Prognosen für 2015: Wer bietet mehr?

Prognosen sind schwierig. Wie schwierig sie sind, das zeigen alljährlich die Vergleiche von Vorhersagen und tatsächlichen Werten. Für die US-Wirtschaft sagten Ökonomen voraus, dass durchschnittlich 200.000 neue Stellen pro Monat geschaffen werden. Tatsächlich waren es 241.000. Beim Ölpreis lagen die Prognosen noch weiter daneben. Hier wurde mit knapp 95 US-Dollar pro Barrel Ende 2014 gerechnet. Tatsächlich waren es am Ende nur 53 US-Dollar.
Wer denkt, dass das Über- oder Unterschätzen eines Wertes um 20 oder 40 Prozent etwas Außergewöhnliches ist, der wird enttäuscht. Bei der Arbeitslosenrate lag die Abweichung bei lediglich zehn Prozent. Bei Inflation und der Rendite zehnjähriger US-Anleihen wurden die Jahresendwerte um 30 und 37 Prozent überschätzt. Hört man also für 2015 einen bestimmten Wert, zum Beispiel eine Inflationsrate von zwei Prozent, dann liegt sie höchstwahrscheinlich nicht bei zwei Prozent, sondern 40 Prozent darüber oder darunter.

Die Konsensmeinung für 2015 geht für die USA von weiterem Wachstum aus. Die ganze Welt ist euphorisiert vom Wachstum der Amerikaner. 2014 lag es bei „nur" 2,4 Prozent, weil das erste Quartal noch negativ war. Die darauffolgenden Quartale war das Wachstum schon fast gespenstisch hoch mit einer Jahresrate von vier Prozent und mehr. Nun gehen viele davon aus, dass sich das so fortsetzt oder gar noch beschleunigt. Der Beginn der laufenden Quartalsberichterstattung zeigt bisher jedoch ein eher gemischtes Bild.

Doch die sogenannten Experten haben dazugelernt. Natürlich ist es immer schwierig, mit einer einzigen Prognose eine Punktlandung zu erreichen. Deshalb behilft man sich mit Szenarien unterschiedlicher Konjunkturentwicklung, denen man wiederum Eintrittswahrscheinlichkeiten zuordnet. Hierdurch kann man seine Präferenz ausdrücken, sieht aber nicht mehr ganz so schlecht aus, wenn wider Erwarten doch das zunächst am unwahrscheinlichsten gehaltene Szenario eintritt.
Letztlich produziert dies aber nur wieder zusätzliche Fehlerprognosen, denn für welches Szenario man sich entscheidet, liegt wiederum im Ermessensspielraum des Betrachters, und ob die dann definierten Erwartungswerte bei dem jeweiligen Szenario tatsächlich eintreten, mag ebenfalls dahingestellt sein. Würfeln ist wahrscheinlich genauso gut

Agieren Sie am besten prognosefrei! Der amerikanische Investmentmanager Michael O´Higgins hat ein Anlagekonzept entwickelt, das nach einer bestimmten Methodik unterschiedliche Anlageklassen (Aktien, Renten, Edelmetalle) miteinander kombiniert und – trotz des einfach gestrickten Konzepts - über Jahre hinweg erstaunlich gute Renditen liefert.

(Autor: Dr. Marc-Oliver Lux von Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG)

Boom ohne Ende – Immobilien sind das Investment

Bei einer Rendite von unter 0,5% für zehnjährige Bundesanleihen haben auch die ängstlichsten Investoren keine andere Wahl als dem Rentenmarkt den Rücken zu kehren und nach Alternativen Ausschau zu halten. Da sind Immobilieninvestitionen die erste Wahl. Das Ganze wird durch die niedrigen Zinsen noch verstärkt. Die Banken haben mittlerweile die Ängste aus der Finanzkrise überwunden und sind gerade bei Investitionen in Wohnimmobilien, die in deren Augen als die sicherste Immobilieninvestition gelten, sehr zugänglich für neue Kredite.

Allerdings sinken auf Grund der hohen Nachfrage die Miet-Renditen in den Top-Standorten bis auf teilweise unter 3% p.a. Jetzt kommen die 1-B-Lagen in den Top-Standorten dran und auch hier gibt es nur eine Richtung für die Preisentwicklung: Rauf! Daneben richtet sich der Focus vor allem auf die B-Städte und Mittelzentren wie Lüneburg, Tübingen, Wolfsburg oder Regensburg. Auch das Umland der Süddeutschen Topstandorte wie Stuttgart, Nürnberg oder München gelten als stabile und noch renditestarke Alternativen. Gekauft wird überall dort, wo es einen S-Bahn-Anschluss direkt in die City gibt.

