Ertragsquelle Hochzinspapiere

(fw/ah) Europäische Hochzinspapiere sind stark in das neue Jahr gestartet. Allein in den ersten beiden Monaten des Jahres verbesserte sich der Bank of America Merrill Lynch European Currency High Yield Index um 3,1% bezogen auf den Euro. Dabei ist der Anstieg nahezu ausschließlich den engeren Spreads zu verdanken, ausgelöst durch die stärkere Nachfrage nach Bekanntgabe des quantitativen Lockerungsprogramms (Quantitative Easing, QE) der EZB. Dadurch werden immer mehr Anleger in die unteren Ratingkategorien drängt, wenn sie eine attraktivere Rendite erzielen wollen.

Für bessere Stimmung gegenüber der Anlageklasse sorgt auch das gesamtwirtschaftliche Umfeld mit stabileren Rohölpreisen, starken Kursgewinnen an den Aktienmärkten und einer Zwischenlösung für Griechenland mit Verlängerung des Hilfsprogramms. Denn anders als an den US-Hochzinsmärkten machen Emittenten aus der Energiebranche mit hohem Fremdkapitalanteil nur einen kleinen Teil des europäischen Universums aus. Bei den Gewinnen der High-Yield-Emittenten aus Europa dürften die niedrigeren Ölpreise und der schwächere Euro unterm Strich positiv zu Buche schlagen.

Das gleich zu Jahresbeginn hohe Neuemissionsvolumen reichte indes nicht aus, die deutlich gestiegene Nachfrage zu befriedigen. Dies geht aus Kapitalflussdaten deutlich hervor, die einen positiven Nettomittelzufluss belegen. Bei den neu an den Markt gebrachten Hochzinsanleihen dominieren bislang Papiere mit vergleichsweise höherem BB-Rating, die auf eine starke Nachfrage bei Anlegern treffen. Inzwischen tummeln sich in diesem Segment zahlreiche Investment-Grade-Anleger auf der Jagd nach höheren Renditen.

Auswirkungen hat die steigende Nachfrage auch auf die unteren Kreditsegmente. So weichen traditionelle High-Yield-Investoren zunehmend in B- und CCC-Kategorien aus, in denen attraktivere Renditen locken. Allerdings hält das Angebot derzeit mit der enormen Nachfrage nicht Schritt, was aus unserer Sicht in den nächsten Monaten zu einem erheblichen Engpass bei höher verzinsten Papieren führen könnte.


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Provision vs. Honorar ist sowas von out

Wie würde wohl Jogi Löw in der Kleidung von Reiner Calmund aussehen? Es würde eventuell nicht richtig sitzen. Genauso passt bei der fondsgebundenen Rentenversicherung nicht jedes Vergütungsmodell zu jedem Kunden und Berater. Während Verbraucherschützer...

Brexit erhöht Kreditrisiken

2016-03-23 (fw/db) Der mögliche „Brexit“ bereitet britischen Unternehmen sowie europäischen Exporteuren Sorgen, aber auch die sinkende Zahlungsmoral des Königreichs. Um 12 Prozent sind die britischen Zahlungsverzögerungen im 4. Quartal 2015 im Vergleich zum Vorquartal angestiegen laut einer Studie des führenden Kreditversicherers Euler Hermes, ein Tochterunternehmen der Allianz SE.

Einer von sechs Kunden zahlt nach Angaben der britischen Unternehmen für Services oder Waren, die sie bestellt haben, zu spät. Das ist deutlich mehr als in den Vorjahren (17 Prozent in 2015 und. 10 Prozent in 2014) und zieht sich über fast alle wichtigen Branchen in Großbritannien hinweg. Die durchschnittliche, um saisonale Effekte bereinigte Zahlungsmoral hat sich im Gesamtjahr 2015 um acht Prozent verschlechtert im Vergleich zu 2014 – im Jahr zuvor hatte sie sich noch um 11 Prozent verbessert.

