Blick in die Zukunft

24.02.2020

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Die Diskussion um die weltweite Klimaveränderung nimmt an Schärfe zu. Im Fokus steht auch die Mobilität – und hier ganz besonders das Auto. Deutschland hat die Entwicklung hin zu elektrisch betriebenen Fahrzeugen in der Vergangenheit weitgehend verschlafen. Doch vor allem die staatlichen Förderungen beim Kauf eines an sich teureren E-Autos machen dessen Erwerb zunehmend überlegenswert. Darauf stellt sich auch die Versicherungsbranche ein.

48.000 Autos mit Elektroantrieb waren im Juni vergangenen Jahres auf Deutschlands Straßen unterwegs. Bei 47 Mio. Pkws ist das ein verschwindend geringer Anteil, wenngleich die Steigerungsrate imponiert: Ein Jahr zuvor waren es nur 34.000 alternativ betriebene Fahrzeuge, die Steigerungsrate liegt also bei 41 %. Und es ist davon auszugehen, dass der Bestand angesichts der extrem geführten Klimadebatte und staatlicher Förderung in den kommenden Jahren rapide wachsen wird. Davon gehen auch die ersten Versicherer aus. Zurzeit sind es noch wenige, die spezielle Policen für E-Autos anbieten. Viele andere warten noch ab, über kurz oder lang werden sie jedoch folgen müssen. Wobei der Versicherungsschutz an sich von demjenigen etwa für Benziner deutlich abweicht, wie Michael Ludwig, Abteilungsdirektor Kraftfahrt der BGV / Badische Versicherungen, erklärt: „Grundsätzlich erhalten Elektrofahrzeuge bei uns den normalen Versicherungsschutz aus Haftpflicht, Voll- und Teilkasko. Zusätzlich haben wir seit dem neuen Tarif vom Juni 2019 besondere Leistungen für Elektrofahrzeuge in unserem Angebot.“ Hierzu gehöre etwa der Akkuschutz. Dies sei eine Mitversicherung des Akkus gegen alle Gefahren bei Elektro- und Hybridfahrzeugen in der Vollkaskoversicherung, mit Ausnahme von Verschleiß, Konstruktionsfehlern und chemischen Reaktionen. Zudem seien mehr Teile mitversichert. Genauer: unter Verschluss gehaltene mobile Akkuladegeräte und beispielsweise in der Garage festeingebaute Akkuladestationen; jeweils bis zu einer Obergrenze von 1.000 Euro. Und im Schutzbrief gelte die unbeabsichtigte Akku-Entladung inzwischen als ‚Panne‘. Der HDI bietet zwar keinen gesonderten Tarif, dafür aber einen Zusatzbaustein speziell für Elektro- und Plugin-Pkw an, wie Torsten Sauer, Leiter Produktmanagement Kraftfahrt der HDI Versicherung AG sagt: „Er bietet unter anderem eine Allgefahrendeckung für den Akku und die Mitversicherung von Ladestation und Ladekabel.“ Auch Christoph Meurer, Generalbevollmächtigter der Itzehoer Versicherungen, weist darauf hin, dass der hohe Wert des Akkus zu anderen Schadenbildern führen kann und deshalb besonders berücksichtigt werden muss.

Es wird kein Unterschied gemacht

Natürlich drängt sich hier die Frage auf, wie Tarife auf diesem Neuland eigentlich stimmig kalkuliert werden können. Hierzu sagt Meurer: „Aktuell verwendet die Itzehoer für Autos mit E-Antrieb und mit konventionellem Antrieb die gleichen Kalkulationsparameter. Dies rührt auch daher, dass die Datenbasis für separate Kalkulationsparameter trotz unseres recht hohen Marktanteils bei E-Autos bisher zu klein ist.“ Man beobachte aber im Bestand tendenziell eine niedrigere Schadenhäufigkeit bei E-Autos, wohingegen die Schäden im Durchschnitt teurer seien. Die beiden Effekte würden sich zurzeit gegenseitig aufheben. Auch bei der BGV / Badische gibt es bis auf einen fünfprozentigen Öko-Rabatt keine gesonderte Kalkulation. Sauer richtet den Blick in die Zukunft: „Mit steigenden Bestandszahlen und zunehmenden Schadenereignissen kann es hier zu Veränderungen kommen.“ (hdm)