Euroraum erholt sich weiter, trotz schwacher Weltkonjunktur

Nach einem recht turbulenten Jahresbeginn haben die Rezessionssorgen in den USA nachgelassen – und in China scheinen die Behörden die wirtschaftliche Lage in den Griff zu bekommen. Stärkere Konjunktur im Euroraum trotz politischer...
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Großer Vertrauensverlust – günstige Einkaufskurse

Bieten Ängste und Sorgen günstige Kaufgelegenheiten, vor allem für die heimischen Aktienmärkte? Die ökonomischen Fakten sprechen dafür, denn aktuell liefern die Unternehmen weltweit ihre Berichte zum 2. Quartal ab und geben einen Ausblick in die Zukunft, die so schlecht nicht sein dürfte.

„Globalisierung der Risiken“

Risiko Konjunktur:
Die Weltwirtschaft bleibt in 2016 eher schwächlich: Dabei sind die Voraussetzungen für ein ordentliches Wachstum insbesondere in Deutschland gegeben: Zinsen im Negativbereich, ein günstiger Euro-Wechselkurs und gedrückte Rohstoffpreise. Doch was in 2015 nicht geholfen hat, wird in 2016 wahrscheinlich auch nicht helfen. Weltwirtschaftlich belasten die schwachen Konjunkturausblicke für Brasilien, China und Russland.

Risiko China:
China stellt von einem exportbasierten Wirtschaftsmodell auf ein konsumbasiertes um. Dazu gehört auch eine – vorübergehende – Verlangsamung des Wachstums in der Volksrepublik. Bei sieben Prozent Wirtschaftswachstum in 2015 – dem geringsten seit einem Vierteljahrhundert mit zweistelligen Zuwachsraten – und einer Aussicht für 2016 von 6,3 Prozent ist klar: China macht den Kuchen vorerst kleiner.

Risiko Geldpolitik:
Am 16. Dezember wird die US-Notenbank die US-Leitzinsen mit großer Wahrscheinlichkeit anheben. Das sollte die Finanzmärkte nicht überraschen. Die Frage aber ist: Was passiert danach? Folgen Zinsanhebungen in rascher Frequenz oder ist erst einmal Ruhe angesagt? Wir neigen klar zu letzterer Einschätzung. Die rückläufige Entwicklung bei den US-Unternehmensgewinnen bestätigt uns in unserer Haltung: Denn darauf wird spätestens im Sommer 2016 der US-Arbeitsmarkt mit einer entsprechenden Abschwächung reagieren – und das wäre dann keine günstige Konstellation für eine erneute US-Zinsanhebung.

Risiko Terror:
Man kann nachweisen, dass die Durchschlagskraft von unfassbaren Ereignissen auf die Börsen abnimmt. Zum Vergleich: Bei „9/11“ blieben die US-Börsen noch vier Tage außerplanmäßig geschlossen und der DAX verlor über 8 % an einem Tag. Der Dow Jones erlitt nach Wiederöffnung seinen bis dahin größten Tagesverlust. Am ersten Börsentag nach den Ereignissen von Paris schloss selbst der CAC40, der französische Aktienindex, mehr oder weniger unverändert zum Börsenvortag. Nach den Anschlägen von Paris haben die Börsen also weniger dramatisch reagiert als von vielen befürchtet. Dennoch werden Terrorgefahren und -anschläge auch 2016 die Kapitalmärkte nachhaltig beeinflussen.

Geopolitische Risiken:
Die aktuelle Vielzahl und geographische Streuung der großen geopolitischen Kapitalmarkt-Risiken stimmen uns für 2016 nachdenklich. Ob Ölpreis-Verfall, Ukraine-Krise, die Gefahr eines möglichen Ausstiegs einzelner Länder aus der europäischen Währungsunion oder die Flüchtlingskrise: Diese Gefahrenherde könnten 2016 gleichzeitig eskalieren, ihre globalen Auswirkungen sind somit noch unkalkulierbarer geworden.

