Beliebt, aber kein Allheilmittel

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Private Vorsorge ohne Kapitalmarktprodukte kann ins Leere führen. Doch wie lautet die Losung für die richtige Verteilung über die einzelnen Assetklassen? Vermögensverwaltende Fonds, in der Fortführung der bekannten Mischfonds, sind bei Beratern und Kunden sehr gefragt.

Die Gelder fließen zu den bekannten Namen, die mitunter milliardenschwere Fonds verwalten. Machen wir uns nichts vor. Die nachwachsende Generation muss sich im Rahmen der eigenen Altersvorsorge mit den Kapitalmarktprodukten auseinandersetzen, denn diese sind die Renditetreiber der Zukunft. Die Dürre in der Zinslandschaft hält an, die Börsenkurse erleben mitunter eine Berg- und Talfahrt. Eine der beliebtesten Anlagelösungen der jüngeren Zeit sind sogenannte „Vermögensveraltende Fonds“ (VV-Fonds). Soweit so gut. Gleichzeitig liegt hier schon der erste Haken. Eine einheitliche, allseits anerkannte und angewandte Definition vom Typus der VV-Fonds gibt es nicht. Einige Anbieter grenzen das in Frage kommende Anlageuniversum strikt ein, andere wiederum mögen es breiter und beziehen 6 oder noch mehr Anlageklassen mit in die Definition vermögensverwaltender Fonds ein. Gemeinsamer Nenner ist der Gedanke einer breiten Streuung, die eine Risikoreduzierung im Portfolio ermöglichen soll. Natürlich sollen auch diese VV-Fonds eine ansehnliche Rendite einbringen, doch entscheidend ist eine gewisse Absicherung, wenn es mal nach unten geht. Aktien ja, aber zuvorderst im Mantel der gemischten Lösungen/ Multi Assets. Berater sollten beim Gespräch aber bedenken, dass auch diese Produkte nicht die „eierlegende Wollmilchsau“ sind. Mitunter schneiden sie in der Performance etwas schlechter ab, oder ihre Kostenstruktur ist nicht die Beste. Gleichwohl: Vermögensverwaltende Fonds können zunehmend ein integraler Baustein für die eigene Altersvorsorge sein. Befürworter sprechen sogar von einem tragfähigen Kerninvestment und verweisen auf die inhärente Möglichkeit des Fondsmanagements, jederzeit das Risiko zu reduzieren, wenn sie es für richtig erachten. Im Zweifel sollten größere Renditechancen zu Gunsten des Risikoverzichts ausgelassen werden. Nicht alle sehen das so. Frank Huttel, Prokurist / Leiter Portfoliomanagement der FiNet Asset Management AG, bemerkt kritisch: „Zuallererst kann man einmal feststellen, dass der Erfolg der Fonds für die künftigen Probleme verantwortlich sein wird. Viele Fonds wurden mit Milliarden an Zuflüssen bedacht. Diese Mittel können nicht mehr wie früher in eher illiquide Anleihen und Aktien investiert werden. Somit fällt ein Renditetreiber aus und wird eher zum Risiko. Viele große Fonds werden auch dazu verdammt sein, Anleihen bis zur Endfälligkeit zu halten. Problematisch wird es vor allem dann, wenn Investoren Geld abziehen. Daraus kann nur folgen, dass man sich in der Fondsauswahl eher auf mittelgroße Produkte konzentrieren muss, die dynamisch auf Marktveränderungen reagieren können und im Zweifel auch „short“ gehen dürfen.“ Dennoch überwiegen die optimistischen Stimmen, zumal es für die Fondsgesellschaften ein gutes Geschäft ist.

Akzeptable Rendite bei eingeschränktem Risiko.

