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Auf der Suche nach Zinserträgen

„Für ertragsorientierte Anleger reichte es in früheren Zeiten völlig aus, sich auf Bankeinlagen und Staatsanleihen zu konzentrieren. Extrem niedrige Leitzinsen und die unkonventionelle Geldpolitik zahlreicher Notenbanken haben die erzielbaren Einkünfte aus diesen Quellen nun aber auf historische Tiefstände fallen lassen. Dies gilt vor allem für Europa, wo die Zinssätze für etwa 30 Prozent aller Staatstitel und für einige Unternehmensanleihen sogar negativ ausfallen.

Umfrage offenbart unterschiedliche Wahrnehmung
AB hat in dieser Situation weltweit 2.000 Investoren und ihre Anlageberater befragen lassen. Dabei wurde unter anderem untersucht, wie zuversichtlich man das Erreichen der angestrebten Ertragsziele beurteilte. Die Ergebnisse:
  • Sieben von zehn Finanzberatern zeigten sich optimistisch bezüglich ihrer Fähigkeit, die von ihren Kunden angestrebten Ertragsziele zu erreichen. Dieser Zuversicht schloss sich aber nur eine Minderheit der Kunden an. 61 Prozent von ihnen befürchteten nämlich, ihre Einkunftsziele zu verfehlen.
  • In Europa waren sogar 79 Prozent aller Berater davon überzeugt, die Ertragsziele ihrer Kunden erfolgreich umzusetzen. Diese Ansicht teilten aber lediglich 26 Prozent der Anleger. Damit verfügte Europa über die zuversichtlichsten Finanzberater und zugleich über die skeptischsten Anleger.
  • Die große Diskrepanz kann sich auch auf eine mangelnde Kommunikation zurückführen lassen. Denn der Anteil skeptischer Anleger deckt sich auffallend mit dem Prozentsatz an Kunden, die mit ihren Beratern noch nicht über eine Verbreiterung des Anlagespektrums geredet haben. So hatten in Europa weniger als ein Drittel der Anleger derartige Gespräche geführt.

Offen für Veränderungen
Die Bereitschaft für eine Anpassung der Anlagestrategie war durchaus vorhanden. So konnten sich viele der Umfrageteilnehmer vorstellen, ihre Portfolios umzubauen, um die angestrebten Ertragsziele zu erreichen. Die Befragten machten aber auch deutlich, dass sie überaus großen Wert auf Stabilität legen. Stetige und vorhersehbare Erträge wurden deutlich höher gewichtet als alle anderen Faktoren.

Auch die deutschen Anleger sind derzeit von den Herausforderungen des Niedrigzinsumfeldes betroffen. Trotz des Mangels an Zinsen auf Bundesanleihen und Bankeinlagen haben sie weiterhin einen Bedarf an regelmäßigem und verhältnismäßig hohem Ertragseinkommen. Wir erwarten kurzfristig keine Veränderung des Renditeumfeldes, denn das Wirtschaftswachstum und Inflationsdruck sehen wir im Euroraum vorerst schwach. Diese Situation könnte die Renditen an den Rentenmärkten längerfristig in tieferen Regionen gefangen halten als in den vergangenen Jahrzehnten.

Ausbalanciertes Portfolio
Im derzeitigen Zinsumfeld bietet eine zwischen Qualität und Ertrag ausbalancierte Strategie die Alternative zu traditionellen Anleiheinvestments. So ermöglicht eine Kombination aus höher verzinslichen Anleihen und höher qualitativen Anlagen, wie beispielsweise Staatsanleihen, verlässliche regelmäßige Einkünfte und stabilisiert gleichzeitig das gesamte Portfolio.

Ist das Marktumfeld positiv, sorgen Hochzinsanleihen für überdurchschnittliche Erträge. Zusätzlich besteht die Chance, sogar Kursgewinne zu generieren. Nehmen hingegen die Turbulenzen am Markt zu, schichten die Marktteilnehmer in sichere Anlagen um, wovon Staatsanleihen gewöhnlich profitieren. Eine Mischung von Qualitätstiteln und High Yield-Rentenpapieren erlaubt somit die Konstruktion balancierter und ertragsstarker Rentenportfolios, deren Chance-Risiko-Profil sich durch aktives Management noch weiter verbessern lässt."


