Marktreformen in China

"Unbestreitbar hatten die chinesischen Staatsunternehmen wesentlichen Anteil am rasanten Wachstum des Landes in den zurückliegenden Jahrzehnten. Als Anteilseigner und Aufsichtsbehörde in einem greift die SASAC heute jedoch mit ihren bürokratischen Vorgaben massiv in die Autonomie der Staatsbetriebe ein und hemmt damit deren Entwicklung. Heute bremsen die unzureichende Effizienz und hohe Verschuldung der Staatsunternehmen die Entwicklung der gesamten Volkswirtschaft.
Insgesamt beaufsichtigt die SASAC mehr als 100 zentrale, staatseigene Betriebe. In sechs ausgewählten Unternehmen sollen nun Pilotprogramme umgesetzt und die gewonnenen Erfahrungen anschließend in großem Maßstab auf andere Staatsunternehmen übertragen werden. Drei Pilotprogramme sind besonders interessant:
Das erste sieht die Gründung staatlicher Kapitalanlagegesellschaften vor. Die Hauptaufgabe der SASAC wird sich von der Leitung der Staatsbetriebe zur reinen Kapitalverwaltung wandeln. Das ist ein wichtiger Schritt zur Trennung der beiden Funktionen der SASAC. Ein zweites Pilotprogramm sieht weiterreichende Kompetenzen für die Unternehmensvorstände in der Personalpolitik vor. Die Neuregelung der Managementstrukturen verleiht den Staatsunternehmen mehr Eigenständigkeit bei der Ernennung und Entlohnung von Führungskräften. Die Interessen des Managements der Staatsbetriebe werden so stärker an den Unternehmenszielen und den Interessen der Aktionäre ausgerichtet.
Ein drittes Pilotprogramm ermöglicht die Entwicklung hybrider Eigentumsstrukturen. Nach der Finanzkrise 2008 haben die Staatsbetriebe zwar ihre Dominanz und sogar ihre Monopolstellung in einigen Schlüsselbranchen ausgebaut. Das aber ging zu Lasten der Effizienz, während zugleich ihre Verschuldungsquoten stiegen. Seit den 1990ern hat sich die Eigenkapitalrendite der Staatsbetriebe umgekehrt proportional zum Anteil der Staatsbeteiligung entwickelt. Das lässt den Umkehrschluss zu, dass sich mit steigender Beteiligung privater Kapitalgeber im Fahrwasser der Reform die Effizienz der Staatsbetriebe verbessern wird.

Während die SASAC diese Pilotprogramme aufgelegt hat, vollzog sich im vergangenen Jahr in einigen von Staatsbetrieben dominierten Industriezweigen bereits eine umfassendere Reform. Ein Beispiel ist die Öl- und Gasindustrie, die sich allmählich für privates Kapital öffnet. Darüber hinaus hat die Regierung erste Schritte ergriffen, um in den Bereichen Wasser, Telekommunikation und Strom ein marktorientiertes Preissystem einzuführen. Anleger sollten jedoch berücksichtigen, dass die Neuordnung der Staatsbetriebe ein langwieriger Prozess ist. Der nun unternommene Schritt war für diese Entwicklung jedoch sehr wichtig und wird sich positiv auf die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft auswirken."

(Autor: Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege Fidelity Worldwide Investment)
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Wie informieren sich Finanzprofis?

Grundlage einer jeden Investitionsentscheidung ist eine intensive Analyse auf Basis möglichst vieler unterschiedlicher Quellen. Der objektive Vermögensverwalter trifft seine Entscheidungen nach Studium des Researchmaterials namhafter Bankinstitute. Im Falle der Aubilia Vermögensmanagement GmbH besteht diesbezüglich Unterstützung seitens renommierter Privat- und Geschäftsbanken sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene.

