Ausblick 2016

• Rückenwind ist (noch) stärker als Gegenwind
• Europäische Aktien noch mit Aufwärtspotential
• Opportunitäten in Rohstoffaktien und Schwellenländeraktien
• Absolute Return Fonds lösen Mischfonds als Stabilisator ab

Traditionell zum Jahreswechsel richtet sich der Blick der Anleger auf die Frage, wie sich die Märkte in 2016 entwickeln werden. Passend dazu veröffentlichen die Banken Indexstandprognosen zum Jahresende. In unseren Augen ist es ratsam anzuerkennen, dass niemand die Zukunft vorhersagen kann, schon gar nicht so punktgenau, wie es suggeriert wird. Daher ist für uns viel wichtiger, sich mit den aktuellen Rahmenbedingungen zu beschäftigen und eine Evaluierung der Anlagepreise vorzunehmen. Was sagen uns diese über Anlagechancen und Risiken? Welche fundamentalen Einflüsse sind unterstützend, welche sorgen für Gegenwind? Auf Basis dieser Überlegungen können wir eine geeignete Anlagestrategie entwickeln, auch ohne die Zukunft zu kennen.

Rohstoffaktien und Schwellenländeraktien bieten Chancen
Mit Blick auf die Welt sehen wir zunehmend ein geteiltes Bild der wirtschaftlichen Entwicklung. Auf der einen Seite stehen die Schwellenländer die unter einer Abkühlung leiden. Ein starker US-Dollar, fallende Rohstoffpreise sowie steigende Haushaltsdefizite sind meist die Gründe dafür. Auch China als wirtschaftlicher Elefant der Schwellenländer ist von einem verlangsamten Wachstum betroffen. In der Folge verkauften verunsicherte Investoren ihre Anlagen in Rekordhöhe. Neben Rohstoffen wie Öl, Gold und Kupfer sind es vor allem die Aktienmärkte der Schwellenländer, die in der Gunst der Anleger derzeit ganz weit unten stehen. Das bedeutet aber auch, dass bereits ein sehr pessimistisches Bild in den Kursen eingepreist ist und sich hier Opportunitäten für geduldige Anleger eröffnen.

Auf der anderen Seite steht vor allem die USA mit ihrem andauernden soliden Wirtschaftswachstum. Die Daten des Arbeitsmarktes signalisieren eine stetige

wirtschaftliche Verbesserung, so dass die Zentralbank wohl noch im Dezember 2015 die Zinsen erhöhen wird. Aber auch in Europa und Japan gibt es valide Anzeichen, dass die wirtschaftliche Entwicklung zunehmend auf breiteren Füßen steht. Beispiele sind die rückläufige Arbeitslosenquote und ein besserer Zugang der Unternehmen zu Krediten.

Die Dispersion der wirtschaftlich unterschiedlichen Entwicklungen wird in der globalisierten Welt zu Anpassungen führen. Fundamentale Risiken, beispielsweise aus einigen Schwellenländern, werden aus unserer Sicht nur begrenzte Auswirkungen auf die Nachfrage in den Industrieländern haben. Die Chance besteht, dass diese Länder gezwungen sind, notwendige Reformen einzuleiten. In der Vergangenheit sind allerdings solche Anpassungen für die betroffenen Länder meist nicht ohne Friktionen bei entsprechenden Marktvolatilitäten abgelaufen.

Kredit-Superzyklus ist noch nicht zu Ende, die Systemstabilität nimmt ab
Die Verunsicherung durch die Finanzkrise 2008/2009 ist bei den Anlegern immer noch groß. Scheinbar trauen sie dem Braten nicht, dass wir seit einigen Jahren ein schwaches, aber stetiges Wachstum erleben. Und das nicht zu Unrecht. Die Systemstabilität hat seit der Finanzkrise aus unserer Sicht eher abgenommen. Die längere Phase geringem Wirtschaftswachstum, die als säkulare Stagnation bezeichnet wird, suggeriert ein weiterhin stetiges Wachstum. Aus unserer Sicht befinden wir uns eher in einem Kredit-Superzyklus, der nicht unendlich fortgeführt werden kann. So ist es nicht verwunderlich, dass selbst kleine Überraschungen auf der geldpolitischen Seite signifikante Kursbewegungen bei den nervösen Anlegern auslösen. Wir glauben, dass diese Volatilität uns auch in 2016 an den Märkten begleiten wird. Ein Ende des Kredit-Superzyklus sehen wir im kommenden Jahr allerdings noch nicht kommen.

