Das Ende der Bitcoins?

Der Handel kam fast zum Erliegen, Millionen an "echtem" Geld sind verschwunden. Es wird lange dauern, bis Bitcoins wieder in einem Atemzug mit Euro und Dollar genannt werden.

Wie war das noch? Vertrauen ist der eigentliche Standard einer Währung. Nicht Gold, Staatsanleihen oder die Wirtschaftskraft eines Staates. Besteht kein Vertrauen mehr in eine Währung oder in die Personen, die sie repräsentieren, wird die Währung abstürzen. Dem Euro ist das in der Euro-Krise passiert, der US-Dollar schwächelt gemessen an seiner einstigen Stärke schon sehr lange. Und jetzt eben Bitcoins. All die Technikverliebten, die durch die Kraft ihrer Rechner reich werden wollten - und es zum Teil sogar geworden waren - stehen jetzt unglücklich an der Seite und blicken auf die Scherben ihres Spielzeugs.

Nachdem Geldwäschevorwürfe und unklare Regeln zur Besteuerung des Bitcoin-Handels die Euphorie nicht bremsen konnten, hat das der Abschied einer der großen Börsen für Bitcoins erledigt. Denn hier haben zum ersten Mal Anleger richtig viel Geld verloren. Nicht wie zuvor kleine, individuelle Beträge, die auf dem Weg von einem Käufer zum anderen verschwanden. Und auch nicht die Beträge, die durch Unsicherheit im Umgang mit den unterschiedlichsten Verwahrstellen, Börsen oder Handelsplattformen verlustig gingen. Das alles waren die berühmten Einzelfälle, die das große Ganze noch nicht gefährdeten.

Die Abschaltung einer Plattform wie Mt. Gox aber hat eine andere Dimension. Sie zeigt, dass der gesamte Markt der Bitcoins noch nicht reif ist, dass sich eine Gemeinschaft von Nerds eben doch nicht selbst verwalten und sich eine eigene Währung geben kann. Sie zeigt, dass die durch Staaten regulierten Märkte viele Nachteile, aber eben auch gewisse Vorteile haben.

Was genau aber ist daran schlimm, wenn ein paar Leute einen Haufen Geld verlieren? Im Prinzip nichts, denn genau das geschieht in Deutschland jeden Tag. Und zwar mit viel seriöser klingenden Anlagen in Windenergie, Solaranlagen oder Schrottimmobilien. Und bei Bitcoins wie bei den Anlagen des grauen Kapitalmarkts hilft der Ruf nach einem allmächtig regulierenden Staat nicht weiter. Wesentlich wichtiger wäre es, dass Investoren ihren gesunden Menschenverstand einschalten, bevor sie Geld anlegen. Ob virtuelles oder echtes.

(Autor: Uwe Zimmer, CEO MERIDIO Vermögensverwaltung AG)

Gold hui, Kupfer pfui

Als besonders verlässliches Barometer für die Konjunktur gilt Kupfer. In der englischsprachigen Finanzwelt ist daher oft von "Dr. Copper" die Rede. Die Idee dahinter: Schwächelt die globale Ökonomie, fällt der Kupferpreis, erholt sie sich, gehen die Notierungen nach oben. Derzeit umgibt „Dr.Copper" eine eher negative Aura, da das Kupferangebot schneller wächst als die Nachfrage. Die weltweite Minenproduktion soll zudem 2014 um 8% steigen. Außerdem steigt die Recyclingquote bei Kupfer kontinuierlich, in Europa liegt der Wert bei knapp 45%. Negative Impulse können aufgrund möglicher Bremsspuren der chinesischen Baubranche hinzukommen. Positive Zeichen für den Kupferpreis kommen allerdings vom US-Immobilienmarkt. Solange die Häuserpreise in Amerika anziehen, kann dies Rückenwind für Kupfer bedeuten. Hierzu müssten allerdings die US-Konjunktur sowie der Immobilienmarkt positiv überraschen.