Es ist immer wieder erstaunlich, dass Bankhäuser trotz gleichen Informationsstandes zu teilweise deutlich unterschiedlichen Bewertungen kommen. Vorrangige Aufgabe des unabhängigen Vermögensverwalters ist es nun, diese Bewertungen zu hinterfragen und eine eigene und objektive Beurteilung abzugeben. Die Lektüre namhafter Finanzzeitungen ist bei diesem Bewertungsprozess sehr hilfreich. Als Favoriten seien hier unter anderem die Schweizer "Finanz & Wirtschaft" und das amerikanische "The Wall Street Journal" genannt.
Darüber hinaus bietet das Internet eine wertvolle und oftmals sogar kostenfreie Informationsdichte. Finanzprofis kommunizieren hier zu unterschiedlichen Investmentthemen, kommentieren aktuelle Ereignisse und veröffentlichen eigene Analysen. Namhafte unabhängige Vermögensverwalter wie "GMO" in den USA erläutern ihre Markteinschätzungen in Quartalslettern. Diese Informationen sind auf den entsprechenden Websites frei zugänglich. Investitionsentscheidungen bekannter Investoren wie "Warren Buffett" oder "George Soros" können als Investmentidee und Kontrolle der eigenen Entscheidungen dienen. Informationen zu Aktienkäufen oder -verkäufen dieser Investmentlegenden sind im Internet zeitnah verfügbar.

Festzuhalten bleibt, dass sämtliche Informationsquellen internationaler Herkunft sein sollten und möglichst einen unabhängigen Hintergrund haben. Die Auswahl und Gewichtung der Informationsquellen ist das einzige subjektive Element im Ausleseprozess und der Erfahrung des jeweiligen Nutzers an den Finanzmärkten geschuldet.

(Autor: Thomas Pfetzing, Geschäftsführer der Aubilia Vermögensmanagement GmbH)
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Je volatiler der Markt, desto besser für Wandelanleihen

Neben dem Kupon gewähren Wandelanleihen die Option, in eine definierte Zahl von Aktien getauscht (gewandelt) zu werden. Das macht sie in steigenden Märkten aktienähnlich. Fallen die Märkte, fällt die Wandelanleihe nur bis zum so genannten Bond Floor. Das heißt bis zum Wert der Anleihe – wenn der Wert der Aktienoption außer Acht gelassen wird. In der Nähe dieses Bond Floors sind Wandler klassischen Anleihen ähnlich. Grundsätzlich haben Wandelanleihen eher etwas mehr von einer Aktie als von einer Anleihe.

Der Vorteil des asymmetrischen Risikoprofils wirft die Frage auf, warum nicht mehr Investoren in diesen Markt einsteigen. Zum einen liegt dies am relativ kleinen Gesamtvolumen von gut 500 Milliarden Dollar. Zum anderen sind die Papiere recht kompliziert. Interessenten müssen die Bedingungen genau studieren, die Wandelanleihe und die dazugehörige Aktie beobachten und die Fristen im Blick haben. Für viele Privatanleger, aber auch Institutionelle, ist das schwierig. Hinzu kommt die Herausforderung, die Papiere im Reporting korrekt zu verbuchen. So empfehlen sich Fondslösungen.

Mittel- bis langfristig werden Wandelanleihefonds sicherlich von den weiteren Entwicklungen am Aktienmarkt bestimmt. Eine Faustregel besagt, dass Convertibles zu etwa zwei Dritteln am Aufschwung des Aktienmarkts teilhaben, während sie eine Abwärtsbewegung nur zu etwa einem Drittel nachvollziehen. Das mag sehr pauschal klingen, lässt sich jedoch anhand historischer Daten empirisch belegen.

Viele Anleger wollen das Thema Wandelanleihen gern mit vermeintlich risikoarmen Investment-Grade-Bonds spielen. Die Tendenz zur Überbewertung von Wandelanleihen mit hoher Bonität ist jedoch stark. Daher sehen wir als Fondsmanager derzeit die attraktivsten Wertpapiere außerhalb des Investment-Grade-Bereichs, dies umfasst neben High-Yield-Anleihen auch Wandelanleihen ohne offizielles Rating.

Fazit: Langfristig sind Wandelanleihen ein strategisch interessanter Markt, den Anleger aufgrund des attraktiven Risiko-Rendite-Profils beimischen sollten.