Ein besonderes Augenmerk haben Investoren auf kleine und kleinste Wohnen. Die 1- und 2-Zimmerwohnungen bzw. Apartments gelten als sehr renditeträchtige Anlage. Die demografische und soziografische Entwicklung spielt genau in die Hände dieser Investoren. In diesem Segment wird ein jährliches Wachstum von 9% bis zum Jahr 2025 prognostiziert. Dem steht kein adäquates Angebot gegenüber. Die von EY erstellte Studie zeigt aber noch mehr Veränderungen im Wohnungsmarkt. Der Zuzug in die Städte hält an und nimmt sogar noch zu. Zu Zeit leben 50% der Weltbevölkerung in Städten – mit zunehmender Tendenz. Der Trend aus den 70er und 80 Jahren „Raus aufs Land" ist vorbei und hat sich genau ins Gegenteil umgekehrt. Dabei kommt auch in Deutschland die Lust am Wohnhochhaus so langsam wieder in Gang. Noch in diesem Jahr wird im Frankfurter Europaviertel der Grundstein für das höchste Wohnhaus Deutschlands mit 160m und 340 Wohnungen gelegt werden.

(Autor: Hans J. Bär, CEO Financial Solutions St. Gallen AG)
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Die psychologische Bedeutung regelmäßiger Erträge

So wie das Leben dem Prinzip der Evolution folgt, um sich an das gegebene Umfeld anzupassen, müssen sich auch Geldanlagen – und Sparer – der Situation an den Finanzmärkten anpassen.

Und die hat sich in den vergangenen Jahren rapide verändert. Viele der in Deutschland traditionell beliebten Anlageformen wie Sparbuch oder Festgeld bergen heute das Risiko, negative Realrenditen abzuwerfen. Dennoch lassen sich viele Anleger noch immer von der typischen Sparermentalität leiten und entscheiden sich für einen der unrentablen Klassiker.

Wer als Berater seine Kunden davor bewahren und eine gute Alternative empfehlen möchte, sollte zuerst ergründen, worin die Anziehungskraft dieser beliebten Sparformen beruht. Der Schlüssel ist – neben dem geringen Risiko – die Regelmäßigkeit sichtbarer Erträge. Sie lösen psychologisch genau das ein, was sich viele Anleger von ihrer Geldanlage wünschen: Nachvollziehbarkeit und Erfolgskontrolle. Schwarz auf Weiß können sie die Höhe der regelmäßigen Erträge in ihren Kontounterlagen ablesen. Der Blick auf den Kontoauszug wird so zur direkten Belohnung des Sparers für seine Disziplin und seinen Konsumverzicht.

Diesen psychologischen Effekt können Berater im Kundengespräch einsetzen, um Sparer zu Anlegern zu machen. Denn auch Zinserträge von Anleihen oder Aktiendividenden können als Ausschüttungen auf das Konto des Anlegers gehen und so sichtbar werden. Regelmäßige Erträge sind damit die Antwort auf eine grundlegende Haltung vieler Menschen in Deutschland zu Investmentfragen: Sie befriedigen ihr Kontrollbedürfnis.
Attraktive Erträge finden sich heute bei Unternehmensanleihen, Hochzinsanleihen oder Schwellenländeranleihen. Aber auch bei Aktien, die sich durch langjährige, konstante oder womöglich sogar steigende Dividendenzahlungen auszeichnen.

Wie immer lautet dabei die Frage: Welchen Risikoappetit hat der Anleger? Um unterschiedlichsten Risikoprofilen gerecht zu werden, bietet Fidelity Beratern eine komplette Produktfamilie von ertragsorientierten Fonds mit einfach verständlichen deutschen Fondsnamen.

(Autor: Martin Stenger, Leiter Vertrieb für unabhängige Finanzberater und Versicherungen bei Fidelity Worldwide Investment in Deutschland)
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Europäische Nebenwerte – klein und fein

Setzt man den Firmenwert in Relation zu den für dieses Jahr erwarteten Gewinnen vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen, weisen Small Caps einen Multiplikator von 6,5 auf. Bei den höher kapitalisierten Blue Chips beträgt die Kennziffer im Schnitt 7,5. Diese Kennzahl gibt den Unternehmenswert als operative Ertragskraft an. Je niedriger der Wert, desto besser. Da bei den Nebenwerten im kommenden Jahr zugleich ein schnelleres Wachstum zu erwarten ist, sind sie aktuell attraktiver. Und das gilt auch für das Kurs-Gewinn-Verhältnis.