Anders sieht die Lage beim gelben Edelmetall aus. Laut einer Bloomberg-Umfrage unter Analysten geht die Mehrheit von einem steigenden Goldpreis in 2014 aus. Primärer Grund könnte die immer größere Gefahr eines Short-Squeeze beim Goldpreis sein. Im vierten Quartal 2013 vervierfachten sich die Shortvolumina von Hedgefonds und Großspekulanten. Ein kleiner Preisanstieg beim Gold kann viele Spekulanten veranlassen, ihre Short-Position zu schließen und damit eine kleine Goldhausse zu entfachen. Außerdem vollzog Gold vor kurzem einen „goldenen Schnitt", in dem die 200-Tage-Linie nach oben durchstoßen wurde.
Ein zweiter Grund spricht für steigende Notierungen des Edelmetalls. Die Nachfrageseite überragt derzeit die Goldminenproduktion deutlich. In 2013 konnte dieser Nachfrageüberhang von knapp 1.700 Tonnen nur durch Recycling und deutlichen Abflüsse aus ETFs kompensiert werden. Allein die starke chinesische Nachfrage nach Gold erreichte 2013 fast das Niveau der gesamten, weltweiten Produktion. Last but not least, die Welt und viele Investoren sind im Augenblick eher sorgenarm. Gold könnte beim kleinsten Aufflammen der Eurokrise oder bei einer deutlichen weltweiten Konjunkturabkühlung wieder als Krisenwährung interessant werden. Bei allem Optimismus für ein Goldinvestment dürfen die Argumente aus dem Gold-Bärenlager nicht einfach ignoriert werden. Solange die Notenbanken die Staaten mit einer expansiven Geldpolitik stützen und die Inflation auf erstaunlich niedrigem Niveau verharrt, ist die Attraktivität der Krisenwährung stark beschnitten. Außerdem sollte berücksichtigt werden, dass dem Bullenlager ein mächtiges Konsortium aus Banken, Notenbanken und Politik gegenüber steht, das kein Interesse an einem hohen Goldpreis hat.

Zusammenfassend kann man festhalten, dass die Großwetterlage bei Rohstoffen auch in 2014 bescheiden bleiben sollte, solange die Schwellenländer nicht wider Erwarten einen deutlichen Rebound hinlegen. Einzig Gold könnte sein Image dieses Jahr wieder aufpolieren und den alten Glanz des Edelmetalls als sicherer Hafen wiederherstellen.


(Autor: Guido vom Schemm, geschäftsführender Gesellschafter MERITO Asset Management GmbH)

Zielsicher im Zielkonflikt

Immer stärker macht sich jedoch ein bedauerlicher Trend bemerkbar: Viele Anlageberater bevorzugen aufgrund immenser Haftungsrisiken und Dokumentationsauflagen häufig nahezu risikolose, jedoch auch renditearme Produkte. Das kann nicht im Sinne der Beratungskunden sein. Hier geht der Anlegerschutz eindeutig in die falsche Richtung. Denn eines muss jedem klar sein: Die eierlegende Wollmilchsau ist ein Hybridwesen, das auch im Finanzbereich nicht existiert. Ein risikoloses, renditestarkes und zugleich ständig veräußerbares Finanzprodukt gibt es nicht.
Abhilfe lässt sich mit Hilfe von Streuung schaffen. Um die Risiken zu verteilen, abzusichern und dennoch eine positive Rendite zu erwirtschaften, braucht es verschiedene Finanzprodukte im eigenen Depot.
Wieviel Platz Zertifikate in einem ausgewogenen Depot eines mittel- bis langfristig orientierten Anlegers einnehmen sollten, das wollte der DDV in seiner aktuellen Online-Umfrage in Erfahrung bringen. Teilgenommen haben mehr als 3.100 Personen auf mehreren großen Finanzportalen.
Rund die Hälfte der Befragten hält einen Zertifikate-Anteil von mehr als 10 Prozent im Wertpapier-Depot für sinnvoll. Ein Viertel der Teilnehmer befürwortet einen Anteil zwischen 10 und 20 Prozent. Für jeden Zehnten enthält ein optimales Depot zwischen 20 und 30 Prozent Zertifikate und für 16 Prozent sogar mehr als 30 Prozent.

Eines zeigen die Ergebnisse deutlich: Zertifikate gehören nach Ansicht aufgeklärter Anleger in jedes erfolgreiche Depot. Gerade im derzeitigen Niedrigzinsumfeld brauchen Privatanleger für ihren langfristigen Vermögensaufbau Finanzprodukte mit überschaubaren Risiken und Renditen oberhalb der Inflationsrate.

(Autor: Lars Brandau, Geschäftsführer Deutscher Derivate Verband)