(Autoren: Uli Sperl und Alain Eckmann, UBS Global Asset Management)
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Hoffnungsschimmer für Hellas

Sie haben das Zeug, in den nächsten Jahren deutlich überproportionale Wertsteigerungen zu erzielen. Denn Griechenland arbeitet sich gerade aus seiner tiefen Rezession heraus, was viele Investoren bereits zurückkehren lässt.
Die Eurokrise hat Griechenland schwer getroffen und in eine tiefe Rezession gestürzt. Hohe Sparauflagen der Europäischen Gemeinschaft sowie Vorgaben für eine radikale Konsolidierung der Staatsfinanzen und strukturelle Reformen haben der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands in den vergangenen sechs Jahren einen herben Rückschlag beschert. Dass Griechenland nicht aus der Europäischen Gemeinschaftswährung austreten musste, war rein der Tatsache geschuldet, dass der Europäische Rettungsschirm ESM gegründet wurde, der auch andere südeuropäische Krisenstaaten wie Portugal, Italien und Spanien vor noch weitreichenderen Folgen schützte.

Doch all das rückt zunehmend wieder in den Hintergrund. Der Optimismus ist zurückgekehrt und mit ihm Investoren aus dem Ausland, die die Chancen erkannt haben, die mit der möglicherweise unmittelbar bevorstehenden wirtschaftlichen Wiederauferstehung Griechenlands verbunden sind. Die sich abzeichnende wirtschaftliche Entspannung spiegelt sich bereits am Arbeitsmarkt und in entsprechend höheren Konsumausgaben der Griechen wider. Hinzu kommen zunehmende Fortschritte bei den Reformen im Renten-, Steuer- und Gesundheitssystem, die langsam die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands unter Kostengesichtspunkten verbessern.
Dass das Vertrauen in die zurückkehrende wirtschaftliche Kraft Griechenlands auf dem internationalen Parkett groß ist zeigt auch die Tatsache, dass Griechenland im Frühjahr 2014 an den Kapitalmarkt zurückgekehrt ist und erfolgreich eine Staatsanleihe mit einem Emissionsvolumen von 2,5 Mrd. Euro platzieren konnte.
Viele Hoffnungen ruhen auch auf den Privatisierungen, die langsam in die Gänge kommen. Noch hat der Staat in vielen Bereichen hohe Beteiligungen, die aber nach und nach abgebaut werden. Allein im laufenden Jahr sollen dem griechischen Fiskus dadurch zwischen 1,0 und 1,5 Mrd. Euro zufließen. Besonders bei günstig gelegenen Mittelmeerhäfen, Eisenbahntrassen und Flughäfen wird sich der Staat zunehmend zurückziehen und privaten internationalen Betreibern den Einstieg bieten.

Aber auch bei den Unternehmen lassen sich viele Perlen mit vielversprechenden Aussichten finden. Hierzu zählen Unternehmen mit besonders erfolgreichen Geschäftsmodellen oder solche, die sich in einem Umbau befinden, etwa weil sie ihre Schulden abbauen. Das Potenzial am griechischen Aktienmarkt ist immens. Während der Finanzkrise hat der griechische Aktienindex bis zu 70 Prozent seines Wertes verloren und noch lange nicht den Aufholprozess starten können, den viele andere europäische Märkte bereits hinter sich haben. Im Mittelpunkt der Aktienauswahl im griechischen Markt sollten Unternehmen stehen, die international ausgerichtet sind und von der Eurokrise verhältnismäßig wenig betroffen waren. Viele gut aufgestellte Gesellschaften haben es geschafft, gestärkt aus der Krise hervorzugehen, indem sie im Vergleich zu Konkurrenten Kosten reduziert oder ihre Strategien rasch angepasst haben. Auch Unternehmen, die sich in einer strikten Restrukturierung befinden oder privatisiert werden, können als besonders aussichtsreich angesehen werden.
In diesem Umfeld ist der griechische Aktienmarkt so interessant wie nie zuvor und bietet attraktive Ertragschancen. Da allerdings davon auszugehen ist, dass die wirtschaftlichen und strukturellen Rahmenbedingungen in Griechenland noch eine ganze Weile schwierig bleiben könnten, ist es derzeit besonders wichtig, nicht einfach einen Index zu kaufen, der den griechischen Aktienmarkt nur passiv abbildet, sondern erfahrenen Spezialisten die aktive Titelauswahl zu überlassen, um noch effizienter vom Aufwärtspotenzial zu profitieren.