Empfehlung für die Anlagestrategie:
Diese Gemengelage macht ein Sicherheitspolster auch in risikoreichen Portfolios empfehlenswert. Wir sehen in offenen Immobilienfonds eine Anlagealternative für Renten. Mit diesen lässt sich eine positive Rendite von ca. 2,5 % p.a. erzielen. Auch wenn die Performance-Aussichten für Aktien höchstens mäßig sind, bevorzugen wir sie auch 2016 bei der Asset Allokation. Dabei favorisieren wir global investierende Aktienfonds mit dem Fokus auf möglichst weltweite Unternehmensausrichtung sowie eine hohe Dividendenausschüttung.


Autor: Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK




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Unsicherheit macht sich breit

Lange Zeit war der Blick der US-Notenbank fest auf die einheimische Wirtschaft gerichtet um mögliche Stolpersteine – zum Beispiel im Arbeitsmarkt oder im verarbeitenden Gewerbe – frühzeitig auszumachen. In den letzten Wochen hat sich der Fokus des Fed jedoch verschoben. In den kommenden Monaten wollen Janet Yellen und ihre Kollegen vermehrt in der globalen Wirtschaft nach unliebsamen Überraschungen Ausschau halten. Dabei wird vor allem die Situation in China im Vordergrund stehen. Das macht Frau Yellens Arbeit jedoch um einiges anspruchsvoller als bisher. Im Gegensatz zur transparenten und gut-dokumentierten US-Wirtschaft ist es sehr viel schwieriger den Zustand der undurchsichtigen Wirtschaft Chinas abzuschätzen. Das dürfte wohl auch zur Folge haben, dass das Vertrauen des Fed in seine eigene Lagebeurteilung sich abschwächt. Damit sollte Janet Yellen in ihrer Kommunikation, wie sie sich die künftige Geldpolitik vorstellt, noch einmal unverbindlicher werden. Ein zögerliches Fed wiederum schadet dem US-Dollar, welcher in den letzten Quartalen von der Aussicht auf eine baldige Zinserhöhung profitiert hat.

Die Unsicherheit wird jedoch nicht nur in den USA zunehmen, sondern sich auch auf andere Zentralbanken übertragen. In Europa bleibt es das überragende Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) disinflationäre Risiken zu bekämpfen. Mehr Unsicherheit bezüglich der Politik der US-Notenbank und damit auch über den Verlauf des Dollars dürfte die EZB direkt berühren. Bereits heute sind in Frankfurt Diskussionen im Gange, ob das Programm zum Anleihen-Aufkauf nicht erweitert werden soll – entspricht doch die wirtschaftliche Verbesserung in der Eurozone nicht ganz den Erwartungen der EZB. Ein schwächerer Dollar gegenüber dem Euro dürfte noch zusätzlich den Druck auf die Exporteure und auf die Importpreise erhöhen. Über den Dollar-Kurs überträgt sich die Unsicherheit in der US-Geldpolitik auch auf die europäische Zentralbank.

Die Geldpolitik in der Eurozone stellt heute den wichtigsten Treiber für den Aussenwert des Schweizer Frankens dar. Sollte sich die EZB dazu entscheiden die Geldpolitik expansiver zu gestalten, indem sie beispielsweise die Zinsen weiter senkt, könnte das die in den letzten Wochen zu beobachtende Abschwächung des Frankens gefährden. Die Schweizerische Nationalbank müsste in diesem Fall wieder auf dem Devisenmarkt intervenieren oder gar ihrerseits die Leitzzinsen weiter senken. Damit wäre dann die Unsicherheit, die von der US-Notenbank ausgeht, letzten Endes auch in der Schweiz angekommen.

Autor: Alessandro Bee, Ökonom, Bank J. Safra Sarasin AG

Richtig vorsorgen

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