte die Überhitzungsphase noch länger anhalten. 15.000 im DAX klingen heute nicht mehr so utopisch wie kurz nach der Finanzkrise. Es wäre jetzt „nur" noch 27 Prozent entfernt.

(Autor: Dr. Marc-Oliver Lux von Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG)

Schere zwischen Mieten und Kaufpreisen öffnet sich weiter

Insofern werden wir auf dem Immobilienmarkt weiterhin eine Entwicklung beobachten, die sich seit Beginn des Jahres verschärft hat: Die Schere zwischen Miet- und Kaufpreisentwicklung wird sich weiter öffnen. So auch im letzten Monat: Im April sind die Angebotsmieten deutschlandweit um 0,3 Prozentpunkte angestiegen. Die Kaufpreise hingegen haben sich im selben Zeitraum um 1 Prozentpunkt verteuert.

Während dieser Trend vor wenigen Monaten nur in den größeren Metropolen deutlich sichtbar war, steigen nun auch in vielen Mittelstädten die Angebotspreise stärker als die Angebotsmieten. Mit der Folge, dass sich Mietrenditen verschlechtern. Ob das jedoch die Kaufentscheidung vieler Eigennutzer beeinflussen wird, ist fraglich, denn die Wertentwicklungsperspektiven sind mit anhaltendem Immobilien-Boom weiterhin positiv.

Eine spannende Frage wird sein, ob die angekündigte Mietpreisbremse ein mögliches Regulativ sein könnte. Werden Käufer künftig kritischer sein, weil der Staat in die Entwicklung der Mieten eingreift? Dies bleibt abzuwarten.


Autor: Michael Kiefer frics, Chefanalyst ImmobilienScout24

Strategischer Portfoliobestandteil oder lediglich taktische Positionen?

Seit der Finanzkrise 2008 / 2009 scheint die Entwicklung in den Emerging Markets nicht mehr so dynamisch und finanziell lukrativ zu sein wie in den Jahren davor. Es gibt vielfältige Gründe dafür: fallende Rohstoffpreise, politische Instabilität, Korruption, ineffiziente Verwaltung, steigende Inflation und Leistungsbilanzdefizite.

Als Folge gab es stärkere Mittelabflüsse und die Börsen der Schwellenländer entwickelten sich deutlich schlechter im Vergleich zu den Industriestaaten. Die „Underperformance" über die letzten fünf Jahre liegt aktuell bei ca. 63 Prozent! Fazit: Die Schwellenländer sind in der Gunst der Anleger weit zurückgefallen.

Aber genau dieser Umstand macht die Emerging Markets auch wieder interessant. Das Sentiment ist negativ, die fundamentalen Bewertungen sind attraktiv und die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern sich. Auch das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit stehen zunehmend auf der Agenda. Darüber hinaus ist es gerade auch aus dem Aspekt der Risikostreuung und Chancenwahrung wichtig, nicht nur in Industriestaaten zu investieren – lege nicht alle Eier in einen Korb. Interessante Länder sind unseres Erachtens zur Zeit Indien, Indonesien, Südafrika und China. Aber auch die unbeliebten Regionen Russland und Brasilien können zukünftig wieder attraktiver werden.

Für den chancenorientierten Anleger bedeutet dies, diese Regionen unbedingt in einem international mit guter Qualität versehenen Portfolio zu berücksichtigen – aber nicht nur ein Land, sondern am Besten einen oder mehrere aktiv verwaltete Emerging Market Fonds, die je nach Marktlage in die attraktivsten Länder und Aktien investieren können.


Autor: Michael Piesche, UNIKAT Vermögensverwaltung GmbH
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Börsencrash in China würde Weltwirtschaft bedrohen

Rund 3,5 Billionen US-Dollar wurden mit dem Kurssturz im Juli verbrannt – das Dreifache der gesamten Marktkapitalisierung im DAX, doch nun sieht es so aus, als wäre die Talfahrt noch nicht zu Ende.

Nur durch die Eingriffe der Regierung konnte der Rutsch an der Börse in Shanghai im Juli gestoppt werden. Auch wenn der 30-prozentige Kurseinbruch gemessen an den Gewinnen der Vormonate verkraftbar scheint - die Börse hatte zuvor auf Jahressicht um über 240 % zugelegt - auf den fahrenden Zug der Börsenrallye sind viele Chinesen erst in den letzten Monaten aufgesprungen. Klassisch für Blasenkonstellationen wird dadurch beim Platzen mehr Kapital vernichtet, als zuvor durch die Kursanstiege geschaffen wurde.