(Autorin: Nota Zagari, Senior Portfolio-Managerin und Vorstandsmitglied bei Alpha Trust Fund Management S.A.; Athen)
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Durchblick im Tarifdschungel

Sobald man jedoch auf der Produkt- und Produktdetailebene landet, ist es mit der Klarheit und Eindeutigkeit vorbei. Nicht selten existieren bei den großen Versicherungsanbietern hundert und mehr Einzelproduktkennzeichnungen für Angebote und Versicherungstarife.
Der Kunde wird mit einer Begriffsvielfalt konfrontiert, die ihm meist keine eindeutige Zuordnung der Produkte zu den einzelnen Angebotsbereichen ermöglicht. Neben kunstvollen Eigennamen findet man hier häufig auch Buchstaben-Zahlen-Kombinationen, die aus Tarifierungsmerkmalen hergeleitet sind, aber keinerlei Aufschluss über die Produktinhalte, also die Leistungen des Versicherungstarifs, geben.

„Everything should be made as simple as possible, but not simpler" (Albert Einstein)

Am Beispiel der ALTE LEIPZIGER Sachversicherung AG zeigt sich, wie eine sinnvolle Kennzeichnungsstruktur unterhalb einer starken Dachmarke für mehr Transparenz und Verkaufserfolg sorgt. Die innomark GmbH wurde beauftragt, zunächst eine Situations- und Kundenbedarfsanalyse durchzuführen. Ausgehend von einer sehr uneinheitlichen Namenssystematik wurden zunächst die Kundenbedürfnisse und Erfordernisse der Produktunterscheidung analysiert. Im Ergebnis standen drei grundlegende Cluster, die bei einer großen Anzahl der befragten Kundengruppen immer wiederkehrende Bedarfsmuster erkennen ließen. Es zeigte sich, dass in der Vergangenheit die Namensgebung eher der technischen Unterscheidung der Tarifierungsmerkmale folgte statt der nutzenorientierten Denkweise der Kunden.

Klare Produktstruktur – klares Kommunikationskonzept

Um genau das zu erreichen, wurden drei Angebots-Cluster mit einfachen, prägnanten und gut fassbaren Kennzeichnungen definiert:
• compact
• classic
• comfort

Darüber hinaus wurde das Kennzeichnungskonzept so angepasst, dass an der ersten Stelle des Produktnamens das Akronym AL als markteingeführte Kennzeichnung für ALTE LEIPZIGER steht, dahinter der jeweilige Sachversicherungsbereich direkt erkennbar bleibt und an dritter Stelle die Produktausgestaltung compact, classic oder comfort angehängt wurde.
Nach Pre-Tests und einem erfolgreichen Roll-Out des neuen Kennzeichnungskonzeptes im Bereich Kfz-Versicherung im Jahr 2013 ist nun für 2014 die Umstellung der anderen Sachversicherungsbereiche auf die gleiche Kennzeichnungssystematik geplant. Eine Umfrage bei Kunden, Versicherungsmaklern und Mitarbeitern hat ergeben, dass die neue Struktur für mehr Klarheit, Transparenz und eine wesentlich einfachere Handhabung, insbesondere im Kundengespräch, sorgt.


(Autor: Thomas Schiefer, geschäftsführender Gesellschafter der innomark GmbH)
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Forderung nach einer neuen Vorsorgementalität

Das Dilemma: Das Niedrigzinsniveau lässt Lebensversicherungen und erstklassige Rentenpapiere nicht einmal die Inflationsrate verdienen. Mutig investierte er in den 90er Jahren in Aktien, das Sparbuch links liegenlassend, doch herbe Rückschläge an den Börsen und die Euro-Krise straften ihn. Verharrt er in seinem Sicherheitsdenken und seinem Anspruch auf Erträge über der Inflationsrate, wird es für ihn keine geeignete Anlageform seitens einer Bank, eines Versicherers oder Fondsanbieters geben.

