Außenpolitische Kehrtwende

Michael Beck, Leiter Asset Management Ellwanger & Geiger / Foto: © Ellwanger & Geiger

Donald Trump überrascht weiter. Diesmal betrifft dies die US-amerikanische Außenpolitik. Letzte Woche noch war klar, dass sich die USA gemäß den Wahlkampfversprechen Trumps nur noch auf sich besinnen werden und die Konflikte in der Welt Konflikte sein lassen. Nun drehte sich dieses Bild nach der Militäraktion gegen das Assad-Regime komplett. Mit Wohlwollen registriert die internationale Staatengemeinschaft, dass sich die USA ihrer Verantwortung als eine der wichtigsten Nationen der Welt wieder bewusst werden. Nun scheint es aber leider so zu sein, dass nach der großen Entlassungs- und Verkleinerungswelle die meisten wichtigen Positionen im Außenministerium nicht besetzt sind, was Fragen nach der umfassenden Funktionsfähigkeit des Außenministeriums aufwirft. Da auch jedwede Erklärung über eine außenpolitische Strategie fehlt, drängt sich der Eindruck einer impulsiven und ungeplanten Vorgehensweise auf. Mit dem Thema Syrien ist das noch beherrschbar, beim Thema Nordkorea wachsen die Sorgen jedoch beständig. Zumal Donald Trump immer wieder bestätigt, auch ohne China handeln zu wollen. Dabei war das Treffen des chinesischen Ministerpräsidenten mit dem US-Präsidenten sehr harmonisch verlaufen und öffnete einige Optionen, den befürchteten Handelskrieg mit China im Speziellen und der Welt im Allgemeinen zu verhindern.

Dies stützt die Aktienmärkte derzeit, sodass die politischen Unwägbarkeiten die Stimmung noch nicht zu sehr belasten. Mit Argusaugen wird jede neu veröffentlichte Wählerbefragung in Frankreich betrachtet. Noch scheinen die Verhältnisse so zu sein, dass ein Wahlsieg des gemäßigten Präsidentschaftskandidaten Macron wahrscheinlich ist. Das Vorrücken des linksgerichteten, ebenfalls europakritischen (bisherigen) Außenseiters Mélenchon sorgt zumindest für einige Sorgenfalten auf den Stirnen mancher Investoren. Solange diese politischen Unsicherheiten nicht gelöst sind, bleibt der Deckel auf den Aktienmärkten bestehen. Die volatilitätsarme Seitwärtsbewegung dürfte uns daher mindestens bis nach der Wahl in Frankreich erhalten bleiben. Verantwortlich für die hohen Indexstände sind die verbreitet sehr positiven Stimmungsindikatoren, die innerhalb der nächsten sechs Monate gute Konjunkturverläufe anzeigen. Eine wichtige Voraussetzung für das Verbleiben der Aktienmärkte auf ihren hohen Niveaus oder sogar das Weiterlaufen in Richtung der allseits nach oben angepassten Index- Erwartungen ist, dass die harten, realen Wirtschaftsdaten diese positiven Stimmungsbilder untermauern können.

Marktkommentar von Michael Beck, Leiter Asset Management ELLWANGER & GEIGER