Seit Beginn des Jahres wurden in China über 22 Millionen Depots eröffnet – viermal so viel, wie im vergangenen Jahr. Das private Vermögen der Bürger dürfte laut der Credit Suisse um 20 Billionen Euro gestiegen sein, im Jahr 2012 lag es noch bei 12 Billionen. Ein Rekordwert, der auch auf die Aktienrallye zurückzuführen ist. Zudem liegt auch die private Sparquote im Reich der Mitte lag mit über 40 % außergewöhnlich hoch. Doch statt mit der lockeren Geldpolitik die Investitionen in die Realwirtschaft zu lenken, lockte sie die Investoren an die Börse. Einen Eindruck viel davon in den letzten Monaten in Aktien geflossen ist, vermitteln auch die folgenden Daten (jeweils zum 30.06. des Jahres):

Anzahl Börsengänge 2014:     103
Anzahl Börsengänge 2015:239
Emissionsvolumen 2014:17 Mrd. USD
Emissionsvolumen 2015:40 Mrd. USD

Auch Anleger. die nicht direkt in der Region investiert haben, sollten die Börsenentwicklung beobachten. Denn nach einem Börsencrash säße das Geld nicht mehr so locker und ein Konsumeinbruch in China hätte Folgen für das globale Wachstum und insbesondere für die deutsche Exportwirtschaft.

Der Anteil des weltweit bevölkerungsstärkten Landes an der globalen Wirtschaft lag im Jahr 2014 bereits bei 16 %. Das Land könnte den Amerikanern bald den Rang ablaufen, die mit 19 % derzeit noch die Nase vorn haben. Im Transformationsprozess des chinesischen Wachstumsmodells spielt der Konsum eine immer bedeutendere Rolle. Gerade Deutschland konnte von diesem Wandel profitieren, die Umsatzanteile der DAX-Konzerne in China reichen bis zu 37 %. Besonders hoch ist die Abhängigkeit deutscher Autobauer, deren Wachstum in hohem Maße auf die steigende Kaufkraft im Reich der Mitte und dortige Affinität zu deutscher Qualitätsarbeit zurückzuführen ist. Dass diese Abhängigkeit auch umgekehrt wirken kann, musste als erstes kürzlich VW erfahren, die Autoverkäufe des Konzerns in China waren im Juni 2015 um 22 % eingebrochen.

Die gute Nachricht ist: Die Gefahr hat auch die chinesische Regierung erkannt. Um den Ausverkauf an den Börsen zu stoppen und das Vertrauen der Investoren wiederherzustellen, wurden zahlreiche Maßnahmen eingeleitet, darunter Finanzspritzen am Devisenmarkt und Verkaufsbeschränkungen für Großinvestoren. Vorerst ist der Plan aufgegangen, doch ob die Maßnahmen dauerhaft die gewünschte Wirkung haben, wird sich in den nächsten Wochen erst zeigen müssen.

Autorin: Susanne Woda,
Portfoliomanagerin der GVS Financial Solutions GmbH

Demografischer Wandel

Deutschland wird immer älter: Die Geburtenrate sinkt, die Lebenserwartung steigt. Laut Statistischem Bundesamt ist jeder Fünfte bereits über 65 Jahre alt. Seit 1990 hat die Zahl der Menschen ab 65 bundesweit um etwa fünf Millionen zugenommen. Das bedeutet einen Anstieg um rund 42 Prozent. Zum Vergleich: Die Gesamtbevölkerung ist im selben Zeitraum nur um drei Prozent gewachsen. Im Jahr 2060 ist Prognosen zufolge bereits jeder dritte in Deutschland Lebende über 65 Jahre. Dieser demografische Wandel bringt neue Herausforderungen mit sich: Mit dem zunehmenden Alter werden die Menschen zwangsläufig pflegebedürftiger.

Laut Bundesministerium für Gesundheit gibt es aktuell rund 2,5 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland. Schätzungen für das Jahr 2060 beziffern die Zahl auf über 4,5 Millionen Pflegefälle pro Jahr. Erkrankungen wie Demenz nehmen kontinuierlich zu. Das Bundesministerium für Gesundheit prognostiziert, dass sich die Anzahl der aktuell 1,5 Millionen Demenzerkrankten in Deutschland bis 2050 aller Voraussicht nach verdoppelt. Schon jetzt stellen derartige Erkrankungen Familien und häusliche Pflege vor große Herausforderungen. Viele Angehörige verfügen weder über die erforderlichen Kompetenzen noch über die notwendigen Kapazitäten, um sich um Pflegebedürftige – auch unabhängig von einer Demenzerkrankung – ausreichend zu kümmern. Professionelle und stationäre Versorgung können den Bedarf allein ebenfalls nicht decken. Sowohl Pflegekräfte als auch Pflegeplätze werden händeringend benötigt.

Pflege als wichtige Aufgabe der Gesellschaft

Im Bereich der Pflege muss sich in vielerlei Hinsicht etwas tun. In der Aufklärung, aber auch in der Aus- und Weiterbildung oder beim Neubau von Pflegeheimen und der Bereitstellung von Pflegeplätzen. Die Pflege ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Gesellschaft. Das sehen laut Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und einer repräsentativen Umfrage von Infratest dimap 85 Prozent der Bevölkerung genauso. Ferner gaben 97 Prozent der Befragten an, dass die Betreuung älterer und kranker Menschen eine immer größere Rolle in der Gesellschaft spielen wird.