Einen guten Mittelweg zwischen Sicherheit und Rendite schienen die Fondsanbieter schon früh gefunden zu haben: Sie entwickelten Laufzeitfonds. Einmal aufgelegt und mit einer Zieldatum ausgestattet, investierten sie in den frühen Jahren ihres Lebenszyklus in Aktien, schichteten dann zum Laufzeitende immer mehr in Rentenpapiere, um das investierte Kapital und erzielte Gewinne abzusichern. Je nach Konzept versprachen sie sogar einen 100-prozentigen Kapitalschutz. Aber so richtig zündeten diese nicht, mussten Sie doch bei starkem Rückgang der Aktienkurse zu früh in Geldmarktpapiere investieren, um die Garantien und die erzielten Gewinne abzusichern (Cash-Lock-Falle). Dadurch war kein weiterer Wertzuwachs zum Laufzeitende möglich.
Wer also für seinen Ruhestand vorsorgen möchte, sollte von dem Anspruch völliger Sicherheit abrücken, ohne jedoch auf Liquidität und Transparenz zu verzichten. Schließlich möchte man wissen, wie es um sein Kapital bestellt ist. Wie sieht nun ein Mittelweg aus zwischen Aktieninvestment mit Schwankungsrisiko einerseits, und einem sicherheitsorientierten aber schwach verzinsten Renteninvestment andererseits?

Der Grundgedanke eines Laufzeitfonds ist nach wie vor richtig, nur muss an dem Konzept einiges verbessert werden. Die 100 % Garantie wird ersetzt durch eine akzeptable Teilgarantie, die sich im Zeitablauf erhöhen kann. Ein gewisses Risiko ist über einen langfristigen Anlagezeitraum vertretbar, zumal die Ertragschancen überwiegen. Die auflaufenden Erträge aus den Rentenpapieren sowie steigende Zinsen am Kapitalmarkt ermöglichen eine Erhöhung der Garantie über die Laufzeit. Eine akzeptable Rendite kann über risikoreichere Anlageklassen erwirtschaftet werden.

(Autor: Michael Dazian, Director, BNP Paribas Investment Partners)

Lehren aus der Lehman-Pleite

Grund genug, sich seitdem die Entwicklung der Zertifikate-Branche etwas genauer anzuschauen. Was zu allererst auffällt: Totgesagte leben tatsächlich länger. Gründe dafür gibt es mehr als genug, denn bei strukturierten Wertpapieren wie Zertifikaten handelt es sich ohne Zweifel um sinnvolle und vielseitige Finanzprodukte. Mit ihnen können Privatanleger sowohl unkompliziert ihr Depot absichern, aber auch von steigenden, seitwärts laufenden oder fallenden Märkten profitieren.

Trotz moderater Rückgänge in schwächeren Monaten zeigen sich die Börsenumsätze und das Marktvolumen recht stabil. Gerade im anhaltenden Niedrigzinsumfeld haben Anleger die Chancen und die Attraktivität der Produkte also erkannt. Dennoch gilt: Zertifikate sind erklärungsbedürftig, und Anleger sind gut beraten, sich vor dem Kauf eines Produktes mit dessen Funktionsweise und Eignung in Bezug auf ihre Risikoneigung auseinanderzusetzen.

Gerade die in den vergangenen Jahren erarbeiteten Standards der Zertifikatebranche schaffen in einem enorm vielseitigen Produktuniversum für die Anleger ein hohes Maß an Übersicht, Transparenz und Vergleichbarkeit: Von der Produktklassifizierung durch die Derivate-Liga über die einheitlichen Fachbegriffe bis hin zu den Vorgaben für die Produktinformationsblätter und den Risikoklassen. Nicht zuletzt haben die Mitglieder des Deutschen Derivate Verbands (DDV) im Rahmen einer Selbstverpflichtung, dem Fairness Kodex, einen wichtigen Meilenstein für eine branchenweite Standardisierung gesetzt. Damit ist der Branche gelungen, verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Entsprechend berücksichtigen viele Anleger mittlerweile die wichtigen Kriterien beim Kauf eines strukturierten Wertpapiers. Das geht auch aus dem Ergebnis der aktuellen Online-Umfrage des DDV hervor. An der Umfrage, die gemeinsam mit sechs großen Finanzportalen durchgeführt wurde, beteiligten sich mehr als 2.100 Personen. Drei von vier Teilnehmern halten die Bonität des jeweiligen Emittenten für das wichtigste bzw. ein wichtiges Kaufkriterium.