Das goldene Dividendenzeitalter

Im Prinzip hatten Anleger gar keine andere Wahl: Aufgrund der ultra-niedrigen Zinsen der amerikanischen Notenbank Fed mussten sie raus aus ihren Anleihen- und Geldmarktfonds und rein in den Aktienmarkt. Die Konsequenz: Der von 2009 bis 2012 deutlich unterbewertete, von Ängsten begleitete US-Aktienmarkt wird wieder zu fairen Bewertungen gehandelt. Und auch die Angst der Anleger scheint verschwunden. Ihr Risikoappetit ist zurück.
Wer in einem solchen Umfeld am US-Aktienmarkt solide Erträge erwirtschaften will, kann auf eine spezielle und dennoch einfache Strategie setzen: Dividenden. Wir glauben sogar, dass man den Großteil der Gewinne am US-Aktienmarkt in diesem Jahr mit eben diesen Titeln holen kann. Die Gründe sind schnell erklärt: Die Bilanzen amerikanischer Unternehmen sind nach wie vor die gesündesten, die wir seit einem Jahrzehnt gesehen haben. Hinzu kommt, dass seit 1990 rund ein Drittel des Gesamtertrags von US-Aktien Dividendentiteln zugeschrieben werden kann. Gleichzeitig ist das Auszahlungsverhältnis von Dividenden im S&P 500 im Vergleich zu anderen Indizes niedrig. 2012 lag es bei 32 Prozent. Beim britischen FTSE 100 waren es hingegen 69 Prozent, beim Dax 30 noch 50 Prozent. Und auch die Unternehmen in Amerika haben Dividendenzahlungen in den letzten Jahren wiederentdeckt – ein Trend, der sich halten sollte, bedeuten regelmäßige Dividenden doch auch Unterstützung für die Aktie. Das zeigt sich auch in den Gesprächen mit dem Management zahlreicher Unternehmen: eine Fortsetzung der steigenden Tendenz bei Dividenden

Damit jedoch nicht genug. Der amerikanische Markt bietet versierten Anlegern noch zwei weitere Zugangsmöglichkeiten zu regelmäßigen Erträgen über Dividenden. Die eine findet sich im US-Energiesektor. Dieser befindet sich aktuell in einer regelrechten Renaissance. Technologischer Fortschritt im Bereich horizontaler Bohrungen und dem so genannten Fracking ermöglicht nun auch Zugang zu unkonventionellen Schiefervorkommen. Das wiederum führt zu einem erheblichen Ausbau der Energieinfrastruktur in den kommenden Jahrzehnten. Die Nutznießer: Master Limited Partnerships (MLPs) – eine amerikanische Besonderheit im Energiesektor. Sie erfahren eine steuerliche Sonderbehandlung, geben dafür den Löwenanteil ihrer Gewinne an die Aktionäre ab. Anleger können über entsprechende Fonds partizipieren, die in die Managementgesellschaften der MLPs – die so genannten General Partners – investieren.
Die zweite Dividenden-Option sind amerikanische REITs. Mit der Erholung der US-Wirtschaft erholt sich auch der dortige Immobilienmarkt. REITs sind eine effiziente Methode, um Zugang zum elf Billiarden US-Dollar schweren kommerziellen amerikanischen Immobi-liensektor zu bekommen. Auch sie zahlen keine Steuern auf Unternehmensebene und geben dafür 90 Prozent des zu versteuernden Einkommens an ihre Aktionäre weiter. Neben dieser sehr auskömmlichen Einkommensquelle bieten REITs außerdem Inflationsschutz und nur eine geringe Korrelation zu anderen Assetklassen. Wer also über Investments jenseits des Atlantiks nachdenkt, sollte einen Blick auf das nun angebrochene goldene Zeitalter der Dividenden werfen. Chancen gibt es dort jede Menge.

(Autor: Hersh Cohen, Co-CIO der 100-prozentigen Legg Mason-Tochter ClearBridge Investments)

Biosimilars – ein attraktives Anlagefeld

Biosimiliars stehen vor Wachstumswelle

Biotech-Wirkstoffe haben mittlerweile ihren festen Platz in der modernen Medizin. Inzwischen sind acht der zehn umsatzstärksten Medikamente weltweit biotechnologischen Ursprungs. 2010 waren es nur fünf. Mit 98,7 Prozent liegt der Anteil patentgeschützter Biotech-Arzneien am weltweiten Biopharmazeutika-Markt dabei enorm hoch. Auf Biosimilars – Reproduktionen eines Originalbiotech-Wirkstoffs – entfallen bislang lediglich 0,6 Prozent. Das Segment bietet daher großes Potenzial. IMS Health, einer der weltweit führenden Anbieter von Informationen und Dienstleistungen für die Pharma- und Gesundheitsindustrie, geht vor diesem Hintergrund in ihrer Basisannahme von einem Umsatzwachstum auf 20 Mrd. USD bis zum Jahr 2020 aus. Aktuell liegt das Umsatzvolumen bei etwa 1,5 Mrd. USD, sodass der Biosimilars-Markt in den kommenden Jahren doppelstellig wachsen wird.