Herkules-Aufgabe meistern

Mit den neuen Pflegestärkungsgesetzen wird die Situation der Pflegebedürftigen, der Angehörigen und auch der Pflegekräfte verbessert. Durch die Pflegereform sollen die Leistungen der Pflegeversicherung gestärkt und Heime entlastet werden. Insgesamt stehen laut Bundesministerium für Gesundheit so 5 Milliarden Euro mehr pro Jahr für Verbesserungen der Pflegeleistungen bereit. Aber reicht eine solche Reform alleine aus?

Im Bereich der Pflege sind weitere Weichenstellungen notwendig. Hier hätte sicherlich früher interveniert werden müssen. Diese Herkules-Aufgabe kann der Staat – Stand heute – nicht mehr alleine bewältigen. Vielmehr sind auch andere Akteure in der Pflicht, beispielsweise aus Forschung und Wirtschaft. Hier gilt es, Erkrankungen wie Demenz weiter intensiv zu erforschen. Daneben muss auch die berufliche Situation von Pflegekräften entscheidend verbessert werden, um dem Fachkräftemangel im Pflegebereich entgegenzusteuern. Aber auch gesellschaftlich muss ein Bewusstsein für das Thema Pflege geschaffen werden. Jeder kann selbst einen Beitrag leisten.

Ein aktiver Beitrag wäre beispielsweise die Vorsorge. Hier bedarf es vor allem der Aufklärung. Pflege ist ein gesellschaftliches Problem. Die Eigenverantwortung der Menschen nimmt jeden in die Pflicht, sich frühzeitiger und intensiver mit seinem eigenen Leben im Alter auseinanderzusetzen. Neben Pflegeversicherungen sind Pflegeimmobilien eine lukrative und alternative Altersvorsorge. Und das in zweierlei Hinsicht: auf der einen Seite als Kapitalanlage und über das bevorzugte Belegungsrecht für sich oder Angehörige auch als tatsächliche Altersvorsorge mit einem Platz in einem Pflegeheim. Neue Pflegeanlagen werden dringend benötigt, die Wartelisten sind lang. Im letzten Jahr wurden rund 120 Pflegeheime gebaut. Um den Bedarf zu decken, wären aber über 300 Pflegeheime erforderlich gewesen. Aber auch eine reine Erhöhung der Neubauten würde natürlich zu kurz greifen. Ebenfalls fehlt es an ausreichendem Fachpersonal.

Ein Lichtblick ist jedoch das gesellschaftliche Bewusstsein: Laut der Umfrage von Infratest dimap halten zwei Drittel der Bevölkerung die Beitragserhöhung des Pflegestärkungsgesetzes für angemessen. 94 Prozent deuten das Gesetz sogar als Schritt in die richtige Richtung. Nichtsdestotrotz wird das Pflegestärkungsgesetz allein die gesellschaftlichen Herausforderungen des demografischen Wandels natürlich nicht bewältigen können.


Autor: Patrick Holze, Geschäftsführer des Portals marktplatz-pflegeimmobilie.de
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VW-Skandal: Was nun?

Die Mehrheit der Anlageprofis hatte die Automobilbrache u. a. wegen der Wachstumsabschwächung in China schon vorher untergewichtet. Zum jetzigen Zeitpunkt allerdings gehen die Meinungen stark auseinander, ob der Boden bei den zum Teil heftig abgestürzten Aktien bereits erreicht ist.

Die Vermögensverwalter von Albrech & Cie machen (wie viele andere Kollegen auch) die weitere Kursentwicklung der Wolfsburger von der Nachrichtenlage abhängig: „Das gesamte Ausmaß des Skandals lässt sich immer noch nicht abschätzen. Offen sind nach wie vor die Höhe der drohenden Strafen, die Schadenersatzforderungen sowie die Kosten für die Umrüstung der betroffenen Fahrzeuge, ganz zu schweigen von dem entstandenen Vertrauensverlust.“

Deutlich positiver äußern sich die Experten der SVA Vermögensverwaltung Stuttgart. Sie gehen davon aus, dass Volkswagen mittelfristig wieder in der Lage sein wird, Vertrauen bei den Käufern und Anlegern zu gewinnen. Durch den massiven Rückgang des Börsenwertes von zeitweise rund 60 Milliarden Euro sei ein Großteil der möglichen finanziellen Belastungen bereits im Kurs eingepreist: „Da sich die Aktie aktuell bis nahe an den eigentlichen Buchwert bewegt hat, ergeben sich hieraus für uns eher gute Kaufgelegenheiten. Wer etwas Zeit mitbringt, sollte auf Sicht bei einem heutigen Kauf nicht schlecht fahren.“

Ganz anders bewerten die Anlageprofis der Knapp Voith Vermögensverwaltungs AG („vorerst kein größeres Aufwärtspotenzial“) und der Pruschke & Kalm GmbH („noch nicht alle negativen Effekte eingepreist“) die Aussichten und raten von Investments aktuell ab.

