Best-in-Class

Konkret bedeutet das, wer die 75 %- Regel einhalten wolle, schließe den größten Teil der nachhaltigen Unternehmen aus. Das sei nicht im Sinne des Erfinders. Für Anleger bedeute es außerdem ein höheres Anlagerisiko und gleichzeitig schlechtere Renditeerwartungen aufgrund der neuen Einschränkung. Eine sinnvollere Variante sieht der IVA-Vorstand darin, sich an die anderen beiden Möglichkeiten im Entwurf der Richtlinie zu halten: „Für passive Fonds und ETFs die Abbildung eines nachhaltigen Index, für aktiv gemanagte Fonds das Verfolgen einer ‚nachhaltigen Anlagestrategie‘, zum Beispiel einer Best-in-Class-Strategie. Hiermit eröffnet die BaFin Fondsgesellschaften und Fondsberatern die Möglichkeit, schon in den nächsten Jahren so anzulegen, dass es für die Umwelt tatsächlich etwas bringt.“

Lösung: Best-in-Class?

Beim Best-in-Class Ansatz werden aus jeder Branche die vorbildlichen Unternehmen auswählt, insbesondere aus Sektoren, die die Umwelt stark belasten. Denn besonders dort können die Unternehmen auch besonders viele Verbesserungen bewirken. Der Fokus liegt also darauf, den Unternehmen Anreize zu geben, Geld in umweltschonende Maßnahmen zu investieren. Best-in-Class-Investment sorgt dafür, dass Aktien vorbildlicher Unternehmen verstärkt nachgefragt werden, was wiederum zu Kursgewinnen führt. Aktien von wenig nachhaltigen Unternehmen werden verkauft – auch wenn die Gewinne hoch sind, sodass ihre Kurse sinken. So werden Konzernvorstände und Aktionäre bewegt, ihre Betriebe auf Nachhaltigkeitskurs zu bringen, denn ihre Gehälter sind abhängig von den Aktienkursgewinnen. Das Best-in-Class Prinzip bringt damit die Anreize der Akteure in Einklang mit dem Ziel mehr Nachhaltigkeit zu erreichen. „Dieser Ansatz geht anfangs gegen die Intuition umweltbewusster Anleger, ist aber ein Vielfaches effektiver als nur Ausschlüsse“, unterstreicht Dr. Dirk Rathjen. Außerdem reguliert sich der Markt so selbst und kann damit einen Vorsprung zu der gesetzlichen Regulation aufbauen.

Das größte Problem bei der Vereinigung von Fonds und Nachhaltigkeit sind aber nicht die regulatorischen Herausforderungen, sondern Fondsanbieter, die behaupten nachhaltig zu arbeiten, es dann aber gar nicht tun. So besteht ein Bedarf an externen Kontrollen. Das IVA führt diese Kontrollen beispielsweise durch. Dafür erhält das Institut von Portfolioanbietern mindestens ein Jahr lang einmal pro Quartal den aktuellen Portfoliobestand. Anhand dessen erstellt das Institut ein differenziertes Nachhaltigkeitsprofil erstellt, das auch in einem Zertifikat abgebildet wird. Da noch keine einheitlichen Richtlinien für nachhaltige Fonds existieren, erfolgt die Bewertung anhand konsolidierter Einschätzungen mehrerer renommierter ESG-Rating-Agenturen. „Auf diese Weise können die Anleger Vertrauen haben, dass ihr nachhaltiges Portfolio auch wirklich nachhaltig ist“, erklärt Dr. Dirk Rathjen abschließend. (lb)