Dieses dynamische Wachstum der Small Caps ist durch ihre Flexibilität begründet: Wenn es darum geht, wachstumsstarke Zukunftsmärkte zu besetzen, gelten kleinere Firmen als Schnellboote. Sie sind wendiger und schneller als mächtige, aber oft träge Tanker, mit denen häufig große Konzerne verglichen werden. Das daraus resultierende rasantere Wachstum bei den kleinen Unternehmen spiegelt sich dann auch stärker im Ergebnis wider.

Das macht Small Caps für große Konzerne zudem zu attraktiven Übernahmekandidaten. Die Chancen dafür ergeben sich aus dem gegenwärtigen niedrigen organischen Wachstum der Large Caps. Dazu kommt, dass viele Konzerne über starke Unternehmensbilanzen mit hohen Cash-Quoten verfügen. Dies alles dürfte dafür sorgen, dass die Übernahmeaktivität am Markt anhält und die Anzahl der ‚Dealsʼ auch 2015 nicht schrumpfen wird. Im Fokus der Käufer sind dabei wohl kleine und mittelgroße Firmen mit einem interessanten Produktportfolio.

Wachstum von über 3 Prozent

Zwar besteht in der konjunkturellen Entwicklung ein Risiko für ein Nebenwerte-Comeback. Jedoch ist eher eine Fortsetzung der langsamen Erholung der Weltwirtschaft mit über drei Prozent Wachstum für 2015 zu erwarten. Während von den Schwellenländern jedoch eher begrenzte Impulse ausgehen dürften, wird der Hauptbeitrag dabei von den entwickelten Volkswirtschaften und hier insbesondere von den USA kommen. In Europa liegt zugleich wohl das größte Aufholpotenzial. Es ist aber unsicher, ob dieses tatsächlich genutzt wird.

Eine mögliche Zinswende in den USA stellt nach derzeitiger Lage kein Risiko für Small Caps dar. Denn die Mehrheit der an einer Börse gelisteten Nebenwerte ist heute finanziell viel robuster aufgestellt als in den neunziger Jahren. Zudem haben diese Firmen direkten Zugriff auf die Kreditmärkte. Aus diesem Grund würden Small-Cap-Investments auch bei einer Zinswende keine relativen Nachteile gegenüber Large Caps bringen. Dennoch gilt es gerade bei Small Caps sehr genau hinzusehen. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Titeln sind groß. Anleger müssen hier sowohl die Unternehmensbilanzen als auch die Qualität des Managements oder des Geschäftsmodells genau analysieren. Gerade in diesem Anlagesegment kann es deshalb sinnvoll sein, auf einen aktiv gemanagten Fonds zu setzen.

(Autor:
Thomas Angermann, Fondsmanager des UBS (Lux) Equity SICAV - Small Caps Europe)
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Sachwerte – Solide und stabile Erträge sichern

Nichts deutet derzeit darauf hin, dass die Zinsen in der Eurozone in absehbarer Zeit wieder steigen werden. Vielmehr gilt als ausgemacht, dass die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik im Jahresverlauf noch weiter lockern wird, indem sie massiv Staatsanleihen kauft. Für Anleger, die auf klassische Zinspapiere setzen, ist in diesem Umfeld schon der bloße Kapitalerhalt eine Herausforderung. Stabile und planbare Erträge, die viele institutionelle Investoren und Privatanleger dringend brauchen, lassen sich an den etablierten Rentenmärkten bis auf weiteres nicht erwirtschaften.