Darüber hinaus sollten Anleger aber noch weitere Faktoren berücksichtigen. Ausgesprochen hilfreich ist hier die Checkliste, die der Verband gemeinsam mit der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz veröffentlicht hat. Sie enthält insgesamt 18 Fragen einschließlich ihrer Erläuterungen, und zeigt, welche Informationen Anleger einholen sollten, bevor sie sich für den Kauf eines Zertifikats entscheiden.

(Autor: Lars Brandau, Geschäftsführer Deutscher Derivate Verband (DDV)

Vergütungsform und Bürokratie als Wunderwaffe

Europäische Verwaltungsbeamte, Politikerinnen und Politiker trauen dem Staat, insbesondere dem Gesetzgeber, erstaunliche Heilungskräfte zu, wenn es um die Lehren aus den Finanzkrisen der Vergangenheit geht.

Wirtschaftswissenschaftler bezweifeln, dass Krisen sich gleichartig wiederholen, so dass mit den Lehren aus der ersten Krise eine zweite vermieden werden kann. Es sei nach Meinung von ökonomischen Experten schon genug gewonnen, wenn man die zweite besser als die erste durchsteht, und dafür kann die Gesetzgebung ein Beitrag sein. Aber nur ein Beitrag, zumeist ist es nicht die finale Lösung.

Regulierungswut ist zumeist eine Verschlimmbesserung erster Güte. Finanzdienstleistungen werden dadurch teurer, in vielen Fällen zu teuer – namentlich für die zahlreichen Privatkunden und kleine Anleger, denen solche Instrumente über die vergangenen Jahrzehnte zur Basisabsicherung, Ertrag und somit zur Erhöhung ihres Wohlstands verholfen haben.

Politische Regelungswut überall

Die Probleme mit Lehman Brothers und Madoff, auf die Verbraucherschutz und Politiker gerne als Begründung verweisen, sind absolut nicht die Regel in der Finanzwirtschaft. Sie sind eher die Ausnahme, Lehman Brothers war als Bank eine erster Adresse, die insolvent wurde, und Madoff ein Krimineller.

Beide bedauerlichen Fälle hätten über eine strikte Regulierung der Branche und deren Vertrieb nicht verhindert werden können, da per Gesetz ein menschliches Fehlverhalten nie auszuschließen ist. Nötig hierzu ist ein Strafrecht, das gröbstes oder gar vorsätzliches Fehlverhalten sanktioniert. Eine entsprechende Gesetzgebung zu Wirtschaftskriminalität ist weitgehend schon vorhanden und muss nicht neu erfunden werden, sondern nur konsequenter und schneller in der juristischen Praxis angewandt werden.

Nötig waren Regeln über die Prüfung von Eignung und Angemessenheit der Anlagestrategie an der individuellen Risikoorientierung für eine Kundin oder einen Kunden, sowie eine Bewilligungspflicht für Vermögensverwalter und diverse sogenannte Anlage- und Finanzberater. Solche Maßnahmen können den Verbraucherschutz teilweise wirklich verbessern und werden insoweit auch von den Assekuranzen und Banken unterstützt.

Verbraucher-Lobby will ohne Sachkundenachweis Finanzmarktwächter sein

Am liebsten soll es nach der Lobby des Verbraucherschutzes eine Ampel für jedes einzelne Finanz- und Versicherungsprodukt sein. Grün steht für unbedenklich, gelb für Vorsicht und Rot für Finger weg – gefährlich. Doch wer legt die Farben fest, wo heute kaum jemand weiß, was in zehn oder 20 Jahren für ein Szenario vorliegt. Der Verbraucherschutz traut sich selbst dies zu, ohne dass dessen Mitarbeiter eine Qualifikation mit einem Sachkundenachweis haben müssen.