Hohe Biotechbewertungen stellen Investoren vor Herausforderungen

Natürlich werden Biotech-Medikamente auch weiterhin eine wichtige Rolle für die ursachenspezifische Behandlung von Krankheiten, wie z.B. Krebs, spielen. Jedoch sieht Adamant nach der jahrelangen Boomphase auch Risiken hinsichtlich der hohen Kursbewertungen einzelner Biotech-Akteure. Eine attraktive Alternative dazu bieten Biosimilars. Zu einer der weltweit führenden Biosimilars-Firmen zählt beispielsweise die koreanische Celltrion. Das Unternehmen erhielt als erster Anbieter die Vertriebszulassung für ein Biosimilars-Produkt auf dem europäischen Markt und bietet mit einer breit aufgestellten Biosimilar-Pipeline gute Chancen in die Zukunft hinein.

Neben Celltrion gibt es bislang aber nur wenige Firmen, die sich auf die Produktion von Biosimilars spezialisiert haben. Ähnlich wie generisch erzeugte Medikamentenkopien klassischer Pharma-Wirkstoffe bringen biotechnologische Nachahmerpräparate deutliches Einsparpotenzial mit sich, gegenüber dem Original liegt es bei bis zu 30 Prozent. Im Gegensatz zu vielen Generika ist die Biosimilars-Produktion allerdings sehr komplex. Dies liegt in der Struktur von Biopharmazeutika begründet, deren Proteine aus lebenden Zellen gewonnen werden. Daher ist ein Biosimilar dem Original auch nur ähnlich, es ist keine 100 Prozent identische Kopie, wie das bei Generika der Fall ist. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich ein Gros der biopharmazeutischen Unternehmen bis heute nicht mit diesem Bereich, sondern bleibt auf dem Kurs der Entwicklung patentgeschützter Biotech-Produkte im Erstanbieter-Markt.

Für Investoren wird es daher zunehmend wichtiger, ausreichend zu diversifizieren, sodass zwar die Chancen von Biotech-Unternehmen ausgeschöpft, mögliche Korrekturen aber ausgeglichen werden können. Adamant sieht die Zukunft daher in einem branchenübergreifenden Ansatz, der sowohl den Biotech-Sektor als auch Medizinaltechnik, Pharma, Generika, Gesundheitsdienstleistungen und eben auch Biosimilars berücksichtigt. Entsprechende Investmentlösungen bieten Anlegern vor diesem Hintergrund ein optimales Rendite-Risiko-Verhältnis für ein diversifiziertes Portfolio.

(Autor: Dr. Cyrill Zimmermann, CEO bei Adamant Biomedical Investments)
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Japan – das Land der aufgehenden Sonne?

Geldpolitisches Experiment

Nachdem Abe Ende 2012 ins Amt des Ministerpräsidenten gewählt wurde, startete er kurz darauf ein geldpolitisches Experiment mit dem Ziel, Japans Wirtschaft noch einmal auf die Beine zu stellen. Diese ultralockere Geldpolitik der japanischen Notenbank sorgt anhand der niedrigen Leitzinsen und der massiven Anleihenkäufen dafür, dass sich die Geldmenge des YENs drastisch erhöht. Sein Plan sieht vor, dass sich die Geldmenge von etwa 140 Billionen Yen im April 2013 bis Ende 2014 auf 270 Billionen Yen fast verdoppelt.
Zusätzlich soll die Konjunktur durch milliardenschwere Wachstumsprogramme in Kombination mit Strukturreformen in den Bereichen Arbeitsmarkt, Agrar- und Gesundheitssektor angekurbelt werden. Dieses aktive Eingreifen soll den Preisverfall stoppen, die Unternehmensgewinne steigern und die Löhne der japanischen Bevölkerung auf ein vernünftiges Niveau heben.

Das Zwischenfazit des vor zehn Monaten gestarteten Experiments ist positiv. Seither hat der Yen im Vergleich zum Euro und dem US-Dollar fast 30 Prozent an Wert verloren. Diese Währungsabwertung beschert den japanischen Unternehmen einen großen Vorteil, da diese ihre Produkte am Weltmarkt deutlich konkurrenzfähiger anbieten können. Dieser Währungstrumpf beflügelte auch Japans Börsen, so stieg der Nikkei im Jahr 2013 um 56 Prozent, der breiter gefasste Topix legte um 51 Prozent zu. Der jahrelange Preisverfall, welcher als Deflation bezeichnet wird, neigt sich dem Ende. So stiegen die Verbraucherpreise in den letzten Monaten an und liegen aktuell bei 1,6 Prozent. Bei aller Euphorie birgt dieses Experiment allerdings auch erhebliche Risiken.