Sachwerte spielen in dieser Situation eine ihrer Stärken aus. Investoren erhalten stabile, gut kalkulierbare Einnahmen aus Vermietung, Verpachtung oder Nutzungsgebühren, die regelmäßig deutlich über dem Zinsniveau und der Inflation liegen. Ein weiterer Vorteil von Sachwerten gegenüber anderen einkommensorientierten Anlagestrategien wie etwa einem Fokus auf Dividendenaktien oder Hochzinsanleihen besteht in ihrer vergleichsweise geringen Korrelation zu klassischen Anlageklassen.
Der Inbegriff des Sachwerts ist für viele Anleger bis heute die Immobilie. Angesichts des großen Interesses und der damit deutlich unter Druck geratenen Renditen suchen Investoren indes zunehmend nach alternativen Investments, die auch heute noch attraktive Erträge liefern.
Fündig werden sie dabei unter anderem bei der Finanzierung von Flugzeugen. Immer häufiger investieren große institutionelle Investoren wie Staatsfonds, Pensionskassen und Private-Equity-Fonds in Fluggeräte. Auch deutsche Anbieter haben sich etabliert und bieten qualifizierten Privatanlegern und institutionellen Investoren Zugang über Alternative Investmentfonds (AIF) und andere speziell für institutionelle Investoren entwickelte Vehikel. Unter den Beteiligungsmodellen haben Flugzeugfonds längst einen festen Platz. Sie gelten als solide, einer Studie zufolge liefern die Produkte fast ausnahmslos äußerst stabile wirtschaftliche Ergebnisse – im Mittel liegen die Erträge zwischen 5,5 Prozent – 6,5 Prozent. Dabei werden die Prognosen weitestgehend eingehalten oder übertroffen.
Das liegt nicht zuletzt an ihrer vergleichsweise defensiven Natur: Grundsätzlich hat sich am Markt die Form des so genannten Operative Leasing durchgesetzt. Das heißt, die leasende Fluggesellschaft übernimmt alle laufenden Betriebs- und Wartungskosten inklusive der gesetzlich vorgeschriebenen Checks, trägt das Risiko unvorhergesehener Ausfälle und versichert die Maschinen.

Zudem profitieren die Produkte vom steten Wachstum des Flugverkehrs: Trotz Wirtschaftskrisen und anderer externer Schocks ist die Zahl der geflogenen Personenkilometer nur in drei der vergangenen 40 Jahre zurückgegangen; in den kommenden 20 Jahren soll sie im Schnitt um fünf Prozent jährlich wachsen.
Für solide konzipierte Flugzeugfonds mit einer verlässlichen Fluggesellschaft als Partner und einem modernen, marktgängigen Flugzeug spricht daher auch 2015 viel.

(Autor: Anselm Gehling, Geschäftsführer Dr. Peters Group)
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Griechischer Salat

Das Land benötigt eine handlungsfähige Regierung bis Ende Februar, sonst bleiben wichtige Zahlungen von IWF und europäischem Rettungsfonds aus, die für die Finanzierung der Schulden benötigt werden.
Allein im März müssen 22,5 Mrd. Euro aufgebracht werden. Sollte die Regierungsbildung scheitern, dürften auch am Kapitalmarkt kaum mehr Geldgeber zu finden sein. Kommt die Linkspartei zum Zug, kommt ein Euro-Austritt auf den Tisch. Zwar scheint dies unwahrscheinlich, denkbar ist es jedoch. Die Rückkehr zur eigenen Währung mit nachfolgender Abwertung wäre eine Entlastung für die griechische Wirtschaft, aber würde die Euro-Schulden unbezahlbar machen.

Eine brisante Situation, denn können die Griechen ihre Schulden nicht mehr bedienen, sieht es düster aus für die europäischen Geberländer. Indirekt werden diese über IWF, europäischen Rettungsfonds und die Target II Salden belastet. Allein Deutschland trägt ein Risiko von fast 90 Milliarden Euro. Ob die schwächelnde Wirtschaft der übrigen Euro-Länder ausreicht, um die zusätzliche Last zu schultern, ist höchst fraglich. Zwar sind die Belastungen geringer als noch 2011, doch die Lücke muss finanziert werden. Ob über Sparmaßnahmen oder doch Zwangsabgaben der Bevölkerung - so wie es Spanien im letzten Jahr bereits getestet hat? Der Aufschrei in der Bevölkerung wird in jedem Fall groß sein und birgt politischen sowie gesellschaftlichen Zündstoff.

Dass es tatsächlich zu einem Default Griechenlands kommt, ist nicht ausgeschlossen. Und durch die in 2013 eingeführten CAC-Klauseln bei Staatsanleihen kann eine Umschuldung mittlerweile schneller über die Bühne gehen. Achillesferse sind nach wie vor die Banken. Allein in Deutschland stehen noch Kredite in Höhe von 23 Milliarden Euro aus. Die Konsequenzen eines erneuten Vertrauensverlusts und eines Bankenruns sind hinlänglich bekannt. Das Geldsystem brächte sich selbst aus dem Gleichgewicht und machte die letztjährigen Bemühungen von Politik und EZB zunichte. Wieviel Pulver steht im Zweifelsfall noch zur Verfügung?

