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Vielversprechende Zeiten für Anleger

Die jüngste Unsicherheit dürfte noch weiter anhalten. Wir befinden uns in einer Übergangsphase mit bisher mehr oder weniger unbekannten Rahmenbedingungen. Neben einer bisher noch nie gesehenen sehr lockeren Geldpolitik der wichtigsten Zentralbanken, einer neuen Ausgangslage bei der Regulierung von Finanzinstituten und einer immer stärkeren Sensitivität von Anlegern gegenüber Verlusten bzw. Kursrückgängen.

Mit den Notenbanken aus den USA und Großbritannien haben die ersten großen „Geldproduzenten" den Rückzug von dieser Politik angekündigt. Dies ist eigentlich nichts neues für die Kapitalmärkte, jedoch ist die Abhängigkeit von der Droge „Zentralbankliquidität" sehr stark gestiegen, da die Gelder nicht unbedingt lokal verwendet wurden, sondern auf der Suche nach höchstmöglicher Rendite global angelegt wurden. Die Auswirkungen konnten wir schon im vergangenen Jahr erleben, als Gelder aus den Risikoassets global abgezogen wurden. Die Regulierung der Finanzinstitute verstärkt diese Effekte zunehmend. In der Vergangenheit konnten z.B. Banken Verkäufe bei Anleihen auf die eigenen Bücher nehmen. Diese Zeiten sind vorbei. Der Preis wird zukünftig stärker Schwanken und Anleger werden sich dabei verwundert die Augen reiben, zu welchen Sprüngen es kommen wird. Je kleiner und risikoreicher ein Investment ist desto höher die Differenzen und auch der zukünftige Grad an Illiquidität. Auch diesen Umstand konnten wir in diesem Jahr schon des Öfteren beobachten. Da verwundert es schon, dass Notenbanker sich darüber kritisch äußern. Diese Damen und Herren haben den Politikern doch beratend bei der Regulierung zur Seite gestanden. Schlussendlich fragen Anleger ob privat oder institutionell zunehmend Strategien mit einem nur geringen Verlustpotential nach. Daraus ergibt sich ein zunehmendes Herdenverhalten. Portfoliomanager reagieren gleichgeschaltet und verstärken dadurch Trends, die durch den Handel über Computer und Algorithmen in sehr kurzen Zeiten stattfinden können.

All diese liest sich bedrohlich, eröffnet aber auch unglaubliche Chancen. Anleger mit einer klaren Vorstellung der Kapitalallokation, können hiervon profitieren. Hierzu sollte die Ausrichtung jedoch langfristig sein. Das globale Wirtschaftswachstum bleibt solide und die niedrigeren Energiepreise wirken wie ein Konjunkturprogramm. Der schwäche Euro fördert zusätzlich die Exportwirtschaft.

Die gewählte Strategie sollte aktiv und nicht Benchmark gebunden sein und von hoher qualitativer Ausrichtung. Ein regelmäßiges Rebalincing der Assetklassen ist wichtiger Bestandteil, um Gewinne zu realisieren und bei guter Gelegenheit in günstige Anlagen zu reinvestieren. Käufe sollten gestaffelt erfolgen, in klar definierten Kursabständen. Das Vorgehen erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Alternativ bietet sich die Auswahl verschiedener Multi-Asset- und/oder vermögensverwaltender Fonds an. Die Manager sollten sich durch unterschiedliche Ansätze bzw. Risikograde ergänzen. Zu guter Letzt: nicht jeden Tag auf die Kursentwicklung schauen, es gibt auch noch andere schöne Dinge im Leben.

Viel Erfolg!

(Autor: Thomas Meyer, Country Head Germany Petercam S.A.)
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Risk Parity in Anleihesegmenten

Dieser Diversifikationsgedanke lässt sich im Bondbereich mit dem Risikoparitätsansatz optimal umsetzen. Eine systematische, prognosefreie Risk-Parity-Bond-Strategie liefert langfristig überlegene, risikoadjustierte Renditen, indem Unsicherheitsfaktoren minimiert werden und durch das optimale Ausnutzen von geringen respektive sogar negativen Korrelationen zwischen den Anlagen eine echte Risikostreuung erzielt wird. So erfolgt die Diversifikation über verschiedene Sub-Assetklassen wie beispielsweise Staats- und Unternehmensanleihen, inflationsindexierte Anleihen und Carry-Positionen in Emerging Marktes-Währungen sowie gleichzeitig über verschiedene Regionen und Durationen hinweg. Das Risikoparitätsprinzip beruht darauf, dass die einzelnen Bestandteile des Portfolios gleich viel zum Gesamtportfolio-Risiko beitragen. So wird das Risiko nicht von einzelnen Risikofaktoren beherrscht.

