Brexit – der 23. Juni und mögliche Folgen

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Guido vom Schemm, Geschäftsführer GVS Financial Solutions GmbH / Foto: © GVS

Europa zittert vor dem britischen Referendum am Donnerstag. Mit welchen Folgen müsste man, bei einer Mehrheit für den Austritt aus der EU, auf der Insel und auf dem Kontinent rechnen?

Ein Brexit würde zunächst die Finanzmärkte mitten ins Mark treffen. Kurzfristig dürften hier trotz Unterstützung der Notenbanken Kursrückgänge von bis zu 10 % zu erwarten sein.  Setzt sich der Zerfall der EU-/Euro-Ländern fort, sollten Börsenrückgänge von weiteren 40 % nicht überraschen. Immerhin könnte am Sonntag bereits das nächste EU-Standbein in Spanien wegbrechen. Im weiteren Verlauf könnte der Euro dann seine historischen Tiefststände testen, da Investoren ihre Investments aus der Region abziehen werden. Großbritannien hätte zunächst bei der Brexit-Entscheidung 24 Monate Zeit neue Verträge auszuhandeln, um Einfuhrzölle in die EU zu begrenzen. Ob dies gelingt bleibt abzuwarten, solange die Briten als „EU-Deserteure“ gelten. Immerhin gehen 15 % des BIPs der Briten in die EU, wohingegen die EU nur 2,5 % des BIPs nach Großbritannien exportiert. Die mögliche Einsparung von 5 Mrd. Euro, die bisher jährlich nach Brüssel flossen, könnte als Wirtschaftsstimuli nicht ausreichen, um die britische Wirtschaft von einer empfindlichen Rezession zu schützen. Immerhin könnten bis zu einer Million Arbeitsplätze  unmittelbar dem Brexit zum Opfer fallen. Auch ein Befeuern durch die Notenbank und ein niedriger Wechselkurs können die gravierenden Folgen höchstens mildern. Langfristig dürfte die Wirtschaftskraft 5 % ihres BIPs verlieren. Am Ende des Tages könnte das  „Empire Great Britain“ sogar zum „provinziellen Little Britain“ mutieren. Für die EU birgt ein Brexit die Gefahr, dass die Eurosklerose damit an Fahrt gewinnen dürfte und die EU an den Rändern ausfransen wird. Neben den politischen Begleiterscheinungen wird Deutschland der größte Verlierer sein. Einerseits wird der deutsche Staat von den britischen 5 Mrd. Euro knapp die Hälfte schultern müssen und den Haushalt folglich zusätzlich belasten. Anderseits exportieren deutsche Firmen jährlich 120 Mrd. Euro an Gütern nach Großbritannien. Wechselkursbedingte Margen- und Umsatzrückgänge wären die Folge. Insbesondere der Automobilsektor könnte unter die Räder kommen, denn jedes fünfte deutsche Auto fährt auf der Insel.

Analyse von: Guido vom Schemm, GVS Financial Solutions GmbH