Angesichts bereits unter Null liegenden Zinsen ist das Eis dünn. Daher ist es geradezu erstaunlich, wie ruhig die Aktienmärkte sich während der gescheiternden Wahlgänge Ende Dezember verhalten haben. Vielleicht dämmert den Euro-Anlegern, dass die Alternative schwankender Aktienkurse allemal besser ist, als die eines irreversiblen Kapitalschnitts.

(Autorin: Susanne Woda, Portfoliomanagerin bei GVS Financial Solutions)
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Hongkong und China – eine komplizierte Beziehung

Doch damit waren die Aktivisten, überwiegend Studenten, so gar nicht einverstanden. „Revolution", bei diesem Wort schwingt ein aggressiver Unterton mit und der ist absolut nicht im Sinne der Demonstranten, denn Provokation der Regierung in Peking ist nicht ihr Ziel. „Polite Movement" – freundliche Bewegung, war da schon eher im Sinne der Studenten. Und dieser Name beschreibt das Verhalten auf der Straße tatsächlich besser. Zeichnen sich die Proteste doch durch ausgesprochene Höflichkeit gegenüber unbeteiligten Passanten und Polizisten aus. Selbst der von den Demonstranten verursachte Müll wird von ihnen nach den Protesten wieder beseitigt.

Worum geht es?

In der „Sino-British Joint Declaration" von 1984 wurde gemäß Deng Xiaopings Prinzip „Ein Land, zwei Systeme" zwischen der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien und China vereinbart, dass Hongkong nach der Rückgabe an China weitgehende Autonomierechte besitzen sollte. Als die Rückgabe 1997 vertragsgemäß erfolgte, wurden den Bürgern für 2017 freie Wahlen in Aussicht gestellt. Selbst unter britischer Herrschaft war Hongkong dies immer verwehrt geblieben.
Seither bestimmen Wahlkomitees, bestehend aus pekingtreuen Geschäftsleuten den Verwaltungschef. Zwar können die Bürger die Kandidaten der Wahlkomitees frei wählen, allerdings müssen die Kandidaten von Peking bestätigt sein. Freie Wahlen sind das folglich nicht.
Den Demonstranten geht es darum, den Bestätigungsvorbehalt Pekings für die Wahlkandidaten zu beseitigen. Dass aber wäre für Peking ein wahrhaft revolutionärer Vorgang und entsprechend ablehnend verhalten sich Staats- und Parteichef Xi Jingping und das Zentralkomitee der kommunistischen Partei Chinas.

Hongkongs Gesellschaft ist gespalten

Die Demokratiebewegung kann nicht auf die uneingeschränkte Unterstützung der Bevölkerung für ihre Forderungen bauen. Immer wieder kommt es zu Gegendemonstrationen. „Warum bringt ihr Unruhe nach Hongkong?", fragen die, denen mehr an einem reibungslosen Fortgang der Geschäfte gelegen ist, als an umfassenden Demokratierechten. Unterstützung erhalten die Demonstranten jedoch dann, wenn die Polizei zu brutal gegen sie vorgeht.
Hier zeigt sich eine Grundströmung asiatischer Gesellschaften: Ruhe, Ordnung und Harmonie haben einen hohen Stellenwert. Massenhaftes revolutionäres Potential entfaltet sich da nur langsam, wenn überhaupt. In Hongkong kommt hinzu, dass große Teile der Gesellschaft sich sehr gut mit dem Status Quo arrangiert haben. Auf Hongkong Island, Kowloon und den vorgelagerten Inseln wird sehr viel Geld verdient und sehr viel Geld ausgegeben. In diesem Punkt sind die Hongkonger wirklich frei. Und vielen, nicht zuletzt den zahlreichen chinesischen Neubürgern, die nach 1997 in die Sonderverwaltungszone gekommen sind, reicht das vollkommen.

