BREXIT verschärft EMU-Risiken

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Dr. Heinz-Werner Rapp

Seit dem BREXIT hat sich der Aufwärtstrend bei den Risikoprämien auf südeuropäische Staatsanleihen verschärft. Das geht aus einer aktuellen Analyse von FERI Investment Research hervor, die die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen der europäischen Krisenländer gegenüber deutschen darstellt.

(fw/rm) Im Gegensatz zu Italien, Spanien, Portugal und Griechenland fielen die Renditen der Staatspapiere in Deutschland, weil Anleger sie als sichere Häfen bevorzugen. Die Differenz in der Verzinsung von Staatsanleihen – der so genannte Spread – gilt als eindeutiger Indikator für die finanzwirtschaftliche Situation in einem Land. „Investoren lassen sich das jeweilige Risiko des Landes in Form von höheren Zinsen bezahlen“, erläutert Dr. Heinz-Werner Rapp, Vorstand und Chef-Stratege der FERI AG. Steigende Risikoprämien seien ein untrügliches Zeichen für eine Verschärfung der Schuldensituation im Land. Vor allem in Italien haben sich bei zehnjährigen Staatsanleihen die Spreads im Vergleich zu Deutschland deutlich erhöht. „Während die Marktteilnehmer immer noch fassungslos nach Großbritannien blicken, könnte Italien innerhalb der Eurozone der nächste große Risikofaktor werden“, so Rapp. Hinzu kommt: Im Oktober werden die Italiener ebenfalls in einem Referendum über ihre Verfassung abstimmen. Der Ausgang dieses Referendums könnte die Euroskepsis im Land befeuern – und damit auch die darauffolgenden Parlamentswahlen beeinflussen. Im schlimmsten Fall könnte Italien das nächste Land sein, das seine Bürger über einen Euro-Austritt abstimmen lässt – die Protest-Partei „Fünf Sterne“ hat das zumindest für den Fall des eigenen Wahlsieges bereits angekündigt.

Nächste politische Krise am europäischen Horizont

„Während die Kapitalmärkte noch mit den Folgen des BREXITs zu kämpfen haben, braut sich am europäischen Horizont bereits die nächste politische Krise zusammen“, so Rapp. Auch in Spanien, Portugal und Griechenland ist die Situation weit von einer Beruhigung entfernt. „Spanien steht quasi ohne Regierung dar, und sowohl die Griechen als auch die Portugiesen haben ihre Schuldenprobleme nach wie vor nicht im Griff“, erläutert Rapp. Die weitere politische Fragmentierung und mit ihr der endgültige Zerfall der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion rücke immer weiter ins Bewusstsein der Marktteilnehmer. „Sollte es tatsächlich einmal so weit kommen, käme auch die europäische Zentralbank an ihre Grenzen“, so Rapp. Mario Draghis Rolle als oberster Währungshüter im Euroland müsse dann neu definiert werden Bereits zu Beginn des Jahres hatte FERI Investment Research die politischen Risiken als eines der zentralen Themen für die Kapitalmärkte in 2016 eingestuft. www.feri.de