Steigende Löhne sind die Grundvoraussetzung zum Erreichen der Ziele. Die Unternehmen müssen die gestiegenen Profite in Form von Lohnerhöhungen an die Mitarbeiter weitergeben, sodass diese die Preissteigerungen abfedern und den Binnenkonsum ankurbeln können. Bleiben diese Lohnerhöhungen aus, wäre ein wirtschaftlicher Rückschritt vorprogrammiert.
Zwar hat der schwache YEN den Export enorm beflügelt, verteuert aber den Import. Da Japan nach der Katastrophe in Fukushima alle Atomkraftwerke abschaltete, muss die Energie nahezu vollständig aus dem Ausland teuer eingekauft werden. Die demographische Lage in Japan ist besorgniserregend, da der Anteil der Alten im Vergleich zu anderen Industrienationen deutlich höher ist. Dies lässt die Nachfrage in vielen Bereichen sinken.
Die Staatsverschuldung hat mit 240 Prozent des Bruttoinlandsprodukts eine Rekordhöhe erreicht. Bleibt die wirtschaftliche Erholung aus und somit auch die Möglichkeit durch höhere Steuereinnahmen die Staatsschulden zu senken, könnte es bei der Refinanzierung schwierig werden. Grund hierfür ist die Schuldenstruktur des Landes, da etwa 95 Prozent der Staatsanleihen von japanischen Bürgern gehalten werden. Aufgrund des zunehmenden Alters und der Preissteigerungen wird die Bevölkerung aber darauf angewiesen sein, das Gesparte zum Decken der Lebenshaltungskosten auszugeben und somit nicht in Staatsanleihen zu reinvestieren. In diesem Zusammenhang sei aber erwähnt, dass Japan im Vergleich zu den europäischen Olivenstaaten den Vorteil hat, sich in seiner Landeswährung zu verschulden.

Fazit
Für chancenorientierte und global ausgerichtete Investoren bietet Japan auch nach dem starken Anstieg der Aktienkurse weiterhin Potential. Kursrückschläge können zum Kauf genutzt werden solange der Aufwärtstrend intakt ist. Jedoch sollten sich die Anleger gegen einen weiteren Verfall des Yens absichern. Es bleibt abzuwarten, ob die Sonne nach den Abenomics weiterhin über Japan scheint.

(Autor: Manuel Peiffer, Portfoliomanager bei der MERITO Asset Management GmbH)

Osteuropäische Anleihen: Stars zum Greifen nah

Positive Faktoren, wie die Verknüpfung mit den Produktionsketten westeuropäischer Industrieländer, ein erfolgreicher Reformprozess und ein verbesserter wirtschaftlicher Ausblick europaweit, läuten offensichtlich die Phase des Aufschwungs ein. Der Vorteil: In dieser frühen Phase ist die Erholung bei den Anleihen noch nicht eingepreist.
Die Finanzkrise, die 2007 in den USA ihren Anfang nahm und 2008 vorläufig in der Pleite der US-Großbank Lehman Brothers gipfelte, hat die aufstrebenden osteuropäischen Länder genau so getroffen wie den Rest der Welt – unvorbereitet. Selbst krisengebeutelt, wurden Ost- und Zentraleuropa anschließend in die Eurozonen-Krise hinein gezogen, die die ganze Region in Beschlag nahm. So war Ungarn 2008 das erste Land, das mit einem Milliardenkredit des Internationalen Währungsfonds gerettet werden musste, Lettland und Rumänien folgten. Heute geht es den Ländern Zentral- und Osteuropas relativ gut. Die ehemals relativ hohen Leistungsbilanz- und auch Fiskaldefizite konnten erfolgreich abgebaut werden. Beispiel Ungarn: Nach einer jahrelangen Schuldenpolitik, die ein großes Leistungsbilanz- und Fiskaldefizit mit sich brachte, ist Ungarn heute ein „twin surplus"-Land, mit Leistungsbilanzüberschuss und Primärüberschuss auf der fiskalen Seite.

Wechselwirkung mit westlichen Industrieländern

Ein großer Pluspunkt für das aufstrebende Osteuropa war, dass der Nachbar Deutschland als „Konjunktur-Lokomotive" funktionierte, nachdem es ihm selbst wieder besser ging. Heute sind Länder wie die Tschechische Republik, Ungarn oder Rumänien fest in die Produktionsketten, beispielsweise der deutschen Automobilbranche, eingebunden. Es ist messbar, dass es in erster Linie kleine, offene Volkswirtschaften sind, die eine sehr starke Korrelation zum deutschen Exportsektor haben, der gut und stabil läuft. So geht ein Großteil des seit 2010 wieder anziehenden Wachstums in Osteuropa auf das Konto der Exporte in die westlichen Staaten.

