Buy the dip

Aktien sind nicht teuer

Denn obwohl der Markt im letzten Jahrzehnt gut gelaufen ist, sind Aktien nach wie vor nicht zu teuer. Es gab bereits Zeiten, in denen sie doppelt so hoch bewertet waren wie heute. Man muss den Kurs einer Aktie immer ins Verhältnis zu den Gewinnen des Unternehmens setzen. Das Kurs-Gewinnverhältnis ist ein verlässlicher Indikator dafür, ob eine Aktie zu hoch bewertet ist. So gemessen, kostet der DAX derzeit sogar etwas weniger als im Durchschnitt der letzten 40 Jahre. Dabei spielt es keine Rolle, ob der DAX nahe an seinem bisherigen Hochstand liegt.

Entscheidend für den Anleger und die Bewertung bleiben die Gewinnaussichten der Unternehmen. Darüber hinaus spielt auch die Geldpolitik der Notenbanken nach wie vor eine entscheidende Rolle. Bereits im letzten Börsenjahr profitierten die Aktien von der weiter expandierenden Geldpolitik der Notenbanken. Denn angesichts schwächelnder Konjunktursignale hatten diese den Geldhahn wieder stärker aufgedreht. Unter der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde dürfte die lockere Geldpolitik zunächst auch 2020 weitergehen. Die meisten Experten gehen auch für die USA davon aus, dass dort frühestens zum Ende des Jahres eine Zinserhöhung durch die Fed erfolgt. Eine weitere Zinssenkung halten viele Beobachter dort derzeit für wahrscheinlicher.

Die Renditeschmelze auf Zinsanlagen wird anhalten

Vor diesem Hintergrund ist es unerklärlich und schwer nachzuvollziehen, warum gerade in Deutschland viele Sparer weiterhin dem Tages- und Festgeld die unbedingte Treue halten. Auf regulären Tagesgeldkonten gibt es schon lange keine Zinsen mehr. Inzwischen hat sich die Renditeschmelze auch auf Festgeld und andere langfristige Zinsanlagen ausgeweitet. Liegen die Zinsen unterhalb der Inflationsrate, sprechen Ökonomen von einer negativen Realrendite. Auch bei den langlaufenden Staatsanleihen, über Jahrzehnte für konservative Anleger erste Wahl, liegt die reale Rendite in Deutschland jetzt schon seit 44 Monaten im negativen Bereich. Es ist erschreckend dass in Deutschland immer noch knapp 2407 Milliarden Euro mehr oder weniger unverzinst auf der Bank liegen. Unabhängige Experten summieren die kumulierten Verluste durch die negative Realrendite seit 2011 auf 160 Milliarden Euro. Einen Teil davon finden viele deutsche Sparer in ihrer privaten Vermögensbilanz wieder. Ein Finanzplan hilft übrigens dabei, einen solchen Verlust auch sichtbar zu machen.

Anleger können nur einen Fehler machen

Anfang des Jahres ist eine neue geopolitische Krise hinzugekommen. Die Aktienmärkte haben kurz gezuckt, sich aber schnell wieder gefangen. Geopolitische Krisen schwächen die Weltkonjunktur und erhöhen damit den Druck auf die Notenbanken ihre expansive Geldpolitik weiterzuführen und die Zinsen unten zu halten. Wie so oft in den letzten Jahren hat sich die Börsenweisheit „politische Börsen haben kurze Beine“ bewahrheitet. Andere Krisen wie Handelskonflikt und Brexit werden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im Börsenjahr 2020 immer wieder zu kurzzeitigen Kurskorrekturen führen. Solche Schwächephasen der Börsen sind wichtig, denn sie verhindern dass eine gefährliche Euphorie an den Märkten entsteht und führen im Endeffekt dazu, dass ein Aufschwungszyklus länger läuft. Investoren können in dieser Phase nur einen einzigen Fehler machen. Nicht in Aktien investiert zu sein. Für einen Einstieg ist es noch nicht zu spät und auch wer investiert ist sollte immer daran denken: „Buy the Dip“.

Kolumne von Markus Richert,
CFP® und Seniorberater Vermögensverwaltung bei der
Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH in Köln

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