Ein nicht diversifizierter Investor, der zum Beispiel schwerpunktmäßig in Staatsanleihen investiert ist, kann unter Hinzunahme eines Risk-Parity-Bond-Konzepts die Diversifikation seines Gesamtportfolios signifikant steigern und kostengünstig in andere Risikoprämien als Duration investieren. Dabei ist ein Risk-Parity-Bond-Fund ähnlich preiswert wie ein indexierter Fonds, aber weniger starr, da die Allokation täglich im Hinblick auf das Risiko adjustiert wird.
Demgegenüber hat ein gut diversifizierter Fixed-Income-Investor die verschiedenen Sub-Anlageklassen typischerweise bereits in seinem Portfolio, in Form von Indexfonds, Einzelanlagen et cetera, und nimmt taktische Allokationen vor. Da letztere sehr betreuungsintensiv sind, liefert die Ergänzung eines bereits diversifizierten Portfolios um ein Risk-Parity-Bond-Konzept entscheidende Vorteile. Durch den Einsatz des Konzeptes werden Ressourcen für die Erzeugung von zusätzlichen Alpha-Erträgen geschaffen, da man mit dem Risk-Parity-Bond-Ansatz als Basis-Baustein schon optimal und kostengünstig diversifiziert ist. Hinzu kommt, dass ein Risk-Parity-Bond-Fund intuitiv und transparent ist: Es wird in Anlageklassen mit abschöpfbaren Renditequellen investiert, aber durch die Risikogleichgewichtung auf Renditeprognosen verzichtet.
Schließlich bietet ein Risk-Parity-Bond-Fund durch seine erhöhte Zinsrobustheit – weil er Subanlageklassen beinhaltet, die in unterschiedlichen Marktphasen unterschiedliche Stärken haben – robuste Chancen auf einen stabilen Ertrag auch in schwierigen Zinsphasen. Im Gegensatz beispielsweise zu Hedgefonds wird aber auf exotische Investments und den Einsatz von Leverage, beispielsweise für Arbitrage-Zwecke, verzichtet.

Fazit: Weil das Risikoparitätskonzept für Bondinvestments eine Reihe von untereinander niedrig korrelierten, systematischen Risikoquellen des Fixed-Income-Bereichs auf optimale Weise kombiniert, ist es ein sehr guter Ansatz, um diversifizierte Risikoprämien (nicht nur Duration) im Anleihe-Segment abzuschöpfen. Daher kann der Risk-Parity-Bond-Ansatz jedes Fixed-Income-Portfolio sinnvoll ergänzen.

(Autor: Dr. Torsten von Bartenwerffer, Director Portfolio Management, Aquila Capital)
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Joko Widodo – Indonesiens Obama?

Gut 53 % stimmten für Joko Widodo und es kam, wie es kommen musste: Sein Widersacher erkannte die Wahl nicht an, erhob Vorwürfe der Wahlfälschung und die Sache landete vor dem Verfassungsgericht. Das aber wies nach einem Monat die Klage in einem 3.000 Seiten starken Urteil in allen Punkten ab. Ab dem 20. Oktober wird Jokowi nun offiziell die Geschicke der mit 250 Millionen Einwohnern größten Volkswirtschaft Südostasiens lenken.

Die Herausforderungen sind groß

In Indonesien und im Ausland zeigte man sich sehr erleichtert über die Entscheidung des Verfassungsgerichts, doch für allzu viel Jubel bleibt keine Zeit. Die Aufgaben, die auf den ersten indonesischen Präsidenten warten, der nicht zum Militär oder der alten Suharto-Elite gehört, sind gewaltig. Die politischen Strukturen im Land sind verkrustet, auch Joko Widodo wird daran kurzfristig nichts ändern können.
Seine Partei gehört zu den ältesten des Landes. Sie wird von der Tochter des Staatsgründers Sukarnao, Megawati Sukarnoputri, angeführt. Man muss kein Hellseher sein, um vorherzusagen, dass Sukarnoputri bei den politischen Entscheidungsfindungen gern ein Wörtchen mitreden wird. Auch im Parlament sind die Verhältnisse für den neuen Präsidenten schwierig. Das Parteienbündnis des politischen Gegners Prabowo Subiano besitzt fast eine Zweidrittelmehrheit, allerdings haben bereits größere Gruppen angedeutet, mit Joko Widodo zusammenarbeiten zu wollen.
Ein zunehmendes Problem stellte in den letzten Jahren der Druck überwiegend arabisch beeinflusster militanter islamistischer Gruppen dar. Indonesien ist traditionell ein religiös überaus tolerantes Land. In dem Inselstaat mit seinen zahllosen Ethnien lebten Jahrhunderte lang Moslems, Christen, Buddhisten, Taoisten und Naturreligionen friedlich nebeneinander. Aber Indonesien ist eben auch das Land mit den meisten Muslimen auf der Welt. Kein Wunder, dass sich fanatische Islamisten gerade hier fruchtbaren Boden erhoffen. Joko Widodo steht für mehr religiöse Toleranz. Seine Wahl dürfte für die islamistischen Wirrköpfe ein Rückschlag sein. Dass sie ihr rückwärtsgewandtes Treiben einstellen, ist hingegen kaum zu erwarten.