Dominoeffekt auf Zahlungsmoral und Insolvenzen als Risiko

„Der finanzielle Druck auf britische Unternehmen wächst, auch wenn sie weiter auf Wachstum ausgerichtet sind. Dieses Phänomen beobachten wir derzeit in vielen wichtigen deutschen Exportmärkten, allen voran in den USA als wichtigstem Handelspartner sowie in China und nun auch in Großbritannien. Das zieht einen negativen Dominoeffekt mit sich. Weltweit erwarten wir 2016 erstmals wieder eine Trendwende und steigende Insolvenzen um ein Prozent. In Großbritannien steigen sie mit fünf Prozent sogar stärker als der weltweite Durchschnitt. Zusammen mit einem möglichen Brexit, über den die britische Bevölkerung im Juni abstimmen wird, sind Geschäfte mit britischen Firmen derzeit zum Teil mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Unternehmen sollten bei ihren Zahlungskonditionen vorsichtig sein, insbesondere bei neuen Verträgen oder Kunden“, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Zahlungsmoral in Großbritannien sinkt

In 14 von 17 wichtigen Sektoren hat Euler Hermes mehr Zahlungsverzögerungen verzeichnet als im vergangenen Jahr. Im Metall- und Bausektor ist der Anstieg besonders hoch – mit 28 und 26 Prozent sind die Zahlungsverzögerungen 2015 um mehr als ein Viertel angestiegen. Gute Nachrichten gibt es nur aus der Automobil- und Elektronikbranche, in denen die Zahlungsmoral sich verbessert hat. Zahlungsverzögerungen nahmen um 12 beziehungsweise 15 Prozent ab.

Die Baubranche verzeichnete neben dem hohen Anstieg einen weiteren Negativrekord: Es gab insgesamt mehr Zahlungsverzögerungen als in jedem anderen Sektor. 31 Prozent aller gemeldeten Zahlungsvorfälle entfielen auf die Baubranche. Das ist nicht überraschend, da es bei Projekten durch Streitigkeiten häufiger zu Verzögerungen kommt. Der Anstieg ist jedoch erheblich und zeigt, dass viele Unternehmen unter den margenschwachen Verträgen leiden, die sie in der wirtschaftlichen Rezession bereits abgeschlossen haben. Hinzu kommen höhere Kapitalkosten und ein zunehmender Fachkräftemangel. Dies alles bringt die Zahlungskonditionen weiter unter Druck.

Seit 2013 analysiert Euler Hermes quartalsweise in einem „Overdue Payment Report“ gemeldete Zahlungsverzögerungen in den 17 wichtigsten Branchen in Großbritannien. Ausgewertet werden die täglichen Meldungen solcher Vorfälle der 250.000 britischen Versicherungskunden des Weltmarktführers. 2015 hat Euler Hermes mehr als 32.000 einzelne Zahlungsverzögerungen verzeichnet, die Kunden gemeldet haben. Als Zahlungsverzögerung werden dabei offene Forderungen gewertet, die zwei Monat nach dem vereinbarten Fälligkeitsdatum noch nicht bezahlt wurden. Diese Zahlungsverzögerungen oder „Zahlungsvorfälle“ enthalten entsprechend auch Nichtzahlungen, Zahlungsausfälle, Insolvenzen und sonstige Schadensmeldungen.

finanzwelt-Leserservice: Die Euler Hermes Studie „Brexit me if you can“ sowie Einschätzungen zu Auswirkungen eines „Brexit“ auf die dortigen Unternehmen finden Sie hier im Internet. Ein ausführliches Interview mit Euler Hermes Volkswirtin Ana Boata zum Thema „Brexit“ finden Leser und Nutzer im Allianz-Portal.

Dietmar Braun

Ein Muss fürs Depot?