Vermittlungsunternehmer dagegen sollen dokumentieren, ihre Betriebe am liebsten täglich überprüfen lassen und ihr Einkommen freiwillig gegen Null absenken. Die Qualität einer Beratung wird wohl kaum besser, wenn ein schwarzes Schaf der Branche mit Zertifikat arbeitet oder wenn Geringverdiener als Berater über hunderttausende von Euro als Altersvorsorge oder bei Kapitalanlage-Verlust den sicheren Weg in die Altersarmut beraten und für die Vermittlung nicht haften.

Medizin und Finanzdienstleistung werden zum Verwaltungsmoloch

Schon in der Schulmedizin zeigt sich wie oft ein Kranker oder Verunfallter froh ist, wenn die lebensnotwendige Operationsmethode seines Arztes nicht erst noch zertifiziert werden muss. Die Wartezeit bis ein Unfallarzt die Verwaltungspapiere ausgefüllt hat ist schon lange genug.

Bei den „Finanzärzten“ soll nun auf Menschen gesetzt werden, die vor allem dann kein Geld verdienen sollen, wenn es um viel Geld, die Altersvorsorge, die Existenz oder das Vermögen der Menschen geht. Welche Logik steckt da dahinter? Vor allem, wenn diese (Honorar-)Berater nicht für eine Vermittlung haften sollen und nur ihre Honorare wollen. Hierüber sollte nachgedacht werden.

(Autor: Dietmar Braun, freier Fachjournalist, Hochschuldozent Assekuranz und Banken)
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Hat die amerikanische Notenbank eine neue Lawine losgetreten?

Dabei traf es die Emerging Markets besonders hart. Vor wenigen Wochen nun äußerte die Fed Bedenken wegen der Liquidität in einigen Segmenten des Anleihemarkts. Nach den immensen Mittelzuflüssen in Anleihefonds hat die amerikanische Notenbank die Sorge, dass bei einem plötzlichen (Meinungs-)Umschwung die nötige Liquidität fehlt, um die Anleihen am Markt zu platzieren. Mich wundert es, dass die Fed erst jetzt auf dieses Szenario aufmerksam wird. Durch die verschärfte Finanzmarktregulierung haben sich sehr viele Finanzinstitute aus dem Handel zurückgezogen oder die Limits für mögliche Geschäfte deutlich reduziert. Dabei bezieht sich dieser Umstand nicht nur auf den spekulativen Bereich (High Yield). Auch bei Unternehmensanleihen mit einem Investment Grade Rating kann der Verkauf von Positionen zum Problem werden. Gerade in Phasen mit höherer Volatilität werden die Handelslimits (weiter) reduziert.

Gleichzeitig haben mehr Unternehmen in den vergangenen Jahren direkt den Kapitalmarkt für Ihre Finanzierung genutzt, da die Banken nicht willens oder in der Lage waren, den Kreditbedarf zu erfüllen. Da die Renditen bei Anleihen über alle Segmente hinweg nur eine Richtung kannten, war die Aufnahme für neues Material entsprechend gut. Dabei störte es zuletzt auch immer weniger, dass die Qualität schlechter wurde. Viele Anleger akzeptieren auf der Suche nach Rendite auch diese Unwägbarkeiten und tun es weiterhin. Sollte sich der Trend fallender Renditen umkehren, kann es durchaus zu einem Szenario mangelnder Liquidität kommen. Davon werden dann sowohl aktiv als auch passiv gemanagte Produkte betroffen sein. Der Vorteil aktiver Produkte kann dann allerdings sein, dass die Qualität der Papiere im Portfolio so gut ist, dass die Nachfrage schneller wieder zurückkehrt und damit das wichtigste Element solcher Portfolios herauskommt: Outperformance!

Ob Panik ein guter Ratgeber ist, kann wohl verneint werden. Wir befinden uns absolut und auch relativ gesehen auf einem sehr niedrigen Renditeniveau. Eine Gegenbewegung wäre nicht ungewöhnlich und auch gesund. Wie bei den Emerging Market Bonds in 2013 wird wohl auch bei den High Yield Bonds zukünftig wieder mehr auf die Qualität geachtet werden (müssen). Der Hunger nach Rendite bleibt bei den Perspektiven in Europa weiterhin bestehen. Sollten die politischen Unsicherheiten sich nicht verschärfen, könnte nach einer Phase der Irritation wieder „Normalität" einkehren. Doch: Qualität bleibt ein wichtiges Kriterium!