Wirtschaftlich ein erwachender Riese

Bislang jedoch konnten sich islamistische Tendenzen in Indonesien nicht durchsetzen. Neben der traditionellen Toleranz der Bevölkerung dürfte das vor allem an dem hohen Bildungsniveau, den vergleichsweise hohen Einkommen breiter, vor allem städtischer Bevölkerungsgruppen und der weitgehend freien Presse liegen. Demokratische Verfassung, Bildung und reiches Rohstoffvorkommen sind auch die Schlüsselfaktoren, denen Indonesien ein besonders gutes Entwicklungspotenzial und hohe Wachstumszahlen verdankt.
Zwischen fünf und 6,5 % lag der jährliche BIP-Zuwachs von 2003 bis 2013. Bis 2030 soll die indonesische Mittelschicht von heute 40 Millionen Menschen auf 140 Millionen Menschen anwachsen, bis 2060, so schätzt die OECD, wird das Land die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt sein. Anders als in China fußt ein großer Teil des indonesischen Bruttoinlandsproduktes (lt. Weltbank 2012 rund 878 Milliarden Dollar) bereits auf Binnenkonsum. Zudem wachsen die ausländischen Direktinvestitionen derzeit um 20 bis 30 % pro Jahr. Auch deutsche Firmen zieht es massiv in das Inselreich - Bayer, Siemens, Bosch, Allianz, die gesamte Elite der deutschen Wirtschaft ist in Indonesien vertreten.
Doch wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten: Den hohen Auslandsinvestitionen stehen weit geringere Binneninvestitionen gegenüber. Es sind vor allen bürokratische Hürden und die epidemisch verbreitete Korruption, die gerade heimischen Unternehmen das Leben schwer macht. Hinzu kommt eine mangelhafte Infrastruktur. Der permanente Verkehrskollaps in der Metropolregion Jakarta mit ihren 25 Millionen Einwohnern ist eine massive Belastung für Wirtschaft.
Joko Widodo wird sowohl innenpolitisch als auch wirtschaftlich einen Mehrfrontenkrieg führen müssen. Nicht bei allen notwendigen Reformen wird er dabei auf den uneingeschränkten Zuspruch der Bevölkerung hoffen dürfen. Die Reduzierung der Benzinpreissubventionen, die gut 10 % des Haushaltes binden, wird beispielsweise kommen müssen, damit er Wahlkampfversprechen wie verbesserte Gesundheitsversorgung, Umweltschutzmaßnahmen und Infrastrukturinvestitionen finanzieren kann.
Um das zuletzt schwächelnde Wachstum auf die angekündigten 7 % anzuheben, muss er zudem schnelle Erfolge bei der Korruptionsbekämpfung erreichen. Es ist daher nicht auszuschließen, dass die extrem hohen Erwartungen seiner Anhänger angesichts der Widrigkeiten der Realpolitik schnell in Ernüchterung umschlagen.


(Autor: Dr. Ekkehard J. Wiek, Vermögensverwalter und Asien-Fondsmanager, Straits Invest Pte Ltd in Singapur)

Details des EZB-Ankaufprogramms sorgen für Kritik

Nachdem die EZB im September überraschend den Leitzins um zehn Basispunkte gesenkt hatte, beschloss sie trotz eines zuletzt verhaltenen europäischen Konjunkturwachstums auf ihrer Sitzung im Oktober keine neuen Maßnahmen. Der Leitzins verharrt damit weiter auf seinem historischen Tiefstand von 0,05 %, der Spitzenrefinanzierungssatz für kurzfristige Kredite verbleibt bei 0,3 % und die Übernachteinlagen der Banken werden mit -0,2 % verzinst.