Ende 1989 erreichte der japanische Aktienleitindex Nikkei 225 mit rund 39.000 Punkten seinen Höchststand, während der Dax gerade einmal bei etwa 1.800 Punkten stand. Es war der Höhepunkt und gleichzeitig das Ende einer einmaligen Blase am Immobilien- und Aktienmarkt. Der japanische Index fiel 2007 sogar bis auf knapp 7.000 Punkte – ein Minus von fast 82 Prozent im Vergleich zum Höchststand. Heute steht der Nikkei wieder bei gut 20.000 Punkten – der Dax bei etwa 11.500 Punkten.

Durch das Platzen dieser Kreditblase schlitterte das Land der aufgehenden Sonne in einen grausamen Mix aus Nullwachstum und leichter Deflation. Neben einem massiven Schuldenproblem trugen die alternde Bevölkerung, die strengen gesellschaftlichen Normen und eine überholte und zu laxe Corporate Governance das ihrige dazu bei.

Alle politischen Ausgabeprogramme und Zentralbankmaßnahmen der vergangenen 25 Jahre konnten nur ein noch stärkeres Abfallen in die Stagnation verhindern. Maßgeblich waren es die strukturellen Defizite, die eine nachhaltige Erholung des Landes verhinderten. Die Börse war geprägt durch ein dichtes Geflecht von Überkreuzbeteiligungen. Die Unternehmen horteten Cash und zahlten kaum Dividenden – niedrige Eigenkapitalrenditen waren die Folge.

Mit der Wahl von Premierminister Shinzo Abe Ende 2013 scheint jedoch ein neues Zeitalter angebrochen zu sein. Eine extrem lockere Geldpolitik, weit über dem Niveau der vorherigen Regierungen, führte zu einer deutlichen Abwertung des Yen. Davon profitiert die nach wie vor starke Exportindustrie. Zudem rief Premierminister Abe die Unternehmen dazu auf, höhere Löhne zu zahlen, um somit auch den chronisch lahmenden privaten Konsum anzukurbeln.

Zugleich tritt dieses Jahr ein neuer Corporate Governance Code in Kraft. Das wird zu höheren Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufen führen und somit die Erträge der Aktionäre steigern. Zusätzlich wird damit begonnen, die Unternehmensverflechtungen – etwa 37.000 mit einem Volumen von knapp einem Drittel der Marktkapitalisierung – aufzulösen. Dies wird von der Börse mit höheren Unternehmensbewertungen honoriert werden.

Die Kurse der japanischen Aktien sollten in den nächsten Jahren von diesen Entwicklungen profitieren. Zudem sind internationale Investoren signifikant unterinvestiert. Sollte der japanische Aktienmarkt weiter steigen, werden diese Investoren automatisch hineingezogen.

Des Weiteren hat auch ein gewisser gesellschaftlicher Wandel begonnen. Erste Kontaktaufnahmen von Abe mit der chinesischen Führung deuten auf eine mögliche Annäherung im langjährigen Streit zwischen Japan und China hin. China ist einer der wichtigsten Wirtschaftspartner Japans. Allein im ersten Quartal 2015 hat sich die Zahl der chinesischen Touristen in Japan aufgrund des billigen Yens nahezu verdoppelt.

Ein wachsamer Blick in den fernen Osten kann das Portfolio also durchaus bereichern.


Autor: Klaus Martini, Geschäftsführer Plückthun Asset Management
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ISA 2016 rät zu einer Zyklus-Versicherung

Investoren in Deutschland müssen sich absichern, da immer mehr Märkte in die reife Phase des Immobilien-Preiszyklus treten. Unter anderem zu diesem Ergebnis kommt das Investment Strategy Annual (ISA) 2016 von LaSalle Investment Management.