Klassiker der Emerging Markets outperformt

Überraschend war hierbei, wie positiv sich die osteuropäischen Anleihen gegenüber denen anderer Regionen entwickelt haben und auch, mit welchem Tempo. Asien oder Latein-Amerika wurden als „Stars" der Emerging Markets gefeiert. Die Aufmerksamkeit bei dieser Assetklasse lag immer auf Ländern, die weit weg waren, nicht bei denen vor der europäischen Haustür. Im vergangenen Jahr hat sich gezeigt, dass man nicht immer nur Erfolg hat, wenn man in die „Stars" investiert. Wenn man sich das letzte Jahr anschaut, hat Osteuropa andere Emerging Markets ganz klar outperformt.
Und es scheint, als sei das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Anfang 2012, als die Krise in Westeuropa auf ihrem Höhepunkt war, schien es nicht abwegig, dass Länder wie Italien oder Spanien eine Umschuldung vornehmen müssen. Ausgangspunkt waren also extrem niedrige Niveaus – im Nachhinein attraktive Niveaus für die Performance festverzinslicher Wertpapiere. Unserer Meinung nach sind Osteuropa-Anleihen aber immer noch nicht teuer, wenn man sich die Spreads verschiedener Länder anschaut. Bei ungarischen Staatsanleihen wird auf einer Fünfjahresbasis eine Ausfallwahrscheinlichkeit von 30 Prozent bei den Spreads eingepreist. Verglichen mit den makroökonomischen Daten, die wir sehen, ist das zu hoch. Daher sind die Papiere für uns immer noch attraktiv.

Rendite-Risiko-Profil punktet

Nach heutigem Kenntnisstand gehen wir davon aus, dass sich die Stabilisierung der aufstrebenden osteuropäischen Länder fortsetzen wird. Die Zeiten geringer Volatilität wie vor der Lehman-Krise werden zwar so schnell nicht wiederkehren. Der positive wirtschaftliche Ausblick, sowohl für die USA als auch für Europa in West und Ost, sollte Risikoassets wie osteuropäische Anleihen, ihren Währungen, ihren lokalen Zinsen jedoch sehr zugute kommen. Davon können Osteuropa-Anleihen-Fonds profitieren; denn ihre Risiko-Rendite-Profile sind im Vergleich zu den Performance-Perspektiven für Aktienfonds sehr attraktiv.


(Autor: Aristoteles Damianidis, Fondsmanager des UBS (Lux) Bond SICAV – Emerging Europe (EUR) P-acc)
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Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!

Doch aktuell scheint Keiner diesen Gaben Beachtung zu schenken. Die Volatilität an den Aktienmärkten ist gestiegen und fast täglich prägen Minuszeichen das Bild der Kursentwicklung.
Dabei hat sich das wirtschaftliche Umfeld nicht wirklich verändert. Die Konjunktur in Nordamerika und auch Europa wird in den Wintermonaten besser laufen, als bisher angenommen. Auch die Frühindikatoren vieler Industrieländern zeigen weiterhin ein positives Bild. Der vielbeachtete ifo-Geschäftsklimaindex in Deutschland stieg zuletzt deutlich an und seine Einzelkomponenten zeigen insgesamt ebenfalls ein positives Bild. Daten können nicht immer nur besser ausfallen als erwartet. Ab einem bestimmten Moment fallen die Prognosen der Analysten höher aus, um den Trend aufzunehmen. Dies konnte man zuletzt insbesondere in den USA beobachten. Einige (Früh)Indikatoren hatten enttäuscht und waren von zum Teil sehr hohen Werten zurückgekommen. Trotzdem spricht alles für ein gutes Wirtschaftswachstum.

Und die Emerging Markets? Bleiben weiterhin ein interessantes Investment! Das positive Wachstum in den Industrieländern wird auch die Entwicklungs- und Schwellenländer mit Zeitverzögerung erreichen. Jedoch wird es, ähnlich wie in den Industrieländern, Staaten mit mehr oder weniger starkem Wachstum geben. Durch das ultralockere Geld der Notenbanken in den Industrieländern wurde das Kapital auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten nicht immer richtig allokiert. Anpassungen sind daher nötig. Ferner haben einige Länder Fehler der Vergangenheit wiederholt:

• Finanzierung von Haushalts- und Leistungsdefiziten durch kurzfristige externe Gelder
• Keine wettbewerbsfähigen Produkte auf dem Weltmarkt
• Keine festen staatlichen Strukturen