Autor: Markus Peters, Senior Portfolio Manager, Fixed Income bei AB

Stabiler Ausblick für europäische Investment-Grade-Anleihen

„Staatsanleihen verbuchten im März eine solide Performance dank der anhaltenden Unterstützung durch die Notenbanken, speziell der US-Notenbank Fed. Da sich die Weltwirtschaft insgesamt nur langsam erholt, erwarte ich aber nicht, dass die Renditen in absehbarer Zeit deutlich steigen werden. Ich bleibe deshalb bei der Einschätzung, dass die Wertentwicklung von Staatsanleihen in den kommenden zwölf Monaten gering bleiben wird. Investoren sollten eine lange Duration favorisieren, zumindest so lange bis es Anzeichen einer deutlichen Belebung von Wachstum und Konsum gibt.

Im Gegensatz zu Staatsanleihen bieten ausgewählte Investment-Grade-Anleihen und High-Yield-Produkte im aktuellen Marktumfeld noch vergleichsweise gute Renditen. So sollten Unternehmensanleihen guter Bonität in naher Zukunft niedrige einstellige Renditen liefern können. Nach einem starken Jahresbeginn legten die Investment-Grade-Kreditmärkte zwar zuletzt eine Pause ein, was vor allem auf die Abkühlung der US-Wirtschaft zurückzuführen war. Insgesamt bietet die Anlageklasse dank des hohen Ertragsniveaus und der defensiven Eigenschaften gegenüber Staatsanleihen jedoch weiter klare Renditevorteile.

Die europäischen Kreditmärkte profitieren weiterhin von der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank EZB. Das niedrige Zinsniveau erlaubt es den Unternehmen, sich zu attraktiven Konditionen zu refinanzieren und die Zinsbelastungen zu senken. Hinzu kommen die verbesserten makroökonomischen Rahmenbedingungen in Europa, die positiv für die Assetklasse stimmen lassen. Europäische Investment-Grade-Anlagen sind deshalb für immer mehr Anleger eine Alternative zu europäischen Staatsanleihen, deren Renditen zunehmend negativ werden. Während die Risikoaufschläge (Spreads) in Europa anziehen dürften, erwarte ich für den US-Markt eher Gegenwind. Für US-Investment-Grade-Anleihen sind wir derzeit neutral positioniert. Hintergrund ist die jüngste Abschwächung der makroökonomischen Daten sowie der US-Unternehmenzahlen.

Auch Hochzinsanleihen bleiben aus meiner Sicht attraktiv, Potenzial sehe ich insbesondere bei US- und asiatischen Titeln. Das gilt besonders auch für Unternehmen, die einst mit der Qualitätsnote „Investment-Grade" ausgezeichnet wurden und dann durch ein niedrigeres Rating zurückgefallen sind. Die Zahl dieser so genannten „gefallenen Engel" (englisch: „fallen angels"), vor allem aus den Emerging Markets, in den globalen High-Yield-Indizes wird im zweiten Quartal kräftig ansteigen. Die Ölpreisschwankungen werden Hochzinsanleihen zwar weiter beeinflussen, aber die Ausfallrisiken bleiben im Rahmen. In Europa sollten die Investoren allerdings ihre Erwartungen an diese Anlageklasse etwas zurückschrauben."


Autor: Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege Fidelity Worldwide Investment
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30.000 Euro mehr – so stimmen Aufwand und Ertrag!

Ob Sie vor wenigen Jahren wohl auch als Konzernlenker eines deutschen Autobauers so gedacht hätten? Wohlwissend, dass Sie bei der damaligen Preisschlacht auf dem Markt für jedes verkaufte Auto (und somit für jeden zahlenden Kunden) draufzahlen müssen? Pyrrhus sagte einst: Noch so ein Sieg, und ich bin verloren. Doch wo hört die Weitsicht auf und fängt der Pyrrhus-Sieg an?

Je mehr zahlende Kunden, desto besser – wirklich?

Wenn Pyrrhus in der Finanzdienstleistung seine Bahnen zieht, dann sieht das oftmals wie folgt aus:

Man ist viele Kilometer zum Interessenten gefahren, nimmt sich dort ausführlich Zeit für ein Erstgespräch und plaudert erst einmal ganz generell über dies und das und ein bisschen auch über die Vorstellungen des Interessenten. Nachdem beim Ersttermin nichts Zählbares herauskam und man zwischendurch eventuell viel Zeit verwendet hat, um Details sowie die exakten Parameter zu ermitteln (und zu übermitteln), bemüht man sich daraufhin ein zweites Mal zum trauten Heim des Interessenten und am Ende dieser gar nicht mehr so neuen Kundenbeziehung steht der Abschluss einer Haftpflicht und einer Krankenzusatz auf dem Auftragsblatt. Was für ein „Erfolg".

