App oder Fachbuch? Wie Moderne Lernkonzepte die Weiterbildung verändern

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Vor noch nicht allzu langer Zeit bedeutete „Lernen“ in den meisten Fällen das buchstäbliche Drücken der Schulbank. Dazu kamen das Wälzen von Fachbüchern sowie das Studieren persönlicher Mitschriften aus dem Unterricht. Dies alles fand weitgehend analog statt und die einzige greifbare Möglichkeit, Informationen schnell zu vervielfältigen, war oft ein Fotokopiergerät. Das galt für Schulen und Hochschule ebenso wie für die Erwachsenenbildung – und selbstverständlich auch für den Weiterbildungsbereich in der Finanz- und Versicherungswirtschaft.

Das klassische Lernen wird zwar auch weiterhin einen wichtigen Platz in unserer Bildungslandschaft einnehmen. Jeder, der sich heute und in Zukunft weiterbildet, wird aber einer Reihe neuer Lernformen begegnen, die durch die technischen Entwicklungen der letzten Jahre entstanden sind und die sich immer weiter etablieren werden.

Lernangebote in unterschiedlichen Varianten

Zu den wichtigsten dieser Lerntrends gehören Blended Learning, der Einsatz von Videos und Audiodateien, das Konzept des Microlearning sowie mobile Anwendungen. All diese Lernformen haben gemeinsam, dass sie teilweise oder vollständig auf digitalen Techniken beruhen. Während Lernen ohne Präsenzunterricht früher nur bei Fernstudiengängen denkbar war, sind zusätzliche Kommunikationstechniken heute auch aus dem regulären Lehr- und Lernalltag nicht mehr wegzudenken. Das gilt insbesondere auch im Bereich der Weiterbildung. Dank der flächendeckenden Verbreitung des Internets und entsprechender Endgeräte können Inhalte heute unkompliziert, schnell und kostengünstig verfügbar gemacht werden. Dadurch ist eine wachsende Anzahl von Lernangeboten für eine immer größere Gruppe von Menschen in unterschiedlichen Varianten zugänglich. Einige dieser neu entwickelten Lernvarianten möchten wir in diesem Beitrag vorstellen.

Blended Learning

Einer der maßgeblichen aktuellen Bildungstrends ist die immer passgenauere Mischung von analogen und digitalen Elementen. Bei diesem sogenannten integrierten Lernen oder englisch „Blended Learning“ werden die Vorzüge von Präsenzveranstaltungen mit denen des E-Learning kombiniert. Konkret bedeutet das eine Verbindung der Effektivität und Flexibilität von elektronischen Lernformen mit den sozialen Aspekten von Präsenzveranstaltungen. Im Idealfall greifen dabei die Präsenz- und Online-Phasen funktional und didaktisch sinnvoll ineinander. Blended Learning kommt mittlerweile in fast allen Bildungsbereichen zum Einsatz – vom Wochenendseminar bis zum akademischen Studiengang. Auch bei Weiterbildungen neben dem Beruf ist das Nebeneinander von analogen und digitalen Lernformen inzwischen selbstverständlich. Allerdings ist in den nächsten Jahren eine immer weitere Professionalisierung und Optimierung des Mischverhältnisses zu erwarten.

Einsatz von Videos und Audiodateien

Bild- und Tondateien können heutzutage einfach und schnell produziert, vervielfältigt und verbreitet werden. Sie haben sich zu unverzichtbaren Tools in der Bildung entwickelt. Lehrvideos und -podcasts haben in der Regel einen inhaltlichen Vermittlungsanspruch, sind nach didaktischen Kriterien aufbereitet und gleichzeitig unterhaltsam. Vielen Teilnehmern fällt mediengestütztes Lernen leichter als analoger Präsenzunterricht. So können nicht nur Lernzeitpunkt und Tempo individuell abgestimmt werden; bei audio- und visuellen Medien gibt es auch eine große Bandbreite an Möglichkeiten im Format und in der Gestaltung: Beliebte Formate umfassen kurze Erklärvideos und -podcasts, Tutorials sowie Live-Streams. Die Gestaltungsmöglichkeiten reichen von aufgezeichneten Präsentationen und Vorlesungseinheiten über grafische und sprachliche Erläuterungen bis hin zu spielerischen Geschichten mit Bezug auf Alltagssituationen.