Rückenwind ist (noch) stärker als Gegenwind
Die großen Zentralbanken versorgen das globale Wirtschaftssystem weiterhin mit ausreichend Liquidität. Auch wenn die US-Fed auf eine erste vorsichtige Zinserhöhung zielt, so sorgen EZB, Bank of Japan und People’s Bank of China für zusätzliche Wachstumsstimuli. Und die sinkenden Rohstoffpreise, allen voran das Öl, wirken wie ein riesiges Steuersenkungsprogramm bei den Konsumenten. Die Kombination beider Effekte dürfte ihre Wirkung in 2016 entfalten. Global sehen wir daher mehr Rückenwind für die Wirtschaft, als Gegenwind. Trotzdem bleibt es für die US-Fed eine schwierige Aufgabe, einen erfolgreichen Ausstieg aus der jahrelangen Niedrigzinspolitik zu vollziehen. Die Fed-Politik wird so zum Lackmustest für alle großen Zentralbanken. Scheitert sie, bedeutete das andauernde Niedrigstzinsen mit allen negativen Folgen für Sparer weltweit.

Europäische Aktien haben noch Aufwärtspotential
Unsere positive globale Wachstumsperspektive spielt der Aktie als Anlageklasse in die Karten. Von der Bewertungsseite sind die meisten Aktienmärkte jedoch eher teuer. Mit einem um den Konjunkturzyklus bereinigtes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) um 25 liegt der US- und japanische Markt am oberen Ende der historisch beobachtbaren Bewertungen. Die europäischen Märkte sind mit KGVs zwischen 12 und 18 dagegen fair bewertet. Historischen haben langfristig die Märkte die höchsten Renditen geliefert, deren KGVs unter 10 notierten. In einigen Schwellenländern ist das aktuell der Fall.

Die Attraktivität von Aktien wird vor allem im relativen Vergleich mit Anleihen deutlich. Eine Risikoprämie existiert, weil Anleihen teuer und nicht weil Aktien günstig sind. In solch einem Umfeld ist aus unserer Sicht eine behutsame taktische Übergewichtung von Aktien zielführen. Im Gegensatz sehen wir bei europäischen Staatsanleihen derzeit keinen Wert und vermeiden in diesem Bereich angesichts des Risikos steigender Zinsen weitestgehend Allokationen in diesem Segment.

Traditionelle Mischfonds raus, alternative Anlageklassen rein
Das Jahr 2015 hat uns gezeigt, wie schnell Schlagzeilen die Märkte beherrschen und ebenso schnell in den Hintergrund geraten. Die Ukrainekrise, Grexit, Konjunktursorgen in China, US-Zinsentscheid, Terror – all diese Themen sind nicht gelöst und können uns auch in 2016 wieder begegnen. Es können aber auch Themen wie der US-Präsidentschaftswahlkampf, Schwellenländerkrise oder ganz andere Ereignisse sein, welche die Nerven der Anleger auf eine harte Probe stellen. Wir sind davon überzeugt, dass eine solide fundamentale Analyse der sich bietenden Anlagechancen und Risiken in Kombination mit einer intelligent diversifizierten Anlagestrategie der beste Weg ist, um für Überraschungen gewappnet zu sein. Traditionelle Mischfondsansätze mit ihren fixen Anleihequoten, die in den vergangenen Jahren gute Ergebnisse geliefert haben, gehören nicht mehr zu unseren Bausteinen. Deren Schwachpunkte sind in 2015 zu Tage getreten. Wir setzten bei der Vermögensallokation auf alternative Anlageklassen, die weiterhin lukrative Renditechancen bieten und zusätzlich weniger abhängig von den Kursschwankungen der traditionellen Anlageklassen sind. Sachwertbeteiligungen, Private Equity und auch Absolute Return Produkte sind Beispiele für solche

Anlagealternativen. Diese sind zwar meist komplexer, als klassische Anlagen. Wir sind jedoch fest überzeugt, dass sich der Mehraufwand für eine umfassende Analyse gerade im aktuellen Anlageumfeld am Ende bezahlt macht.


Autor: Björn Siegismund, Chief Investment Officer der LARANSA PWM GmbH