Gewinner und Verlierer des VW-Skandals
Ebenfalls unter Druck standen aus Angst vor weiteren negativen Meldungen aus der Branche die meisten anderen Autoaktien. Bei Albrech & Cie bezeichnet man dies als „nicht gerechtfertigt“ und sieht vor allem die asiatischen Autoaktien als potenzielle Gewinner, weil sich die entsprechenden Unternehmen „erkennbar bemühen, die neuen umweltfreundlichen und spritsparenden Technologien voranzutreiben“.

Laut SVA könnten BMW, Daimler und Toyota mittelfristig von der Verschiebung der Marktanteile profitieren. Interessant könne zudem die den meisten Anlegern wahrscheinlich weniger vertraute Aktie von Twintec werden.

VW-Bonds und Discountzertifikate als Alternative
Noch einmal zurück zu Volkswagen: Während die Aktie aufgrund der bestehenden Unsicherheit aktuell kaum in den Portfolios der Vermögensverwalter zu finden ist, nutzen einige Anlageprofis die aktuellen Konditionen, um vermeintlich günstig in VW-Anleihen oder Discountzertifikate auf die Aktie einzusteigen. Hierzu führt die SVA zum Beispiel an, dass „durch die deutlich erhöhte Volatilität sehr gute Verzinsungen zu erzielen sind“.

Bei Knapp Voith wird der Kauf klassischer VW-Bonds für die Kundendepots wie folgt begründet: „Die Anleihen werden teilweise gepreist als ob VW in den kommenden Wochen ein Kandidat für ein schlechteres Junk Bond-Rating wäre. Dies ist nach unserer Einschätzung aufgrund der nach wie vor extrem soliden finanziellen Verfassung des Unternehmens völlig übertrieben.“

Seit Herbst 2013 stellen institutionelle Finanzmarktexperten ihre Handelsstrategien auf wikifolio.com einem breiten Anlegerpublikum zur Verfügung. Bereits mehr als fünf Prozent der deutschen Vermögensverwalter nutzen die Transparenz der Plattform, um neue Kundengruppen zu erreichen. Sie haben bislang 71 wikifolios veröffentlicht. 78 Prozent der von Vermögensverwaltern in investierbaren wikifolios geführten Strategien haben 2014 einen höheren Ertrag erzielt als die Benchmark (DAX).


Autor: Andreas Kern, Gründer und CEO der wikifolio Financial Technologies AG
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Jahresend-Rally – welche Rolle spielen EZB und Fed?

Im Allgemeinen verbinden Börsianer damit steigende Aktienkurse in der Endphase des Jahres. Statistisch betrachtet stehen die Chancen dafür sehr gut. November und Dezember zählen seit Einführung des DAX zu den vier Monaten mit der besten Durchschnittsperformance.

Die auf wikifolio.com aktiven Vermögensverwalter rechnen für den deutschen Aktienmarkt bis zum Jahresende mit moderat steigenden Kursen. 80 Prozent der Experten gehen davon aus, dass sich der DAX zum Jahreswechsel zwischen 11200 und 11500 Punkten einpendeln wird. Dies entspricht einem Anstieg zwischen 3 und 6 Prozent und passt hervorragend zu den historischen Durchschnittswerten in dieser Phase. Im November legte der Index seit 1988 im Schnitt um 2,4 Prozent zu und endete in gut 70 Prozent aller Fälle im Plus. Im Dezember gab es in über 80 Prozent aller Jahre steigende Kurse bei einem durchschnittlichen Anstieg von knapp drei Prozent.

EZB-Politik treibt die Kurse
Begründet wird der anhaltende Optimismus in den meisten Fällen mit der Aussicht auf eine Fortsetzung der expansiven Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank. Christian Gritzka, Prokurist der Knapp Voith AG und verantwortlich für das wikifolio „Dividende & Substanz“, bringt es für viele seiner Kollegen auf den Punkt: „Die Aussichten in Europa werden weiter getragen von der Hoffnung auf die EZB. Eine Ausweitung des QE-Programms sollte ausreichen, um die positive Stimmung der Anleger bis zum Jahresende zu tragen.“ Sieben von zehn Vermögensverwaltern erwarten, dass EZB-Chef Mario Draghi und seine Kollegen noch in diesem Jahr oder spätestens Anfang 2016 eine Aufstockung und/oder vorzeitige Verlängerung des Wertpapierkaufprogramms verkünden werden.