Zugleich veröffentlichte EZB-Präsident Mario Draghi die Einzelheiten des bereits im Vorfeld beschlossenen Ankaufprogramms für Wertpapiere. Die Europäische Zentralbank will bis zu einer Billion Euro investieren, um Assed Backed Securities (ABS) und Pfandbriefe (Covered Bonds) aufzukaufen. Unter diesen Papieren können sich auch sogenannte „Schrottpapiere" befinden, Bonds aus europäischen Krisenstaaten mit mangelhaften Kreditratings. Die EZB plant, dass sich in Schwierigkeiten geratene Finanzinstitute mithilfe des Ankaufsprogramms von belastenden Papieren in ihren Bilanzen trennen. In der Folge sollen die Banken dank einer stabileren Ausgangsposition großzügiger Kredite an die Wirtschaft vergeben können.

Seitwärtstrend der Bauzinsen setzt sich weiter fort

Die Baufinanzierungszinsen bewegten sich bis Mitte September auf einem extrem niedrigen Niveau unter 1,40 % seitwärts. Anschließend folgte ein leichter Anstieg, der sich Anfang Oktober wieder abmilderte. Der schwankende Seitwärtstrend der Bauzinsen setzte sich damit fort, das historisch günstige Zinsniveau hierzulande bleibt bestehen. „Wer sich den Traum von der eigenen Immobilie erfüllen möchte, hat aktuell große Chancen, eine besonders günstige Finanzierung abzuschließen." bestätigt Stephan Gawarecki, Vorstandssprecher der Dr. Klein & Co. AG. „Um die Zinsen nicht unnötig zu verteuern, sollten Bauherren und Immobilienkäufer genügend Eigenkapital in die Baufinanzierung einbringen. Dr. Klein empfiehlt seinen Kunden einen Eigenkapitalanteil von mindestens 20, besser 30 %. Unsere Berater können aber bei Bedarf auch Finanzierungen vermitteln, zu denen der Kunde beispielsweise nur Eigenkapital in Höhe der Nebenkosten beisteuert."

Kurzfristig ist davon auszugehen, dass sich die Finanzierungszinsen weiter schwankend seitwärts bewegen werden. Auf lange Sicht besteht eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Bauzinsen wieder ansteigen.

Tendenz:

• Kurzfristig: schwankend seitwärts
• Langfristig: steigend
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Ein völlig falscher Ansatz

Eine einheitliche Ausbildung existiert nicht, die tägliche Arbeitsbelastung übersteigt oft die Grenze zum Zumutbaren, die Bezahlung ist zumeist unterirdisch und das Ansehen in der Bevölkerung denkbar mies. Wer will da schon diesen Beruf ergreifen? Hinzu kommt der demografische Wandel und – wie Dr. Stefan M. Knoll, Vorstand der DFV Deutsche Familienversicherung, zuletzt bei der Convention Pflege der finanzwelt ausführte – der Wegfall der Wehrpflicht und damit des Freiwilligendienstes. Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung ihren Willen bekräftigt, den ambulanten Pflegedienst zu stärken. Natürlich aus gutem Grund: Die Politik setzt auf die Pflege daheim statt auf die Unterbringung Pflegebedürftiger in stationären Einrichtungen. So weit, so gut. Blieben diejenigen, die es betrifft, nämlich die Pflegekräfte, nicht außen vor. Dafür steht ein aktuelles Beispiel aus Berlin.

Der dortige Senat will eine Pflegekammer installieren, was an sich ja keine schlechte Idee ist. Eine Projektgruppe der Alice Salomon Hochschule soll in diesem Zusammenhang in Kürze 1.000 examinierte Pflegekräfte zu ihrer Haltung zur Gründung einer derartigen Kammer befragen. Dumm nur, dass die Betroffenen offenbar gar nicht so recht wissen, um was es genau geht. Dies moniert nämlich der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V., so dessen Berliner Landesvorsitzender Dietrich Lange: „Die Pflegekräfte in Berlin sollen sich zu Plänen äußern, die nicht einmal ansatzweise öffentlich vorliegen." Bisher habe noch niemand den Pflegenden gesagt, welche Kosten auf sie zukämen und welche Konsequenzen die Einrichtung einer Pflegekammer nach sich ziehe. Zustimmung oder Ablehnung seien aber wesentlich auch eine Frage des zu zahlenden Kammerbeitrages. Lange: „Wenn die Senatsverwaltung die Pflegekräfte in Berlin wirklich ernst nehmen werde, müsste sie vor der Befragung alle Fakten auf den Tisch legen." Zudem besitze eine Kammer gegenüber der Politik kein wirkliches Mitspracherecht.