Oder in Pyrrhus' Worten: Noch mehr solcher Abschlüsse, und Sie sind verloren!

Pyrrhus-Siege sind im Finanz- und Versicherungsvertrieb nicht ausschließlich an der Tagesordnung, doch immer noch viel zu häufig Realität. Abschlüsse sind schön und gut, doch Aufwand und Ertrag müssen für den Vermittler stimmen, denn im Gegensatz zu großen Automobilkonzernen können wir „kleinen Fische" keine langen Rabattschlachten ausfechten.

Die (über-) lebenswichtige unternehmerische Sicht der Dinge muss sein:
  • Was kostet es mich, wenn ich den Auftrag nicht annehme? (Obacht: Wahrscheinlichkeit von Folgeaufträgen in die Kalkulation mit einbeziehen)

  • Welche möglichen Einnahmen entgehen mir, wenn ich den Auftrag annehme?
Oder in anderen Worten: Was bringt Ihnen eine unter großem Aufwand abgeschlossene Haftpflichtversicherung, wenn Sie in der gleichen Zeit Neukunden mit deutlich lukrativeren Abschlüssen hätten „eintüten" können? Richtig: Ein sattes Minus für Ihren Unternehmenserfolg.

Was Sie beachten sollten, um Pyrrhus-Kunden zu umgehen

  1. Verkaufen Sie Ihren Geschäftswagen! Oder kennen Sie Notare, die quer übers Land von einem Mandanten zum nächsten fahren? Bei 1,5 Stunden Fahrzeit pro Tag und einem Stundensatz von 100 Euro verlieren Sie durch die Fahrerei über 30.000 Euro pro Jahr.

  2. Scheuen Sie sich auf keinen Fall, beim ersten Kontakt den Interessenten konkret nach seinem Bedarf und seinen Vorstellungen zu fragen – haken Sie nach! Prüfen Sie, ob Zusatzverkäufe möglich sind! Fragen Sie ihn, ob für Ihn ein Service-Vertrag in Frage kommt.

  3. Wieviel verdienen Sie bei welchem Vertragsabschluss abzüglich Ihrer Investitionskosten? Wenn Sie das nicht wissen, dann wird's aber Zeit! Kein Unternehmen ohne Statistik:

           - Was sind die am meisten verkauften Produkte?
           - Welchen Ertrag erzielen Sie durchschnittlich pro Kunde?
           - Welchen (finanziellen) Aufwand müssen Sie durchschnittlich pro Kunde betreiben?
           - Bei welchem Produkt müssen Sie durchschnittlich welchen Arbeitsaufwand pro
             Kunde betreiben?

       4. Finger weg von „Phi mal Daumen". Nehmen Sie lieber den Taschenrechner.

Keine Frag: Potenzielle Kunden eventuell abzulehnen (bzw. den Termin platzen zu lassen, wenn dieser auf einen Hausbesuch besteht) ist erst einmal ein befremdlicher Gedanke. Doch ist das bei genauerer Betrachtung nicht das Normalste der Welt? Viele Arztpraxen nehmen keine neuen Patienten an, exklusive Bankhäuser betreuen keine Normalverdiener.

Außerdem nehmen Sie hierbei nur Ihr gutes Recht in Anspruch, dass jedem Verbraucher völlig selbstverständlich zusteht: Jeder Interessent kann sich gegen Ihre Dienstleistung entscheiden. Jeder Interessent kann den Anbieter wechseln. Warum sollen Sie nicht ebenso das Recht haben, Interessenten nicht (vor Ort) zu betreuen, die Sie am Geldverdienen hindern?

Doch soweit muss es ja gar nicht kommen. In aller Regel reicht es vollkommen aus, Ihrem Interessenten/Kunden freundlich zu erklären, dass er für einen Termin bitte in Ihr Büro kommt, oder dass er das von Ihnen telefonisch erläuterte Produkt doch bitte auf Ihrer Internetseite abschließt.

Es ist ja nicht so, dass „kleine Kunden" prinzipiell schlecht sind, jedoch nur, solange Sie als Unternehmer nicht draufzahlen. Es ist unternehmerisch unsinnig, zu denken: Egal, das (wenige) Geld nehme ich mit. Die Wahrheit ist: Es gibt höchstwahrscheinlich einen deutlich größeren Geldbetrag, den Sie hierdurch nicht mitnehmen.