Microlearning

Ein weiterer Lerntrend, der zurzeit verstärkt im Fokus steht, ist das Lernen in kleinen Lerneinheiten und kurzen Schritten. Durch Smartphones und Tablets gibt es viele Möglichkeiten, kleine Lernelemente sinnvoll und effizient in den Alltag der Teilnehmer zu integrieren. Über Apps und andere mobile Anwendungen können über Mediadateien, Quiztools sowie weitere Mikro-Elemente des E-Learnings kurze Informationseinheiten und Testfragen zum Beispiel zu Finanz- und Versicherungsthemen zielgerichtet übermittelt werden. So wird man als Lehrgangsteilnehmer aktiver in den Lernprozess eingebunden und zielgenau aufgefordert, kurze Aufgaben oder Problemstellungen anhand des Gelernten zu lösen. Dieser digitale, interaktive Prozess kann zudem individuell abgestimmt werden, was garantiert, dass man bei den einzelnen Schritten nicht überfordert wird. Zugleich erhält man dadurch stets einen guten Überblick über seinen aktuellen Wissensstand und kann sein Lerntempo selbst bestimmen.

Mobile Anwendungen

Lernapps liegen im Trend – das gilt neben dem Bereich der Schule und Hochschule ebenso für die Erwachsenenbildung und umfasst dabei auch die Finanz- und Versicherungswirtschaft. Die Vorteile: Informationen sind schnell, leicht und ortsunabhängig verfügbar, die Inhalte oft aktueller als in Fachbüchern und bei Online-Übungen erhält man sofortiges Feedback. Aufgrund ihrer Alltagstauglichkeit kommen mobile Anwendungen sowohl bei Konzepten des Blended Learning als auch beim Micolearning verstärkt zum Einsatz. Über eine Lernapp kann der gesamte Lernprozess individuell gesteuert, koordiniert und evaluiert werden. So erhält man als Teilnehmer von Seminaren, Weiterbildungen und Studiengängen sowohl kurze als auch umfangreichere Mediadateien zu Lernzwecken übersichtlich, direkt und ohne dass zuerst ein Desktop-PC oder Fachbuch verwendet werden muss.

Fazit

Für Teilnehmer von Weiterbildungen bieten die neuen, meist digitalen oder hybriden Lernkonzepte eine Reihe von Vorteilen. Dazu gehören mehr Flexibilität, bessere Anschaulichkeit (z.B. durch die Verwendung von Bildern statt Worten) sowie oft eine kleinteiligere Struktur mit kürzeren Lerneinheiten. Hinzu kommen die in vielen Fällen ständige Verfügbarkeit sowie die Möglichkeit, die Lernangebote ortsunabhängig zu nutzen. So entstehen Lernformen, die effizient und ressourcenschonend in den Alltag eingebaut werden können und gleichzeitig in weiten Teilen individualisierbar sind. Demgegenüber steht eine Reihe von Nachteilen bei den neuen Lernmethoden, die sich Weiterbildungsteilnehmer bewusst machen sollten. So wird bei vielen der Konzepte der soziale Aspekt vernachlässigt – obwohl Netzwerkbildung und persönlichem Austausch in vielen Berufsgruppen, auch in der Finanz- und Versicherungswirtschaft, eine zentrale Bedeutung zukommt. Auch passen nicht alle Lernmethoden optimal auf jede Lern- bzw. Weiterbildungssituation. Weiterbildungsinteressierte sollten deshalb stets auf eine sinnvolle und ausgewogene Mischung von digitalen und analogen Lernelementen achten.