Um ihre Belange wirkungsvoll verfechten zu können, ist es unerlässlich, dass die Pflegekräfte in den für sie relevanten politischen Gremien ein direktes Mitspracherecht erhalten. Dafür bedarf es jedoch einer einheitlichen Berufsordnung. Und natürlich besserer Honorierung. Hier sollte der Staat tätig werden, anstatt ein neues bürokratisches Monster zu erschaffen. Das dann auch noch von den ohnehin unterbezahlten Pflegekräften finanziert werden muss. Bloße Beschäftigungsmaßnahmen kann sich unser Pflegesystem weiß Gott nicht leisten.

Deflation, Inflation und die Strategie der EZB

Was ist davon zu halten? Das wichtigste Argument für das sogenannte Quantitative Easing (QE) lautet, das die „normalen" Instrumente der Geldpolitik nicht mehr wirken. Die Notenbank hat die Refinanzierungszinsen für Banken schon fast auf Null reduziert und versorgt sie quasi unbegrenzt mit Liquidität. Wenn in dieser Lage eine deflationäre Entwicklung droht, braucht die Notenbank andere Instrumente.

Aber droht in der Euro-Zone wirklich eine deflationäre Rezession? In der Tat ist die Inflationsrate rückläufig, im August lag sie nur noch bei 0,3 %. Die EZB strebt eigentlich zwei Prozent an. Trotzdem spricht wenig für ein echtes Deflationsszenario. Entscheidend dafür sind Inflationserwartungen. Hier zeigen die meisten Indikatoren, dass für 2015 und 2016 steigende, nicht fallende Inflationsraten erwartet werden. Und Umfragen unter Konsumenten zeigen, dass derzeit lediglich 2,9 % der Befragten fallende Preise erwarten. Das ist mehr als der langjährige Durchschnittswert von 1,9 %, aber immer noch wenig – fast zehn Prozent der Befragten erwarten sogar stark steigende Preise.

Finanzmarktteilnehmer, Prognostiker und Konsumenten mögen irren, aber was erwartet die EZB selbst? Auch sie prognostiziert keine Deflation, sondern eine Inflation von 0,7 % in 2014 und 1,2 % in 2015, in den Jahren danach eine langsame Steigerung auf Werte nahe bei zwei Prozent. Niemand scheint Deflation oder auch nur eine weiter fallende Inflation zu erwarten.
Nun kann man argumentieren, dass die EZB auch ohne drohende Deflation handeln sollte, weil sich die Konjunktur in Europa im Sommer eingetrübt hat. Dieses Argument überzeugt aus drei Gründen nicht.

Erstens hat die EZB erst vor drei Monaten nicht nur die Zinsen gesenkt, sondern auch ein zusätzliches Liquiditäts-Programm aufgelegt. Es bietet Banken Refinanzierungsmöglichkeiten, die umso großzügiger gestaltet sind, je mehr die Banken Unternehmen und privaten Haushalte Kredite für Investitionen und Konsumausgaben gewähren. Die Vergabe von Hypotheken für Hauskäufe wird nicht gefördert, in diesem risikoarmen Bereich ist die Kreditvergabe gut. Ziel des Programms ist es, unternehmerische Investitionen zu fördern und die Konsumnachfrage zu steigern, um die Konjunktur zu stärken. Die EZB sollte abwarten, ob das Programm wirkt, bevor sie zu neuen Instrumenten greift.

Zweitens kann man bezweifeln, dass Quantitative Easing die Konjunkturschwäche in der Euro-Zone beheben kann. Es spricht viel dafür, dass die Ursache nicht im fehlenden Kreditangebot liegt, sondern in fehlender Kreditnachfrage. Viele private Haushalte und Unternehmen in den Krisenstaaten der Euro-Zone sind bereits zu hoch verschuldet. Sie bemühen sich derzeit, ihre Schulden abzubauen, was ihnen nur teilweise gelingt. Gleichzeitig halten viele Banken Kredite an überschuldete Unternehmen und Haushalte in ihren Büchern. Es ist notwendig, diese Kredite abzuschreiben; kurzfristig ist es jedoch bequemer, sie zu verlängern und auf bessere Zeiten zu hoffen. Den Banken würde es helfen, wenn die EZB ihnen faule Kredite zu überhöhten Preisen abnehmen würden, aber damit würde der Bereich der Geldpolitik verlassen, die Steuerzahler in Europa würden geschädigt. Mario Draghi hat deshalb versichert, dass die EZB nur Papiere höchster Qualität kaufen wird. Das Überschuldungsproblem wird so nicht gelöst.

Drittens hat Quantitative Easing negative Nebenwirkungen. Vor allem droht eine Preisblase auf den Aktien- und Anleihemärkten, die den nächsten Finanzcrash verursachten könnte.


