Auch Loipfinger muss verkaufen

Foto: © Stefan Loipfinger

Stefan Loipfinger hat ein neues Buch herausgebracht, in dem sich (unter anderem) alle seine hervorragenden Qualitäten finden, die der Schreiber dieses Textes oft bewundert hat. Er hat völlig zurecht einen üblen Ruf bei den unseriösen Geschäftemachern in der Finanzbranche von den großen KAG bis hinunter zu halbseidenen Initiatoren von geschlossenen Fonds, die immer noch Glauben, dass die von den Anlegern finanzierten Schiffe, Gebäude oder Flugzeuge ihnen gehörten („ . . . unsere Schiffe“). Kurz: Er hat die richtigen Feinde, die ihm Ehre machen.

Gerade unter diesen erzeugt er manchmal regelrechten Haß durch sein unbeugsames Bohren nach Fakten, Daten und Belegen um Transparenz zu schaffen wo die Verantwortlichen sich mit Händen und Füßen dagegen sperren, die relevanten Tatsachen publik zu machen („ . . . dazu sagen wir nichts, das wollen die Anleger gar nicht wissen“ . . .) Ob bei seinen Recherchen über die fragwürdigen Praktiken oder offenen Immobilienfonds alten Stils oder einstmals in der direkten, persönlichen Konfrontation mit Initiatoren bei den Analysetagungen des DFI. Genau diese Qualitäten bietet auch sein neues Buch „Achtung, Anlegerfallen!“. Wenn er sich da die Hintertüren der Anbieter von Lebensversicherungen vornimmt oder die hinterhältige Gebührenschinderei im Geschäft mit Investmentfonds mit der desaströsen Leistung des Fonds-Managements kontrastiert, das ist Aufkärung im besten Sinne. Gleiches gilt, wenn er die geschlossenen Fonds alter wie neuer Prägung (AIF) seziert oder die verdeckten Ertragsströme beim Container-Leasing.

Leider steht noch mehr in seinem Buch. So regt Loipfiger sich in der Einleitung ganz furchtbar über EZB-Chef Mario Draghi auf, der geradezu zu eine Verkörperung des Bösen gerinnt. Loipfinger fährt dazu alle Versatzstücke der anti-Euro-Propaganda aus dem Sumpf der Rechtspopulisten auf.

Ganz vorne steht die ultralockere Geldpolitk der EZB mit Nullzinsen und quantitativer Lockerung, realisiert durch das Ankaufprogramm für Anleihen. Interessanterweise widmet er sich hier zunächst nur der EZB ganz allein, um den Untergang des Abendlandes oder doch wenigsten des Euro in Erwägung zu ziehen. Er geht dann zwar auch an anderer Stelle darauf ein, dass die EZB mit dieser Politik im Einklang mit allen wichtigen Notenbanken steht. Dabei findet er aber mit den astronomischen Größenordnungen (die sich bei der Aggregation der Bilanzsummen aller großen Notenbanken zwangsläufig ergeben) nur einen Aufhänger, um von noch viel größerem Unheil zu raunen. Eine Relativierung oder Einordnung seiner Kritik an der EZB findet dagegen nicht statt. Doch bleibt die Frage: Was wäre denn gewesen, wenn die EZB nicht ab Mitte 2012 angefangen hätte, die Leitzinsen zu senken? Zur Erinnerung: US-FED und Schweizer SNB setzten bereits im Dezember 2008 ihre Leitzinsen auf Null. Der EZB-Satz stand dagegen bei 1% und wurde dann 2012 zunächst in zwei Schritten auf 1,5% erhöht. Erst nach diesem wie pure Don Quichotterie Intermezzo folgte die EZB brav der anderen. Das wollen die braunen Krakeeler natürlich nicht wissen und Loipfinger lässt es stillschweigend unter Tisch fallen. Dass die EZB mit ihrer Politik den seit 2014 endlich erkennbaren Aufschwung maßgeblich angeschoben hat, wird ebenfalls nicht erwähnt.

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