Biotech-Aktien können für ordentliche Performance sorgen

Dr. Martin Stötzel, Managing Partner bei der unabhängigen Vermögensverwaltung Rhein Asset Management (Luxemburg und Düsseldorf) / © Foto: Rhein Asset Management

Biotech ist ein Wachstumsmarkt auch für Anleger, die von den spannenden Entwicklungsperspektiven profitieren können. Viele Unternehmen haben sich zu echten Substanzwerten entwickelt.

Der globale Gesundheitsmarkt brummt: Die Investitionen in allen Bereichen steigen, bis 2020 werden allein in Deutschland rund 90 Milliarden Euro mit gesundheitlichen Dienstleistungen umgesetzt. 2016 waren es etwa 75 Milliarden Euro, von denen allein circa 47 Milliarden Euro auf die Pharmaindustrie entfallen sind. Die Tendenz ist steigend, denn in Zukunft werden unter anderem aufgrund der demografischen Entwicklung immer höhere Ausgaben für die Gesundheit erwartet. Ganz zu schweigen von dem Wunsch vieler Menschen, so lange wie möglich fit und agil zu bleiben – dafür setzen sie natürlich auch auf medizinische Produkte.

Ein Bereich der Gesundheitswirtschaft steht dabei besonders im Fokus. Die Biotechnologie kombiniert unter anderem Erkenntnisse aus Mikrobiologie, Biochemie (Chemie), Molekularbiologie, Genetik und Bioinformatik, um daraus neue Diagnosemethoden und Präparate, beispielsweise in der Gen- und Krebsforschung, zu entwickeln. Die USA sind der führende Markt für Biotech-Unternehmen, aber auch in Deutschland ist ein Wachstum spürbar. „Die deutsche Biotechnologie-Branche wächst seit Jahren kontinuierlich und bildet einen zentralen Eckpfeiler für den Aufbau einer biobasierten Wirtschaft“, heißt es beispielsweise beim Bundeswissenschaftsministerium.

Biotech ist also ein Wachstumsmarkt auch für Anleger, die von den Entwicklungsperspektiven profitieren können. Mit hochspekulativen Investments haben die Werte grundsätzlich nichts zu tun, gerade weil viele Unternehmen schon lange am Markt sind und sich den Ruf eines Substanzwertes aufgebaut haben. Dazu zählen Unternehmen wie Amgen oder Biogen mit kontinuierlichen Wertentwicklungen und stabilen Dividendenrenditen von aktuell knapp drei Prozent (Amgen). Die Biogen-Aktie hat sich in den vergangenen fünf Jahren fast verdoppelt und steigt seit Anfang des Jahres unaufhörlich.

Auch der NASDAQ BIOTECHNOLOGY Index, der die führenden Biotechnologie-Werte der USA zusammenfasst, hat im gleichen Zeitraum rund 85 Prozent gewonnen – und das mit nur einer richtigen Delle von Herbst 2015 bis Frühjahr 2016, die aber schnell wieder aufgeholt wurde. Das zeigt die Bedeutung der Branche und die Akzeptanz bei den internationalen Investoren.

Ebenso spannend ist der Blick auf eher unbekannte Unternehmen, die mit einem Medikament oder einem Diagnoseverfahren kurz vor dem Durchbruch stehen. Gelingt dieser Durchbruch, sind erstaunliche Gewinne für die Investoren drin – die oftmals durch eine anschließende Übernahme nochmals gesteigert werden können. So hat beispielsweise vergangenen Sommer der US-Biotech-Gigant Gilead Sciences für 11,9 Milliarden US-Dollar das kleine US-Biotech-Unternehmen Kite Pharma übernommen, das zuvor nur mit etwas mehr 2,3 Milliarden US-Dollar an der Börse bewertet wurde. Oder Eli Lilly: Der Pharmariese hat sich Armo Biosciences 1,6 Milliarden US-Dollar kosten lassen. Das bedeutete einen Aufschlag von 200 Prozent im Vergleich zum Niveau von 17 US-Dollar beim Börsengang. Ein Geldregen für die Investoren.

Anleger können also durch gut ausgewählte Biotech-Aktien-Investments für eine ordentliche Performance in ihren Depots sorgen. Biotech-Werte sind definitiv keine Titel, die sich nur an Profis richten, eine Quote von fünf bis zehn Prozent des generellen Aktien-Investments ist durchaus auch für den normalen Privatanleger möglich.

Besonders interessant wird eine Biotech-Strategie übrigens, schaut man auf eine aktuelle Untersuchung des deutsch-österreichischen Fintechs seasonax. Die Analysten haben festgestellt, dass der Monat Juli bei der Performance Biotech- und Pharmaunternehmen gehört. Dies hat das Haus anhand von zehn Juli-Analysen herausgefunden. Es kann also durchaus Sinn ergeben, diese Saisonalität als Investment-Faktor dauerhaft zu betrachten.

Kolumne von Dr. Martin Stötzel,
Managing Partner bei der unabhängigen Vermögensverwaltung Rhein Asset Management (Luxemburg und Düsseldorf)