Boomtown Hongkong

Hongkong ist vor allem als Hafenstadt und Freihandelszone von Bedeutung, zwischen Shanghai und Vietnam besitzt Hongkong die am besten ausgebauten Hafenanlagen. Aufgrund der geringen Zölle werden hier gigantische Frachtmengen umgeschlagen. Auch China nutzt die gute Infrastruktur zur Belebung seiner Außenwirtschaft. Der Stadtstaat selbst verfügt kaum über eigene Industrie, nur 6,9 Prozent des BIP werden in diesem Sektor verdient. Die Massen an Textilien, Uhren, Spielwaren, Computern und elektronischen Bauteilen, die über Hongkongs Häfen den Weltmarkt erreichen, stammen vorwiegend aus festlandchinesischer Fertigung. Als Tor zur Welt für chinesische Waren ist Hongkong daher für Chinas Wirtschaft von großer Bedeutung. Während die Pro-Kopf-Handelsumsätze in Festlandchina bei 2.853 US-Dollar liegen, betragen sie in Hongkong sagenhafte 146.092 US-Dollar.
In Hongkong selbst erstreckt sich die Wertschöpfung fast ausschließlich auf den Dienstleistungssektor und die Finanzindustrie. Die meisten festlandchinesischen Superreichen, nicht selten ehemalige Parteikader, leben in der Finanzmetropole und genießen die geringen Einkommenssteuersätze. Kapitalerträge werden in dem Stadtstaat überhaupt nicht besteuert. 2012 lebten in Hongkong rund 114.000 Millionäre.
Das BIP pro Kopf in der Volksrepubik China liegt bei 6.747 US-Dollar, in Hongkong sind es 37.800 US-Dollar. Kaufkraftbereinigt überflügelt Hongkong mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 49.000 US-Dollar das Einkommensniveau Deutschlands (38.000 US-Dollar) bei Weitem.
Doch die statistischen Mittelwerte werden in Hongkong von den Superreichen stark verfälscht. Die Armutsquote im Stadtstaat ist mit fast 20 Prozent vergleichsweise hoch. Wer nicht in der Finanzbranche oder vielleicht noch im Tourismus tätig ist, hat es schwer, ein Auskommen zu finden. Außer für Hausangestellte existiert kein Mindestlohn, staatliche Sozialversicherungen sind unbekannt, die Preise für Immobilien und Mieten sind exorbitant hoch. Hunderttausende Hongkonger leben als sogenannte Cage-People in käfigartigen Verschlägen für Monatsmieten zwischen 150 und 200 US-Dollar.

Soziale Frage birgt Sprengstoff

Vom Wall Street Journal wurde Hongkong im Januar zum sechzehnten Mal in Folge zur freiesten Ökonomie der Welt gewählt. Doch diese Freiheit birgt Gefahren, auch für Peking. Hongkong gilt als eine der teuersten Städte der Welt, die Lebenshaltungskosten drängen immer mehr Menschen an den gesellschaftlichen Rand. Viele Hongkonger mussten in den vergangenen Jahren aus dem Stadtzentrum ziehen, nicht wenige haben die Stadt aus Kostengründen bereits ganz verlassen. Es wird für den Machterhalt der Kommunistischen Partei in Peking mittel- und langfristig darauf ankommen, die Einkommensverteilung in der Boomtown sozialverträglich zu gestalten und möglichst große Bevölkerungsteile am wachsenden Wohlstand teilhaben zu lassen.
Diese Lösung dieses Problems wird entscheidend sein, wichtiger vermutlich noch als die Forderung intellektueller Kreise nach mehr Demokratie. In der Frage der Verteilungsgerechtigkeit steht die kommunistische Partei Chinas in Hongkong vor der gleichen großen Aufgabe wie in Festlandchina.

(Autor: Dr. Ekkehard J. Wiek, Vermögensverwalter und Asien-Fondsmanager, Straits Invest Pte Ltd in Singapur)
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Sensible Dokumente sicher transportieren