Übrigens, Pyrrhus ist letzten Endes gescheitert. Das können Sie doch besser!

Diskutieren Sie mit sich, oder Kollegen: Wie erklären Sie Ihren Interessenten, dass Sie für einen Termin zu Ihnen ins Büro kommen müssen. Fahren Sie noch zum Interessenten oder verdienen Sie schon? Mal ehrlich, stimmt bei Ihnen Aufwand und Ertrag? Haben Sie schon einmal Kunden abgewiesen? Führen Sie in diesem Punkt eine genaue Statistik? Wie halten Sie Ihren Aufwand in profitablen Grenzen?

Mit willensstarken Grüßen,

Ihr Jörg Laubrinus
www.laubrinus.de

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Legal & General Investment Management

Derzeit sprechen eine Reihe von Faktoren dafür, dass die Eurozone vor einer starken konjunkturellen Erholung steht. Ohne durchgreifende Reformen - insbesondere auf den Arbeits- und Gütermärkten - und einer Beseitigung struktureller Probleme wird es für die Währungsunion jedoch schwer, zu einem höheren langfristigen Wachstumspfad zurückzufinden. Zu dieser Einschätzung kommt Hetal Mehta, Ökonomin beim britischen Asset-Manager Legal & General Investment Management (LGIM). „Die Rahmenbedingungen sprechen dafür, dass die Eurozone reif ist für eine zyklische Erholung in den kommenden Quartalen", sagt Mehta, „aber das sollte nicht verwechselt werden mit einem langfristig nachhaltigem Wachstum und ebensowenig lassen sich damit die bestehenden Ungleichgewichte in der Währungsunion übertünchen."

Vor allem der stark gesunkene Ölpreis verleiht der Wirtschaft in der Eurozone jedoch zunächst einmal Rückenwind. In Euro gerechnet hat sich die Notierung des schwarzen Goldes seit Mitte vergangenen Jahres annähernd halbiert. „Als bedeutender Netto-Importeur von Öl gehört die Eurozone zu den größten Profiteuren dieser Entwicklung", sagt die LGIM-Expertin. Dazu kommt eine Inflation nahe der Nullmarke. "Mit nominellen Lohnzuwächsen von im Schnitt 1,7 Prozent werden die privaten Haushalte im laufenden Jahr erstmals wieder reale Einkommenszuwächse haben, die auf Vor-Krisen-Niveau liegen", so Metha. „Angesichts der niedrigen Energiekosten werden die Verbraucher einen guten Teil davon für Konsum ausgeben."

Die anhaltend niedrigen Inflationserwartungen bergen jedoch das Risiko, dass die Wirtschaft in eine deflationäre Phase abgleitet. „Allerdings scheint sich die Europäische Zentralbank dieser Gefahr mittlerweile bewusst zu sein. Daher hat sie ihre Geldpolitik mit dem neuen Anleihekaufprogramm noch weiter gelockert", beobachtet Metha. „Das macht gleichzeitig ein Abrutschen in die Rezession noch unwahrscheinlicher."

Zusätzlich profitiert die Wirtschaft der Eurozone von der Schwäche der Gemeinschaftswährung. In Handelsströmen gerechnet ist der Euro um zehn Prozent abgewertet. „Damit hat sich die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auf dem Weltmarkt verbessert, was den Export stützt, und gleichzeitig verbilligen sich die Importe", erklärt die Ökonomin. „Wir rechnen dadurch mit einem auf das Jahr gerechneten zusätzlichen Wachstum von 0,5 Prozent." Dazu kommt, dass sich die Kreditversorgung der Unternehmen durch die Banken in den vergangen Monaten verbessert hat und außerdem die Nachfrage nach Darlehen anzieht. Zusätzlich positiv: Die Neuverschuldung der Euro-Staaten ist im vergangenen Jahr im Durchschnitt auf die Nulllinie gefallen und wird im laufenden Jahr nach Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) nur 0,5 Prozent erreichen.

