Assekuranz besorgt über FREXIT

Taxi für EXIT aus Europa
Kommt nach BREXIT der FREXIT? Assekuranz zeigt sich besorgt. /Foto:© Photocreo - Fotolia.com Bednarek

In Paris hat der zweitgrößte Versicherer Europas, die AXA Group, vorläufige Zahlen veröffentlicht. Gerüchte um Übernahmen der italienischen Generali wurden dementiert. Europa macht aber Sorge.

Die Axa-Group aus Paris meldet eine Steigerung des Nettogewinns im Konzern um vier Prozent auf 5,83 Milliarden Euro. Der Umsatz in Bruttoprämieneinnahmen stieg 2016 um zwei Prozent auf 100,19 Milliarden Euro.

Auch die AXA Deutschland verzeichne eine kräftige Gewinnsteigerung als Folge der verbesserten Profitabilität der Lebens- und Krankenversicherung. CEO Thomas Buberl dementierte Gerüchte in der Branche die AXA interessiere sich neben der Allianz SE für mögliche Übernahmen des deutschen Leben-Geschäfts der kriselnden Assicurazioni Generali S.p.A. aus Italien. Wenn die AXA sich strategisch an anderen Versicherer beteilige, kämen nur Zukäufe in Asien bis zu einer Höhe von drei Milliarden Euro in Frage.

„Kleine Merger & Akquisitions-Deals machen keinen Sinn, ebenso ganz große, da wir bereits ein großer globaler Player sind”, sagte AXA-Chef Buberl vorab der Financial Times vor der Bilanz-Veröffentlichung.

Der AXA-Konzern habe durch viele große Akquisitionen mittlerweile eine „kritische Größe“ erreicht. Der gemessen am Marktwert zweitgrößte Versicherungskonzern in Europa erziele erstmals in seiner Geschichte einen Umsatz von deutlich über 100 Milliarden Euro. Zuwächse im Versicherungsgeschäft könnten sogar neun Prozent an Rückgängen in der Vermögensverwaltung ausgleichen. Axa hatte zuletzt bereits strategisch in schnell wachsende Märkte und in Schwellenländer investiert, um das durch anhaltend niedrige Zinsen erlahmte Wachstum anzukurbeln.

Buberl beabsichtigt die Anteilseigner mit einer um sechs Cent auf 1,16 Euro je Aktie erhöhte Dividende an dem Gewinnplus teilhaben lassen. Analysten hatten etwas mehr erwartet, deshalb lagen Axa-Papiere an der Börse zeitweilig leicht im Minus.

Im Schaden- und Unfallgeschäft kann AXA die Prämien auf 35,6 Milliarden Euro stabilisieren und leicht ausbauen. Das gelang durch durchgesetzte Prämien bei den Vertragsverlängerungen. Dem Umsatzplus von drei Prozent stand ein Prämienanstieg von 2,7 Prozent gegenüber. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) verschlechterte sich nur um einen halben Prozentpunkt auf 96,5 Prozent. Der Umsatz im Lebens- und Spargeschäft legte um zwei Prozent auf 60,3 Milliarden Euro zu. Im Asset Management sank er um drei Prozent auf 3,71 Milliarden Euro. Die Solvenzquote der AXA lag Ende des Jahres 2016 bei 197 Prozent, vor einem Jahr waren es noch 205 Prozent. Das ist aber immer noch doppelt so hoch, wie es die Versicherungsaufsicht erwartet.

Assekuranz besorgt wegen „Frexit”

AXA-CEO Buberl sprach von soliden Zahlen in einer herausfordernden Marktumfeld und den andauernden Niedrigzinsen in Europa. Politischen Unsicherheiten in den USA und Brexit-Folgen macht das Risiko-Management nicht leichter. Nationaler Unsicherheitsfaktor für die AXA Group bleibe die in zwei Monaten stattfindende Präsidentschaftswahl. Der Sieg der Front-National-Chefin Marine Le Pen, die den EU-Austritt forciert, sei nicht auszuschließen. Schon erörtern Banken und die Assekuranz Pläne für ein solches Szenario,  das einem Super-Gau für die französische Assekuranz und auch deutsche Versicherer gleichkommen würde und das Ende des bisherigen und gewohnten europäischen Binnenmarktes einläuten könnte.

Anfang des Jahres berichteten Medien, dass der ehemalige Axa-CEO Henri de Castries bei einem möglichen Wahlsieg des konservativen Kandidaten François Fillon einen Regierungsposten erhalten könne. Wegen der Scheinbeschäftigungsaffäre ermittelt seit dem 25. Januar die Staatsanwaltschaft gegen Fillon. In Umfragen konnte Fillon zuletzt einige Prozente gegenüber seinem unabhängigen Rivalen Emmanuel Macron zulegen. Beide würden laut Demoskopen die Kandidatin Le Pen in der Stichwahl besiegen, aber die Verlässlichkeit von Umfragen steht seit der Wahl in den USA in Frage.

Die Geschäftserwartung der AXA ist aufgrund des heimatlichen Marktes in Frankreich nicht ohne Einfluss vom Ausgang der Präsidentenwahl in Frankreich. Aber auch in der anstehenden Wahl in Deutschland sehe die Assekuranz eine hohe Bedeutung. (db)