Die durchaus zahlreich vorhandenen Störfeuer werden registriert, größtenteils aber nicht als nachhaltiges Problem angesehen. Andreas Görler, Senior Wealth Manager bei der Pruschke & Kalm GmbH (verwaltet das wikifolio „Wellvest“), ist zum Beispiel der Meinung, dass „wesentliche negative Daten und Themen (VW-Dieselgate, Deutsche Bank, chinesischer Markt, Energie-Versorger) am Markt mittlerweile wohl eingepreist sind“. Das scheint auch für die immer wahrscheinlicher werdende Zinswende in den USA zu gelten.

Was macht die Fed?
Nach den jüngsten Aussagen von US-Notenbankchefin Janet Yellen ist die anhand der Fed Funds Futures ablesbare Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinsanhebung im Dezember auf 58 Prozent angestiegen. Das deckt sich in etwa mit den Erwartungen der kurz zuvor befragten Portfoliomanager. Jeweils 40 Prozent nannten dabei den Dezember beziehungsweise Januar als Startschuss für die Erhöhung der Leitzinsen.

Frank Haser, der als Geschäftsführer der Haser Vermögensverwaltungs GmbH das seit dem Start vor zwei Jahren mit 23 Prozent im Plus liegende wikifolio „VV-Ausgewogen“ betreut, ist einer der wenigen Kapitalmarktexperten, die vorerst noch nicht mit einem Zinsschritt der Fed rechnen. Er verweist auf die rückläufigen Unternehmensgewinne in Teilsektoren der US-Industrie. Sollte er Recht behalten, dürfte das die Chancen auf eine erfolgreiche Jahresendrally noch einmal deutlich erhöhen.

Seit Herbst 2013 stellen institutionelle Finanzmarktexperten ihre Handelsstrategien auf wikifolio.com einem breiten Anlegerpublikum zur Verfügung. Bereits mehr als fünf Prozent der deutschen Vermögensverwalter nutzen die Transparenz der Plattform, um neue Kundengruppen zu erreichen. Sie haben bislang 71 wikifolios veröffentlicht. 78 Prozent der von Vermögensverwaltern in investierbaren wikifolios geführten Strategien haben 2014 einen höheren Ertrag erzielt als die Benchmark (DAX).


Autor: Andreas Kern, Gründer und CEO der wikifolio Financial Technologies AG





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Eine Welt im Wandel

Das Chief Investment Office (CIO) von UBS Wealth Management beurteilt Aktien und Unternehmensanleihen Anfang 2016 weiterhin positiv und ist insbesondere für die Eurozone sehr zuversichtlich.

Als langfristig interessante Investitionsthemen für 2016 und danach sieht das CIO die Demografie, die alternde Bevölkerung und Anlagen in ausgewählten Bereichen des Gesundheitswesens, darunter die Krebsforschung.

Das Chief Investment Office von UBS Wealth Management prognostiziert für 2016 eine Welt im Wandel. Das globale BIP-Wachstum dürfte von 3,1% 2015 auf 3,4% zunehmen. Dieses Wachstum beruht auf der Stabilisierung der Schwellenländer und den geringfügig höheren Konsumausgaben in den Industrieländern.

Mark Haefele, Global Chief Investment Officer von UBS Wealth Management und UBS Wealth Management Americas, sagt dazu: «Die Welt im Wandel bleibt eine Herausforderung für die Portfolioperformance. Wir wissen aus Erfahrung, dass eine klar definierte Anlagestrategie, regelmäßige Überprüfungen des Portfolios und eine strenge Umsetzungsdisziplin dazu beitragen können, dass das Portfolio auf Kurs bleibt. Wir rechnen zu Beginn des Jahres 2016 mit einer moderaten Beschleunigung des globalen Wachstums und raten den Anlegern, Aktien zu übergewichten.»

Moderate Verbesserung des globalen BIP-Wachstums
Die US-Wirtschaft dürfte nächstes Jahr um 2,8% expandieren, nach 2,5% in diesem Jahr. Das Land muss in der Zinspolitik ein neues Kapitel öffnen und einen Nachfolger für Präsident Barack Obama wählen. Trotz dieser Unsicherheiten sollten der stärkere US-Dollar und die niedrigen Energiepreise die USUnternehmensgewinne weniger belasten. Die Konsumausgaben sollten robust bleiben.

Die Eurozone dürfte nächstes Jahr um 1,8% wachsen, verglichen mit einem Wachstum im laufenden Jahr von 1,5%. Das Wachstum in Deutschland dürfte etwas stärker von 1,5% in 2015 auf 1,9% in 2016 zulegen. Für Großbritannien sagt das CIO ein weiterhin robustes Wachstumstempo von 2,4% für 2016 voraus. In Europa stehen die Flüchtlingsströme, Fragen zur Geldwertstabilität und angesichts der Diskussion in Großbritannien die Zukunft der Europäischen Union im Zentrum des Interesses. Das Wachstum und die extrem lockere Geldpolitik sollten die Unternehmensgewinne in der Eurozone, wo wir in Aktien übergewichtet sind, unterstützen.