Unsere Einschätzung:
Irgendwann übersteigen die Risiken immer neuer Liquiditätsspritzen den Nutzen. Das rechte Maß ist mittlerweile überschritten. Für die wirtschaftliche Entwicklung der Euro-Zone ist es entscheidend, dass faule Kredite und andere versteckte Risiken in den Bankbilanzen offengelegt und Kapitallücken geschlossen werden. Damit würde die EZB ihrer Aufgabe als Zentralbank gerecht und würde die Gesundung des europäischen Finanzmarktes fördern, statt zusätzliche Verwerfungen hervorzurufen.

(Autor: Dr. Marc-Oliver Lux, Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG)
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Edelmetalle hoffen auf Yellen

Viele Rohstoffe sind auf oder nahe an die Produktionskosten gefallen, werden nun aber durch die US-Notenbank gestützt. Erfreulich ist auch der geringe Rückgang bei dem verwalteten Vermögen in Rohstoff-ETPs. Auf Sicht von vier Wochen weisen fast alle Rohstoffe im Bereich Energie, Edel- und Industriemetalle Minuszeichen auf. Besser fällt die Bilanz seit Jahresbeginn aus, sogar unter den Edelmetallen. Rhodium liegt als stärkster Wert um rund 20 % vorne, auch Palladium bietet mit etwa 10 % Plus ebenfalls eine ordentliche Performance, obwohl das Edelmetall im September sehr stark gefallen ist. Katerstimmung herrscht hingegen bei den klassischen Edelmetallen. Gold notiert fast unverändert, Silber in etwa 10 % tiefer.

Umfeld ist schwierig

Die Gründe für die überwiegend schlechte Entwicklung sind natürlich verschieden. Gold leidet unter der jüngsten Dollar-Stärke, drohenden Zinserhöhung in den USA, der Hausse an den Aktienmärkten und einer schwachen Goldnachfrage aus China. So liegen die Netto-Importe des Riesenreichs aus Hongkong seit Jahresbeginn um rund 33 % unter dem Vorjahreszeitraum. Silber wird aufgrund seiner wesentlich höheren industriellen Verwendung zusätzlich von schwachen Konjunkturdaten belastet.

Fed-Chefin Yellen beruhigt Anleger

Einen Hoffnungsschimmer hat nun aber überraschend die US-Notenbank gegeben. Während sich die Mehrheit der Börsianer bereits auf zügige Zinserhöhungen in den USA eingestellt hat, rudert die US-Notenbank Fed nun zurück. Sie hat auf ihrer vergangenen Sitzung gemäß dem „Minutenprotokoll" keine klaren Signale für eine schnelle Zinswende gegeben. Als Grund wurde eine mögliche schwächere Wirtschaftsentwicklung in den USA angeführt, falls sich die Weltwirtschaft abkühlen sollte. Damit bestätigt Notenbank-Chefin Yellen ihren Ruf als geldpolitische Taube. Sollte die Geldpolitik in den USA nicht weiter gestrafft werden, nehmen die Inflationsrisiken zu und Gold sowie andere Edelmetalle werden als Inflationsschutz stärker nachgefragt. Das wiederum führt in der Regel bei Gold & Co. zu steigenden Preisen.

Strategische Investoren halten an Rohstoffanlagen fest

Einen beruhigenden Effekt auf die Preisentwicklung bei Rohstoffen haben auch Investoren, die ihr Engagement in dem Sektor zuletzt kaum verringert haben. Fast der gesamte Rückgang beim verwalteten Vermögen in Rohstoff-ETPs im abgelaufenen Quartal ist auf die jüngsten Kursrückgänge zurückzuführen. Das liegt daran, dass aktuell die viele institutionelle Rohstoffanleger ohne oder nur mit geringen Hebeln agieren. Sie treffen strategische Investitionen mit einem mittel- bis langfristigen Anlagehorizont und reagieren gelassener auf Kursrückschläge. Viele der taktisch agierenden, kurzfristig ausgerichteten Anleger haben bereits im vergangenen Jahr kräftig Positionen abgebaut. Ein Beleg dafür sind auch die zuletzt konstanten ETF-Bestände bei den Edelmetallen – trotz Preisdruck nach unten. Sollte der US-Dollar nach den Fed-Ankündigungen ebenfalls weiter schwächeln, könnten Rohstoffe zu einer Erholungsrally ansetzen. Erste Anzeichen sind bereits zu erkennen.