Obwohl von Kontobewegungen bis Kreditvergabe auch im Privatkundensektor viele Bankgeschäfte online laufen, sind und bleiben Verträge auf Papier die Grundlage des Geldverkehrs. Umso wichtiger ist es, diese sensiblen Dokumente und Unterlagen schnell, zuverlässig und dabei zugleich kostengünstig zu transportieren. Insbesondere bei Überweisungsträgern ist eine zeitnahe Zustellung zwingend, denn viele Banken versprechen in ihren AGB eine schnelle Bearbeitungszeit – was im Übrigen auch das Gesetz verlangt.
Der deutsche Zweig einer weltweit tätigen Universalbank vertraut seine Dokumente und Daten TNT an. Der Expressdienstleister hatte sich durch einen zu Beginn der Zusammenarbeit eher kleinen Auftrag profiliert: Anfang 2012 hatte TNT in Neuss die Verbraucherbank-Sparte des Unternehmens als neuen Kunden gewonnen. Die Neusser lieferten täglich Dokumente von fast 170 Abholstellen in die niederrheinische Zentrale der Bank. Aufgrund der reibungslosen Abwicklung wurde TNT auch mit der Zustellung der Filialpost der gesamten Deutschlandtochter betraut: Datenmaterial, Überweisungsträger und weitere sensible Dokumente.
Das Bankhaus war zu diesem Zeitpunkt unzufrieden mit den Leistungen des bisherigen Dienstleisters und suchte einen vertrauenswürdigen Transport-Spezialisten, der sämtliche Services aus einer Hand anbietet. Und der vor allem die beiden besagten Ansprüche erfüllt: maximale Performance kombiniert mit effizienter Kostenoptimierung.

Für solche Anforderungen stellen bei TNT Spezialisten des Fachbereichs Customer Solutions aus den unterschiedlichen Leistungsbausteinen des Unternehmens individuelle Transportkonzepte zusammen. Auf Basis der in Neuss gesammelten Erfahrungen entwickelte TNT die Grundidee, bei der die wirtschaftlichen Services seines Standardnetzwerks mit einigen speziellen Bausteinen kombiniert werden. Dazu gehört beispielsweise die Einbindung des TNT-eigenen Service-Centers in Hamminkeln: Die Mitarbeiter des Standorts am Niederrhein erstellen für die Bankfilialen fertig ausgefüllte, dreiteilige perforierte Transportlabel. Ein Teil davon wird an der Sendung befestigt, eines erhält der Fahrer und eines verbleibt beim Kunden. Anschließend liefern sie kostenfrei die passenden Versandtaschen. So haben die Bankmitarbeiter keinerlei Aufwand mit dem Versand. Das Customer Contact Center in Bonn prüft die Sendungsverläufe und erstellt das Reporting für die Deutschlandzentrale der Bank. Außerdem existiert dort eine eigene Telefonnummer für den Kunden, um Rückfragen schnell und kompetent zu beantworten. Änderungen wie etwa Schließung, Neueröffnung oder Umzug von Filialen werden in Bonn erfasst.
Eine besondere Herausforderung war die Umsetzung der operativen Ansprüche. Für den Auftraggeber war eine besonders frühe Zustellung der Sendungen von großer Bedeutung. Abgeholt wird die Post 90 Minuten vor Geschäftsschluss in rund 170 Filialen in ganz Deutschland. Die manuell ausgefüllten Überweisungsträger stellt TNT bereits um 6.30 Uhr am nächsten Werktag zur Weiterbearbeitung im Raum Frankfurt zu. Und das, obwohl im Standardnetzwerk eigentlich die Option „vor 8.00 Uhr" als früheste Zustellzeit gilt. Dies funktioniert dank einer kleinen „Abkürzung": Der Expressdienstleister leitet die Sendungen mit den eiligen Überweisungsträgern aus ganz Deutschland direkt in sein Hub in Wiesbaden und nimmt sie dort am frühen Morgen gleich aus dem System. So spart TNT zwei Sortierschritte und kann die Zahlungsanweisungen ohne Verzug durchführen. Die restlichen Dokumente werden bis 10 Uhr in der Zentrale angeliefert. Jeder Schritt des Transports wird dokumentiert, denn die Nachverfolgung der Sendungen ist ein wesentliches Sicherheitsmerkmal.

Dank der regelmäßigen Abholung müssen die Bankmitarbeiter nicht extra bei TNT anrufen, wenn die Filialpost abholbereit ist. Darüber hinaus bietet der Dienstleister einen besonders komfortablen Mehrwert: Neues Versandmaterial können die Filialmitarbeiter ganz einfach über ihr vertrautes internes Bestellportal ordern, das direkt mit dem Service-Center von TNT Express in Hamminkeln verbunden ist.