Diese Anpassungsprozesse können kurzfristig durchaus Schmerzen verursachen. Entscheidend ist jedoch, die Chancen zu nutzen, aktive Selektion ist gefragt. Anlagen in Anlehnung an einem Index sind hier nicht die erste Wahl. Dies gilt für die Aktien, Anleihen und Währungen dieser Länder. Denn die Bedeutung in der Allokation von Anlegern ist gemessen an dem Wachstumspotential weiterhin zu niedrig. Das Geld wird wieder in die andere Richtung fließen, denn die kurzfristige Flucht in Qualität hat die Renditen von Staatsanleihen der USA und Deutschlands wieder deutlich fallen lassen.
Die Bewertung von Aktien in den Entwicklungs- und Schwellenländern war auch bisher schon im Vergleich zur Vergangenheit relativ günstig. Investoren werden die Entwicklung genau beobachten. Durch die Abwertung vieler Währungen wird damit zumindest kurzfristig ein Faktor für mehr internationale Wettbewerbsfähigkeit geschaffen.
Die größten Chancen ergeben sich für Anleger, wenn es nur noch negative Meldungen und Meinungen zu einer Anlage gibt. Denn:

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!


(Autor: Thomas Meyer, Country Head Germany PETERCAM S.A.)
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Droht eine nachhaltige Korrektur an den Aktienmärkten?

In der vergangenen Woche versammelten sich wieder Hunderte Entscheider aus Politik, Notenbanken und Wirtschaft auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Während einer Diskussionsrunde wurde Larry Summers – Harvard Professor, ehem. Präsidentenberater und Beinahe-Nachfolger von FED Chef Ben Bernanke – gefragt, was das größte Risiko für die Kapitalmärkte in 2014 sei. Seine Antwort kam ohne Zögern ‚macro-prudential complacency'. Hinter diesem komplexen Ausdruck verbirgt sich die Sorge, dass die scheinbare Kontrolle über globale wirtschaftliche Probleme zu einer Art Selbstgefälligkeit und Leichtfertigkeit der Verantwortlichen im Umgang mit Risiken und Herausforderungen führen könnte.
Gestern hat Argentinien überraschend die Bindung seiner Währung Peso an den US-Dollar gelöst. In der Folge kehrte die Unsicherheit an die scheinbar stabilen Kapitalmärkte zurück. Während in den letzten Monaten negative Nachrichten ignoriert wurden, erscheinen diese auf einmal in einem anderen Licht. Zweifel am Erfolg der Liquiditätspolitik der Notenbanken sind binnen weniger Stunden zurückgekehrt. Es stellt sich die Frage, ob die Aktienkurse nach knapp fünf Jahren Rallye der realen wirtschaftlichen Situation zu weit vorweggelaufen sind. Die Anforderungen der Marktteilnehmer an die Berichtssaison der Unternehmen werden daher steigen – Unternehmensergebnisse zunehmend skeptischer beurteilt werden.

Bestimmungsfaktoren für die Einschätzung der Aktienmärkte

Volkswirtschaft: Positiv

- Die US-Wirtschaft zeigt Tendenzen eines selbsttragenden Wachstums. Die Wohlstandseffekte aus Aktien- und Immobilienmarkt tragen dazu bei. Eine Verschiebung des Haushaltsstreits und sinkende Energiekosten sind signifikante Vorteile.
- Die chinesische Wirtschaft wächst zwar langsamer, eine befürchtete harte Landung ist jedoch abgewendet. Der Transmissionsprozess von einer Exportnation zu einer mehr binnenorientierten Wirtschaft birgt Risiken, aber auch große Chancen.
- Die japanische Politik trägt erste Früchte im Kampf gegen die Deflation.
- Die Eurozone zeigt erste Lichtblicke in der Peripherie und stabilisiert sich auf niedrigem Niveau. Dennoch sorgt vereinzelter Reformunwille für Unsicherheit – Wachstumsprogramme sind nach der Wahl in Deutschland wahrscheinlicher.

Fundamental: Neutral
- Auf Basis historischer Vergleichsdaten sind Aktien nicht mehr günstig sondern fair bewertet. Nach einer langen Aufwärtsbewegung tendieren Märkte jedoch zum ‚Über-schießen', dass heißt weitere Anstiege in die Überbewertung hinein sind wahrscheinlich.
- Im Zuge der Finanzkrise resultieren Unternehmensgewinne oft aus Kosteneinsparungsprozessen und Schuldenabbau. Nachhaltiges Gewinnwachstum setzt jedoch auch Umsatzsteigerungen zumindest perspektivisch voraus. Der Berichtssaison der Unternehmen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.
- Im Jahr 2013 stiegen die Aktienkurse stärker als die Gewinne (Multiple-Expansion). Weiter steigende Kurse setzen daher steigende Gewinne oder eine Höherbewertung z.B. durch Umschichtungen in Aktien voraus.