(Autor: Tino Leukhardt, Senior Sales Ophirum Commodity GmbH)
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Nervöser Herbst an den Finanzmärkten

Die Finanzmärkte erleben einen nervösen Herbst. Insbesondere bei Aktien und High Yield Bonds ist die Volatilität in den vergangenen Wochen gestiegen. Aus Sicht von Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers, waren vor allem zwei Faktoren dafür verantwortlich: Sorgen um das globale Wirtschaftswachstum einerseits und Angst vor der Reaktion der Märkte auf die zunehmend unterschiedliche Geldpolitik in den USA, Großbritannien und der Eurozone andererseits. „Der US-Dollar steigt, die Zinssätze divergieren zunehmend, und es wird allmählich klar, dass das Ergebnis dieser Phase der Krisenbewältigung weniger sicher ist als die Entwicklung während der Quantitative-Easing-Party", erklärt Iggo. Wenn die Notenbanken die Preise riskanter Assets nicht mehr durch geldpolitische Maßnahmen stützten, müssten Investoren durch höhere Renditen kompensiert werden. „Die dazu nötigen Anpassungen könnten einige Zeit in Anspruch nehmen, und die geldpolitischen Tauben in Washington und London dürften daher noch einige Zeit Sorgenfalten auf der Stirn haben", so Iggo. „Wer an Wachstum und wirtschaftliches Gesunden glaubt, sollte sich auf eine etwas holprigere Fahrt einstellen."

Iggo hält insbesondere die Frage unterschiedlicher geldpolitischer Entwicklungen in den großen Währungsräumen für relevant. Die Wachstumsunterschiede zwischen den USA und Europa hätten bereits zu unterschiedlichen Zinserwartungen sowie unterschiedlichen Entwicklungen der jeweiligen Anleihenmärkte geführt. „Nun realisieren die Investoren allmählich, dass sie vor einer Periode der Unsicherheit stehen – zumindest im Vergleich mit den vergangenen Jahren", erläutert Iggo. Durch das Quantitative Easing seien die risikolosen Zinssätze zur gleichen Zeit gesunken wie die Risikoprämien. „Schlechte Nachrichten zur Entwicklung der Konjunktur wurden dabei zu guten Nachrichten für Anleihen und Aktien", so Iggo. „Dies verändert sich nun. Mindestens zwei wichtige Notenbanken denken über Zinserhöhungen im Jahr 2015 nach. Wer riskante Assets kauft, kann sich nicht länger darauf verlassen, dass die Zentralbanken bereits einen Put für ihn geschrieben haben."

Die gegenwärtige Situation an den Märkten sei ein wenig vergleichbar mit der eines Anhängers des englischen Fußball-Platzhirschen Manchester United: „Nach 26 Jahren voller Titelgewinne ist man einfach verwöhnt. Die Investoren sind durch Quantitative Easing und die Abschaffung der Kosten für den Kauf von Risiko ebenfalls verwöhnt."


(Autor: Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers)

CFDs verstehen – Risiken und Chancen

Wie schon zuvor bei Twitter und Facebook haben solche IPOs einen starken Einfluss auf die Investitions-Landschaft ausgeübt und in einigen Fällen waren Investoren nicht in der Lage, Aktien der Unternehmen zu erwerben, da die Nachfrage das Angebot deutlich überstieg. Investitionen durch Differenzkontrakte (CFDs) zeigen in solchen Situationen ihr wahres Potenzial, mit deutlichen Vorteilen für Kunden, die „trendige" Unternehmen handeln wollen.
CFDs sind gut etablierte und beliebte Finanzprodukte und werden seit über 40 Jahren verwendet – in Großbritannien etwa stieg der Umsatz mit CFDs in den letzten fünf Jahren jedes Jahr um 50 %. Privatanleger schätzen sie auch deshalb, da sie in einigen Ländern bestimmten Besteuerungen auf Aktien nicht unterliegen. CFDs sind eine Vereinbarung, wo der Unterschied im Preis eines Vermögenswertes oder einer Aktie zum Abschluss und Beendigung eines Kontraktes ausgetauscht wird. So können Anleger von den Preisschwankungen einer Aktie oder Devise profitieren, ohne diese selbst erwerben zu müssen.

Wie alle Derivate können auch CFDs für Spekulationen verwendet werden, vor allem da man einen Hebel (Leverage) platzieren kann, der als Multiplikator für Gewinne und Verluste wirkt – je höher dieser Leverage gesetzt wird, desto riskanter wird der Kontrakt theoretisch. CFDs können aber auch ohne Hebel gehandelt werden und sind in diesem Fall nicht riskanter als normale Aktien: die Vorteile, später noch mit Hebeln zu arbeiten und ihre unbeschränkte Anzahl, bleiben jedoch erhalten. Es liegt also beim jeweiligen Anleger, wieviel Risiko er eingeht und ein verantwortungsvoller Broker wird immer sinnvolle Grenzen auf mögliche Hebel festlegen.
CFDs werden manchmal auch als extrem riskant charakterisiert, da sie fälschlicherweise mit anderen Derivaten wie binären Optionen gleichgesetzt werden. Binäre Optionen sind allerdings per Design simple Wetten darauf, ob der Aktienkurs innerhalb eines festgelegten Zeitraums steigen oder fallen wird – nach Ablauf der Zeit erhält der Anleger entweder sein Geld oder die Option verfällt. CFDs hingegen können von Anlegern jederzeit gekauft oder verkauft werden und bleiben so lange im Portfolio wie gewünscht.