Gefahr droht der Konjunktur höchstens von politischer Seite. Neben dem weiterhin schwelenden Ukraine-Konflikt könnte die instabile Situation Griechenlands auf andere Euro-Staaten abfärben. So verzeichnen vor den anstehenden Wahlen in Portugal und Spanien die Parteien, die sich für eine Abkehr vom Sparkurs aussprechen, deutlichen Zulauf. „Davon abgesehen scheint jedoch die wirtschaftliche Lage Europas auf den ersten Blick gut zu sein", so Metha. „Doch wenn man sich die Situation der einzelnen Länder anschaut, treten erhebliche Unterschiede zu Tage." So liegt zum Beispiel die Verschuldung des öffentlichen Sektors in Griechenland um 80 Prozent über dem europäischen Durchschnitt, während die Niederlande und Deutschland um 17 beziehungsweise 27 Prozent darunter liegen. Ähnlich verzerrt sieht die Situation bei der Verschuldung der privaten Haushalte und in puncto nationaler Arbeitslosigkeit aus. „Die wirklichen Probleme innerhalb der Eurozone liegen in diesen Ungleichgewichten", weiß die LGIM-Expertin und mahnt durchgreifende Reformen und eine echte Fiskalunion an. „Nachdem die Phase, in der die Euro-Staaten einen harten Sparkurs fahren mussten, vorbei ist, sind die hochverschuldeten Länder gefordert, eine wachstumsorientierte Politik zu verfolgen, um ihre Schuldenquoten endlich zu senken."


Legal & General Investment Management

Finanzierungskunden profitieren vorerst von EZB-Anleihekaufprogramm

Die EZB fühlt sich dementsprechend in ihrem Kurs bestätigt und setzt auch in den kommenden Monaten auf eine volle Umsetzung des Kaufprogramms mit einem monatlichen Volumen von 60 Milliarden Euro.

Mario Draghi kann auf einen guten Start des Anleihekaufprogramms der EZB zurückblicken. Der Eurokurs verminderte sich wie gewünscht deutlich gegenüber dem Dollar, und die langfristigen Zinsen büßten an Wert ein. Außerdem gelangten Unternehmer einer neuen EZB-Studie zufolge bereits nach der Ankündigung des Rückkaufprogramms zu leichteren Bedingungen an Finanzierungen von Geschäftsbanken.

Während der Leitzins erneut auf seinem Tiefstand von 0,05 Prozent verbleibt und entsprechend wenig Beachtung erfährt, sorgt das Anleihekaufprogramm schon knapp fünf Wochen nach seinem Start für vielfältige Reaktionen vonseiten des Kapitalmarkts und führenden Ökonomen. Während die Kapital- und Anleihenmärkte bisher positiv auf das Kaufprogramm reagierten, wurden erste Expertenstimmen laut, die über eine möglichen Drosselung oder ein vorzeitiges Ende des Kaufprogramms spekulierten. EZB-Chef Draghi ließ sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht auf derartige Überlegungen ein und machte den Fortgang des Kaufprogramms erneut an der Inflationsentwicklung fest.

Von der Zielsetzung der EZB, einer konstanten Inflation in der Nähe der Preisstabilitätsgrenze von 2,0 Prozent, sind die Verbraucherpreise der Eurozone jedoch noch weit entfernt. Zuletzt stiegen sie im Februar um 0,3 Prozent. Zum Jahresende hin könnten die Chancen auf einen Ausstieg oder eine Drosselung des Programms allerdings zunehmen, da sich dann der starke Einfluss der niedrigen Energiekosten auf die Verbraucherpreise jährt und in der Folge eine stärkere Inflation im Vergleich zum Vorjahr erwartet wird.

Weitere Seitwärtsbewegung der Finanzierungszinsen erwartet

Der Bestzins für Baufinanzierungen mit zehnjähriger Zinsfestschreibung sank in der zweiten März-Hälfte leicht und tendiert seitdem knapp über der Marke von 1 % seitwärts. Auch Finanzierungskunden profitieren demnach − zumindest vorläufig − vom Anleihekaufprogramm der EZB, das direkt auf die Renditen der Staatsanleihen und in der Folge auf die Renditen für Pfandbriefe und Finanzierungszinsen einwirkt. Angesichts des außergewöhnlich niedrigen Zinsniveaus, das auf lange Sicht ein hohes Zinsänderungsrisiko beinhaltet, hält Dr. Klein an seiner Empfehlung fest, Baufinanzierungen mit einer langfristigen Zinsfestschreibung in Kombination mit hohen Tilgungen abzuschließen. Unsere Empfehlung lautet: Je niedriger der Zins abgeschlossen wird – gerade wenn Kunden kürzere Zinsbindungen abschließen – desto wichtiger ist es, von vornherein eine höhere Anfangstilgung von mindestens zwei Prozent, besser aber noch drei Prozent abzuschließen. Die Dr. Klein Finanzierungsspezialisten stehen Privatkunden zur Seite und ermitteln für ihre Kunden passende Eckdaten für ein ebenso attraktives wie sicheres Finanzierungsprodukt.