Technisch: Neutral
- Die Charttechnik deutet zwar auf einen positiven Trend, die jüngste Korrektur bedeutet jedoch vereinzelt eine Neueinschätzung.
- Die Markttechnik auf Basis des Verhaltens der Investoren deutet auf weitere Umschichtungen zugunsten risikobehafteter Anlagen (Risk-On), eine Ausweitung der jüngsten Korrektur könnte dem jedoch entgegenlaufen (Risk-Off).
- Der wachsende Anteil des Computerhandels am Börsenumsatzvolumen basiert weitgehend auf Algorithmen, die technischen Indikatoren folgen.

Sentiment: Negativ
- Umfragen unter Investoren deuten auf eine ‚überkaufte' Situation
- Die Insiderindizes deuten an, dass Unternehmensorgane eigene Aktien tendenziell verkaufen. Dies deutet in der Regel darauf hin, dass Unternehmenslenker die eigenen Papiere für überbewertet halten.
- Die aktuelle Schockreaktion der Märkte auf die argentinischen Nachrichten lässt erahnen, dass die Marktlage weit weniger stabil ist, als die meisten Marktkommentatoren geglaubt haben.

Politik: Neutral
- Geopolitische Risiken sind kaum zu bewerten.
- Die Finanzkrise hat unter handelnden Regierungen einen breiten Konsens begründet – Protektionismus wurde abgewendet.
- Gleichzeitig begründet die Liquiditätspolitik der Notenbanken aber die Gefahr nachlassender Reformbereitschaft.

In der Summe aller Faktoren scheinen die Aktienmärkte fair bewertet. Falls die kommenden Unternehmensdaten aus den USA auf eine positive Entwicklung deuten, könnten an der Seitenlinie geparkte Anlagegelder schnell an die Aktienmärkte zurückkehren. Allerdings ist schwer zu bestimmen, wie sich die in Folge der Korrektur schlechter aussehenden technischen Indikatoren auf die Handelsalgorithmen auswirken. Die Analyse des Anlageverhaltens insbesondere in den Schwellenländern zeigt, dass hier ohne jede Differenzierung agiert wird. Insofern könnte die aktuelle Korrektur noch etwas andauern, bietet aber ab etwa zehn Prozent ein langfristig interessantes Einstiegsniveau bei selektiven Anlagen.


(Autor: Thomas Böckelmann, Geschäftsführer, VEITSBERG Gesellschaft für Vermögensbetreuung mbH)

Wahrscheinlich unwahrscheinlich

Beispielsweise dann, wenn es darum geht, das Auftreten seltener, aber einprägsamer Ereignisse wie Naturkatastrophen aber auch Börsencrashs einzuordnen. Hier kommt es häufig zur sogenannten Wahrscheinlichkeitsvernachlässigung. Die Angst vor den Konsequenzen eines bedrohenden Ereignisses bzw. dessen drastischen Bilder aus der Vergangenheit führen dazu, ihre Eintrittswahrscheinlichkeit vielfach zu überschätzen.

Im Bereich der Zertifikate bleibt die Lehman-Pleite im Jahr 2008 unvergessen. Das Risiko der Insolvenz eines weiteren Emittenten wird daher nach wie vor von einigen Anlegern als zu groß eingeschätzt. Manche sind gar so verschreckt, dass sie Zertifikaten bis auf weiteres ganz abgeschworen haben. Und obwohl ein solcher Insolvenzfall kein weiteres Mal vorgekommen ist, haben Anleger bis heute das sogenannte Emittenten-Risiko im Auge.
So hält jeder dritte Privatanleger eine gute Bonität des Emittenten beim Zertifikate-Kauf für besonders wichtig. Das zeigt die aktuelle Online-Umfrage des Deutschen Derivate Verbands, an der sich gut 3.000 Personen beteiligt haben.

Nur, damit es keine Missverständnisse gibt: Wer auf das Emittenten-Risiko achtet, der macht als Anleger überhaupt nichts falsch. Nur sollte dies beim Kauf eines Zertifikates ganz sicher nicht als einziges Kriterium betrachtet werden. Ebenso müssen Anleger eine ganze Reihe weiterer Faktoren berücksichtigen.
Wer sich also rational informiert, der verhindert auch in der Geldanlage die Wahrscheinlichkeitsvernachlässigung und damit, dass verhältnismäßig kleine Risiken entweder komplett ignoriert oder aber maßlos überschätzt werden. Für Zertifikate gilt: Sie ermöglichen an den aktuell steigenden Aktienmärkten teilzuhaben und mit einem überschaubaren Risiko Renditen oberhalb der Inflationsrate zu erzielen.


(Autor: Lars Brandau, Geschäftsführer Deutscher Derivate Verband (DDV)