In diesem Jahr wird wahrscheinlich noch einmal verstärkt Kapital in Immobilien fließen, da die niedrigen Renditen auf dem Euro-Anleihen-Markt den Sektor weiterhin relativ attraktiv machen – die Verfügbarkeit von Produkten vorausgesetzt. Der ISA 2016 Report rät Investoren zu einer defensive Haltung durch die Beibehaltung langfristiger strategischer Positionen bei gleichzeitigem Verkauf nicht-strategischer Assets. Als Offensivmaßnahme empfiehlt LaSalle, Vermietungs- und Entwicklungsmöglichkeiten als kurzfristigere taktische Positionen zu nutzen.

Jacques Gordon, Global Head of Research and Strategy bei LaSalle, betont: „Unser Ausblick auf Immobilien-Investitionen im Jahr 2016 verbindet Elemente von Stabilität und Risiko. Immobilien-Investoren waren in den Genuss von sechs aufeinanderfolgenden Jahren positiver Wertsteigerung in den meisten Ländern gekommen und es ist nun an der Zeit, eine „Zyklus-Versicherung“ abzuschließen – und ihre Portfolios in Vorbereitung auf den unvermeidlichen Übergang von steigenden Werten hin zu einem Plateau oder zu fallenden Werten zu evaluieren.“

„In dieser reifen Phase des Kapitalmarktzyklus beleuchten wir verschiedene Formen einer defensiven „Versicherung”, die Portfolio-Manager einsetzen können, um sich auf eine ungewisse Zukunft vorzubereiten. Einen weiteren Schwerpunkt legen wir auf spezielle Gelegenheiten, die der Volatilität des Kapitalmarktes standhalten können und in allen Phasen des Zyklus eine überdurchschnittliche Performance zeigen sollten.”

Zu den Maßnahmen, die Investoren laut ISA treffen müssen, zählen das Aussortieren nicht-strategischer Assets im Portfolio, die Reduzierung des Fremdkapitalanteils sowie die Ermittlung des Liquiditätsbedarfs für den Fall einer Kreditverknappung. Im Blick auf kurzfristigere Gelegenheiten sollten Investoren allerdings erwägen,
  • Vermietungsrisiken dort einzugehen, wo die Märkte stark sind
  • Projektentwicklungen in angebotsknappen Märkten, wo die Nachfrage ebenfalls stark ist, zu verfolgen
  • und für strategische Assets mit langer Haltedauer zu bieten, die einem Abschwung am ehesten standhalten können.
„Europa wird seine schrittweise Erholung 2016 voraussichtlich fortsetzen. Deshalb haben wir die Mietpreis-Prognosen für dieses Jahr nach oben hin korrigiert. Dieser Trend wird auch von der Tatsache gestützt, dass die Risiken eines Überangebots in den meisten Märkten unter Kontrolle sind”, so Mahdi Mokrane, Leiter Research and Strategy in Europa bei LaSalle.

„Das jüngste Muster zunehmender grenzüberschreitender Transaktionen dürfte sich 2016 voraussichtlich fortsetzen”, meint er. „Mit einem konservativen Fremdkapitalanteil sollten Investitionsstrategien, die auf Themen in Verbindung mit Demografie, Technologie und Urbanisierung (DTU) beruhen, innerhalb der nächsten fünf bis sieben Jahre eine solide überdurchschnittliche Performance erzielen Es ist jedoch wichtig, sich bei seinem kontinentaleuropäischen Approach auf Städte und nicht auf Länder zu konzentrieren.“