Tendenz:
Kurzfristig: schwankend seitwärts
Langfristig: steigend



Stephan Gawarecki, Vorstandssprecher der Dr. Klein & Co. AG
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Wer braucht ein weiteres Zahlungssystem für Internet und Mobile?

Die deutschen Finanzdienstleister haben dem bislang wenig entgegenzusetzen – auch rund 20 Jahre nach dem Start des E-Commerce haben sie noch immer keine überzeugende Lösung für eine Aufgabe, die doch zu ihren Kernkompetenzen zählen sollte. Da hat man wohl einen Trend komplett verschlafen.

Die Konsumenten haben sich mittlerweile an die unkomplizierten Verfahren, die ihnen Anbieter wie Paypal zur Verfügung stellen, gewöhnt, so dass sich die Frage stellt, wie Banken jetzt noch, als Nachzügler in einem umkämpften Markt, diese Kunden zurückgewinnen wollen. Zwar ist gerade Paypal hinsichtlich der Sicherheit umstritten, aber es ist die Frage, ob das ausreicht, diesem überaus beliebten Dienst doch noch das Wasser abzugraben. Und auch wenn in einschlägigen Foren immer wieder frustrierte Nutzer über sonderbare Geschäftspraktiken und Vertragsgestaltungen murren, genutzt wird der Dienst ja trotzdem. Mehr Sicherheit und kundenfreundlichere AGBs werden wohl kaum ausreichen, um die abgewanderten Kunden zurückzuholen. Hier sollte man realistisch sein: Auf einen weiteren Internet-Bezahldienst wartet außerhalb des Bankensektors kein Mensch.

Nein, die deutschen Finanzdienstleister werden schon etwas mehr liefern müssen, als die bloße Abwicklung von Zahlungsvorgängen. Gefragt sind innovative Ansätze, echte Mehrwertdienste, die dem Kunden mehr bieten als nur den Transfer von Geld von A nach B. Denkbar sind hier etwa direkt in den Bezahldienst integrierte Bonus- oder Gutscheinsysteme. Solche Lösungen müssen für die Kunden natürlich kostenlos sein und vor allem müssen sie in Sachen Datensicherheit und -schutz Standards setzen. Mit einem weiteren Datenmoloch wird man sich nämlich gerade in Deutschland keine Freunde machen. Aber die Banken könnten in einem Bonussystem ihre vorhandene Position als vertrauenswürdige kontoführende Institutionen ausspielen und die Daten ihrer Kunden in eigenen Händen behalten. Relevanz der Angebote und Komfort sind die beiden entscheidenden Erfolgsfaktoren.

Außerdem muss von Anfang an mobiles Bezahlen immer integrierter Bestandteil einer Bezahl-Lösung sein, denn das private Internet verlagert sich zunehmend auf Smartphones und Tablets, also auch der private E-Commerce. Gerade im mobilen Bereich sind die neuen, bankfremden Player selbst noch nicht optimal aufgestellt, hier experimentieren sie selbst noch und versuchen sich gegenseitig Marktanteile abzujagen. Mit einer integrierten mobilen, institutsübergreifenden Lösung könnte man wieder Boden gutmachen – sofern man bereit ist, endlich flexibel und schnell zu agieren. Viel Zeit bleibt allerdings dafür nicht, denn die erwähnten neuen Player sind aus der Web- und IT-Welt, aus der sie kommen, an eine hohe Schlagzahl gewöhnt.


Autor: Paul Rothenberger, Head of Banking Pegasystems
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Umsatzsteuerliche Unschärfen bei Anteilsvermittlung Untervermittlern

Die deutsche Finanzverwaltung und Finanzrechtsprechung vertrat/vertritt die Auffassung, die Anlage- und Kreditvermittlung mit eingeschalteten Untervermittlern sei ein umsatzsteuerpflichtiger Vorgang. Diese Auffassung erreichte auf Vorlage des FG Brandenburg den EuGH, der dazu in seiner Ludwig-Entscheidung vom 21.06.2007 eine gegenteilige Auffassung vertrat, die allerdings bis heute von der Finanzverwaltung und Finanzrechtsprechung bis hin zum BFH negiert wird.