(Autor: Hugo Koppelaars, Director Sales & Special Services TNT Express GmbH)

Der Regulierungsdruck belastet

An beiden Sachverhalten dürfte sich auch im kommenden Jahr nicht viel ändern.
Für 2015 gehen die meisten Zertifikateanbieter zwar von einer unverändert guten oder sogar besseren Geschäftsentwicklung aus, rechnen aber zugleich mit einem höheren Regulierungsaufwand durch Gesetzgeber und Wertpapieraufsicht. So weist es die Emittenten-Umfrage aus, die der Deutsche Derivate Verband (DDV) jedes Jahr durchführt.
Mehr als 60 % der Emittenten stellen sich darauf ein, dass der Aufwand für die Regulierung von Zertifikaten durch Gesetzgeber und Wertpapieraufsicht weiter zunehmen wird. 22 % der Befragten gehen sogar von einer starken Zunahme des künftigen Regulierungsaufwands aus.

Was bedeutet das aber nun für die Anleger?

Auch ohne die beliebte Finanz-Kristallkugel zu bemühen, steht zumindest eines fest: die niedrigen Zinsen bleiben uns erhalten, ebenso wie schwankungsanfällige Märkte. Private Anleger müssen somit weiterhin reale Vermögensverluste bei der Geldanlage vermeiden.
Folglich suchen sie Produkte mit Renditen oberhalb der Inflationsrate. Vielen wird hier eine Aktienanlage empfohlen. Doch vor einem direkten Engagement in den Aktienmarkt schrecken Anleger hierzulande traditionell zurück. Die Deutschen sind Aktienmuffel.
Teilschutzprodukte wie Discount-Zertifikate bilden allerdings eine perfekte Brücke zwischen Sparbuch und Aktie – und letztlich zu mehr Rendite.

(Autor: Lars Brandau, Geschäftsführer Deutscher Derivate Verband (DDV)
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Das Wachstum in Europa wird durch das Konjunkturprogramm anziehen!

Auch wenn die Reformen in wichtigen Ländern Europas bisher ausblieben, schaffen die beiden genannten Parameter entscheidende Fakten. Dabei hängt der genaue Umfang der Wirkung auch von der zeitlichen Länge dieser glücklichen Fügung ab. Unbestreitbar sind aber die ersten positiven Zeichen dieser Entwicklung bereits sichtbar. Die Zahlen von Unternehmen der Luftfahrtbranche sind ein wichtiger Frühindikator. Bisher ist diese Entwicklung in den bisherigen Wachstums- und auch Gewinnprognosen eher halbherzig eingeflossen. Die EZB wird aber nicht nur glücklich auf diese Entwicklung schauen, da die Inflationszahlen dadurch noch weiter gedrückt werden (kurzfristig). Wichtiger wird in diesem Zusammenhang die Entwicklung der Kerninflationsrate sein, also die Inflationsrate ohne die stärker schwankenden Preise für Energie und Nahrungsmittel. Die Entlastung der Unternehmen aber insbesondere der Haushalte ist enorm und sofort wirksam. Frei werdende Gelder können in den Konsum bzw. für Investitionen genutzt werden. Die Dollaraufwertung dürfte sich aufgrund der zu erwartenden Zinsentwicklung fortsetzen, wenn auch etwas langsamer. Bei der weiteren Entwicklung des Ölpreises ist demnächst mit einer Stabilisierung zu rechnen, aber zunächst kein erneuter Anstieg auf die in den vergangenen Jahren gesehenen Preise. Welche Rückschlüsse lassen sich dadurch für die Anlageentscheidungen ziehen?

Europäische Aktien dürften im kommenden Jahr einen höheren Anstieg der Gewinne verzeichnen als in den beiden vergangenen Jahren. Gleichzeitig sollte der Fokus der Aktien- bzw. Fondsauswahl auf Investments im Bereich „Quality Growth" liegen. Hier ist die Bewertungsrelation in der historischen Betrachtung sehr attraktiv. Dagegen sollten eher defensive Branchen und Investments im Bereich Energie gemieden werden. Angesichts der bereits sehr niedrigen Renditen bei Euro-Anleihen ist aufgrund der EZB-Zinspolitik nur mit einem Ertrag in Höhe des aktuellen Renditeniveaus zu rechnen. Die Unternehmen können sich auf weiterhin zu sehr attraktiven Konditionen finanzieren und somit die Gewinnsituation weiter verbessern.

Ich wünsche Ihnen ruhige und besinnliche Feiertage und ein erfolgreiches Jahr 2015!


(Autor: Thomas Meyer, Country Head Germany, Institutional Asset Management, Petercam S.A.)