In Deutschland sollten Investoren, die ihre Core-/Core-plus-Portfolios erweitern wollen, den Schwerpunkt auf dominante oder schwer replizierbare urbane Einkaufszentren und Einzelhandelsimmobilien in den Haupteinkaufsstraßen in DTU-reichen Städten wie Berlin, München und Hamburg legen. Wohnimmobilien-Gelegenheiten werden sich in Deutschland ebenfalls finden, während als weitere Strategien folgende zu berücksichtigen sind:
  • Büro-Sanierungen in Berlin, München und Hamburg
  • Vorfinanzierte, speziell entwickelte Studentenwohnheime in den führenden Universitätsstädten
  • langfristige Investitionsgelegenheiten sowohl im Hotel- als auch im längerfristigen Aufenthalts-Segment
Im übrigen Europa sollten Investoren den Schwerpunkt in Frankreich auf Value-Add-Gelegenheiten des Pariser Büroimmobilienmarktes sowie auf urbane Einkaufszentren und Einzelhandelsimmobilien in den Haupteinkaufsstraßen legen, während in Großbritannien privat vermietete Wohnimmobilien (PRS) und neu entstehende Büro-Zentren eine Überlegung wert sind.

In globaler Hinsicht stellt der ISA Report fest, dass die Immobilien-Erträge je nach „Vintage-Jahr“ der im Portfolio befindlichen Assets schwanken werden (Jahr des Erwerbs, der Lancierung eines Fonds oder Jahr der Fertigstellung bei Projektentwicklungen). Für bereits in einem Portfolio befindliche Assets werden sich verbessernde wirtschaftliche Rahmendaten die Performance steigern. Gleichzeitig werden die Erträge von neuen Core-Investitionen nur schwer an ihre Performance der letzten Jahre anknüpfen können, da ein hohes Maß an Liquidität die Preise auf ein Niveau getrieben hat, auf dem Investoren mit frischem Kapital im historischen Vergleich niedrige Erträge akzeptieren müssen.

Jacques Gordon ergänzt: „Ein Immobilien-Portfolio kann so aufgestellt werden, dass es einem Abschwung standhält. Investoren müssen sicherstellen, dass sie im Vergleich zum langfristigen Wert nicht zu viel bezahlen, dass sie keine weiteren Risiken eingehen und dass sie nicht außerhalb der Stil-Parameter einer vereinbarten Strategie investieren und Immobilien als Zielallokation beibehalten.”

Kapitalmarktlage in der Gipfelwoche

Auch in dieser Woche wurde die Nachrichtenlage von US-Präsident Donald Trump dominiert. Der verweigerten Unterzeichnung der G7-Abschlusserklärung, folgte heute Morgen das historische Treffen mit Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un in Singapur. Bei dem Gipfel...

“Sell in may” oder “buy and hold”

Die Aktienmärkte haben einen fulminanten Start in den Mai hingelegt. Viele Experten sind der Meinung, dass die im Januar begonnene Korrektur nun endgültig erledigt ist und bald schon neue Jahreshochs markiert werden. Wir werfen...
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DeAWM: Breiting leitet privates Vorsorgegeschäft

(fw/ah) Steffen Leipold, Geschäftsführer der Deutsche Asset & Wealth Management International GmbH sagt: „DeAWM will im privaten Vorsorgegeschäft weiter wachsen. Mit der Bündelung unserer Kompetenzen in diesem wichtigen Geschäftsfeld in der Hand von Frank Breiting machen wir den konsequenten nächsten Schritt und werden als Partner der Versicherungswirtschaft noch interessanter." Breiting berichtet weiter an Steffen Leipold.

Breiting ist seit 2006 im Vertrieb bei DeAWM tätig. Zuvor arbeitete er bei der Unternehmensberatung Towers Perrin Tillinghast, IMG und Standard Life Assurance.


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Ein Jahr nach den Wahlen in Indien

Nach einer starken, obgleich volatilen Wertentwicklung infolge der Wahlen im letzten Jahr, mussten Anleger in Indien im vergangenen Monat Kursrückgänge hinnehmen. Das bedeutet keineswegs, dass Indien als Anlageziel unattraktiver wird. Unserer Auffassung nach ergeben sich hierdurch sogar Chancen, da der langfristige positive Ausblick weiter ungetrübt ist. Einzig die Markterwartungen für das Ertragswachstum der Unternehmen stiegen kurzfristig auf unrealistisch hohe Niveaus.

