BVK gegen Check24 – schon wieder?

Oliver Pradetto, Geschäftsführer blau direkt / Foto: © blau direkt

Man sollte meinen, Herr Heinz habe keine anderen Hobbys. Na ja, vielleicht versucht er auch nur eine sich ändernde Welt aufzuhalten, indem er sich ihr entgegenstemmt. Man weiß es nicht. Nun dient also das Provisionsabgabeverbot als Hebel um eine neue Front gegen Check24 zu eröffnen? Überraschenderweise kann ich Herrn Heinz in diesem Fall nur zustimmen.

Zunächst einmal der Fall: Check24 will seine Kunden belohnen. Man sei nun 10 Jahre am Markt und das feiere man, indem man Kunden die neu abschließen, bis zu 12 Monate der Versicherungsprämie zahlt.  Ja, das klingt nett. Wenn man aber das Geschenk an einen Neuverkauf koppelt ist das kein Geschenk. Käme dies vom Produktlieferanten, so wäre es allenfalls ein Rabatt. Nur ist Check24 ein Vermittler und kein Versicherer. Das heißt, das Geld kann nur aus einer möglichen Quellen kommen: Aus der Provision der neu abgeschlossenen Verträge.  Check24 mag den Abschluss über eine Unternehmenstochter einsteuern, während das Geldgeschenk von der Konzernmutter stammt – es bleibt ein durchsichtiger Umgehungsversuch; es bleibt Provisionsweitergabe.

Ich glaube übrigens nicht, dass Provisionsabgabeverbot Vermittlern wirklich nützt siehe (www.finanzwelt.de/das-provisionsabgabeverbot-ist-ein-verbrechen/). Zwar verhindert es, dass Marktgiganten wie Check24 ihren Einkaufsvorteil brutal ausnutzen, um kleinere Markteilnehmer auszubooten. Das ist prinzipiell erst mal zu begrüßen. Sicher strahlt die Maklerseele auch vor Freude, wenn Geschäftsmodelle (Gonetto) erkennbar darauf abzielen, den Bestand des Maklers durch Provisionsgeschenke zu erräubern – vereitelt werden. Das kann ich gut verstehen. Nur ist Wettbewerb, auch wenn er unangenehmer Natur ist, zunächst einmal etwas Legitimes. Im Wettbewerb befinden wir Makler uns ja auch nicht nur gegenüber Insurtechs und Onlineplattformen, sondern auch gegenüber Versicherern mit ihren Stammorganisationen oder auch gegenüber deren Direktversicherern. Diese setzen das Mittel der Provisionsabgabe systematisch ein. Nur kommt da kein Vermittler und schenkt mal eben bei einem Einzelkunden die Provision; sie wird gleich für ganze Tarifwelten herauskalkuliert. Im Ergebnis kaufen die vom Makler beratenen Kunden Qualitätstarife mit denen der Versicherer seine Discountpolitik bezahlt und sich Onlinemärkte nahezu exklusiv sichert. Der Makler wird nicht geschützt, er wird von ganzen Marktsegmenten ausgeschlossen und bezahlt dies noch mit seiner Arbeit. Die unternehmerische Freiheit wird ihm gleich dazu genommen.

weiter auf Seite 2