BREXIT – der Untergang des britischen Königreichs

Noch versucht England Europa zu erpressen – das Timing ist sehr schlecht. Europa hat wegen der großen Menschenströme in seine reichere, chancenstarke und friedlichere Regionen anderes zu tun.

2016-02-11 (fw/db) Sollte sich Großbritannien per Volksabstimmung aus der Europäischen Union absetzen, dann würde vor allem die britische Inselwirtschaft unter dem sogenannten „Brexit“ leiden.

Zu diesem Fazit kommen die Volkswirte des global führenden Kreditversicherers Euler Hermes SA Paris, eine Tochter der Allianz SE aus Deutschland, in ihrer Studie „Brexit me if you can“.

Exporte in Höhe von rund 30 Milliarden Britischen Pfund (GBP) wären für die britische Wirtschaft in Gefahr. Das entspricht acht Prozent aller britischen Warenausfuhren. Dies hätte direkten Einfluss auf die Umsätze der Unternehmen im Vereinigten Königreich. Wenn es ganz schlimm kommt und das „Worst-Case-Szenario“ eintritt und Großbritannien tatsächlich aus der Europäischen Union (EU) austreten sollte. Die einzige Rettung wäre zeitgleich ein Freihandelsabkommen mit den Europäern abzuschließen.

Eine erhebliche Kapitalflucht wäre zudem eine Konsequenz: Auf bis zu 210 Milliarden Britische Pfund beziffert Euler Hermes die Investitionen, die in den ersten vier Jahren nach dem Referendum verloren gehen würden. Durch die große Unsicherheit des Ausgangs des Referendums dürfte sich bereits im laufenden Jahr das Wirtschaftswachstum im Inselstaat auf 2,1 Prozent und im kommenden Jahr sogar auf 1,9 Prozent verlangsamen.

Großbritannien würde um Jahrzehnte zurückgeworfen

„Die Umsätze der britischen Unternehmen würden im Falle eines Brexit pro Jahr um rund ein Prozent schrumpfen. Bei einem Verbleib in der EU – wovon wir derzeit ausgehen – würden sie ab 2017 hingegen um durchschnittlich vier Prozent pro Jahr wachsen. Für einige Unternehmen wäre ein Austritt demnach fatal. Großbritannien bräuchte zudem mindestens zehn Jahre, um die durch einen möglichen Brexit entstehende Lücke bei den Exporten zu schließen – selbst wenn ein Teil durch den Handel mit den Commonwealth Staaten kompensiert werden könnte“, sagte Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Euler Hermes Gruppe.

Finanzplatz London wäre fast am Ende

Die britische Finanzindustrie wäre vom möglichen Brexit besonders hart betroffen und London würde sicher seine Vormachtstellung bei den führenden europäischen Handelsplätzen einbüßen. Britische Banken könnten nicht mehr von den günstigen Finanzierungsbedingungen der Europäischen Zentralbank (EZB) profitieren und die Bank of England würde die Zinssätze anheben müssen, um die Inflation zu bekämpfen. Für Unternehmen hätten die höheren Finanzierungskosten direkte Auswirkungen auf ihre Gewinnmargen.

Britische Industrie verliert dramatisch

Für die britische Automobilhersteller, Autozulieferer, Maschinenbauer, Chemie-, Lebensmittel- und Energieunternehmen wäre der Austritt ein Fiasko, da sie allesamt eine große Abhängigkeit vom europäischen Binnenmarkt haben. 60 Prozent der verlorenen britischen Exporte würden auf Deutschland, die Niederlande, Frankreich und Irland entfallen.

Zölle und Handelsbarrieren wären wahrscheinlich

„Aber nicht nur der britische Export wäre betroffen, sondern auch der Import“, warnt Subran. „Importierte Güter könnten aufgrund der Abwertung des Britischen Pfunds steigen sowie durch neu erhobene Zölle seitens der EU oder Großbritanniens, um die lokale Produktion zu steigern und den Re-Industrialisierungs-Prozess zu beschleunigen. Auch weitere Handelsbarrieren wären denkbar wie neue Produktstandards bei Verpackung, Etikettierung oder Hygienevorschriften. Kombiniert mit starken Abhängigkeiten könnte dies für einige Branchen ein Teufelskreis werden. Die britische Automobilindustrie ist von ihrer Lieferkette beispielsweise komplett von Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien abhängig. Ausländische Automobilhersteller hätten ohne die europäische Nachfrage im Rücken zudem keinen Anreiz mehr in Großbritannien zu fertigen.“

finanzwelt-Fazit: Zuerst wollten die Briten auf ihrer Insel dem Rest von Europa zeigen, dass sie die feinere und bessere Gesellschaft sind und nicht auf das „Armenhaus“ Europa angewiesen wären. Langsam dämmert es den Verantwortlichen, dass ein Brexit ein Eigentor ist. Sogar die Schotten könnten sich zu Europa bekennen, um sich von den dann auch noch wirtschaftlich uninteressanten Engländern zu trennen. Irland lacht sich sowieso auf seiner Insel ins Fäustchen, weil der Nachbar auf der größeren Insel den Irländern das Europageschäft ohne Kampf überlässt.

Dietmar Braun