Die Volkswirtschaften in Asien dürften auch im dritten Jahr in Folge weniger kräftig wachsen, was hauptsächlich auf den Rückgang des chinesischen Bruttoinlandprodukts (BIP) auf 6,2% zurückzuführen ist. Dies stellt denn auch den größten Belastungsfaktor für das globale Wachstum im Vergleich zu 2015 dar. China entwickelt sich von einer fertigungslastigen zu einer konsumorientierten Wirtschaft und von einem staatlich dirigierten zu einem freien Markt. Beide Paradigmenwechsel werden zeitweise Unsicherheit über den Wachstumskurs und die Aussichten für die Kapitalströme hervorrufen.

Das Wachstum in den Schwellenländern wird verhalten bleiben, sollte aber von 4,1% in diesem Jahr auf 4,3% steigen. Die Schwellenländer müssen neue Wachstumstreiber suchen. Dies bedingt, dass sie ihre Abhängigkeit von Investitionen, Rohstoffen und billigem Kapital reduzieren und den Fokus stärker auf strukturelle und politische Reformen legen. Bei Zinserhöhungen in den USA werden sie zudem unter Druck geraten.

Aktien und Hochzinsanleihen sollten positive Gesamtrenditen abwerfen. Die Kurse von Staatsanleihen dürften sinken, die Inflation, der Ölpreis und die US-Zinsen möglicherweise steigen. Hedge Funds dürften 2016 höhere risikobereinigte Renditen erzielen als 2015. Wir erwarten Renditen von 4% bis 6% für die gesamte Anlageklasse.

Langfristige Anlagethemen, um das Vermögen zu vergrößern und zu schützen
Über das Jahr 2016 hinaus sind es die langfristigen Anlagethemen, die das Anlageumfeld auch zukünftig beeinflussen. Ein herausragendes Beispiel ist die demografische Entwicklung in den USA, Japan, Europa und China, die den Ausblick für Finanzwerte in den kommenden Jahren und Jahrzehnten trübt. Die Sparquoten dürften sinken, weil die älteren Menschen ihre Vermögen verzehren. Folglich wird auch die Geldschwemme abnehmen, welche die Finanzmärkte bislang angetrieben hat. Jüngere Arbeitnehmer einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung könnten höhere Löhne fordern, die Inflation anheizen und die Zinsen in die Höhe treiben.

Die alternde Bevölkerung eröffnet Chancen im Gesundheitswesen. Das CIO beurteilt die Krebsforschung für Wirkstoffe im Frühstadium als einen besonders attraktiven langfristigen Anlagebereich. Infolge der breiten Auswirkungen von Krebs auf die Gesellschaft eignet sich dieser Bereich besonders für Impact Investing, in dessen Zentrum neben der finanziellen Rendite, ein messbar positiver Einfluss auf die Gesellschaft steht.

My House View
Die Anleger können eine personalisierte Version der «UBS House View: 2016 und danach» zusammenstellen, indem sie auf www.ubs.com/myhouseview den interaktiven Filter My House View nutzen. Nach Eingabe ihres eigenen Finanzprofils werden die Anleger zu Artikeln und Daten aus der UBS House View geleitet, die ihren persönlichen Anlagebedürfnissen entsprechen.


Mark Haefele, Global Chief Investment Officer von
UBS Wealth Management  und UBS Wealth Management

China in der Zwickmühle

Der Einbruch um 7% am chinesischen Markt für A-Aktien am 4. Januar ließ das neue System der Handelsunterbrechungen in China aktiv werden. Dadurch wurde bereits am ersten Börsentag des neuen Jahres der Handel ausgesetzt. Gleichzeitig traf die Regierung zu Maßnahmen, um den Aktienmarkt zu stützen.

An dem Abverkauf waren sowohl Privatanleger als auch Großaktionäre beteiligt und zwar insbesondere Führungskräfte, die Aktien ihrer eigenen Unternehmen hielten. Um die Panik am Markt abzuschwächen, hat daher die chinesische Regierung das Volumen solcher Verkäufe beschränkt: Das staatliche Regulierungsorgan (China Securities Regulatory Commission) gab die Einführung einer Obergrenze bekannt, nach der bedeutende Anleger höchstens 1% der Aktien eines Unternehmens verkaufen dürfen. Diese Regelung soll am 9. Januar in Kraft treten und für drei Monate gelten. Die allgemeine Marktpsychologie war zuletzt aus mehreren Gründen ungünstig. Ein Grund war die Abwertung der chinesischen Währung Renminbi (RMB), die dazu führte, dass Anleger auf den RMB lautende Vermögenswerte, wie beispielsweise an der chinesischen Börse notierte Aktien, abstießen. Hinzu kam die Sorge, dass sich die Entscheidung der US-Notenbank (Fed), die Zinsen zu erhöhen, negativ auf andere Volkswirtschaften auswirken könnte. Ob in den USA weitere Zinsschritte folgen, ist derzeit nach wie vor zwar etwas ungewiss, jedoch werden allgemein weitere Anhebungen erwartet.