(Autor: Thomas Meyer
Country Head Germany PETERCAM S.A.)

Deutschland macht Jagd auf Vermittlungsunternehmer

Deutsche Volksparteien scheinen Teile des deutschen Mittelstandes vergessen zu haben. Die Regulierung für unabhängige Versicherungsvermittler und Versicherungsmakler soll den Verbraucherschutz befördern, doch in Wirklichkeit zwingt sie Vermittlungsunternehmer mit vielen Beschäftigten zur Betriebsaufgabe. Die Politik verteilt Sanktionen in Form eines von Brüssel aus angetriebenem völlig überzogenem europäischem Verbraucherschutz.

Wer sind eigentlich diese gejagten Vermittlungsunternehmer? Laut einem Bericht der Bild-Zeitung soll das zum Beispiel ein Makler aus Berlin sein, der in Wirklichkeit als Versicherungsvertreter ohne Erlaubnis für die ERGO-Versicherungsgruppe arbeitet. Hier wird durch die Medien ein ganzer erlaubnispflichtiger Berufsstand, den der Versicherungsmakler, ohne Recherche verunglimpft. Eine mediale Steilvorlage für die Politik noch mehr Regulierung umzusetzen.

Oder die Autoren vom Handelsblatt beschwören den Untergang der deutschen Lebensversicherung und rufen zur Jagd auf deren Vermittler auf. Aktueller Fälle sind eine Verunglimpfung der Renditen der Riester-Rente und der betrieblichen Altersvorsorge, die beide in Wahrheit wichtige Säulen, der staatlich geförderten privaten Vorsorge sind.

Die Politik schaut tatenlos zu wie der staatlich geförderte Verbraucherschutz nahezu täglich die Vermittlungsunternehmer als „Provisionsjäger“ öffentlich an den Pranger stellt. Obwohl beim Ombudsmann kaum Beschwerden über die zig Millionen Versicherungsvermittlungen von den Versicherungskunden eintreffen. Obwohl jeder Versicherungskunde über die für ihn kostenfreie Beschwerdestelle zu informieren ist.

Der Bundesfinanzminister schützt seine besten mobilen „Steuereintreiber“ nicht, obwohl aus nahezu jeder gezahlten Versicherungsprämie in der Summe 10 Milliarden Euro an Versicherungssteuer für den Staat anfallen, das sind allein vier Prozent aller Steuereinnahmen.

Die Bundesozialministerin glaubt, dass Honorarberatung ein Geschäftsmodell sei, wo die Menschen die beste Versicherungslösung mit einer nahezu kostenfreien Beratung erhielten. Da verwundert es schon, dass es kaum Menschen gibt, die den Beruf eines selbständigen Honorarberaters ausüben wollen.

Es scheint wirklich an der Zeit zu sein, dass die deutschen Maklerverbände, die Verbände der Finanz- und Versicherungskaufleute, die Maklergenossenschaft, die Versicherer und auch die Banken den Volksvertretern mit einer gemeinsamen Stimme klar verdeutlichen, was die Berufsstände der Versicherungsvermittler und der Versicherungsmakler, zumeist als mittelständische Unternehmer täglich für die Bürger leisten. Die Initiativen „Ehrbare Kaufleute“ und „gut beraten“ sind da zu wenig.

Auch die Kollegen in den Medien sollten sich besinnen, ob neben den negativen Schlagzeilen, es nicht auch mehrheitlich positive Geschichten rund um die Vermittlungsunternehmer gibt. Wo eine private Altersrente die Altersarmut verhindert, wo eine Haftpflichtversicherung die Existenz rettet oder die Wohngebäudeversicherung nebst Elementardeckung den Untergang von Vermögen verhindert oder einen Neubau ermöglicht. Dieser Kommentar hier und jetzt soll ein Schritt in diese Richtung sein.

(Autor: Dietmar Braun, freier Fachjournalist, Hochschuldozent Assekuranz und Banken)

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