Der EuGH in seiner Ludwig-Entscheidung hatte die Umsatzsteuerfreiheit einer Kreditvermittlung eines Kapitalanlagevertriebs zu beurteilen, der seine Vermittlungsleistung durch von ihm jeweils eingeschaltete Untervermittler erbrachte.


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Dr. Klaus-R. Wagner Rechtsanwalt und Notar, Fachanwalt für Steuerrecht
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Wandelanleihen – eine Alternative für konservative Anleger

Vor allem konservativ ausgerichtete Investoren stehen beim aktuellen Niedrigzinsumfeld vor einer großen Herausforderung. An den Anleihemärkten ist die Verzinsung niedrig und die Anleihekurse von Schuldnern mit guter Bonität, notieren so hoch, dass die Restrendite fast gegen Null tendiert. Außerdem markieren die Aktienmärkte ein Rekordhoch nach dem anderen und ebendiese Unternehmen zahlen zusätzlich Dividenden aus, welche oftmals über den Anleiherenditen liegen. Viele große Investoren wie Pensionskassen, Versicherungen oder Stiftungen sind jedoch dazu verpflichtet, einen Großteil des Vermögens in Anleihen zu investieren.

Da kommen Wandelanleihen gerade recht, denn diese sind besonders interessant, wenn die Aktienkurse steigen. Bei dieser Anleiheart, welche auch als „Convertibles" bezeichnet wird, handelt es sich um festverzinsliche Anleihen, die von Aktiengesellschaften ausgegeben werden. Wie bei „normalen" Anleihen werden ein Zinskupon, eine begrenzte Laufzeit und ein Nennwert definiert.
Der große Unterschied liegt aber darin, dass die „Convertibles" mit einem Wandlungsrecht für ihren Käufer ausgestattet sind. Mit diesem kann er während oder am Ende der Laufzeit die Wandelanleihe in eine bestimmte, vorher festgelegte Aktienanzahl des emittierenden Unternehmens umtauschen. Wandelanleihen bieten somit die Möglichkeit, von der Entwicklung am Aktienmarkt zu profitieren, begrenzen aber gleichzeitig mögliche Verluste an der Börse, da das Wandlungsrecht nicht ausgeübt werden muss. Die Verzinsung ist aber niedriger als bei klassischen Unternehmensanleihen.

Obwohl das Prinzip der Wandelanleihen auf den ersten Blick unkompliziert erscheint, sollten sich vor allem Privatanleger vor einem Investment intensiv mit der Materie befassen, da die Kursentwicklung und die Ausgestaltung von Wandelanleihen von zahlreichen Faktoren abhängig sind. Darüber hinaus werden Wandelanleihen oft in einer hohen Mindeststückelung von beispielweise 100.000 Euro ausgegeben, sodass es für Privatanleger schwierig ist, solche Anleihen zu kaufen. Sinnvoller ist der Kauf von Wandelanleihen-Fonds oder -ETFs, welche die Anleger problemlos über die Börse kaufen können, um somit vom Besten aus den beiden Welten, nämlich von Anleihen und Aktien, profitieren zu können.


Autor: Manuel Peiffer, Relationshipmanagement, GVS Financial Solutions GmbH

Rendite mit gutem Gewissen

Das ist dann wieder eine Zeit, in der viele Marktteilnehmer vermuten, dass das Thema Nachhaltigkeit auch im Bereich der Anlegerinteressen einen Nachfrageboom auslösen sollte. Aber dem ist nicht so. Sogenannte grüne Investments werden für private Anleger zwar zunehmend wichtiger, aber Nachhaltigkeit ist nur bei vergleichsweise wenigen ein primäres Kaufkriterium.
Den Deutschen Derivate Verband hat somit in seiner monatlichen Trend-Umfrage interessiert, welche Rolle ethische oder ökologische Aspekte bei der Geldanlage von Privatanlegern spielen. Immerhin beteiligten sich an der Umfrage knapp 4.400 Personen. Dabei handelt es sich in der Regel um gut informierte Anleger, die als Selbstentscheider ohne Berater investieren.
Während 60 % der Teilnehmer ethisch-ökologische Kriterien bei ihren Investments nicht oder nur untergeordnet berücksichtigen, ziehen immerhin 30 % sogenannte grüne Geldanlagen wenigstens in Betracht. Lediglich für jeden zehnten Anleger spielt die Nachhaltigkeit der Anlage sogar eine vorrangige Rolle.