Es ist offensichtlich, dass viele Anleger momentan besorgt sind. Unserer Ansicht nach gibt es keinen Zweifel daran, dass China auch in diesem Jahr ein starkes Wachstum verzeichnen wird. Zugleich befindet sich das Land jedoch gewissermaßen in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite will die Regierung für Stabilität sorgen, auf der anderen Seite strebt sie eine Öffnung an. Dies könnte in diesem Jahr eine höhere Volatilität am chinesischen Markt auslösen, weil die beiden entgegengesetzten Kräfte ihre Wirkung entfalten.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, daran zu erinnern, dass China eine Planwirtschaft hat. Ich glaube, das wird häufig vergessen, wenn sich Anleger über mögliche Bankpleiten, übermäßige Verschuldung und andere Worst-Case-Szenarien Gedanken machen. Letztlich gibt die Kommunistische Partei (also der Staat) die Richtung der Wirtschaft vor, und wir meinen, dass sie durchaus in der Lage ist, die richtigen Maßnahmen zu treffen, um ihre Ziele zu erreichen. Allerdings wird es mit Blick auf die Zukunft für die chinesische Regierung schwierig werden, die Kontrolle aufrechtzuhalten, wenn sie eine wirtschaftliche Öffnung des Landes anstrebt. Es ist offensichtlich, dass China seine Wirtschaft und insbesondere seine Währung liberalisieren will. Dies dürfte in mehreren Schritten und sehr vorsichtig geschehen, um die angestrebte Stabilität nicht zu gefährden. Jeder, der die Ziele Chinas – und deren potenzielle Bedeutung für den Markt – verstehen möchte, sollte die zehn Punkte des Plenums lesen, die die Richtung der Wirtschaft skizzieren. Manche Branchen werden neu organisiert werden und manche an Bedeutung verlieren. Uns scheint die Richtung des Lands jedoch klar zu sein – sie führt zu einer offeneren und stärker marktorientierten Wirtschaft, die sich an die internationalen Kapitalströme anpasst und deren Währung, der Renminbi, nicht nur eine Reservewährung ist, sondern auch eine bedeutende internationale Handelswährung.

Wir halten es für wahrscheinlich, dass die zu Beginn des Jahres beobachtete Volatilität anhalten wird – und zwar nicht nur in China. An vielen Märkten nehmen die Schwankungen zu, und die Anleger werden lernen müssen, damit zu leben. Für uns bieten Zeiträume mit erhöhter Volatilität aber gute Kaufgelegenheiten – sie geben uns die Möglichkeit, Aktien zu kaufen, die unserer Ansicht nach ungerechtfertigt abgestraft wurden. Dabei ist uns völlig bewusst, dass solche Bedingungen schwierig für Anleger sind, die Volatilität fürchten. Im Fall von China steht die Regierung vor dem Balanceakt, auf der einen Seite Stabilität zu gewährleisten und auf der anderen Seite einen freieren Markt zuzulassen.

Dessen ungeachtet machen wir uns aber keine übermäßigen Sorgen um das chinesische Wachstum oder um die langfristigen Aussichten für Kapitalanlagen in dem Land. Die aktuellen Prognosen von rund 6% BIP-Wachstum[1] im Jahr 2016 halten wir für relativ ambitioniert, wenn man sich vor Augen hält, dass die chinesische Wirtschaft auf Dollarbasis heute weitaus größer ist als vor einigen Jahren. Damals wuchs die Wirtschaft zwar schneller, jedoch von einer niedrigeren Basis aus. Dies ist ein weiterer Aspekt, den Anleger möglicherweise übersehen, wenn sie langsameres Wachstum beobachten (siehe Abbildung unten). Wir stufen die Fundamentaldaten für China nach wie vor als hervorragend ein. Die chinesische Volkswirtschaft ist trotz der Verlangsamung eine der am schnellsten wachsenden der Welt.

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Wir suchen weiterhin nach Anlagechancen in China und sind zuversichtlich in Bezug auf die langfristige Wachstumsstory, die wir uns von der geplanten Umstellung von einer exportorientierten hin zu einer stärker auf den Binnenmarkt ausgerichteten Wirtschaft erwarten. Gleichzeitig durchläuft China einen dramatischen Übergang von einer ländlichen Gesellschaft zu einer eher städtisch geprägten.