Unserer Einschätzung nach agiert die derzeitige Regierung wesentlich effektiver als die vorhergehende und wir sind zuversichtlich, dass sich das erwartete Ertragsniveau im Unternehmenssektor in den kommenden Quartalen allmählich einstellen wird.

Stetiger legislativer Fortschritt
Unser Vertrauen in den Fortschritt, der von der Regierung unter Herrn Modi erreicht wurde, lässt sich am Regierungsprogramm festmachen, in dessen Rahmen drei von fünf Gesetzentwürfen erfolgreich durch das Parlament gebracht wurden. Das erste dieser Reformgesetze ist die Coal Mines (Special Provisions) Bill 2015, die den Kohlebergbau für private Unternehmen öffnet.

Indem die Versteigerung von Kohle an private Unternehmen für den Eigenverbrauch und die direkte Zuteilung von Bergwerken an öffentliche Unternehmen der Zentralregierung und an Regierungen der Bundesstaaten erlaubt werden, soll die Kohleproduktion des Landes, und im Umkehrschluss die inländische Energieerzeugung, enorm gesteigert werden.

Das zweite Reformgesetz ist die Insurance Laws (Amendment) Bill 2014, durch die ausländische Versicherungsgesellschaften einen Anteil von bis zu 49 % an indischen Unternehmen halten dürfen, anstatt wie bisher bis zu 26 %. Dies dürfte wiederum ausländische Direktinvestitionen in Indien unterstützen.

Das dritte Gesetz, die Mines and Mineral (Development and Regulations) Amendment Bill 2015, gibt Klarheit über die Entwicklung von Bergwerken und die Zuteilung von neuen Bergwerken, da, im Fall von Kohlebergwerken, die Zentralregierung wettbewerbsfähige Angebote für die Erteilung von Konzessionen einholen darf und den Regierungen der Bundesstaaten Gleiches im Fall von anderen Mineralien zugestanden wird.

Gar nicht so schlechte Nachrichten
Ein Thema, das den Anlegern Sorgen bereitete, bezieht sich auf die mit Spannung erwartete Goods and Services Tax (India) Bill, die den Weg für einen gemeinsamen Markt in Indien ebnen soll, indem steuerliche Barrieren zwischen den Bundesstaaten abgebaut werden. Dieses Gesetz wurde jedoch vorerst zurückgestellt. Dies führte zu einer Enttäuschung bei den Anlegern, Finanzminister Arun Jaitley legte sich jedoch darauf fest, den Gesetzentwurf im Juli zu verabschieden. Des Weiteren hält die Regierung an der Land Acquisition Bill fest, obgleich deutlich wird, dass hier womöglich Kompromisse notwendig sind, um das Gesetz durch das Parlament zu bringen.

Andere Verbesserungen sind beispielsweise in der Arbeit der staatlichen Verwaltung zu erkennen sowie im gestiegenen Konjunkturoptimismus und Verbrauchervertrauen. Zwar schlägt sich dies noch nicht auf die Investitionsausgaben nieder, wir erkennen jedoch allmählich eine zunehmende Aktivität in Bereichen wie den Auftragseingängen im Straßenbau.

Wie wir bereits nach der Wahl erwähnten, haben Herr Modi und seine Regierung einen Regierungsauftrag über fünf Jahre. In diesem Zusammenhang betrachten wir die vergangenen zwölf Monate als einen guten Anfang.


Autor: Ajay Argal Head of Indian Equities Baring Asset Management, Hong Kong

Schwellenländer: kein Grund zur Panik

Die aktuellen Sorgenkinder Argentinien und Türkei sind nur zwei von vielen Schwellenländern. Viele Schwellenländer haben ihre Leistungsbilanz im letzten Jahr sogar verbessert. Vor drei Wochen kam dramatische Nachrichten aus Argentinien: Die Zentralbank in Buenos Aires...