Interessenten sollten aber vor dem Handel mit CFDs lernen, wie man richtig mit ihnen umgeht. Hierfür sollte man einen Broker wählen, der klare Richtlinien und alle notwendigen Werkzeuge für den Handel bietet und so hilft, eventuelle Verluste zu minimieren. Ein guter CFD-Anbieter ermöglicht es seinen Kunden, durch eine einheitliche Plattform mit einer Vielzahl verschiedener Instrumente aus der ganzen Welt zu handeln – inklusive exotischer Märkte, die in der Regel schwer zu erreichen sind.
CFDs sind also ein interessantes Instrument für IPOs wie Alibaba, wenn sie verstanden und verantwortlich gehandelt werden. Die Nachfrage nach diesen Aktien ist weltweit so hoch, dass wahrscheinlich nicht alle Anleger sie am ersten Handelstag erwerben können. Mit CFDs kann man also trotzdem am Börsengang und Handel von Anfang an teilnehmen, mit allen Vorteilen des möglichen Erfolgs an den Märkten, aber ohne die Notwendigkeit, sie tatsächlich auf dem Markt erwerben zu müssen.

(Autor: Gal Haber, Chief Executive Officer, Plus500)

Verbraucherschutz – was ist das?

Weniger Sozialversicherte müssen künftig für immer mehr und immer älter werdende Rentner aufkommen. Wer die Grundrechenarten beherrscht, weiß, dass die Probleme programmiert sind. Jeder muss sich schon lange um seine Altersvorsorge selbst kümmern.

Wie soll das gehen, wenn man die Finanzdienstleister, Vorsorgemanager, Ruhestandsplaner, Versicherungsagenten, Makler usw. in die Ecke drängt, sie seien profit- und provisionsgierige Umsatzjäger, die ihre Kunden nur über den Tisch ziehen wollen?

Verkaufen ist praktizierter Verbraucherschutz, wenn die Interessen der Verbraucher tatsächlich in den Vordergrund treten. Die Interessen der Verbraucher sind doch: In Würde alt werden dürfen, wirtschaftlich unabhängig den Ruhestand genießen zu können, Lebensqualität und Lebensfreude zu erhalten, Entscheidungsmündigkeit darüber wie und wo sie leben dürfen usw.

Diese Interessen zu verwirklichen bedeutet, schon heute dafür Rücklagen zu bilden. Das wiederum beeinträchtigt die Lebensqualität von heute, denn das gesparte Geld steht für aktuelle Ausgaben und Wunscherfüllung nicht mehr zur Verfügung. So verdrängen viele ihre wesentliche Pflicht, ihre Altersvorsorge in eigene Hände zu nehmen. Wenn Verkäufer sie darauf aufmerksam machen und sagen, was zu tun ist, wird dies oft als unseriöses Verkäufergebaren angeprangert. Manchmal hat man das Gefühl man müsse Verbraucher vor den Verbraucherschützern schützen! Kundenorientierung bedeutet doch nicht, Verbraucher vor Finanzdienstleistern zu schützen, sondern Kunden Einsichten zu vermitteln, wie sie Ihre Zukunft selbst bestens gestalten können.

Verbraucher absichtslos über Veränderungen der Demographie, des Finanzmarktes, der Risiken usw. zu informieren, das ist Kundenorientierung. Die Gesprächspartner zu eigenen Erkenntnissen gelangen lassen, Menschen lassen sich nun mal am liebsten durch Argumente überzeugen, die ihnen selbst in den Sinn gekommen sind. Ob sie nun kaufen oder nicht – Verkäufer und Kunden sind nie Gewinner und nie Verlierer!

Erst wenn perfekte Kundenorientierung zu den Qualitätsanforderungen nach Gut Beraten® gehört, wird das Ansehen der Finanzdienstleister in der breiten Bevölkerung steigen.

Übrigens: So trainieren wir Verkäufer schon lange - erfolgreich: www.ziele-erreichen.de

Mit besten Grüßen

Hans D. Schittly
(Schittly & Dinler AG, TrainCoaching mit nachhaltigem Erfolg)