Autor: Mark Mobius, Chairman der Templeton Emerging Markets Group

Der schlechteste Jahresauftakt aller Zeiten

Die Prognosen werden jedoch wie so oft schneller über den Haufen geworfen als man sich hätte träumen lassen. Seit Jahresanfang geht es kontinuierlich abwärts. Auch wenn das Jahr noch lang ist und bis Jahresende noch vieles passieren kann: Mittlerweile hat der deutsche Aktienindex DAX gegenüber dem Jahreswechsel schon über 16 Prozent verloren.

Der Gewinn des gesamten Vorjahres ist mehr als aufgebraucht. Um den durchschnittlich prognostizierten Jahresendstand noch zu erreichen, müsste der DAX mittlerweile über 30 Prozent zulegen. Wieder einmal sind Börsenprognosen die Tinte auf dem Papier nicht wert. Nach gerade mal sechs Wochen werden natürlich nicht gleich alle Prognosen revidiert, aber es beginnt ein erstes Umdenken, die Erwartungen im Laufe dieses Jahres korrigieren zu müssen. Ok, eine Punktlandung zu prognostizieren ist ja ohnehin Glücksache, aber zumindest die Richtung sollte stimmen.

Im Nachhinein muss man jedoch sagen, die meisten Banken und Vermögensverwalter gingen viel zu optimistisch in das neue Jahr. Mittlerweile bewegen sich die Aktienkurse in einem regelrechten Abwärtsstrudel. Jede noch so kleine Erholung wird wieder abverkauft. Der Abwärtsdruck ist stark. Dass es im Januar durchweg nach unten ging, war noch nie da, denn eigentlich zählt der Jahresanfang zu den saisonal besten Börsenzeiten. Aber auch die Hoffnung, dass es zumindest im Februar besser wird, scheint man ad acta legen zu müssen.

Vor wenigen Tagen hat der deutsche Aktienindex eine wichtige Unterstützungsmarke durchbrochen und sich weiteres Potential nach unten eröffnet. So wie es jetzt aussieht, ist es alles nur noch eine Frage des Tempos, wie schnell wir neue Tiefs sehen werden. „Verkaufen Sie alles - außer hochwertige Anleihen“, rät zum Beispiel Europa-Chefanalyst Andrew Roberts von der Royal Bank of Scotland. Auch andere Investorenlegenden (George Soros) fühlen sich bereits an die Finanzkrise 2008 erinnert. Die Krisenherde mögen heute andere sein, aber irgendwie liegt etwas in der Luft, dass es irgendwo zum großen Knall kommen könnte.

Zum Beispiel ausgelöst von immer neuen Tiefstständen im Ölpreis. Die Angst, dass der Ölpreis ein Vorläuferindikator für eine weltweite Rezession ist, ist groß. Was für ölimportierende Länder als Konjunkturförderung gelten könnte, ist für Öl-Export-Länder mittlerweile ein Desaster, das Staatsfinanzen zum Platzen bringen kann. Der Staatshaushalt von Venezuela steht auf der Kippe. Milliardenschwere Staatsfonds aus Saudi-Arabien und Norwegen müssen mittlerweile Investments liquidieren, um Mittel für den Staatshaushalt freizumachen. Ganz zu schweigen von der amerikanischen Fracking-Industrie, bei der alle nur noch auf die ersten Pleite-Nachrichten warten.

Zweiter Sprengstoffherd bleibt China: Die Wahrscheinlichkeit einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft ist deutlich gestiegen. Die veröffentlichten Wachstumszahlen sind wohl viel zu hoch ausgewiesen. Vielleicht ist dies auch weniger ein Problem für China selbst, aber wenn die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nicht mehr signifikant wächst, strahlt das auf die Nachbarstaaten und auch den Rest der Welt aus.

Weitere Gefahr lauert mal wieder aus dem Bankenbereich: Während die amerikanischen Banken gestärkt aus der Finanzkrise hervorgingen und mittlerweile wieder üppige Gewinne erzielen, ist die Situation in der europäischen Bankenwelt ein Trauerspiel. Neben italienischen und spanischen Banken kommt nun auch der Platzhirsch Deutsche Bank unter massiven Abgabedruck. Die Deutsche-Bank-Aktie stürzte auf 13 Euro ab, so tief wie zu Zeiten der Finanzkrise. Vom Marktwert her ist das größte deutsche Bankinstitut gerade noch so viel wert wie Beiersdorf. Die Marktkapitalisierung der US-Investmentbank Goldman Sachs ist dreimal so groß. Die Deutsche Bank sah sich sogar genötigt, ihre Anleihengläubiger zu beruhigen, weil erste Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der Bank aufkamen. Aus Erfahrung mit der Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers muss man sagen, dass jede Bank kippen kann, wenn das Vertrauen verspielt ist.

Viele Probleme – und sie scheinen sich zu kumulieren. Die Prognose, wo die Aktienmärkte am Jahresende genau stehen, ist müßig. Erkenntnis des Tages: 2016 wird KEIN Aktienjahr!

Autor: Dr. Marc-Oliver Lux von Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München