Damit gibt es übrigens kaum spürbare Fortschritte: Im August 2011 antworteten noch rund 38 % der Teilnehmer auf die Frage, ob sie bei ihrer Geldanlage ethische oder ökologische Aspekte berücksichtigten, schlicht mit nein. Weitere 30 % der Umfrageteilnehmer gaben an, zwar das Thema Nachhaltigkeit zu berücksichtigen, dennoch stand auch damals die Chance auf eine attraktive Rendite an erster Stelle.

Die Erfahrung aus zahlreichen Gesprächen lässt trotzdem darauf schließen, dass immer mehr Finanzkunden ihr Geld mit einem guten Gewissen investieren wollen. Im Bereich der nachhaltigen Geldanlagen stehen den Investoren mittlerweile auch alle gängigen Finanzprodukte wie Aktien, Anleihen, Fonds oder auch Zertifikate zur Verfügung.

Was fehlt, sind klare und einheitliche Standards. Vielen Privatanleger brauchen eindeutigere Definitionen, welche Kriterien eine nachhaltige Geldanlage erfüllen muss. Nur mit klaren Bestimmungen und Transparenz können Anbieter von grünen Finanzprodukten also Vertrauen bei den Anlegern schaffen, so dass die Kunden tatsächlich in nachhaltige Finanzprodukte investieren.


Autor: Lars Brandau, Geschäftsführer Deutscher Derivate Verband (DDV)

Mehr Kreativität in der Produktberatung

Der höchste Zins fürs Tagesgeld oder die günstigste Kfz-Versicherung sind mittlerweile nur noch einen Mausklick entfernt.
Kein Wunder, dass auch die Profis aus der Finanz- und Versicherungsbranche verstärkt die Anbieter von Vergleichssoftware und deren Datenbanken nutzen. Makler suchen sich beispielsweise anhand der einschlägigen Portale die billigsten Berufsunfähigkeitsversicherungen und Rentenversicherungen heraus, vielleicht noch selektiert nach Ratings. Diese Ergebnislisten dienen als Grundlage für das Kundengespräch. Nun erfüllen diese Anbieter ohne Zweifel eine wertvolle Funktion: Sie liefern einen schnellen Überblick, sie sparen Zeit und schaffen Transparenz. Aber umso wichtiger ist es, die Grenzen dieser Software zu sehen – das müsste sich eigentlich jeder Versicherungsmakler verinnerlichen wie das Zähneputzen. Sonst läuft der Berufsstand in Gefahr, sich auf Sicht selbst zu schaden. Denn Vergleichssoftware-Anbieter sind bei allen Stärken wie Planierraupen, die Unterschiede einebnen und so zu Uniformität in den Produkten führen. Die Zahl der Auswahlkriterien ist nämlich begrenzt. Die Nutzer sehen nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit. Das ist so, als würde man Filme noch mit einem Schwarz-Weiß-Fernseher schauen. Dabei ist die Welt farbig, wie jeder weiß.

Auch die Versicherungsunternehmen reagieren auf das Korsett der Vergleicher und passen ihre Tarife an. Das bedeutet, die Angebote werden sich immer ähnlicher – aber nicht zwingend besser. Eine Unfallversicherung etwa kann man online nach Prämienhöhe, Versicherungsleistungen oder eingeschlossenen Leistungen sortieren. Aber eine Unfallpolice mit Schadenersatz für alle finanziellen Einbußen? Solche innovativen Angebote gibt es – nur nicht bei den Vergleichssoftware-Anbietern. Das lässt deren Raster nicht zu. Das Beispiel zeigt zugleich die Chancen für Versicherungsvermittler auf: Wer auf Kreativität statt auf Uniformität setzt, wer sich die Mühe macht, Informationen über die optimalen Produkte jenseits der Vergleichssoftware zu sammeln, der kann die individuellen Bedürfnisse seiner Kunden besser erfüllen und wird damit erfolgreicher sein.

Maßgeschneiderte Lösungen statt Standardware heißt deshalb die Antwort zur eigenen Zukunftssicherung. Die Werkzeuge und Produkte sind vorhanden. Es braucht nur ein wenig Kreativität und Einsatzbereitschaft. Der Kunde wird es einem danken. Wer dagegen glaubt, allein mit den Computer-Listen arbeiten zu können, der wird sich auf kurz oder lang selbst überflüssig machen. Denn Vergleichsportale und die Software können die Kunden auch bedienen – wozu bräuchten sie dann künftig noch einen Vermittler?


Martin Gräfer, Vorstand Versicherungsgruppe die Bayerische