Das klingt doch sehr verlockend und schlägt sich auch in Zahlen nieder. 2015 war sowieso laut des deutschen Fondsverbands BVI ein außergewöhnlich gutes Jahr für die deutsche Fondsbranche. Gemischte Fondslösungen, zu denen VV-Fonds zählen, führten im vergangenen Jahr die Absatzliste mit Rekordzuflüssen von knapp 39 Mrd. Euro an. Anleger bevorzugten dabei Produkte mit einem etwas höheren Aktienanteil. So sammelten Mischfonds, die mindestens ein Drittel in Aktien investieren, 28 Mrd. Euro ein. Das lässt sich wiederum auf die quasi „Alternativlosigkeit“ von Aktien zurückführen. Dieser Trend könnte Bestand haben und sich 2016 fortsetzen, wie auch FiNet-Experte Huttel mit Einschränkung unterstreicht: „Für Fonds mit der Möglichkeit, höhere Aktienquoten zu fahren, diese aber auch dynamisch zu steuern, sehe ich gute Chancen in 2016. Allerdings steigen bei der Selektion auch die Managerrisiken.“

Kleider machen Leute und große Namen ziehen an.

Wie schaut es nun mit der Performance aus? Eine Auswertung des Analyseportals Asset Standard kommt zum Schluss, dass während der zwei volatilen Börsenmonate Dezember und Januar vor allem jene defensiv ausgerichtete VV-Fonds gut abgeschnitten hätten, die ihr Portfolio absicherten. Erfolgreichster defensiver VV-Fonds, so Asset Standard, war im besagten Zeitraum der JPM Global Capital Preservation, der es bei einer annehmbaren Volatilität von 3,06 % auf eine Rendite von 2,05 % brachte. Allerdings konnten sich auch die defensiv ausgerichteten VV-Fonds nicht völlig dem negativen Börsenumfeld entziehen und bestanden nicht den Härtetest. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Neugelder zum weitaus größten Teil in bekannte und volumenmäßig schwere Fonds wandern. Das bescheinigt auch eine Auswertung von Asset Standard aus dem vergangenen Jahr. Demnach verwalteten die zehn größten Produkte im VV-Universum ein Viertel des gesamten Volumens der Branche. So zieht beispielsweise der schon 2002 aufgelegte Ethna-Aktiv, gemanagt von Luca Pesarini, neue Mittel an. Der Fonds investiert sein Vermögen in Wertpapiere aller Art, zu denen u. a. Aktien, Renten, Geldmarktinstrumente, Zertifikate und Festgelder zählen. Der Anteil an Aktien, Aktienfonds und aktienähnlichen Wertpapieren darf dabei insgesamt 49 % des Netto-Fondsvermögens nicht übersteigen. Mit Ausnahme des vergangenen Jahres konnte der Fonds in den Jahren 2012-2014 zwischen 5 und 10 % p. a. hinzugewinnen. Auch der BGF Global Allocation Fund gehört zur Riege der großen VV-Fonds. Der Fonds legt weltweit und ohne Beschränkung in Aktien, Schuldtitel und kurzfristige Wertpapiere von Unternehmen oder staatlichen Emittenten an. Ende Februar lag die Aktienquote bei knapp 60 %. Der Fonds kommt auf eine 3-Jahresperformance von über 26 %. In dieser Aufzählung darf das große Flaggschiff, der Carmignac Patrimoine, nicht fehlen. Der 1989 aufgelegte Fonds investiert in internationale Aktien und Rentenwerte. Aktuell hat das Fondsmanagement ein USA-Exposure von 38 %; die Aktienquote liegt bei 37 %. Last but not least findet der auch bei Beratern sehr bekannte Flossbach von Storch SICAV – Multiple Opportunities R Erwähnung. Auf Fünf-Jahres-Sicht mit Stichtag 31.01.2016 legte der Fonds laut einer aktuellen Studie der Ratingagentur FERI Eurorating Services um durchschnittlich 9 % jährlich zu. Fazit Vermögensverwaltende Fonds stechen durch ihre breite Streuung über viele Assetklassen hervor. Berater können in diesen Produkten, die oftmals synonym mit Mischfonds verwendet werden, ein Kernbestandteil eines ausgewogenen Portfolios sehen. Allerdings sind sie kein Allheilmittel für jegliche Börsenphasen. Auch flexible VV-Fonds mussten in den jüngsten Stresszeiten Federn lassen. Große Namen dominieren dabei die Rangliste der beliebtesten Fonds. (hsd) (Vermögensverwaltende Fonds / finanzwelt 02/2016)